Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1918)
- Date
- 1918-09-20
- Page
- Seite 456 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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456 preist den Menschen, sucht den Verstorbenen als Lehrer zu. würdigen, setzt mit beredten Worten sein System auseinander und verweilt mit besonderer Vorliebe und großem Nachdruck bei der Schilderung seines Wesens, des jugendlichen, echt menschlichen, und schließt mit den schönen Worten: „Denn er hat uns das Beste gegeben, was im Gebiete der Philosophie der Leih rer «dem Schüler zu geben vermag; er hinterläht uns keine bloßen Lehrsätze oder Dogmen, sondern er hat uns durch sein- Beispiel gezeigt, wie ein großer Mensch aus dem Mittelpunkt seines Wesens heraus für sich und «für andere eine neue Gestalt des Seins und einen tieferen und reicheren Gehalt des Lebens entdeckt und gewinnt". Endlich gibt Kl a tz kin 3) ein Bild neuester Verfolgungen. Er polemisiert gegen die Auffassung, daß die Krakauer Exzesse Hungerkrawalle gewesen feien, berichtet über einzelne Schandtaten und fordert für Rumänien und Beßarabien volle Befreiung der Juden. Als wichtiges Aktenstück der eindrucksvollen Rede mögen die am Schluß stehenden „Beschlüsse der Protestkundgebung vom- 5. Mai 1618" besonders angeführt werden. L. G. Die Grund s ä tz e de s j ü d>i s ch - r e l i gi v s e n Li be - ralismns. Bon Rabbiner Dr. I. Lewkowiß (Berlin). Bortrao. gehalten im Jüdisch-liberalen Jugend-Verein zu Berlin. Im Gegensatz zur Orthodoxie. welck)e die Verbindlichkeit der jüdischen Rel-iai-onsgefetze und die Gültigkeit der jüdischen Glaubenslehren mit dein Hinweis auf die göttliche Offenbarung begründet, behauptet der jüdisch-religiöse Liberalismus, nach Lewkowffu Unsere religiösen Lehren und Gesetze gelten nicht deshalb-, weil sie auf übernatürliche Weise offenbart sind, sondern weil wir sie als w a h r erkennen. Gott offenbart sich im Leben der Natur auch ohne Wunder und hat sich im geistwen Leben in der Seele der Propheten offenbart. Ter indisch-religiöse Liberalismus glaubt demnach nicht an eine wunderbare. sondern an eine natürliche Offenbarung Gottes. Während ferner die Ortbodorie der Bibelwissenschaft das Recht bestreitet, die Bibel kritisch zu untersuchen, erkennen die Liberalen fcre Bibelwissenschaft als berechtigt an, obne jedes einzelne ibrer Resultate ohne Prüfung binzunebmen. Tmn.it verschwindet für den Liberalismus der absolute Geaensa-tz. den die Ortbodorie zwischen der jüdischen Religion und allen au'^^^en bai-lleNf Hä ff inan dl,7 Offsenbar-nna Wir natürlich, dann fft es nicht aut denkbar, meint Lewkawitz. daß Gelt sich nur einem pi.nziaa,r Volke mi geteilt haben soll. Das Judentum bildet auch nicht den Gegensatz m allen übriaen Glaubensformen, sondern, den Höhepunkt der religiösen Entwicklung. In ihrn hat die religiöse Erkenntpi§ ihre vollkommenste Form und ihre höchste Wahrheit erreicht. Während nach orthodoxer Anschauung der Talmud die notwendige Ha-'ffaon Schrfft 'fft und die Erklärunaen. die er zu den Gesetzen der Bibel gibt, unbedingt anzuerkennen und« -die einzig richtigen sind, erkennen die Liberalen die bindende Autorität des Talmuds nicht an. Sie lesen die Heffioe Sch.ri.ft mit ihren eigenen Augen und nicht durch die Brille des Talmuds-. Die talmud-sche Auffassung, des Judentums erscheint ihnen auch -als eine Rü'ckkehr zum Mosaismus. während si-e der Meinung sind, daß die vrovhe-tifche Religion den Höhepunkt der jüdischen Reliaionsentwicklung da-rftellt. Tie Liberalen glauben an eine allmähliche En-twickluna! der jüdischen Lebr-e. J-ede Zeit bot die Aufgabe, sich ihre besondere Form der Religion zu schaffen. Tie Glaubenssätze, die uns überliefert sind, müssen mit dem Denken der Gegenwart, den Ergebnissen, der Wissenschaft zur Uebereinftimmung gebracht werden. Das ist Sache der Religionsphilosophie, und die Gesetze des Judmtmns müssen der Elnpfindungs'weise und den Lebensbedingungen der Gegenwart entsprechend umgestaltet werden. Die Liberalen halten sich für berechtigt, die Religion so zu ändern, daß die Menschen wieder nach ihr leben können. Die Rücksicht auf. den Menschen ist dasgrundlegende Prinzip des Liberalismus. Er nimmt Rücksicht lauf den Verstand und