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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-13 · Heft 37 (13.9.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 37 (13.9.1918)
Date
1918-09-13
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. 37 Berlin, 13. September I9i8 Der Oemeindebote. Betlsge zur „Allsemrincn Leitung deK Judentums". korrespondknzm und Aachrichtm. Lklltschlsnd. 4fr 4fr Berlin, 10. September. D i -e Sorge für die Erhaltung und- Gesundung des deutschen Judentums hat drei große jüdische Organisationen, den Bodenkultu r verein , die HauPLstel 1 e f ü r jüdische Berufsberatung und den Z <e n t r a l v e r e i n d e u tscher S taat sb ü r g e r jüdischen Glaubens, zu einer gemeinsanien Aktion zur Vorbereitung von Ansiedlungsmöglichkeiten für jüdische Kriegsbeschädigte und Erwerbslose veranlaßt. Die drei Organisationen beabsichtigen, zurückkehrende jüdische Krieger zur Bodenkultur, wie Obstbau- und Gemüsekulturen, überzuleiten. Durch -eine gut geleitete Agitation sollen die Mittel für derartige Ansiedlungen aufgebracht werden. Nach den für eine Siedlung von mindestens zehn Familien ausgestellten Berechnungen, die aus Grund des Rentengütergesetzes geschaffen werden könnte, gewährt eine Gärtnerei, von etwa fünf Morgen einer Familie eine auskömmliche Existenz. Um die Flucht der Juden aus den kleineren und mittleren Städten möglichst einzuschränten, könnten Grundstücke vor den Toren dieser Städte solchen Bürgern zur Verfügung gestellt werden, die dort ein Gewerbe oder ein Geschäft betreiben wollen. Zur Ergänzung dieses Erwerbs müßte der Beruf von Gartenbürgern etwa in der Art der früheren Ackerbürger geschaffen werden. Beji Benutzung der vorhandenen städtischen Wohnungen würden schon ein bis zwei Morgen Land genügen, um einen wesentlichen Zuschuß für die Lebenshaltung, die zum Teil von den beibehaltenden Gewerben zu bestreiten wären, zu beschaffen. Die Erlernung des gärtnerischen Berufes ist in verhältnismäßig kurzer Zeit möglich und soll in besonders zu gründenden Lehrgärtnereien oder in Handelsgärtnereien ermöglicht werden. Wenn auch der Erwerb oder die Pachtung geeigneter Ländereien -in größerem Umfange zunächst schwierig erscheint, so dürften sich diese Schwierigkeiten überwinden lassen, sobald das allgemeine Interesse für diese wichtige Frage geweckt ist. Das Unternehmen darf voraussichtlich auf eine günstige Entwicklung rechnen, und die wirtschaftlichen und erzieherischen Ergebnisse werden das beste Werbemittel für die neue Idee werden. Für den Erlverb des erforderlichen Grund und Bodens, der den einzelnen Anbauern in Pacht oder Erbpacht zu geben wäre, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Bor allen Dingen kommen die jüdischen Gemeinden in Frage, die Teile ihres Vermögens statt in Staatspapieren und Hypotheken ebenso mündelsicher in Grund und Boden anlegen können, deren steigender Wjert ein Risiko ausschließt. Durch Begründung besonderer Siedlungsgesellschaften oder Parzellierungsbanken wären ebenfalls die erforderlichen Mittel zu beschaffen. Die zur Begründung solcher Gesellschaften srforderlichen Kosten sollen durch die Werbetätigkeit der Vereine aufgebracht werden. Die Durchführung dieses Planes gehört 31t den wichtigsten Gegenw artsarbeiten der deutschen Juden, denn die Ableitung der Juden aus den überfüllten kaufmännischen und freien Bernsen ist eine Lebensfrage für das deutsche Judentum geworden. 2£2 Berlin, 10. September. Ter nationaljüdische Jngendtag lvird, wie jetzt endgültig.feststeht., in der Zeit vom 6. bis 8. Oktober stattfinden. Das Jüdische Volksheim veranstaltet am Vorabend, also am Sonnabend., den 5. Oktober, einen öffentlichen Vortrag des Herrn Dr. Martin Bu b er, der über „Das Judentum und die wahre Gemeinschaft" sprechen wird. Am Sonntag, den 6. Oktober, vormittags findet eine große öffentliche Versammlung statt, am Nach^ mittag ein von der jüdischen! Turnerschast vorbereitetes Turn- und Sportfest. Der Montage und der Dienstagvorrnittag find der Aussprache über die großen Probleme des Judentums und der Jugend gelvidlnet. In Aussicht genommen sind Referate über Fragen der Erziehung, Berufswahl, über Jugend und Religion, Jugend und die hebräische Sprache undschließlich, vor einem internen Kreise, liker Organisationsfragen. Der 9tationaljüdis,che Jugendtag schließt mit einem Fest im Freien, das die Jugend und ihre Gäste bei Sang und Spiel vereinigen wird. E. M. Berlin, 10. September. Tie A g 'U d a s - I i sr 0 el - Jugend gruppen Berlin