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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-06 · Heft 36 (6.9.1918) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 36 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
Seite 428 (sequence 8)
Language
German
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428 Dichter gibt keine Lösung; er sagt nicht, was aus Tancred, was aus Eva wird. Er scheut davor zurück, den Konflikt durchzuführen, in den Tancred hineintreibt. An die Möglichkeit einer glücklichen Lösung scheint er nicht zu glauben. Der „Tancred" ist eine Apothese des Judentums. Wem fremdes Urteil den Glauben an die Kulturbedeutung der jüdischen Raffe benommen hat, dem möge dies Werk des großen englischen Staatsmanns die Augen öffnen: des rassestolzen Juden, an dessen Geburtstag ganz England noch heute die gelbe Primel, seine Lieblingsblume, ins Knopfloch steckt, dasselbe Volk, das er Barbarenvolk gescholten und dennoch mit höchster politischer Meisterschaft regierte. Line italienische Dichterin. Von Regina Reißer. ugenia Pavia Gentilomo Fortis, eine der -geistreichsten Frauen Italiens, wurde als ein Kind des Glückes am 4. Januar 1822 zu Pavia als die Tochter jüdischer Eltern geboren. Unter den denkbar günstigsten Verhältnissen — der Vater war zum sardinischen Hofjuwelier ernannt worden und nahm eine hochgeachtete Stellung ein — wuchs das reichbegabte Mädchen heran, dessen -ungewöhnliche Anlagen, von trefflichen Lehrern sorgfältig geleitet und ausgebildet, sich auf das erfreulichste entfalteten. Reisen durch Italien und nach der französischen Schweiz, die sie wiederholt mit ihrem Vater machte, erweiterten ihre Lebensanscha11ungen. Auf einer dieser Reisen lernte sie den jungen Gentilomo kennen, mit dem sie sich 1839, erst 17 Jahre alt, vermählte. Schon im Jahre 1844 erfuhr die junge Frau den bitteren Schmerz, ihren Gatten zu verlieren. Niemals zuvor hatte sie sich entschließen können, einige ihrer Poesien zu veröffentlichen. In ihrer großen Trauer fand sie den ersten Trost, in dem sie sich in das von ihr in glücklichen Zeiten begonnene Gedicht „Nicaule" vertiefte und es im Druck erscheinen ließ. Diese Dichtung schildert den Besuch der Königin von Saba bei dem König Salomo und gehört zu den lieblichsten Poesien der italienischen Werke neuerer Zeit. Das Erstlingswerk Eugenias, das der Gelehrte Abraham Lattes, Rabbiner in Venedig, mit einer Vorrede begleitete, fand hohen Beifall und ermutigte diese, bald darauf eine Reihe von Arbeiten folgen 31t lassen, die ebenfalls biblischen Stoffen entlehnt waren: „Rebekka", „Der Tod Jakobs", „Psalmen Davids" in Sestinen. Auch Uebertragungen hebräischer Dichtungen aus dem 11. urtb 12. Jahrhundert hat sie in italienischer Sprache veröffentlicht. 1857 erschien ihre „miovi Poesie", die sie den Manen Luigi Carcers widmete, eines Freundes, der bedeutenden Einfluß auf ihre poetischen Schöpfungen hatte und dessen Heimgang sie ebenfalls tief betrauerte. Die meisten Almanache und Journale Italiens haben eine Reihe von Jahren Dichtungen von Eugenia Pavia Gentilomo enthalten, und Männer, die sich in Wissenschaft, Literatur und Kunst einen Namen geschaffen haben, wie Grösst, Paravia, der berühmte Orientalist Bianchetti, Mantonari, der Uebersetzer Schillers, zählten nicht nur zu den Freunden der jüdischen Dichterin, sie haben diese auch in Wort und Schrift verherrlicht. Das Ateneo di Venezia ernannte sie im Jahre 1856 zum korrespondierenden Mitglieder sie war die erste Frau, die dieser Ehrenauszeichnung teilhaftig wurde. Zwölf Jahre hatte Eugenia ihren Gatten betrauert, dann vermählte sie sich in zweiter Ehe mit dem auch als Dramatiker und Schriftsteller bekannten Advokaten Leone Fortis in Venedig, glücklich und befriedigt