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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-06 · Heft 36 (6.9.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 36 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. 36 Der Gemeindebote. ^Berlin, 6. September 19i8 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korresponLkn?en und Sschrichtrn. SmWIsnd. E. R. Berlin, 1. Sept-ernber. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversamm'lung, die erste nach den Ferien, wurde von dein Borsitzenden, Geheimrat Dr. Minden, mit einem dem Andenken der jüngst verstorbenen Herren Kommerzienrat Eisner, Geheimrat Pieck und Rabbiner Dr. Rosenzweig gewidmeten, warmenrpsundenen Nachruf eröffnet. Er führte aus: Der Vorsitzende des Vorstandes, Ko innrer zienrat Eisner, war uns allen ein lieber Freund, ein Mann des Friedens, der immer, wenn er in der Versammlung das Wort ergriff, die erregten Wogen der Debatte glättete. Er hat als würdiger Nachfolger des greisen Julius Jacobh das Steuer der Gemeinde in schwerer Zeit mit fester Hand gelenkt, wenn auch die Kriegszeit es verhinderte, daß alle die großen Pläne und Aufgaben^ die unserer Gemeinde obliegen, nach allen Richtungen zur Durchführung gelangten. Geheimrat Pieck gehörte zu den ersten jüdischen Juristen, wÄche von der Regierung übernommen wurden; sein Amt als Aeltesten-^Stellvertreter hat er bis kurz vor seinem Tode in treuer Hingebung verwaltet. Rabbiner Dr. Rosenzweig hat bei, allen ein gutes Andenken hinterlassen. ' Sowohl als Prediger wie auch, als Mann der Wissenschaft hat er Anerkennung gefunden. Das Andenken dieser um das Judentum und die Berliner Gemeinde hochverdienten Männer wird in unserer Mitte als ein gesegnetes fortleben. — Der Vorsitzende teilte dann mit, daß er Herrn Geheimrat Professor Dr. Landau im Namen der Versammlung, zu seinem 70. Geburtstag gratuliert hat und daß von dem- Jubilar ein Dankschreiben eingegangen ist. — Folgende Zuwendungen wurden angenommen: Von Herrn Staorsekretär Dr. Stern 3000 Mark zur Erhaltung von Gräbern und zwei Jahrzeiten. Von den Erben der Frau Anna Ginsberg zur Verstärkung der Dr..-Jsidor-Ginsberg-Stiftung 5000 Mark. Bon Frau Anna Kaili scher 1000 Mark zur Grabpflege. Von Herrn Paul Jüdel 5000 Mark für die Armen kommt ssion, 5000 Mark für die Altersversorgungsanstalt, 5000 Mark für Krankenhaus und 5000 Mark für Grabeserhaltungen, im ganzen 2 0 0 0 0 Mark. Von den Eheleuten Ignatz und Johanna H a n t k e zur Errichtung einer Dr.-Fritz-Hantke-Stiftung 10 00O Mark. Von den Eheleuten Kommerzienrat Gerson und Margarete Simon zur Errichtung einer Stiftung 15 000 Mark. Von Frau Anna Sachs geb. Malarek 1250 Mark zur Verteilung an bedürftige jüdische Familien. Von Frau Elise Boehm geb, Pollak für das Krankenhaus zur Errichtung einer Stiftung 15 750 Mark. Von Herrn Oskar Tietz 50 000 Mark zur Verstärkung der Oskar- und-Betty-Tietz-Stiftung. —In die gemischte Deputation zur Beratung von Fragen, welche die Anstellung von Genreinderabbinern betreffen, wurden die Herren C a s p a r i, K a l i s ch e r, K i r st e i n und Sachs gewählt. — Die Einrichtung eines Jugendgottesdienstes nach altem Ritus, ursprünglich für die Synagoge Rykestrahe, lvird unter der Bedingung genehmigt, daß derselbe in der Synagoge Heidereutergasse stattfindet. Die Agende bleibt unverändert, ein oder zwei befähigte Knaben sollen aus der Thora vorlesen, dann soll Mußaf und Mincha gebetet werden. — In die Richtlinien für die subventionierten Vereine wird eine Bestimmung ausgenommen, nach welcher alle länger als drei Jahre laufenden Verträge sowie der Ankauf von Grundstücken der Genehmigung des Geweindevorstandes bedürfen. — Als Gemeindemitglied lvird in die BeranlagnngsLommission Herr- David C o o f m a nn-, in die R'abbinerwahlkommis.sion' Herr. Rechtsanwalt Moritz Herrschet, in die Altersversorgungsanstalt Herr Leo Brasch .gewählt. — Die Vorlage, daß mit Wirkung vom 1. Juli d., I. ab die Vergütung für die Bureauhilfskräfte um 15 Mark und für diejenigen, welche Abteilungsvorsteher und diesen im Range gleichstehende Beamte vertreten, in der letzten Stufe um 25 Mark monatlich erhöht werde, wird genehmigt; ebenso lvird denjenigen Jnterimsorganisten, die mehr, als fünf Jahre beim Hanptgottesdienst amtiert haben, eine Alterszulage von 50 Mark, den Organisten beim Jugendgottesdienst nach fünfjähriger Tätigkeit