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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-06 · Heft 36 (6.9.1918) · p. Seite 423

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 36 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
Seite 423 (sequence 3)
Language
German
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423 tu ms in unseren Anstalten. Da die Erfolge der Erziehungseinrichtungen durchaus von der Wahl geeigneter Persönlichkeiten ab'hängen, wird die Beschaffung von Einrichtungen zur Ausbildung jüdischer Beamtinnen für wirtschaftliche und erzieherische Betätigung als wichtige Maßnahme empfohlen. — In der Diskussion wurde von allen Seiten die Notwendigkeit von Reformen zugegeben und 'besonders das dringende Bedürfnis nach einer Vertiefung des jüdischen Inhalts in der Anstal-tserzichung betont. Als Ergebnis der Aussprache stellt Professor Dr. Kalischer, unter dessen Vorsitz dieselbe stattfand, in seinem Schlußwort fest, daß die Versammlung mit der Begründung einer Vereinigung der jüdischen Anstalten für geschloffene Erziehung grundsätzlich einverstanden ist. Ein Dank an die Teilnehmer beschließt die Tagung. * Das Jüdische Preßbureau in Stockholm schreibt: .Der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg verursachte bekanntlich eine Zeitlang eine Stockung in der llÜberweisung der aineriikanischjüdischen Hilfsgelder nach 'den okkupierten Gebieten Rußlambg, da die Washingtoner Regierung den Hilssverein der Deutschen Juden in Berlin und die Israelitische Allianz in Wien, die bis dahin die amerikanischen Hillfssümmen verwalteten, als feindlichen Staaten angehörende Organisationen aus der amerikanischen Hilfsaktion ausgeschaltet wissen wollte. Monatelang dauerten die Verhandlungen ii'frer die Reorganisation des Vermittlungsdieustes. Diese Unterbrechung der Hilssavbeil war von sehr -schweren Folgen für die vorn Kriege hei ingesuchten Juden begleitet. Schließlich wurde im Herbst 1917 ein Hilfskomitee in Holland eingesetzt, das seinen großen komplizierten Aufgaben mit anerkennenswertem Eifer gerecht zu werden trachtet. Das Komitee hat bisher 6500 000 Mark nach Warschau, 600 000 österreichische Kronen nach Lublin (für das von Oesterreich besetzte Gebiet), annähernd 4 Millionen Mark nach Wilna und überdies 670 000 Goldfranken nach Palästina überwiesen. Das sind imposante Beträge, die von der großen Opferwilligkeit der amerikanischen Judenschast um so kräftigeres Zeugnis ablegen, als diese ja seit Amerikas« Beteiligung am Kriege auch am allgemeinen amerikanischen und am eigenen Kriegsfürsvrgewerk viel zu arbeiten hat. Was diese Hilfeleistung für die vom Kriege so schwer betroffene jüdische Bevölkerung Osteuropas bedeutet, darüber macht man sich allgemein keinen rechten Begriff. Ohne amerikanische Hilfe wäre die Judenheit der obenerwähnten Gebiete völlig zusammengebrochen. Nun aber muß die litauische Judenheit diese Hilfe wieder entbehren. Die amerikanische Regierung hat die Verfügung getroffen, daß nach Litauen keine weiteren Hilfsgelder überwiesen werden dürfen. Der Grund dieser Verfügung ist nicht bekannt, es wird jedoch angenommen, daß er in der internationalen Politik Amerikas zu suchen ist. Alle Schritte, die von feiten der jüdischen Hilfskomitees unternommen wurden, um die Washingtoner Negierung dazu zu bewegen, ihre Verfügung rückgängig zu machen, blieben bisher ergebnislos. Die Bemühungen in dieser Richtung, werden mit 'der Hoffnung auf endlichen Erfolg fortgesetzt. Inzwischen aber hat die jüdische Not in Litauen infolge des Ausbleibens der amerikanischen Gelder seit April dieses Kahres geradezu katastrophenartige Dimensionen angenommen. Bis eine Uebersührung amerikanischer Hilfsgelder nach Litauen wieder möglich sein wird, ist zur Abwendung der Katastrophe eine außerordentliche Aktion der jüdischen Hilfskomitees der anderen Länder zugunsten der litauischen Inden unerläßlich. Eine solche Aktion wurde auch vom erwähnten holländischen Komitee, ebenso wie vom Stockholmer Hilfs- Verein für die jüdischen Kriegsopfer eingeleitet. Beide Körperschaften veranstalten eine großzügige Sammlung zugunsten der litauischen Juden und hoffen, daß die Hilfskomitees der anderen Länder diesem Beispiele folgen, werden. Das holländische Komitee leitete seine Aktion mit einem herzergreifenden Aufruf seines Präsidenten Staatsrat Oppenheim im Haag ein. In diesem Aufruf wird die gegenwärtige jüdische Lage in Litauen wie folgt geschildert: „Das Ausbleiben der weiteren Unterstützung