Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-06 · Heft 36 (6.9.1918) · p. Seite 431

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 36 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
Seite 431 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229339-3229375--74288-3286774
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

431 Wie wenig Früchte wurden reif gepflückt. Wie viel versagt! Nun stehn wir an der Wende Des Wegs und zagen; Nebel uns bedrückt. Doch frommer Hoffnung falten wir die Hände. Indessen, ach,, grüßt aus der fernen Zeit Manch Grabmal dich mit grünen Gfeuarmen Und wächst herauf verklungen Lieb und Leid. Verwelkte Rosen rühren dein Erbarmen. Was in den Gräbern schläft, ist hin, ist hin. Du hast es einst, so kurz ach nur, besessen. So traurig mahnt des Schofars ernster Sinn: Was ist der Mensch! Wie schnell ward er vergessen! — Noch blitzsts in schwülen Lüften. Weltgericht! Theruoh und Scheworim! Völker zittern! Der Richter zürnt, der Schicksalsstab zerbricht. Wehschrei der Welt: „Er nahte in Gewittern!" Und doch! Und doch! Umschauert's uns auch bang. So morgenrötlich lächelt alle Ferne, Und liebreich tröstet uns im Schofarklang Der Liebe Geist, der Welten treibt und Sterne. Mil?ktlr. Ostjüdrsche BatmtunfU Unter dieser Ueberschrijst reproduzierte die „Deutsche Zeitung Vohemia", Prag, in Nr. 163 vom 16. Juni eine Notiz aus den „Monatsheften für Kunstwissenschaft", die darüber die Verwunderung ausspricht, daß die Synagogen der orthodoxen Judengemeinden im östlichen Kriegsgebiete äußeren architektonischen Stil und inneren Bilder schmuck ausweisen. Trotz Verbots des Dekalogs sind dort Tier- und andere Bilder als Wandschmuck anzutrefsen. Auch die Dach?- kuppel des Bethauses überragt die übrigen Bauten, wofür ein Beleg aus dem Talmud erbracht werden kann. (Sabbath, pag. 11.) Interesse verdient jedoch die hierfür von späteren Dezisoren gelieserte Erklärung, die Synagoge solle den höchsten Bau des Ortes darstellen, genau so, wie der Rabbiner sämtliche Ortsmitglieder an Wissen übertreffen müsse. — Mer auch der bildliche und plastische Schmuck wird mit einem ethisch-religiösen Motiv belegt. So gab eine (Sprüche der Väter V, 17) zitierte Deutung: „Gleiche dem Leoparden an Mut, dem Adler an Raschheit, dem Hirsch an Schnelligkeit und dem Leu an Stärke, wenn du eine gottgefällige Handlung vollführest", Veranlassung, daß gerade diese Tierbilder als Wandschmuck der Synagoge zu entdecken sind. — Ein religiös-ethisches Motiv wird auch den aus Metall geschaffenen Vogelgestalten vindiziert, welche sehr oft als „Kerubim" (Exodus 25, 18) vor der Bundeslade angebracht werden. Diese, welche dem Talmud zufolge im ersten Tempel wie Hähne (Baba bathra 99 u. ö.) oder wie Kinderköpfe bederlei Geschlechts gestaltet waren, wurden im zweiten Tempel in Wegfall gebracht, nachdem Nachbarvölker sich über sie luftig gemacht hatten. (Jmnma 54.) Freilich erklärt sie der Midrasch (Tadsche 15) als Shmbolgestalten von Engeln oder von Recht und Ethik (Leviticus Kap. 32 u. ö.), wie auch das kabbalistische Soharbuch (Exodus. 171) treffend bemerkt: „Wehe, wenn die gegeneinander gerichteten Vogelköpfe sich lockern, d. h. wenn Recht und Gerechtigkeit sich gegenseitig nicht ergänzen oder einander widersprechen." Nur Philo bezeichnet sie als Sinnbilder für Himmel und Erde (Leben Mosis 58) und Onxelos - als bodeutungslose Kunstschnitzerei. (Vgl. Josephus, Alterr. III, 3.) So sehen wir die Kunst im Dienste der Ethik, wenn sie auch ein mosaisches Kardinalgesetz verletzt. — Diese Ausführungen veröffentlichte Schreiber dieses in der „Deutschen Zeitung Bohemia", Prag, Nr. 176 vom Samstag, 29. Juni l. I., und findet sich veranlaßt, sie auch den Lesern der „Allgemeinen Zeitllng des Judentums" hiermit Zugänglich zu nurchen, die sie gewiß mit Interesse aufnehmen werden. D ob usch, im Juli 1918. Rabbiner Dr. I. Eisenberg, Gerichtsdolmetsch und Translator für Arabica et Hebraica. Litkrarilchk Mitteilungen. — Logos und Pan. Eine Liederkette aus unserem Leben von Joseph Kastein. R. Löwit Verlag, Berlin-Wien 