hielten am 28. v. M. eine Mitgliederversanunlung ab, in der über den Bundestag in Würzburg Bericht erstattet wurde. Der stellvertretende Vorsitzende, Siegin und Stein, eröffnete den Abend mit einem kurzen Nachruf aus den berühlnken Brüsker Rabbiner E h a j i m S 0 l 0 w e i c z h k sowie die im letzten Halbjahr Heimgegangenen Mitglieder. Dann erstattete Stnd. med. Arnold Merzbach ein Referat über den Bundestag und die anschließende Delegiertenversammlung. Fräulein Bertha P e t u ch 0 w s k i berichtete über die vor dem Bundestag, stattgesundene Sitzung der Mädchengruppen, welche das Interesse der weiblichen Jugend Deutschlands für die Ziele der Agud-o-Bewegung deutlich zu erkennen gab. Die Berichte wurden mit lebhaftem Beifall zur Kenntnis genommen. Das gleichzeitig besprochene Arbeitsprogramm für das Wintersemester sieht zahlreiche Vorträge vor. W. Aus der Provinz Posen, im September. Pose n. Für die weitere Dauer des Krieges zu Kriegsassistenzärzten wurden ernannt: Dr. Moses Ga lew skr in Neutvmischel, Tr. Martin Nathan in Nawitsch, Dr. Max Landsberg, Dr. Kurt M arcu s und Dr. Hermann Neu mark in Posen. — Oberarzt Dr. G.ordon, ein Sohn des verstorbenen Kantors an der hiesigen Brüdergemeinde, Herrn Gordon, wurde zum Stabsarzt befördert. — In der hier abgehaltenen Sitzung von Vertretern hiesiger Vereine wurde eine Ortsgruppe des Volksbundes für Freiheit und Vaterland gebildet. Die Mitgliederzahl der bei der Gründung angeschlossenen Vereine betrügt rund 6000. In den Vorstand wurde auch Herr Ernst David, Inhaber der Firma David n. Co., .und Julius K atz gewühlt. - Der Kaufmann M. R 0 s e n b e rg spendete zum Kolonialfonds zweitausend Mark (außerdem eintaufend Mark beim Magistrat in Kosten, woselbst er eine beträchtliche Anzahl von Arbeitern in der städtischen Zigarrenfabrik beschäftigt). — Im Kanrpse für das Vaterland ist der Gemeindebeamte Herr Isidor R u s ch i n aus dem Leben geschieden. Während seiner zwölfjährigen Amtstätigkeit hat der Verstorbene sich durch Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue ausgezeichnet. Der Verstorbene war ein lieber Amtsgenosfe und langjähriger Förderer der Bestrebungen des „Jüdischen Fort bi,ldu ngsve re ins" und gehörte als Mitglied desselben dem Vorstände an. Sanitätsgesreitem Ruschin war es infolge wahrer Religiosität und Frömmigkeit vergönnt, schon im jugendlichen Alter die verantwortungsvollen Funktionen eines Kantors des Vereins „Anschei Chesfed" zu übernehmen, welches Amt er mehrere Jahre mit seltener Pflichttreue zur vollkommenen Zufriedenheit ausgeübt hat. Der Dank und ehrendes Gedenken über das Grab hinaus ist dem Heimgegangenen sicher. — Ostr 0 w 0. Aus Crajova in Rumänien trifft die Nachricht hier ein, daß Stabsarzt Dr. P eis er in Aufopferung seines Berufes infolge der dort herrschenden tropischen Hitze plötzlich verschieden ist. Der Verstorbene diente seit Kriegsbeginn in treuester Pslichterfüllung unentwegt seinem Baterlande. Sein Tod ruft in allen Kreisen der Bevölkerung allgemeine Teilnahme hervor. Dr. Max Peiser war Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Roten-Kreuz-Medaille. Er erreichte ein Alter von 42 Jahren. — Pudewitz. Frau Cäcilie L e v y , geb. Satomon, in Hohensalza, hier gebürtig, spendete der hiesigen Synagogengemeinde eine Gesetzesrolle von hohem Wert. Die Spenderin hat unserer Gemeinde zu wiederholten Malen ansehnliche Gaben znkounnen lassen. — Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt Gefreiter Siegfried Ru sch i n aus Rogasen. Am 20. Juli wurde er für außerordentliche Tapferkeit vor dem Feinde zum Unteroffizier befördert, aber schon am 24. Juli erlitt er den Heldentod. Die Eltern, Herr- Samuel Ruschin und Frau aus Rogasen, haben dem Baterlande nun schon drei Söhne geopfert. — Eiserne Kreuze zweiter Klasse erhielten: Musketier Max Hirsch, Sohn des Kaufmanns Herrn Jacob Hirsch in Wronke, Bankbeamter Kanonier Kurt U n g e r, Sohn des Hausbesitzers Herrn Jacob Unger in Posen, Ersatzreservist Hermann Sü stur a n n aus Schildberg. er. Glogau, 6. September. Am Sonntag, den 1. d. M., fand aus dem hiesigen jüdischen Friedhose eine Seelenfeier statt. Die Gräber waren von den Hinterbliebenen der Verstorbenen mit Blumen und Kränzen geschmückt worden. Nachdem die Gemeindemitglieder in der Friedhofshalle Platz genommen hatten, wurde die ernste Feier mit dem Gesang der Totengebete in deutscher Sprache von einem Sängerchor unter Leitung des königlichen Musikdirektors Loren z

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