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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-06 · Heft 36 (6.9.1918) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 36 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
Seite 430 (sequence 10)
Language
German
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430 deine Zukunft sich immer größer und herrlicher gestaltet: diese Gedanken werden meine angenehmste Gesellschaft bilden. Siehst du, Artur, ich muß mich doch vor mir selber rechtfertigen. Zuerst liebte ich dich für das, was du tun konntest; später erst liebte ich dich für das, was du warst, und ich war närrisch genug, mir einzubilden, daß das zweite nur geschehen könne, wenn du das erste vollbringst. Deshalb, Geliebter, habe ich deine Worte von vorhin festgenagelt und meinem Herzen fest eingeprägt, wenn sie nicht," ihre Stirn zog sich in 'Falten zusammen und ihr Blick wurde sehr bekümmert, „wenn sie nicht eine bloße Vorsorge für eine größere Geldausgabe bedeuten sollten, die für dich durch meine Anwesenheit entstand, und ..." „Und nicht das beseligende Verlangen, mich deiner würdig zu zeigen", unterbrach er sie und legte sanft die Hand unter ihr Kinn, um ihren gesenkten Kopf emporzurichten. „Ach, du kleiner, sophistischer Zweifler! Du verdienst, daß ich dich bei deinen Zweifeln lasse! Ein solches Juwel von einer Frau will sich als eine häusliche Geldausgabe bezeichnen! Kleines Mädchen, du vergißt wohl, daß du meine Frau bist!" Er machte eine Pause und holte tief Atem, daß es sich wie ein Seufzer anhörte. Dann beugte er sich dicht zu ihr herüber, als wollte er sie mit seinen Blicken ganz umfassen. „Meine Frau!" wiederholte er. „Es gibt freilich Augenblicke, wo es mir schwer fällt zu glauben, daß es eine wahre, wirkliche Tatsache und nicht ein schöner Traum ist, der am hellen Tage sich oerflüchtigen und hinschwinden wird. Ellen, du hast deine Beichte abgelegt, seht will ich auch meine ablegen. Auch ich habe dich anfänglich nicht so voll und ganz geliebt. Es fing sogar damit an, daß ich dich gehaßt. Erinnerst du dich noch an jenen Abend, als ich dich das erstemal bei Frau Mahlow traf?" „Natürlich, das ganze Zimmer war ja voll von dir, da du doch bei deinem Reden gar kein Ende finden konntest", lachte sie. „'Ich weiß es. Ich riß die Unterhaltung an mich und ließ sie mit mir durchgehen. Mein Uhrwerk war aufgezogen und ich konnte mich nicht mehr halten. Ich bemerkte, daß ich dein Ohr hatte; deine Augen waren auf mich gerichtet, da wurde mir das Herz voll und der Mund lief über. Hast du es denn gemerkt, Ellen?" „Du hast mir aber noch immer nicht gesagt, warum du mich gehaßt hast?" sprach sie ausweichend. „Sollte ich denn nicht? Ist es denn nicht entsetzlich, der Frau zu begegnen, die die Macht besitzt, Herz und Geist zu fesseln, zum Ueberlaufen zu bringen, dabei aber nicht zu wissen, welchen Gebrauch sie von dieser Macht machen wird? Ich wußte, daß ich in dir mein unabwendbares Schicksal getroffen, du aber saßest da unbewegt, müßig, mit einem unwilligen Lächeln auf den Lippen, die ganze Sache, wie mir schien, als eine langweilige Spielerei auffassend, während ich verzweifelt kämpfte, um dich zu gewinnen. Hast du denn damals wirklich noch nichts erraten?" „Närrisches Kind! Kann denn eine Frau das vermeiden zu erraten, was der Mann sie erraten lassen will? Der anscheinende Mangel an Teilnahme lag doch nur bei dir." „Bei mir?" „Weil es dir entging, daß ich damals ebenfalls einen garschweren Kampf durchzumachen hatte." Um zu verhindern, seiner Verwunderung Ausdruck zu geben, fuhr sie schnell fort: „Ich wußte ja, daß alle deine Reden nur für mich gemeint waren, und — und -- ich kämpfte gegen dieses Wissen, weil — weil — Alice Mahlow so betrübt darüber war." Er stieß einen Laut aus, bei dem man nicht wissen konnte, ob er Freude oder Unwillen bekunden sollte. (Fortsetzung folgt.) Lum Mkujahrskelte. Von Jenny B e r g m a n n. Bo spurlos, wie die Welle Im Sande dort verrinnt. So flüchtig eilt und schnelle Dein Leben, Menschenkind! Ein Jahr geht heut zu Ende In schicksalsreichem Lauf, Wir heben Herz und Hände, O Vater, zu dir auf. Wir liegen auf den Knien, In Buße, Reu' und Weh, Und unsre Seufzer ziehen Zu dir, zur Sternenhöh'. Erinnrung streift die Seele Mit schwerem Flügelschlag Und zeiget Schuld und Fehle, Die lang vergessen lag. Der Schofar klingt so mahnend: „Kehrt um, noch ist es Zeit!" Wir stehen bang und ahnend Am Tor der Ewigkeit. Das Jahr, das aus dem Schoße Der Zeiten heut entsteigt, Bringt eS unS heitre Lose, Den Frieden, ach! Vielleicht? Wird unserm tiefen Sehnen Erfüllung nahe sein? Wird es ein Jahr der Tränen, Erneuter Kriegespein? Wird enden nie das Streiten Auf blutgedüngtem Plan, Und werden bess're Zeiten Für unser Deutschland nahn? Wir wisseu's nicht, verhüllet Ist Gottes Schicksalsspruch, Bis er sich uns erfüllet Zum Segen oder Fluch. Wir wissen nur, durch Reue Und Einkehr im Gemüt Uns Gottes Gnad' aufs neue Und sein. Erbarmen blüht. O Herr der Ewigkeiten, Der Wind und Wellen lenkt, Der unserm Streit hilft streiten. Uns Trost und Hoffnung schenkt, Latz slehn uns nicht vergebens. Wir sind vor dir so klein. Laß dies ein Jahr des Lebens, Ein Jahr des Friedens sein! Baulch haschrmoh. Von S. A s ch n e r. in neues Jahr! Dumpf schlug die Weltenuhr. Der Schofar tönt, erweckend Lust und Schmerzen. Herbstlich in herber Wehmut starrt Natur. Vergänglichkeit! Wir fühlln dich tief iw Herzen.

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