1918. Ein speziell jüdischer Verlag, der in neuester Zeit sich besonders rührig in Veröffentlichungen gezeigt hat, bietet hier das Werk eines Autors, dessen Name durchaus jüdisch klingt. Aber das Buch enthält nichts Spezisisch--Jüdisches. Denn» der erste Teil, „Das Ich, die Lieder an Mirjam", sind brünstige Liebesgedichte ohne sonderliche Erinnerungen an die biblische Heldin. Nur einmal, S. 21, kommt eine kurze Anspiegelung auf sie vor. Der zweite Teil: „Die Freunde", Gespräche des Amos, entlehnt von dem Propheten nur den Namen. Der dritte Teil: „Die Gemeinschaft, dir, aus dem Volke", hat höchstens einen allgemein religiösen, aber nicht besonders jüdischen Inhalt. Ter vierte endlich: „Der Geist, Logos und Pan", bringt eine Reihe von Gedichten, in denen Christliches dargelegt und dadurch Jüdisches gestreift wird. Größere Gedichte: „Nazareth", „Jesus und Ahasver". Das letztgenannte Gedicht, ein Gespräch zwischen den beiden Genannten, schließt mit dem Verse: „Das hat mein Gott erkannt. Da schuf er mich Zu dem Vollstrecker dessen, was er will. Und wenn Jahrtausende die Welt durchziehn. Und wenn der Ring des Seins sich wieder schließt Und wieder Gott sich zu der Welt gebeugt Und seine große Frage an mich stellt: Dann fühl' ich wieder dieses Willes Trieb, Dann türme ich aufs Neu ein Golgatha Und wieder, Jesus, schlag' ich dich ans Kreuz." In den Versen des Buches steckt eine starke, ungezügelte Kraft. Es ist moderne Lyrik, formlos, gedankenschwer, oft aber freilich so unklar ausgedrückt, daß man nicht leicht zu dem Verständnis dessen gelangt, was der Verfasser will. Das Buch ist sehr vornehm gedruckt und ausgestattet. 0. — Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Jahrgang 9, Heft 2 und 3, April/Mai 1918. Berlin C, Burgstraße 26. Wenn wir .auch sonst die einzelnen Hefte von Zeitschriften nicht erwähnen, so sei hiev eine Ausnahme gemacht, weil das vorliegende Doppelheft, im Umfange von 50 Seiten zu dem enormen Preise von 3 Mark einen dokumentarischen Charakter besitzt. Es enthält nämlich den stenographischen Bericht der gemeinschaftlichen Tagung der jüdischen Jugendorganisationen Deutschlands zum Zwecke der Bildung einer Verständigungsgemeinschaft, die am 5. März 1918 stattfand. Man wird die ausführlichen Reden von Cora Berliner, Fritz Löwenstein, Heinrich Stern, Riosenheim, Martin Buber, F. Goldmann und die kurzen Ansprachen anderer mit großem Interesse lesen. Eine Verständigung ist bekanntlich nicht erreicht worden. Der Grund dieses unbefriedigenden Resultates war die ablehnende Haltung der Orthodoxen und das aggressive Vorgehen der Zionisten. Ob dies auch die Meinung des Leiters der Versammlung, des Rechtsanwalts Dr. Apfel, war, vermag ich nicht zu sagen. Alls seinen Schlußworten hebe ich die Sätze hervor: „Mit Stolz stellen wir uns auf die Trümmerhaufen und überlassen es dem Urteil der Oesfentlichkeit, wen die Schuld daran trifft, daß in dieser Schicksalsstunde des Judentums die jüdische Jugend Deutschlands, soweit sie nicht im Felde steht, sich in einer Art und Weise heute abend zerfleischt hat, daß wir uns vor den Aelteren schämen müssen. Und es ist, denke ich mir, tausendmal richtiger, durch die Vorkommnisse die Situation einmal blitzartig beleuchten zu lassen und dadurch einen Anspruch zur Einkehr zu geben als einen nichtssagenden Kompromißbeschluß herbeizuführen." Diese resignierten Worte geben sehr viel zu denken. L. G. — Goethe - Handb n ch. Herausgegeben von Dr. Julius Zeitler. II. Band: Göchhausen — Mythologie. 1917. I. B. Mehlersche Buchhandlung, Stuttgart. Wenn ich dieses Buch hier anzeige, das scheinbar unseren Interessen so fern liegt, so geschieht es nicht, weil ich mich berufsmäßig mit Goethe zu beschäftigen habe, sondern weil der vorliegende Band (es ist der zweite des großen Sammelwerks, dein mindestens noch zwei andere folgen müssen, um das Ganze zürn Abschluß zu bringen) einige Artikel enthält, die auch, für uns wichtig sind: Hebräische Sprache, Heine, Juden und Judentum. Der erste ist eine kurze?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.