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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-13 · Heft 37 (13.9.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 37 (13.9.1918)
Date
1918-09-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Eröffnet, worau.f Rabbiner 2)r. L u e ü s eine fesselnde Rede an die zahlreich versammelte Gemeinde hielt. Nachdem die Seelengebete auch in hebräischer Sprache gesprochen worden waren, schlosz Religionslehrer Laster in hebräischer Sprache mit einem Gebet. M. Hamburg, 6. September. Unsere Gemeinde hat wieder einen schweren Verlust zu beklagen: Herr John Heß, der Begründer und Mitinhaber des bedeutenden Exporthauses John Heß, ist nach kurzer schwerer Krankheit aus dem Leben geschieden. Der Verstorbene, der nur ein Alter von 54 Jahren erreichte, genoß in der Hamburger Kaufmannschaft hohe Wertschätzung und erregt sein frühes Hinscheiden aufrichtige Teilnahme. In der Deutsch-Israelitischen Gemeinde war Herr Heß in vielen Institutionen ehrenamtlich tätig. Während der Kriegszeit wirkte er besonders segensvoll in der Wohlfayrtskommission; war doch sein Bestreben stets darauf gerichtet, den bedürftigen Glaube^nsbrüdern zu einer Existenz zu verhelfen. Als im ersten Kriegsjahre die Arbeitslosigkeit unter unseren Glaubensbrüdern sehr groß war, da war es John Heß, der mit anderen verdienstvollen Männern zusammentrat, um den Bedürftigen Arbeit und Verdienst zu schaffen, und gar mancher unserer Brüder, der heute eine gesicherte Existenz hat, hat dies in erster Linie dem Verblichenen zu danken. Als Förderer des Handwerks unter den Juden Hamburgs leistete Herr Heß Bedeutendes, und hinterlüßt sein Tod aus allen diesen Gebieten eine schwer ausfüllbare Lücke. Zur Trauerfeier, die gestern nachmittag in der Halle des Ohlsdorfer Friedhofes stattsand, hatte sich eine so große Anzahl Leidtragender eingefunden, daß die geräumige Halle sich als viel zu klein erwies. Außer vielen Vertretern aus Handels- und Exportkreisen bemerkten wir unter den Erschienenen Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer, Vertreter des Gemeindevorstandes- und vieler anderer Körperschaften. Besonders stark waren die Mitglieder der Steinthal-Loge vertreten, der der Verstorbene seit ihrem Bestehen angehörte. Der Vizepräsident der Steinthal-Loge, Hermann Philipp, widmete dem Dahingeschiedenen einen tief empfundenen Nachruf; er schilderte in bewegten Worten seine segensvolle Tätigkeit innerhalb der Loge, er sprach zugleich auch den Dank der Wohlfahrtskommission der Gemeinde aus, in der er geradezu vorbildlich gewirkt hat. Das Andenken dieses edlen Menschenfreundes wird für alle Zeiten unvergessen bleiben. Hierauf bewegte sich ein unübersehbarer Trauerzug nach der Grabstätte, um die irdischen Ueberreste John Heft dem Schoße der Erde zu übergeben. er. Leipzig, 6. September. Die E r w e r b u n g, d e r Oefsentl i ch e n I ü d i s ch e n Bibliothek u n d L e s e h a l l e fand am Sonntag, den 1. d. Nb, in den Räumen der Bibliothek, Keilstraße 4, statt. ' Ein großes Publikum nahm an der Eröffnungsfeier teil. Für die Stadt Leipzig war Stadtrat Lampe anwesend, ferner hatte das P o l i z e i a m t einen Vertreter gesandt. Die Festansprache hielt Professor Dr. Löwe (Berlin). Die Bibliothek, so betonte der Redner, soll ein lebendiger Organismus im Sinne des Judentums sein. Sie muß die alte Kraft aus dem Judentum Hervorbringen. Die Quelle der jüdischen Kraft ist die jüdische Kultur, ihre Grundlage ist die Bibel, die Thora. Die jüdische Kultur ist der Urgrund aller Kultur überhaupt und vollständig unberührt geblieben von fremden Ein-flü-ssen. Diese Quelle der Kraft gilt es für das Judentum von neuen! zu erschließen. Die neue Bibliothek soll dazu verhelfen. Sie wird parteilos sein, aber nicht interesselos. Tenftnit vielem Beifall anfgenomlnenen Ausführungen folgten Ansprachen des Vorsitzenden des Komitees der Bibliothek und Lesehalle und des Rabbiners Earlebach. Vom Vorsitzenden des Komitees wurde der kleinen Schar von Spendern und Spenderinnen, die sich um das Zustandekommen und die Ausstattung des Werkes verdient gemacht haben, herzlicher Dank ausgesprochen und die Hoffnung daran geknüpft,, daß die Bibliothek der gesamten jüdischen Bevölkerung zum Segen gereichen möge. Rabbiner Earlebach, der den am Erscheinen verhinderten Rabbiner Dr. G o l d - mann vertrat, führte aus, daß das Leipziger Judentum, an der Schwelle des neuen Jahres stehend, in dieser Bibliothek einen guten Jahresanfang habe. Volle Bedeutung werde sie freilich erst erlangen, wenn die jungen Leute zurückkehren, die jetzt im Felde stehen. München, 6. September. Der kürzlich verstorbene Geheime Kommerzienrat Beruhe i m e r hat der Stadtgemeinde München letztwillig 50 000 Mark vermacht, mit der Bestimmung, die Zinsen dieses Stiftungsöalpitals