aus Amerika hat die Not und das Elend der Juden Litauens bis zu einem Grade gesteigert, der schrecklicher ist, als man sich überhaupt vorstellen kann. Körperlich und geistig ist die Bevölkerung so geschwächt, daß sie geradezu vom Untergange bedroht ist. Die verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten, die vermittels der amerikanischen Gelder errichtet oder unterhalten wurden — Greisenheime, Kinderbewahranstalten, Krankenhäuser, Schulküchen — mußten geschlossen werden. Greise und Kinder sind aufs Pflaster geworfen. Die Sterblichkeit hat in den letzten drei Monaten unsäglich zugenommen. Mit einem Wort, eine ganze Generation wird ausgehungert und ist dem physischen und moralischen Verfall preisgegeben." Im Aufruf wird über den Besuch des Wilnaer Rabbiners Rubin ft ein in Holland berichtet, der die jüdische Not. in Litauen vor dem Komitee in herzergreifender Weise schilderte. Dem „Berliner Tageblatt" entnehmen wir folgende Nachrichten: Türkische Reformen in Palästina. Eine Er kl ä r u ng de s G ro ßw esi r s. B u d apest, 29. August. Wie die Budapester Korrespondenz aus Konstantinopel erfährt, hat der Großwesir Talaat Pascha die Verhandlung zwischen den Delegierten der jüdischen Organisationen Mtteleuropas und der türkischen Regierung mit folgender Erklärung abgeschlossen: „Ich bin erfreut, daß die Verhandlungen mit den Delegierten der verschiedenen jüdischen Organisationen ein tatsächliches Ergebnis gezeitigt haben. Die türkische Regierung hat den Beschluß gefaßt, alle einschränkenden Maßnahmen abzuschaffen und alle Hindernisse für die Einwanderung und Niederlassung der Juden in Palästina aufzuheben. An die entsprechenden Instanzen sind die strengsten Befehle ergangen, um dem jüdischen Volk irr Palästina, gemäß der: Traditionen der Türkei, wohlwollende Behandlung aus der Grundlage vollkommener Gleichberechtigung zu sichern. Ich versichere Sie wiederholt meiner Sympathie mit den Plänen auf dem Wege einer wohlorganisierten Einwanderung und Kolonisation. Ich bin fest von der Nützlichkeit der Niederlassung von Juden in Palästina für das türkische Reich überzeugt, und ich bin gewillt, dieses Werk unter den Schutz der türkischen Regierung zu nehmen und mit allen Mitteln zu fördern, die mit den Souveränitätsrechten der Türkei übereinstimmen, ohne die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung zu beschränken. Ich hege die feste Hoffnung, daß die Arbeiter- SpezialkomMission zur Ausarbeitung des Projekts in Kürze beendigt sein wird, und ich werde mit großer Freude die Besprechungen weiter fortsetzem" R o t t e r dam, 28. August. „Central News" zufolge wurden bei mehreren New Iorker jiddischen Zeitungen oppositioneller Richtung Haussuchungen vorgenommen, gleichzeitig sämtliche jiddischen Zeitungen der Vereinigten Staaten unter verschärfte Zensur gestellt, nachdem schon vor längerer Zeit die verbreitetste jiddische Zeitung „Der Vorwärts" wegen angeblicher Deutfchfreundlichkeit von amerikanischen Behörden gemaßregelt war. Damit hat die amerikanische Regierung einen regelrechten Kamps gegen die jiddischen Zeitungen eröffnet, weil diese die imperialistische Kriegspolitik Wilsons nicht mitmachen wollen. * Uns geht folgendes Schreiben zu, dns wir im wesentlichen Wortlaut zum Ausdruck bringen, wir bchalten uns aber ausdrücklich vor, Herrn Elias Nacht das Wort zur Entgegnung zu geben: Verehrliche Redaktion! Sie haben in der Nummer 27 Ihres 82. Jahrganges, Berlin, 6. Juli 1918, auf S. 313 und 314 unter dem Titel „Wiederuni Flüchtlinge" von Elias Nacht einen Artikel über die Behandlung der galizifchen jüdischen Flüchtlinge in Oesterreich zum Abdrucke gebracht. Dieser Artikel ist voll von tatsächlichen Unrichtigkeiten, und ich glaube, daß derartige Pressemitteilungen der Sache der jüdischen Flüchtlinge bzw. der Juden überhaupt eher schaden als nützlich sind. 1. Es ist unrichtig, daß die Flüchtlinge von Wien abgeschoben werden; richtig ist vielmehr, daß ein Zwang zur Abreise von Wien weder besteht noch ausgeübt wird, sondern daß lediglich den Flüchtlingen aus jenen Gemeinden, welche zur Rückkehr freigegeben sind, die Auszahlung der staatlichen Unterstützung in Wien eingestellt wird. 2. Es' ist unrichtig, daß Flüchtlinge, welche am Montag mit dein Transportzuge von Wien absahren mußten, hiervon am Sonntag noch keine Ahnung hatten. Wahr ist vielmehr, daß jeder Flüchtling, der -den Transportzug benutzen will, sich für denfelben besonders

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