das Gefühl des Menschen und bestreitet nicht, daßdarin auch eine unverkennbare Gefahr für -den- Bestand des Judentumsliegt. Denn, der Liberalismus gibt dem einzelnen, das Recht, seinen Glauben nach seiner persönlichen Auffassung zu gestalten, wodurch sich die geschlossene 3) Tie Iudenversolgungen in Galizien und Rumänien. Rede, gehalten von Tr. Jakob Klatzkin in der vom Aktivnskomiteie der ostjüdifcherr Organisationen' veranstalteten' Massenkundgebung im Züricher Dolkshaus. Preis 39 Etms. Verla-g der Loge Al Hami-schmar. Einheit der UebevLieferung und des Judentums, die von der Orthodoxie so streng betont wird, löst und jeder -ern-zelne sein eigenes Judentum hat. Aus dieser Schwierigkeit herauszukommen, erscheint als eine wesentliche Aufgabe der Gegenwart. Man kann darüber geteilter Meinung sein, ob es richtig und zweck° mäßig ist, die religiösen Gegensätze im Judentum in den jüldischen Jugendvereinen zu beh-andeln. Aber wenn es geschieht, -dann möge es -immer in so ruhiger, rein sachlicher und objektiver Weise geschehen w-ie in der vorliegenden Schrift, damit es der Jugend überlassen bleibt, „alles zu prüfen und -das Beste zu behalten". Sanitätsrat Dr. Sch erbet (Lissa). — R u do l f Kittel, Kriege in biblischen Landen. Mit 38 Bildern. Gotha- 1918, Verlag Perthes. 82 S. (Preis 3 Mark.) Das Büchlein verzichtet als Niederschrift eines Vortrages naturgemäß auf breite Darstellung, sondern will lediglich in denkbar knappester Form die charakteristischen Erscheinungen der auf dem Boden des alten Kanaan geführten Kämpfe und der Art der Kriegführung herausheben. Fesselnde Schilderungen aus dem Kriegsleben Altpalästinas, von einem der zuverlässigsten Kenner dieses Forschungsgebietes gezeichnet, ziehen inschneller Folge an unserem Auge vorüber und vermitteln uns-, durch glänzende bildliche Darstellungen unterstützt, die allgemeinsten Kenntnisse über die bedeutendsten Schlachten, die den Boden des Heiligen Landes in grauer Vorzeit einst zerwühlten, über Stellung^ und Bewegungskrieg, Fuß- und Wagenkampf, Festungsbau und Behandlung der Gefangenen. Bei allem Interesse für diese Außenseite gegenseitiger Kräftemessung packt uns doch weit höher das 7. Kapitel des Werkes. Wir hätten ihm selbst in dem engen Rahmen, den der Verfasser sich für die kleine Schrift setzen mußte, gleichwohl eine etwas ausführlichere Darstellung gewünscht. Behandelt es doch die Anfänge des Völkerrechts und liefert, den Beweis, wie die erste Spur völkerrechtlichen Denkens, von der die Geschichte überhaupt Kunde gibt, sich im Alten Testament findet und dazu gleich in einer ethischen Vertiefung und uni-vers-alen Breite, die nicht nur ein Ehrentitel Israels bleibt, sondern uns nach den Erfahrungen dieses Weltkrieges zweifeln läßt, ob die Menschheit über sie hinaus einen sittlichen Fortschritt gemacht hat. Warm und voller Begeisterung ist dieses Kapitel geschrieben, und da der Verfasser ein berühmter und einflußreicher christlicher Theologe ist, so haben wir allen Anlaß, uns seines Buches zu freuen. Zlocisti. Mchrrrinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Walther Nathenau, der Mensch und sein Werk. Von Theodor Kappstein. III. Auflage. Verlag „Das Buch", Paul Altheer, Zürich, Arbenzstraße 6. Sabbathgedank-en für jüdische Soldaten. Herausgegeben von den Feldrabbinern des Westheeres. Leipzig 1918. Verlag, M. W. Kaufmann. B-lau-Weiß-Liederbuch. Herausgegeben von der Bundesleitung des Blau-Weiß-Bundes für jüdisches Jugendwandern in Deutschland. Musikalisch bearbeitet von Leo Kopf. Zweite, völlig umgearbeitete und stark vermehrte Auflage. 1918. Jüdischer Verlag. Die Judenverfolgungen in Galizien und Rumänien. Rede, gehalten von Dr. Jakob Klatzkin in der vom Aktionskomitee der ostjüdischen Organisationen veranstalteten Massenkundgebung im Züricher Vo'lkshaus. Verlag der Loge Al Hamischmar. Trauerrede, gehalten an der Bahre des im Felde gefallenen Leutnants der Reserve und Kompagniesührers Leopold Hirsch am 6. Juni 1918 von Dr. M. Appel, Stadt- und Konferenzrabbiner in Karlsruhe. Buchdruckerei von Malsch u. Vogel, Karlsruhe, 1918. Die Judenfrage in ihrem geschichtlichen Zusammenhang und Verfassung zu ihrer Lösung. Von Josef Ringo. 1917, Verlag von Speichel u. Wurzel, Zürich, Oberstraße.