so lange zu. admafsieren, bis die Summe groß genug sei-, um ein Gebäude für eine Wohltätigkeitsanstalt erwerben zu können. Welchem Zwecke diese Anstalt zu dienen habe, bleibe dek Stadtgemeinde überlassen; doch sollten Angehörige aller Konfessionen darin in gleicher Weise berücksichtigt werden. Bürgermeister Dr. Küfner nahm in heutiger Magistratssitzung unter altseitiger Zustimmung die Stiftung mit dein Ausdrucke des herzlichen Dankes an. — Se. Majestät der König haben Sich Allergnädigst bewogen gefunden, zur Entstehung folgender Stiftung die Genehmigung zu erteilen: der von den Kaufmannsehegatten Hugo und Rosa He inem a n n in Fürth, zum ehrenden Gedächtnis an ihre verstorbene Tochter Lilly inhaltlich Urkunde vour 25. Juli l. I. errichteten, mit einem Grundstockvermögen von 100 000 Mark in sünfprozentigen Kriegsanleihen ausgestatteten, nach Maßgabe der stisterischen Anordnungen zur Gewährung von Beihilfen an Studierende der Musik, der Makern oder Graphik oder Plastik, und zwar an der Königlichen Akademie der Tonkunst in München, dann der Königlichen Akademie der bildenden Künste in München oder den Königlichen Kunstgewerbeschulen in München oder in Nürnberg bestimmten „Lilly-Heinern a n n - S t i f t u n g" mit dem Sitze in München, und zwar unter dem Ausdruck allerhuldvollster Anerkennung des von den beiden Stiftern durch die hochherzige Stiftung bekundeten gemeinnützigen und wohltätigen Sinnes. — Köln, 6. September. Eine Warnung vor englischen Judenmissionaren veröffentlicht die „Rheinische Korrespondenz": Bon Hamburg aus sammelt ein „Pastor" Frank seit Jahren für eine Missionsarbeit unter den Juden. Was es für eine Bewandtnis mit diesem Pastor Frank hat, wird im vierten Heft der „Allgenieinen Missions-Zeitschrift" in einem Aufsatz des Missionspredigers Pastor Schaffer (Berlin) gezeigt. Danach ist der „Pastor" Frank ein Missionar der Jewish. Mission of the Presbyterian Chnrch; in Ireland, also ein waschechter Brite, der auch in seiner aufdringlichen Propaganda das Wesen englischer Frömmigkeit offenbart. Während des Krieges wohnt der Pastor Frank in der Schweiz, vertreibt aber seine Schriften unter seiner Hamburger Adresse. Aehnlich steht es mit einem anderen englischen Pastor B o l m a n, der seine Zeitschrift „Israels Hoffnung" zu Hunderttausendenversendet und mit ihr deutsches Geld für seine Zwecke sannnelt. Daß. diese Herren in starkem Maße auch die Geschäfte der englischen Politik besorgen, war vor dem Kriege schon bekannt. Es ist erfreulich, daß aus christlichen Kreisen wenigstens einem Teil der Judenmissionare das Handwerk gelegt wird. Vielleicht verstehen die Herren, die durch den ausländischen Missionar -in ihrem vaterländischen Empfinden verletzt wurden, welche Erbitterung die Arbeit der deutschen Judenmissionare in -dien Lazaretten und in den Gesangenlagern bei den deutschen Juden Hervorrufen muß. 0. 8. Hildesheim, 6. September. Laut vorhandener Urkunde waren in diesen Tagen 250 Jahre seit Begründung der Chewra Kadischa in hiesiger Synagogengemeinde verflossen. Sie dürfte damit eine der ältesten innerhalb der jüdischen Gemeinden Teutschilands fein. Von einem feierlichen Begehen dieses denkwürdigen Tages mußte natürlich in dieser ernsten, schweren Zeit abgesehen werden. Unser Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky rief der derzeitigen Verwaltung gelegentlich seiner allsabbatlichen Schristerklärung ein Chasack! von der Kanzel herab zu. Wie einst unser Lehrer Mose seinem Nachfolger Josua „Kraft und Stärke" als Führereigenschaften empfahl, so legte er den Vorstehern der Chewra Kadischa ans Herz, standhaft und stark zu bleiben in 'der Erhaltung der Liebespflichten dieses Vereins, um auch in der Folge ohne Rücksicht aus Zeitströmungen ihr Liebeswerk in der altherkömmlichen, traditionellen Weise den Verstorbenen angedeihen zu kaffen. er. Frankfurt a. M., 6. September. D a s H ein! d e s I ü d i - s ch e n Frauenbundes in N e u - I s e n b u r g blickt auf eine zehnjährige erfolgreiche Wirksamkeit zurück. Das erste Haus der heute aus drei Gebäuden bestehenden Anlage wurde 1907 zur Ausnahme gefährdeter und schutzbedürftiger weiblicher Jugendlicher begründet. Es enthält den H,aus!oirtschaftlichen Betrieb für die gesamte Anstalt. Eine Hausmutter leitet den Betrieb und wird darin von einer Haushälterin und einer Handarbeitslehrerin unterstützt. Einen großen Teil des Bedarfs an Gemüse liefert der Garten, der von einer Gärtnerin mit Hilfe der Zöglinge bearbeitet wird. Durch Lesen, Spaziergänge, Aufführungen und Hausmusik lvird versucht, den Zöglingen Anregung und Freude zu geben. Das 1914 eröffnete zweite Haus dient der Ausnahme von Müttern mit ihren Kindern und vorübergehend schutzbedürftigen Kleinkindern und Säuglingen. Der

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