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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-06 · Heft 36 (6.9.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 36 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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hielt die Weiherede, die durch ergreifenden Ehorg-esang der Gefangenen eingerahmt w.ar, und übergab sodann -das Denkmal der Lagerkomnrandantur, deren Vertreter, Hauptmann Fiebelkorn, es hinwiederum dem Garnisonkommando überloies. Von den englischen, und französischen Gefiangenen waren Abordnungen -erschi-enen., di>e prachtvolle Kränze niederlegten. Auch das Ossizierkorps der Kommandantur hatte -einen schönen Kranz gesandt. — Dresden, 30. August. Die Begräbnisstätte der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde an der Trinitatisstraße, deren Gelände sich inöstlicher Richtung unmittelbar -an den Trinitatisfriedhos anschließt, besteht jetzt ein halbes Jahrhundert. 1868 wurde der alte israelitische Friedhof an der Pulsnitzer Straße (bei der Martin-Luther-Kirche) mit einem Umfang von 35 Ar geschlossen. Erlaubnis zur Anlegung dieses Gottesackers vor dem Schwarzen Tore auf dem damaligen „Neuen Anbau" der Antonstadt gab- Minister Reichsgraf v. Brühl gegen 1000 Taler „Präsent" 1751. Der älteste Friedhof lag beim Jüdenteich. dein heutigen Georgplatz. Vorher mußten die Juden ihre Toten nach Teplitz überfuhren. Von der israelitischen Gemeinde wurde 1865 die 1 Hektar 11 Ar -große Waldfläche im Blasewitzer Forstrevier erworben. Nach Entwürfen des Architekten E. Gi-ese sind Kapelle, Leichenhaus und Einfahrtstor mit Einsri-edigung. ausgesührt. Die Gesam-tanlage erforderte 26 000 Mark und erhielt 1867 ihre Weihe. Bedeutende Männer aus Gelehrten- und Handelskreisen haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. — Augsburg, 30. August. Oberarzt der Reserve und Bataillonsarzt Dr. Fritz Lammfromm von hier, Inhaber des Bayerischen Niilitär-Sanitütsordens, des Bayerischen Militär-Verdienstordens, des Eisernen Kreuzes erster und zweiter Klasse und des Oesterreichischen goldenen Verdienstkreuzes, starb am 11. August im Lazarett an den Folgen seiner Verwundung. Sein Regimentskommandeur Major Albert Ritter v. B e ck h widmet ihm in hiesigen Blättern einen Nachruf, in welchem es heißt: „Die 3% Jahre, die er Freud und Leid mit dem Regiment geteilt, sind, eine Kette unermüdlicher vorbildlicher Pflichterfüllung. Wenn der Truppenarzt als treuester Helfer in schwerer Not gilt, so hat der Tote diese hohe Ehrenpflicht in vorbildlicher Weise erfüllt. Er hielt im schwersten Feuer bei den Verwundeten aus, er Pflegte die Sterbenden mit allen Mitteln ärztlicher Kunst, er ging mit der Truppe -in den schwersten Kampf und war immer da, wo es am gefährlichsten und die Hilfe am willkommensten war. Vielen hat seine Ansopseruna das Leben gerettet. Keiner wird ihn vergessen, der Zeuge seines edlen Menschentums war." — Darrustadt, 30. August. Das Organ der deutschen- Bodenreformer (Leitung: Adolf Damaschke) schreibt in Nr. 15 vom 5. August 1918 unter dem Titel „Der Weg der Kriegerheimstätten": Wir haben an dieser Stelle und in unserer „Deutschen Warte" zahlreiche Kundgebungen von Vertretern evangelischer und katholischer Religionsgemeinschaften gebracht. Heute geben wir einen israelitischen Ausruf wieder, den der Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt nach dem letzten Versöhnungsfest erlassen hat: „Unter dem Eindruck des heiligen Versöhnungstages, den wir soeben fastend und betend vor Gott zurückgelegt haben, wende ich mich mit einem ernsten Worte au die Gemeinden des Rabbinates. Während draußen im Felde in heißem Ringen unsere Väter, unsere Gatten und Söhne stehen, während in den heimatlichen Gauen unermüdlicher Wille und heiliger Ernst alle Kräfte einen, um das Gebot der Stunde zu erfüllen, hat eine große Bewegung in unserem Vaterland — und wir dürfen mit Stolz sagen, Hessen voran —, auf die Zukunft -schauend, eingesetzt. Aus warmem Herzen quillt der Dank unseren Helden! Ihnen, die unsere Heimat verteidigt, die gestritten und gelitten, die geblutet für uns, gilt die Kriegerheimstätten-Bewegung. Wenn der Friede kommt, so soll unser ganzes Volk den Heimkehrenden Stätten bereiten, wo sie aus freiem deutschen Boden, in eigenere Hütten gesunden und sich verjüngen nach heißen Schlachten und schweren Jahren -der Not. Dort imeigenen Heim, umgeben von Weib und Kind, soll nach dem Frieden vonaußen der höhere Friede im Innern in tust- und ilichtd-urchfluteten Räumen, frei von irdisch quälenden Sorgen -des Alltags, durch eigenes Haus -undeigenen Boden unseren Familienvätern geschaffen werden. Eine der unvergeßlichsten Stunden unseres Lebens war es, als 'der Führer dieser großen Bewegung in hinreißender Beredsamkeit und tiefste Ueberzeugung