ihrem Hause und ihrer poetischen Wirksamkeit sich widmend. Am 30. Dezember 1893 schied die Dichterin von dieser Erde und die Zeitgenossen betrauerten in ihr eine ebenso hochbegabte als -edle warmherzige Frau. Jedem das Semige. (10. Forts.) Roman von M. Pulvermann. n demselben Abend hatte Klaßner auch die Wohnungsangelegenheit mit der Mutter erörtert, ohne aber über seine Absicht, eine bessere Gegend zu wählen, sich auch nur aussprechen zu können. Denn kaum hatte er eine darauf hinzielende Andeutung gemacht, als Chaje Rachel heftig und mit aller Entschiedenheit erklärte, daß sie aus dieser Gegend nie und nimmer fortgehen würde. Das Haus wäre sehr schön, viel schöner als dasjenige, das sie mit dem Vater in der Heimat bewohnt, die Zimmer sehr gut gelegen, so daß sie sich mit verbundenen Augen überall zurochtfinden könne. Hier wisse sie ganz genau, wo jeder Teller und jeder Topf sich befinde, und selbst in einer ägyptischen Finsternis würde sie sich auch nicht um zollbreit irren, das milchige und fleischige Geschirr jedes an den richtigen Platz zu stellen. Außerdem sei auf dem Boden noch eine wunderschöne Kammer vorhanden, das österliche Geschirr aufzubewahren, so daß sie mit gutem Gewissen den Kopf zur Ruhe legen könne, daß es auch der schlauesten Maus nicht gelinge, selbst die kleinste Brotkrume dorthin zu verschleppen, was in einem anderen Hause wohl doch nicht der Fall sein dürfte. Es habe ihr in der ersten Zeit Mühe und Arbeit genug verursacht, das Ungeziefer aus der Küche auszurotten, und nachdem dies ihr gelungen sei, werde sie sich wohl hüten., die blitzsaubere Küche einem anderen zu überlassen. Wolle er es ändern, so brauche er sich nicht um die alte Mutter zu kümmern, da er doch bald eine Frau, und noch dazu eine christliche, haben werde. Sie selbst werde schon ein Stück trockenes Brot und einen Strohsack bei den Landsleuten zu jeder Zeit finden. „Und dann," schloß sie ruhig und sachlich, „in diesem Hause bin ich die Alteingesessene und jene der Eindringling, in einem anderen aber wird man mich als den Störenfried betrachten." Klaßner >var innerlich mit dem Resultat der Auseinandersetzung unzufrieden, aber er konnte sich nicht enthalten, den Scharfsinn der Mutter mit ihrer letzten Bemerkung zu bewundern. Ellen hatte ihn auch von dieser Verlegenheit bald befreit. Das Haus sei zwar klein, aber für eine Person mehr werde sich wohl noch ein Plätzchen finden. Der herrliche Park in der Nähe biete doch auch mancherlei Annehmlickkeiten, außerdem habe gerade dieser Stadtteil, der durch den Schweiß ehrlicher Hönde Arbeit zusaminsngekittet sei, schon von jeher eine große Anziehungskraft für sie besessen. Rur stellte sie die einzige Bedingung, daß es ihr gestattet sei, bei der Aufstellung der Möbel etwas mehr Geschmack und Stil anwenden zu dürfen. Klaßner war hocherfreut und teilte es der Mutter mit, die cs mit einem verächtlichen und wegwerfenden Achselzucken der christlichen Schwiegertochter fteistellte. ihren Kunstsinn zu entfalten. Und so schwanden bald die gehäkelten Deckchen von Sofa und Kommode, ebenso der viereckige gelbe Spiegel, den Chaje Rachel noch anS der Heimat mitgebracht hatte, und die billigen! Oeldruckbilder des Königs und der Königin mußten, einigen guten Kupferstichen Platz machen; nur ein geschmacklos eingerahmtes buntes Taschentuch, das den Gottesdienst am VersöhnungStage der jüdischen Soldaten vor Metz vorstellte, mußte auf Klaßners Rat an seiner Stelle bleiben. Chaje Rachel hatte diese Umwandlung mit demselben steinernen Blick betrachtet, mit dem sie Ellen bei der ersten Begegnung angestarrt, ohne aber aus der Küche zu weichen, die sie mit Argusaugen überwachte. Die christliche Frau kann ja das

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