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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-06 · Heft 36 (6.9.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 36 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 allgemeinen die dänischen Juden über Antisemitismus' nicht zu klagen haben. Andererseits beftäti'gt diese antisemitische Anpöbelei, die ja nicht von dem ersten besten Mann der Straße, sondern von einem Hochschullehrer und Parlament sin itglied erfolgt, daß der Antisemitismus, wenn auch zumeist latent, doch auch in Dänemark recht kräftig ist. Grsterrrich-Angam, Z. Wien, 30. August. Die Behandlung der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina durch Behörden und Gesellschaft findet eine vernichtende Kritik in einem Artikel des Wiener Gemeinderates Dr. Rudolf Ritter v. Schwarz-Hiller, Leiters der Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsflüchtlinge, der sich hierüber in der „Wiener Sonn- und Montagszeitung" wie folgt äußert: „Die Flüchtlinge kehren oft in Ruinen zurück, in eine vollkommen ungewisse Zukunft, keinerlei sachliche oder persönliche Hilfsmittel erwarten sie; nicht einmal freundliche Gesichter, denn aufgewiegelte Bevölkerungskreise bereiten ihnen oft bei der Rückkehr einen peinlichen Empfang. Und dennoch kehren sie, zurück, freiwillig und ohne Zwang und ziehen die ungastliche Heimat der Ruinen den sicheren Quartieren des Hinterlandes vor. Es ist dies wohl kein Kompliment für das Hinterland, und es ist dies leider auch ein Anzeichen dafür, daß das Politikum der Flüchtlingsfürsorge nicht richtig gewertet wurde. Statt der erwarteten Vertiefung des Gemeinsamkeitsgedankens der großösterreichischen und ganzösterreichischen Idee sind die Gegensätze größer geworden, und eine Verbitterung wächst täglich ins Riesengroße. Es ist zu viel unnütz gehetzt worden." Schwarz- Hiller weist die antisemitischen Beschuldigungen gegen die Flüchtlinge zurück, als seien sie an der Teuerung schuld, und sagt dann weiter: „Vorwürfe hat man erhoben und die öffentliche Meinung wurde gegen sie gehetzt ohne Beschränkung. Hier gab es keine Zensur. Will man einen Blitzableiter vorbereiten für den Zeitpunkt, da vielleicht das Donnerrollen eines enttäuschten Volkes Opfer finden mutz? Aber wir Mittelmächte kämpfen doch für die wahre Kultur, Freiheit und Menschlichkeit, im Gegensätze zu England und seinen Genossen? Die Flüchtlinge kehren zurück. Arme und Reiche. Wer ihren Auszug beobachten will, komme an einem Monkagnachmittag auf den Nordoahnhof (Frachtmagazin). Ahasver ist wieder auf der Wanderschaft. Armseliger Hausrat wird da mitgeschleppt; und aus elenden Brettern und Fetzen soll eben in der Heimat sich neues Leben entfalten. Man muß die Lebenskraft und den Lebensmut all der Leute bewundern. Sie ziehen ins Nichts zurück mit nichts, und dennoch hoffen sie. Vielleicht ist es der Glaube an ihren Gott und an ihr eigen Volk, der sie so stark, so unbeugsam macht." Von Mh und Fern. — Die Sportabteilung des Bar Kochba (Berlin) hat in letzter Zeit an verschiedenen sportlichen Wettkämpfen erfolgreich teilgenommen. Beim Stafettenlauf Britz—Neukölln wurde ihre Mannschaft zweite; in der Gruppe „Jugendkompagnie" errang sie den ersten Platz. Beim Stafettenlauf Stadion—Stern konnte sie den 12. Platz unter 31 Mannschaften belegen. Die Vereinsmitglieder stehen alle noch in jugendlichstem Alter, da die älteren Mitglieder feit langem eingezogen sind. — Nachkommen Moses Mendelssohns sowie die jüdischen Gemeinden von Leipzig und Dessau haben eine von dem Berliner Bildhauer Jllemann gefertigte Büste des großen jüdischen Philosophen der Deutschen Bücherei in Leipzig zum Geschenk gemacht. — Dem Berliner Urologen Sanitätsrat Dr. Artur L e w i n ist das Eiserne Kreuz am weißschwarzen Bande verliehen worden. — Der Assistenz- und Bataillonsarzt Meyer, Sohn des Geheimrats Prof. Dr. Georg Meyer, der Oberarzt der Reserve Dr. Siegfried Bernhard (Berlin) und Dr. M e y e r s o h n (Berlin-Pankow) haben das Eiserne Kreuz erster Klaffe erhalten. — Der Berliner Bezirks- Vorsteher Sally L e v y hat das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. — Der bekannte Literarhistoriker Dr. Max M o r r i s ist, 58 Jahre alt, in Berlin gestorben. Nachdem er 15 Jahre ärztliche Praxis ausgeübt hatte, wandte er sich der Goethe-Forschung zu, die er durch zahlreiche und wertvolle Schriften bereicherte. — Dem Inhaber des Berliner Bankhauses N. Helfft u. Co., Herrn Georg H e l f f t, wurde vom Großherzog von Mecklenburg-Schwerin der mecklenburgische Greifenorden mit der Krone verliehen. — Die Wahl des Professors für öffentliches Recht an der Handelshochschule Dr. Hugo P r e u ß zum Rektor der Hochschule