atmenden Worten in unserer Residenzstadt in einer großen Versammlung für diesen -erhabenen Gedanken warb. Den warmherzigen Förderer alles Hohen und Edlen, unseren hochsin-nigen Landesherrn, Seine Königliche Hoheitder Großherzog, Und die gleichgestimmte, unentwegt Werken der Menschenliebe sich widrnende Fürstin sahen wir unter den ersten au der Spitze dieser großen Aufgabe. Und nun ist's an uns, zur Tat bereit zu sein. Es ist eine religiöse Tat, die es hier mit ganzer Kraft zu fördern gilt, die großen sozialen Gesetze, die dein Juden tun: in Bibel und Ueberlieserung als einige Aufgabe -anvertraut sind — ich erinnere nur an die Bodengesetzgebung., die die Freiheit des Menschen von jeder dauernden Belastung seines Hauses und Hofes gewährleistet, die ihn eigenen Boden sichert, an das von Recht und Liebe durchtränkte Gottesgesetz —, verpflichten uns, diesen Gedanken -der Kriegerheimstätten mit Wärme zu vertreten. . . Ihr sollt Freiheit verkünden im Lande allen seinen Bewohnern . . ., und ihr kehret ein jeder zu seinem Grundbesitz und jeder kehrt zu feiner Familie zurück." (3. Buch Moses, 25, 10.) Das ist das religiöje Gebot, dem es jetzt Anerkennung zu verschaffen gilt. Jede jüdische Gemeinde wird darum durch ihren Beitritt zu dem Landesverein für Krieg-erh-eimstätten zeigen — was bedeutet die Gabe eines Mintnralbeitrags von 10 Mark? —, daß mehr noch als sich verflüchtende Gefühls- und Dankes-regung dauerndes, von bewußtem Handeln getragenes soziales Wollen ihren Namen bei denen wissen will, -die dieses Werk anbahnen. Ich bitte Ihre Gemeindevertretung, sofort darüber Beschluß zu fassen, und erwarte Ihren Bescheid-. Sogleich ersuche ich Sie, in der Gemeinde die Vereine für den Kriegerheimstätten-Gedanken zu gewinnen und zugleicheine Liste herumgeh-en zu lassen, die durch Einzelbeiträge Mitglieder für die Sache wirbt. Draußen in der Wüste, soeben der feindlichen Handägyptischer Knechtschaft entronnen, frei vom Sklavenschicksal, so erzählt uns die Heilige Schrift, war es das erste unseres Volkes, sich Hütten zu bauen. Dort wohnten sie glücklich undfrei; denn über dem Dach ihrer Hütten breitete sich die schimmernde und schirmende Wolke des Himmels und schützte sie gegen Sonnenbrand, während in der stacht ihnen eine Feuersäule den Weg wies zu der Sehnsucht ihres Herzens, eigenem heiligen Boden zu. Ist es nicht ähnlich jetzt so? Helfet bauen Hütten den von der Wüste da draußen heimkehren^n Kriegern. Der Feindeshand entronnen-, wird ein freies- Volk heimwärtskehren, nach Kampf und Not. Wird es auch -unser erstes sein, ihm Hütten des Friedens zu bauen? Wirdnach Sonnenbrand der Wüste die schirmende und schützende Wolke der Liebe sich, wie dereinst über seine Hütten breiten? Jetzt! — to'cm: es auch noch Nacht ist — weist den Weg uns, wie die Feuersäule in der Wüste, die Kriegerheimstätt-en- Bewegung zur Sehnsucht nach eigenem Boden für jeden heimkehrenden Krieger, damit ihr würdig werdet, die Stunde unserer staatlichen- Wiedergeburt und des friedlichen Aufbauesunserer Nation mitzuleben, wenn Gott uns gibt die Hütte seines Friedens." Ter Aufruf ist noch nicht veraltet. Mögen die herannahenden heiligen Tage den Sinn unserer Glaubensgenossen erleuchten, auch auf dem Gebiete der Krieg-erheim-stälten-Bewegung praktisches Judentum zu üben! Dänemark. z. Kopenhagen, 30. August. Das dänische Regierungsblatt „Politiken" berichtet in der Ausgabe vom 11. >d. Nt. über skandalöse antisemitische Szenen, die einige Tage zuvor in der von der Regierung eingesetzten Preisregulierungskommission. vorgefallen sind. Als der bekannte dänische Großindustrielle Direktor Max B a I l t n in seiner Rede betonte, daß er angesichts der Stellung, die er zurzeit einnehme, das Recht habe, zu verlangen, daß man seinen Worten glanbe, ohne die Vorlage seiner Geschästs-bücher zu fordern, wurde er von einem -anderen Mjitgliede der Kommission, dem Universitätsprosessor der Nationalökonomie L. V. Virck, einen: bekannten konservativen Parteiführer, mit den Worten unterbrochen: „Dasselbe sagte mir auch Albert: vor zehn Jahren." (Alberti ist, wie man sich erinnert, der ehemalige dänische Minister, der vor Jahren, wegen umfangreicher Betrügereien zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden ist.) Als Direktor Ballin in der Erregung über diese unerhörte Beleidigung den Professor Birck einen Lügner und Ehrabschneider nannte, rief ihm Professor Birck zu: „So etwas darfst du nicht sagen; denke daran, daß du zu einem weißen Manne sprichst, und daß du, selbst ein Jude bist." Diese ebenso dumme wie unverschämte Bemerkung, die die schlimmsten Ausbrüche des Radauautisemitism'us in allen Ländern an Roheit noch, übertrifst, hat in der dänischen Oefsentlichkeit um so mehr Aussehen erregt, als in:

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