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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-20 · Heft 38 (20.9.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 38 (20.9.1918)
Date
1918-09-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 etwa 7 Millionen, die Armenier (in Rußland und der Türkei) et-wa 3 Millionen zählen. Würde das Wachstum der jüdischen Bevölkerungszahl anhalten, so hätten die Juden in wenigen Generationen die großen europäischen Nationen an Zahl eingeholt. Da sich aber das Wachstum in der Letzten Zeit mehr und mehr ver-langsamt, so kann mit einer ähnlichen Steigerung wie im 19. Jahrhundert nicht mehr gerechnet werden. Immerhin ist es nicht unwahrscheinlich, daß die Zahl der Juden im 20. Jahrhundert ans 25 oder auch aus 30 Millionen ansteigen wird. Die größte relative Bevölkerungsziffer erreichen die Juden in Palästina. Dorlt leben 100 000 Juden — 1400 unter 10000 der Gesamtbevölkerung. — Die von Ruppin gegebene Gesamtziffer von 13% Millionen muß nach einer neuesten amerikanischen Zählung, die Ruppin noch nicht «kannte, noch um mindestens 500 000 erhöht werden, so daß sich die Gesamtzahl gegenwärtig auf 14% Millionen stellt. Nach der erwähnten neuen amerikanischen Zählung erreichte die Zahl der Juden allein tu den Bereinigten Staaten im Jahre 1917 3 012 141 — 3 Prozent der Juden, in Chicago 250 000, in Philadelphia 175 000. Das jüdische.Viertel in New Jork bildet eine Großstadt für sich mit ausgeprägtem eigenen jüdischen Leben. — Königsberg i. Pr., 13. September. Nach kurzem Leiden starb in Bad Wildlingen, wo er zur Kur weilte, im 71. Lebensjahre der Seniorches der Ledergroßhandlung Leopold Cohn, Kaufmann L e 0 p 0 l d C 0 h n. Er hat seine Firma, die er im Jahre 1878 übernahm, mit großem Erfolg geleitet und zu einer führenden Ledersirma in unserer Provinz gemacht. Sein bescheidenes Wesen und seine Schaffensfreude haben ihm einen geachteten Namen in der Königsberger Kaufmannschaft erworben. Auch in der Armen- und Wagenpflege unserer Stadt hat Leopold Cohn sich jahrelang betätigt. Auch war er ein treues Mitglied der Fortschrittlichen Bolkspartei. Im Jahre 1915 zog er sich vom Geschäft zurück, das sein Sohn Artur Cohn übernahm, und siedelte nach Berlin über. — Elbing, 13. September. Eine Wahlrechtsversammlung, die durch die.Sozialdemokratische Partei einberufen rvar, wurde von den unabhängigen Sozialisten gesprengt. Eine Rede des Mehrheitssozialisten Landtagsabgevrdneten Hirsch (Berlin) wurde durch andauernde Zurufe „Juden raus" immer wieder unterbrochen. Die Pückler-Bersammlungen scheinen bei den ostelbischen „Unabhängigen" Schule zu machen. Die Führer der jungen Partei scheinen auf ihre Gesinnungsgenossen keinen allzu großen Einfluß zu haben, wenn dieselben sich im Kampfe gegen die alte sozialdemokratische Partei der gröbsten antisemitischen Hetzmittel bedienen. 6. Königshütte, 13. September. Infolge schwerer Verwundung starb in einem Kriegslazarett im Westen der Abiturient Günther Katz, der Sohn unseres Waisenhausdirektors Katz in Rhbnik. Günther Katz hing mit unsäglicher Liebe an unserem Waiserhause, in dem er geboren, und an den Kindern, die er mit erziehen half. Gerade der Schwächsten und Hilflosesten hatte er sich in bewundernswerter Güte angenommen. Er spielte mit ihnen, er turnte mit ihnen, ihnen widmete er seine freie Zeit; dies alles bei seiner Jugend. Seinem Wunsche gemäß haben seine Eltern aus seinen Sparbüchern 1000 Märt für die Anstalt gestiftet. Sein Name ist auf die Gedenktafel unseres Waisenhauses gesetzt worden. Unsere Anstalt hat in ihm viel verloren. 6. Beuthen O.-Schl., 13. September. Dem Justizrat Herrn Leopold Cohn Hierselbst, der nach 36jähriger Anwaltspraxis sich in den Ruhestand begeben und sein Domizil nach Breslau verlegt hat, ist der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. Herr Cohn war sowohl in Standeskreisen als auch in hiesiger Synagogengemeinde eine sehr sympathische Persönlichkeit; sein Wegzug wird allgemein bedauert. — Das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Herr Leopold R ichter, ist fast 87jührig am Rüsttage des Neujahrsfestes verschieden. Er entstammte einer hochangesehenen Familie. Sein Bater, der 1892 als 92jähriger starb, ein vielseitig gebildeter Mann, hat sich um den Ausbau der religiösen Institutionen unserer Gemeinde und durch seine rührige Tätigkeit für das städtische Gemeinwesen sehr verdient gemacht und ein gesegnetes Andenken hinterlassen. W. Posen, 13. September. Ja der M u f i a l sche n Mord-' afjjäre dauern die Erhebungen an. Für den Fortgang der Untersuchung würde es wesentlich sein, wenn das Publikum dazu beitragen würde festzustellen: 1. wer den erwähnten Brief in der Mordangelegenheit an das hiesige Gericht