eine solche von 30 Mark gewährt, den Jnterimsvorbetern, Chorleitern und Organisten nach zehnjähriger Tätigkeit eine weitere Alterszulage von 60 Mark beim Haupt- und 30 Mark beim Jugendgottesdienst zugebilligt. Das Honorar für das Herrenpersonal in den Interim schären wird von 70 Mark auf 90 Mark erhöht. — Um 11 Uhr fand die Wahl eines Gemeindeältesten statt, die auf Herrn Justizrat Julius Magnus fiel. — Es folgten Rechnungsabschlüsse. Beim Rechnungsabschluß der Zentralstelle für die Wohltätigkeitsanstalten bittet Herr Negierungsbaumeister G r ü n - feld uni schleunige Besetzung der Dezernentenstelle des Gemeinde- Vorstandes, da oft Unordnungen entstehen. Von seiten des Vorstandes wird sowohl von Herrn Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld als auch von Herrn Syndikus Lilienthat Beschleunigung zugesagt. Während der Kriegszeit sei das aber sehr schwer. Herr Emil Pin c u s erklärte: Ich wünsche natürlich auch, daß die Wohlfahrtseinrichtungur bald einen Dezernenten des Gemeindevorstandes erhalten mögen- -im Interesse eines geordneten Geschäftsganges, doch kann ich den Einwurf des Herrn Referenten, daß in der Zentralstelle oft Unordnung entstehe, nicht unerwidert -lassen. Ich muß konstatieren, da ich täglich inder Rosenstraße und auch iti> der Zentralstelle anwesend bin-, daß gerade diese musterhaft funktioniert und ln der Lage ist, auf alle Anfragen in präziser und zuverlässiger Weise Auskunft zu erteilen. — Folgende Ausgaben werden bewilligt: Der Königlichen Augustaschule 240 Mark für Kosten des Religionsunterrichts der Oberstufe. Der Schulverwaltung 500 Mark für freie zahnärztliche Behandlung der Schüler und Schülerinnen der Knaben- und Mädchenschule, für den Friedhof in Weißensee 53 430 Mark zur Ausführung von Schwellen fundamenten und 17 450 Mark zur Herstellung von Straß-enpflaster; der Hauptverwaltung 1 5 4 7 5 Mark zur Vornahme von Reparaturen für 1918. Dem Krankenhaus 1 2 0 0 Mark zur Erneuerung zweier Fahrstnhlseile. Der Synagoge Fasanenstraße 8 00 Mark für die Anschaffung von Gebetbüchern, I. und II. Teil, zur Verteilung an Barmizwahknaben. Hierbei sprach Herr Sanitätsrat Dr. Steinthal den Wunsch aus: Es mögen für die Zukunft kleine Gebetbücher angefertigt werden, welche die Gebete für Wochentage und Freitagabend enthalten und für einen billigen Preis zu haben sind. Ihm schließen sich die Herren Benas L e v y und Emil P i n c u s an. — Subventionen erhielten: der Deutsche Rabbinerverband 2 00 Mark einmalig sür Feiertagsbetöstigungjüdischer Soldaten; der Verband der TeutjckM Juden 500 Mark einmalig, 500 Mart Zuschuß zu den Kosten des apologetischen Kurses; die Jüdische Leseihalle und Bibliothek 80 0 Mark für 1918, davon 300 Mark einmalig; der Jüdische Jugendbund einmalig 50 0 Mark; der Jüdische R-Äigionsverein Friedenau-Steglitz 2250 Mark für 1918/19; das Jüdische Knrhospital Bad Salzbrunn 450 Mark; der Synagogenverein Moabit und Hansabezilrik 1 0 000 Mark; die Israelitische Bereinigung Berlin- Lichtenberg 5 00 0 Atark; das Jüdische Kinderheim Fehrbelliuer Straße 1000r Mark; der Frauenverein der Berliner Logen 5 00 Mark; die Israelitische Vereinigung Karlshorst 1 50 0 Mark; der Synagogenverein Schöneberg 18 000 Mark; der Shnagogenverein Osten 1500 Mark; die Jüdische Vereinigung Tempelhof- Mariendorf für die Veranstaltung eines Hauptgoittesdienstes an den hohen Feiertagen 1000 Mark. — Geheimrat Minden schloß die Sitzung mit einer Ansprache, in der er auf das bevorstehende Roschhaschanafest hinwies, das uns zum fünften Male inr Kriegszustand antrifst. Das verflossene Jahr hat dem Baterlan.de zwar formelle Friedensschlüsse im Osten gebracht, während im Westen noch der Kamps in seiner «ganzen Größe weitergeht. Wir wollen dankbar anerkennen, daß ln denjenigen Ländern, in denen unsere Glaubensbrüder immer schweren Bedrückungen und Verfolgungen ausgesetzt waren, jetzt wenigstens theoretisch der Grundsatz der Gleichberechtigung Geltung hat. Wir weriden weiter ausharren, bis unserem Volke der Frieden beschert hat. Geheimrat Minden hob hervor, es werde heute vielfach behauptet, daß in jüdischen Kreisen wegen der Handelsbeziehungen von Land zu Land ein besonders stark ausgesprochenes Friedensbedürfnis herrsche. Diese Auffassung dürfe nicht unwidersprochen bleiben; e s b e st e h e ke i n Unterschied in bc r

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