Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1918)
- Date
- 1918-09-20
- Page
- Seite 447 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.447 Die Korrespondenz des Eeutralveveins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens kommt noch einmal auf die Abgeordnetenhausrede des Lehrers Heins, Hospitanten der konservativen Partei, zurück, die von den Antisemiten im Sonderdruck verbreitet wird. Me Korrespondenz stellt fest, daß Herr Heins von seinen eigenen Standesgenossen fallen gelassen wird. So hat die „Preußische Lehrerzeitung" (Nr. 56) einen scharfen zurückweisenden Artikel gebracht, den sogar die „Hessische Schulzeitung", die in Kassel, dem Ort der Heinsschen Wirksamkeit, erscheint, wörtlich abdruckte. Die Korrespondenz führt dann aus: In der „Preußischen Lehrerzeitung" wurde bemerkt, daß über 300 jüdische Volksschullehrer in der Front und in der Heimat ihre Schuldigkeit getan haben und daß ein jüdischer Senrinarlehrer, der inzwischen gefallen ist, als einer der ersten oder gar als erster der Berussgenossen das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhalten habe. Sich das Eiserne Kreuz zu erringen, ist nicht jedem vergönnt. Herrn Heins soll auch kein Vorwurf daraus gemacht werden, daß er dieses Kreuz nicht besitzt, wohl aber daraus, daß er das Wahlrecht jüdischen Mitbürgern entziehen will, die es sich in todspeiender Schlacht errungen haben. Daß gerade er im Abgeordnetenhaus von jüdischen Drückebergern sprach, zeugt von einer ungemein hohen Einschätzung seiner eigenen Tätigkeit. Herr Heins, der im wehrpflichtigen Alter steht, ist nicht im Feld gewesen; er hat nur in der Heimat Heeresdienst geleistet. Doch wenn ein Mann wie Heins in der Heimat Dienst tut, so ist das etwas ganz anderes, als wenn ein Jude es tut. Der Jude ist ein Drückeberger. Herr Heins erfüllt vollauf seine patriotische Pflicht. Und wenn er seit geraumer Zeit, wie uns von glaubwürdiger Seite versichert wird, im Kriegshilfsdienst als Beamtenstellvertreter im Kriegsministerium beschäftigt ist, das Lehrergehalt weiter bezieht und als Abgeordneter die ihm mit Recht zukommenden Diäten erhält, so wird man ihm dieses gönnen und die Antisemiten dazu beglückwünschen, daß sie einen ihrer — darf man sagen „geistigen"? — Führer fern von Gefahr wissen; aber man wird doch schwerlich behaupten können, daß er im Gegensatz 31t den Juden für das Vaterland Gut und Blut opfert. * Der „Frankfurter Zeitung" entnehmen wir folgendes: Die j ü di s,che K 0l0 ni sa ti>0 n in P a lästina. Der Frankfurter „Israelit? erfährt aus Konftantinopel, daß der Großwesir Talaat Pascha einem in Konstantinopel ansässigen Mitglrede der Delegation jüdischer Organisationen Mitteleuropas folgende Erklärung abgegeben hat: „Ich bin erfreut, Ihnen mitteilenzu können^ daß die Verhandlungen, welche ich vor einiger Zeit mit den Delegierten der verschiedenen jüdischen Organisationen führte, bereits ein tatsächliches Ergebnis gezeitigt haben. Wir haben den. Beschluß 'gefaßt, alle die Einwanderung und Niederlassung, der Juden in Palästina betreffenden 'einschränkenden Maßnahmen endgültig aufzuheben. Kategorische Befehle sind an die entsprechenden Instanzen erteilt worden, um der jüdischen Nation in Palästina — gemäß den besten osmauischen Traditionen — .eine wohlwollende Behandlung auf der Grundlage einer vollkommenen Gleichheit mit den anderen Gl>emcntett zu sichern. . Was die Frage anbetrifft, die den Gegenstand meiner Einladung an die verschiedenen jüdischen Organisationen bildete, so erkläre ich Ihnen wiederholt — wie ich dies bereits der Delegation geg-enüber getanhabe — meine Sympathien für das Werk der Schaffung eines jüdischen religiösien Zentrums in Palästina auf dem Wege einer wohl organisierten Einwanderung und Kolomsation, da ich von der Wichtigkeit und Nützlichkeit, welche die Niederlassung der Juden in Palästina für dats -türkische Reich haben kann, überzeugit bin. Ich bin gewillt, dieses Werk unter den Schutz der türkischen Regierung zu nehmen und es durch alle mit den souveränen Rechten des -türkischen Reiches vereinbaren Mittel, und ohne die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung zu beeinträchtigen, zu fördern. Ich habe die feste Hoffnung, daß die Arbeit der Sp-ezialkom-mission, welche ernannt wird, um ein detailliertes Projekt bezüglich dieses Werkes auszuarbeiten, in Kürze beendigt sein wird, und werde dann erfreut sein, d-ie jüdische Delegation hier wieder zubegrüßen, um unsere Besprechungen fortzusetzen." Die „Wahrheit^ meldet unter dem hochtönenden und im* führenden Titel „Geschichtsfälschung?" und mit den bei ihr üblichen Ausfällen gegen das „Berliner Tageblatt" folgendes, das nach den angeführten Quellen vielleicht auf Wahrheit beruht: Der 22jährige Mörder des russischen Volkskommissars Urizki nannte sich, so berichtet die Presse übereinstimmend, bei seinem Verhör: Leonid Akincowitsch Kannengießer. Ueber die weiteren Einzelh-eiten der Personalien gehen die Angaben dagegen weit auseinander. Während nämlich das „Berliner Tageblatt" berichtet, Kannegießer sei adlige hat er sich selbst nach, dem „Berliner Lokal-Anzeiger" und dem gewiß unverdächtigen „Vorwärts" als Jude bekannt. * Aus der „Volks-Zeitung geben, wir nachfolgende Notiz: Die Naturalisierung der rumänischen Juden. Der rumänische Ministerrat hat ein. Reglement für die Anwendung des Einbürgerungsgesetzes der Juden genehmigt. Das Gesetz tritt am 14. September in Kraft. Ferner wird gemeldet: Keine Verfolgung der Juden in F i n n l.a n d. Kopenhagen, 7. September. (Ritzau.) Die Leiter der Jüdischen Kongregation in Helsingsors Dr. A. Engel und Dr. S Matroff erklären, daß kein finnischer Jude von der finnischen Regierung verbannt worden ist und. daß seitens der finnischen Regierung keine Verfolgung der finnischen Juden stattgefunden hat. * Die folgenden Nachrichten sind den Berichten des Stockholmer Preßbureaus entnommen: Prügel und Todes st rafe für den Verkehr mit ö st e r r e i ch i s che n Soldaten. Der Kiewer jüdischen „Nahen Zeit" zum 10. August zufolge erhielt die jüdische Gemeinde in Werchny-Dnieprowsjk im Jekaterineslawer Gouvernement vom österreichisch-ungarischen Militärkommandanten folgenden haarsträubenden Befehl, der auch in den Straßen angeschlagen war: „Ich verbiete den hiesigen Einwohnern jüdischen Glaubens, mit meinen Soldaten in irgendwelche.Berührung zu kommen, mit ihnen zu spazieren oder zu sprechen, usw. Den mir untergeordneten Organen ist der Befehl ergangen, jeden, der diese Verordnung überschreitet, zu verhaften. Wer zum ersten Male verhaftet wird, wird geprügelt und zum zweiten Male erschossen. Kommandant des österreichisch-ungarischen Militärs Oberst Wlodasz." Die jüdische Gemeinde in Werchny-Dnieprowfk wandte sich hierauf an den Kreishauptmann mit der Bitte, ihr den Grund mitzuteilen, warum -dieser Befehl nur gegen die Juden gerichtet ist, und beim österreichisch-ungarischen Militärkommandanten für die Abschaffung des Befehls zu intervenieren, der zu dem Erlaß des Hetmans vom 29. April in Widerspruch stehe. Hierauf erhielt -die jüdische Gemeinde in Werchnh-Dnieprows'k vom Kreishauptmann folgende Antwort des Kommandanten Wlodasz: „Der Befehl kann nicht abgeschafft werden." Obenstehende Nachricht wird auch von anderen Zeitungen in Kiew bestätigt. Mißhandlung h e i m k e h r e n d e r jüdischer Kriegsgefangener in R u m ä n i e n. Beim 33. Infanterieregiment aus Botosani werden, wie das Zionistische Bureau in Kopenhagen mitteilt, alle aus der Gefangenschaft Zurückkehrenden 'jüdischen Soldaten auf Befehl des Oberstleutnants Pascu mißhandelt; viele werden in Einzelarrest gesteckt, alle werden weiter mobilisiert gehalten, während die zurückkehrenden Rumänen gut behandelt werden, einen achttägigen Urlaub bekommen und dann entlassen werden. * Aus den Berichten der Haager Korrespondenz entnehmen wir folgende Notiz, die wir unter allem Vorbehalt wiedergeben, weil uns die Vorgänge unbekannt sind, auf die sich die Erklärung bezieht. Eine Nabb inert onsere-nz in. Po-len. Eine Konferenz der Rabbiner Polens unter Vorsitz des deutschen- Rabbiners Dr. Cohn