geschrieben hat; 2. wo sich die beiden verhafteten Personen zur Zeit des Mordes auf-gehalten haben; 3. was über den Verkehr sowohl der Jahn als auch des WierzkowW bekannt ist und 4. was' sonst noch für verdächtige Umstände vorhanden sind, die in Beziehung zu den zwei Verhafteten zu bringen sind. Bei dem großen Interesse, dem die Wiederaufnahme der Mustalsch-en Mordaffäre in breitester Oeffentlichkeit sicherlich begegnen wird, ist es nicht ausgeschlossen, daß Mitteilungen aus dem Kreise des Publikums, die auf obige Fragen Bezug nehmen, die weitere Untersuchung wirksam unterstützen würden. Vielleicht gelingt es, trotz der großen Zeitspanne doch noch Licht in das Dunkel dieses Verbrechens zu bringen, und hoffentlich werden die neuen Spuren ein positives Ergebnis haben, wie es früher der Fall war. Aber, wie hervorgehoben, die Unterstützung des Publikums ist hierzu notwendig!. Erinnert sei, daß für Aufdeckung des Verbrechens (von gewisser Seite Ritualmord geheißen!!!) Belohnungen von mehreren tausend Mark ausgesetzt sind. — Tatsachen von Bedeutung können für jetzt nicht gegeben werden. M. Hamburg, 13. September. In der gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und Repräsentantevkollegiums der Teutsch-Jsraeli'- tischen Gemeinde wurde für den verstorbenen Herrn Dr. MaxC 0 he n das Langjährige Vorstandsmitglied des Reprüsentantenkollegiums Herr Ludwig M a> t h i a son, Inhaber des Bankhauses Machiason u. Trier, einstimmig zum Mitglied des Vorstandes der Gemeinde gewählt. Herr Mrathiason ist schon seit einer Reihe von Jahren ehrenamtlich in den Verwaltungen verschiedener Gemeindeinstitutionen tätig, so gehörte er u. a. seit mehreren Jahrzehnten dem Vorstand des Waiseninstituts der Gemeinde an. er. Leipzig, 17. September. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund rüstet sich zum 50. Jahrestage seines Bestehens. Es ist eine Ehrenpflicht der deutschen Juden-Heit, aus diesem Anlasse Moritz Kohners zu gedenken, von dem die erste Anregung zur Begründung des D. I. G. B. ausgegangen ist. Mo ritz Kohner wurde am 4. April 1818 zu Neuern:in Böhmen geboren. Er kam im jugendlichen Alter nach Leipzig, wo er sich ein blühendes Kommissionsgeschäft schuf. Kohner zeichnete sich durch seine tatkräftige Teilnahme an allen öffentlichen Angelegenheiten aus. 1866 trat er in das Stadtverordnetenkolle-gimn ein; 1874 wurde er als erster Jude in den Rat der Stadt Leipzig gewählt. Auch am politischen Leiben nahm Kühner als Mitglied der in den siebziger Jahren in Sachsen begründeten Nationalen Reichspartei teil, die ihn bald in ihren Ausschuß wühlte. Kohner hat an seinem Teil eifrig und mit Erfolg an der Beseitigung des judenseindlichen Geistes mitgearbeitet, der damals in Leipzig herrschte. Sein besonderer Eifer galt jedoch allen jüdischen Angelegenheiten. Als Vorsteher der Leipziger Jüdischen Gemeinde entfaltete er eine gesegnete Wirksamkeit; er ordnete verworrene Verhältnisse und baute Vorhandenes aus. Durch seine Arbeit in der Einzelgemeinde Leipzig erikannte er bald, wie unzulänglich die Ergebnisse der nur aus einen engsten Kreis gerichteten Tätigkeit werden müssen und wie viele wichtige und notwendige Ausgaben die deutsche Judenheit nur mit vereinten Kräften leisten kann. Er begriff, daß die jüdische Gesamtheit aufhören müßte, nur -als, einzelne und einzelne Gemeinden zu wirken. So entstand im Geiste und im Herzen Kohners der Gedanke an eine Zusammenfassung der deutschen Juden durch einen Bund aller jüdischen Gemeinden in Deutschland. Der Segen, der durch d-en Deutsch-Israelitischen Gemeindebund den deutschen Juden erwuchs, ist allgemein bekannt. Von der Begründung bis zu dem am 21. März 1877 erfolgten Hinscheiden Kohners bekleidete dieser das Amt des Vorsitzenden des Gemeindebundes. Diesem Manne, der als Ausländer in Deutschland eine Heimat suchte und fand, verdankt das deutsche Judentum die älteste der großen Orgamsationen, die es sich zu seiner Verteidigung und Selbsterziehung geschaffen hat. — Nürnberg, 13. September. Seme Majestät der König haben Allerguüdi.gst geruht, zur Entstehung der nachfolgenden Stiftungen die Königliche Genehmigung zu erteilen unter dem Ausdrucke Allerhöchster Anerkennung des von den Erblassern bekundeten Wohltätigkeits- und Gemeinsinnes: „Anton und Madlon Benedictsche Stiftung" mit dem Sitze in Nürnberg, errichtet von der Stadtgemeinde Nürnberg auf Grund des Testamentes vom 8. Dezember 1914 der in Nürnberg verstorbenen Privatierswitwe MadlonBenedict durch Stiftungsurkunde vom 26. März 1918 mit einem Kapital von 20 000 Mark. Zweck der Stiftung ist nach -den näheren Bestimmungen der Snstungsurkunde Unterstützung armer würdiger Blinder und schwer Augen-

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