wurde von den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin bestätigt. — Aus Neu tonn sche-l wird uns geschrieben: Das Fest der goldenen Hochzeit beging, in diesen Tagen in seltener Frische das Aron Lewi >ns ch e Ehepaar, hier. Die ihm Allerhöchst verliehene Ehejubiläumslnedaille wurde vom Magistratsmitgliede Herrn Schirmer mit den Glückwünschen der Stadt überreicht. In Anbetracht per ernsten Zeit wurde von einer Feier nach außen hin Abstand genommen; eine. Anzahl Angehöriger von nah und fern umgab das Jubelpaar. Herr Lewin hat die Feldzüge 1864, 186)3 und 1870/71 mit Auszeichnung mitgemacht. — Dem technischen Betriebsinspektor beim Oberkommando einer Armee Herrn Arthur Berger aus Breslau ist das österreichische Militär-Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen worden. Herr Berger besitzt bereits das Eiserne Kreuz 2. Klasse und den bulgarischen Verdienstorden am Tapferkeitsbande. — Oberarzt Dr. Emil S a - l o m o n in Löcknitz i. P. hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. — Aus Leipzig wird gemeldet, daß Reichsgevichtsrat Dr. Schaps, der mit seiner Tochter auf einer Erholungsreise in Tirol sich befand, beim Abstieg vom W atz mann infolge Herzschlages gestorben ist. Der Heimgegangene, der bis zu seiner am 1. März 1918 erfolgten Berufung an das Reichsgericht in Leipzig am Oberlandesgericht in Hamburg gewirkt hat, hat ein Alter von nur 50 Jahren erreicht. Er war ein guter Jude, der für die Interessen seiner Glaubensgenossen immer mit Entschiedenheit erntrat. Der Verband der Deutschen Juden beklagt in ihm den Verlust eines eifrigen treuen Mitglieds seines Ausschusses. — Der Leutnant und Kompagnieführer Präparandenlehrer Aron Hirsch mann in Burgpreppach (Unterfranken) ist im Westen gefallen. Die jüdischen Lehrer in Bayern beklagen in dem Toten einen tüchtigen, unvergleichlichen Kollegen. — Hilfsschwester Bianka Kadden, Tochter des Verwalters Kadden am Deutschen Israelitischen Kinderheim in Diez, seit Kriegsbeginn am Reservelazarett Diez tätig, Inhaberin des Verdienstkreuzes des Vaterländischen Frauenvereins, wurde die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse verliehen. — In Bruchsal ist Oberstabsarzt Dr. Nathan Fuchs, Ritter des badischen Zähringer Löwenordens erster Klasse mit Schwertern und des Eisernen Kreuzes, unter großer Beteiligung und mit militärischen Ehren beerdigt worden. Oberstabsarzt Dr. Fuchs ist ein Opfer des Krieges geworden; trotzdem er das militärisch dienstpflichtige Alter längst überschritten hatte, hat er sich bei Kriegsausbruch freiwillig zur Verfügung gestellt und freiwillig meldete er sich wiederholt, um an vorderster Stelle mit dabei sein zu dürfen. -- Nathan Schloß, Militärkrankenwürter im 1. bayerischen Feldlazarett, Sohn des Herrn Gustav Schloß in Stuttgart, erhielt das Bayerische Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern sowie das Bayerische Freiheitskreuz 2. Klasse. — Am 29. v. M. beging Alfred Stern, Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 87. Geburtstag. — Der Vorstand der Chewra-Kadischa Wien I beschloß in einer letzthin abgehaltenen Sitzung, zur dauernden Ehrung des Andenkens des Ehrenmitgliedes der Chewra-Kadischa, Oberrabbiners Dr. Moritz Gü de mann s. A., zwei Stiftungen zu errichten: 1. eine „Oberrabbiner-Dr.-Moritz-Güdemann-Bettstiftung" für das Erholungsheim der Wiener Chewra-Kadischa in Baden bei Wien, 2. eine „Oberrabbiner-Dr.-Moritz-Güdemann-Stiftung" mit einem Kapital von 3000 Kronen, deren Erträgnisse jeweils am Jahrestage an arme jüdische, vorzugsweise kranke Gelehrte zur Verteilung gelangen sollen. — Wie russische Zeitungen berichten, erließ die außerordentliche Kommission zum Kampf gegen die Konterrevolution aus Anlaß der antisemitischen Propaganda, die sich in Moskau verstärkt hat, eine Warnung an das Publikum. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß jede Verhetzung einer Nation gegen die andere Konfiskation des gesamten Vermögens und Gefängnisstrafe zur Folge haben werde. Die Anteilnehmer an Pogromen werden erschossen werden. — Die polnische Regierung hat den jüdischen Kriegsflüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat verboten. Ein gleiches Verbot wurde auch für das litauische Gebiet erlassen. — Das Statistische Bureau in Washington hat laut dem Jüdischen Preßbureau in Stockholm ein Verzeichnis der Staatsbeamten der Vereinigten-Staaten veröffentlicht. Wie es sich herausstellt, hat in letzter Zeit die Zahl der jüdischen Staatsbeamten in den Vereinigten Staaten außerordentlich. zugenommen, und zwar um das Dreifache des gewöhnlichen Zuwachses. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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