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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-13 · Heft 37 (13.9.1918) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 37 (13.9.1918)
Date
1918-09-13
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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439 Schüler zugleich die Heimat des Lehrers. Daher mutz es dessen vornehmlichste Aufgabe sein, sich sobald als möglich eine eingehende Kenntnis der Gemeinde, in der er wirkt, und deren Geschichte anzueignen. Nur dann kann er mit Erfolg den heimatkundlichen Unterricht erteilen. Er vertiefe sich in die Ortsverhältnisse, studiere die Gemeindegeschichte, erforsche die vorhandenen Akten und prüfe die sich vorfindenden Altertümer. Außerdem lege er eine Chronik der Schule sowohl als auch der Gemeinde an, verzeichne objektiv die Geschehnisse. Er beschaffe die literarischen Erscheinungen sowohl über den Ort als auch über die Provinz und sammle alle die Juden betreffenden Abhandlungen. Als Geschichtsquellen können dem Lehrer ferner dienen: der Gemeindekontros, die Grabinschriften der Denkmäler auf dem Friedhose, etwaige Inschriften im Tempel, die Widmungen auf den Mappen, Mäntelchen und Vorhängen. Alle diese Bemühungen können jedoch nur zu einem befriedigenden Resultat führen, wenn der Lehrer dauernd am Orte tätig ist und sich selbst dort heimisch fühlt, was nicht bei einem öfteren Wechsel geschehen kann. Denn „das wirklich heimatliche liegt lediglich in der Art, wie es gegeben wird". Mdilche Denker und Dichter. 4. und 5. S ch a l o m Asch und I. L. P e r e z. Von Ludwig Geiger. ie Bilder dieser beiden ostjüdischen Erzähler sollen hier nicht ohne Begleitwort stehen. Aber eines ausführlichen Artikels bedarf, es nicht, da beide unter Berücksichtigung ihrer neuesten Produktionen dem Leser vielfach vorgeführt worden sind. Von Perez ist im Jahrgang 1917 zu wiederholten Malen die Rede gewesen. Schalom Aschs neue Erzählungen und Dramen habe ich im Laufe der letzten Jahre fast ausnahmslos gewürdigt, auch vor vielen Jahren, vor meiner Uebernahme der Redaktion, ihm einen längeren Artikel gewidmet. Perez ist, wenn ich recht unterrichtet bin, nur aus dem Gebiete der Novelle tätig gewesen und erst seit einer verhältnismäßig kurzen Zeit in Deutschland bekannt; Schalom Asch hat sich auch auf dem Gebiete des Dramas versucht und selbst auf deutschen. Bühnen Eingang gesunden. Ihr Gemeinsames besteht darin, daß sie beide aus dem Osten stammen undvon dem Osten berichten, freilich Asch mehr aus Rußland, Perez fast ausschließlich aus Galizien; der wesentliche Unterschied zwischen beiden liegt in der Tendenz oder, wenn man dies von manchenals anstößig betrachtete Wort vermeiden will, in ihrer Eigenart: Perez führt mehr das Kleinleben, gewiß auch das Aermliche, Jämmerliche vor, daneben aber auch das Erfreuliche, die Glaubensinni-gkeit, den starken Zusammenhalt der Familie; Asch dagegen liebt das Düstere, Gewöhnliche, Gemeine. Manche seiner Sittenschilderungen, namentlich die dramatischen, erscheinen wie Keulenhiebe gegen die Rohheit, di: Unnatur, Gewinnsucht und Lasterhastigkeit gewisser Klassen und ihrer Vertreter; während Perez bei allem Schlimmen, das er berichtet, Mitleid zu erregen, Mitgefühl hervorzurufen bestrebt ist, hat man bet Asch -den Eindruck, daß er mit einer gewissen Absichtlichkeit die Schäden aufdeckt und, ohne Freude daran zu empfinden, die Schattenseiten zu zeigen, es als ein Gebot der Gerechtigkeit empfindet, realistisch die Dinge so kraß und abscheulich zu schildern, wie sie sind, oder wie er sie erkennt. Vielleicht besitzt Asch eine größere Kraft; unsere Sympathie neigt sich in höherem Grade Perez zu, der, ohne daß er vertuschen oder beschönigen will, doch das allzu Grausige und Bejammernswerte beiseite läßt und wenigstens manchmal bestrebt ist, unsere Seele mit lieblichen Bildern zu erfüllen. Mblische Zitate. Dem Andenken seines auf dem Schlachtfelde gefallenen Sohnes Berthold gewidmet. Bon Wilhelm Goldstei n (Berlin). enn wir Büchmanns „Geflügelte Worte" zur Hand nehmen, so freuen wir uns, unter sicherer Führung die Quellen, aus denen die Sentenzen unserer Dichter und Denker fließen, leichten Kaufes kennenzulernen, und sind -oft überrascht wahrzunehmen, daß hundert Jahre oder gar Jahrhunderte darüber hinweggegangen sind, seit diese geflügelten Worte Gemeingut der Völker geworden, ohne daß sie eine Einbuße an ihrer Popularität wie an ihrer Bedeutung erlitten hätten. Was wollen aber diese Zeitläufte besagen, gemessen an den Wahrsprüchen, die uns aus dem Buche der Bücher, aus unserer heiligen Bibel, entgegenströmen! Wie einfach und doch wie lapidar stehen die Worte an ihrem Eingang: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde"; dann: „Und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht"; weiter: „Und es ward Abend und ward Morgen, der erste Tag", ebenso der zweite unb so fort bis zum sechsten Tage. „Und Gott sah alles, was er gemacht, und siehe, es war sehr gut." Nun hebt das zweite Kapitel an: „Da waren vollendet Himmel und Erde und all ihr Heer. Und Gott hatte vollendet am siebenten Tage sein Werk, das er gemacht, und ruhete am siebenten Tage von all seinem.Werke, das er gemacht. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn . . ." Wahrlich, kein Dichter wäre imstande gewesen, der Schöpfungsgeschichte einen prägnanteren und gewaltigeren Ausdruck zu verleihen. — Selbstverständlich verbietet es der mir zur Verfügung stehende Raum, die biblischen Zitate, die durch Jahrtausende unter allen Völkern und Konfessionen fortleben, auch nur annähernd wiederzugeben. Hier sei nur aus solche, die für das Judentum von unvergänglichem Werte sind und unseren Andachtsübungen ihren tiefen Gehalt verleihen, kurz hingewiesen. Wie wenige Beter mögen sich dessen bewußt fein, daß unser geheiligter Weckruf, ohne den keine Andacht, sei es nn Gottes- FM __ .. > MM . jT* Wmf ly 7‘tV. MM-UEW mm iftlSi 'M, 3. L. percz. Aus dem Buche „Ostjüdische Erzähler. I. L Perez. Schalem Aleichem, Schalom Asch." Ausgewühlt und übertragen von A. Eliasberg, mil drei Bildnissen. Gustav Kiepenheuer, Verlag, Weimar. Halbleder M. 4,—, leicht kartoniert M. 1,50.

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