Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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versank ebenfalls in der Untiefe. Das Töchterchen der Kau eilte der Mutter zu Hilfe und auch über ihm schlugen die Wellen zusammen. Der des Weges kommende Armierungsso.l.dat Ernst Rochocz entledigte sich der Oberkleidung und machte sich an die Rettung der drei Personen; auch ein vorüberkommendtzr Schleppdampfer steuerte aus die Buhne zu und beteiligte sich am Rettungswerk. Den vereinten Bemühungen, an denen sich .auch der Vizefeldwebel Anders aus Dresden, der hier zu Besuch weilt, beteiligte, gelang es schließlich, alle drei Personen aus dem nassen Element ans Land zu bringen und ins Lebenzurückzurufen. An dem von zahlreichen Badenden besuchten Strande hatte der Vorfall natürlich große Aufregung hervorgerusen." Das 'tapfere Verhalten des Armierungssoldaten hat durch seinen Bataillonskommandeur die verdiente Anerkennung gefunden. Wir geben den Bataillonsbefehl wörtlich wieder: „Aus dem Dataillonsbefehl vom 31. 7. 1918. Ich spreche dem Armierungssoldaten Ernst Rochocz, welcher mit eigener Lebensgefahr umsichtig und mutig eine Frau- und zwei Kinder vom Tode des Ertrinkens gerettet hat, meine größte Anerkennung aus. Der Armierungssoldat Rochocz ist vom Bataillon für die Rettungsmedaille eingegeben worden. v. Levetzow, Rittm. u. Batl.-Kdr. er. Görlitz, 16. August. Durch die Tageszeitungen und auch durch die jüdische Presse ging in den letzten Tagen die (auch von uns gebrachte) Nachricht von der „Werbetätigkeit des Oberbürgermeisters Maß in Görlitz" für antisemitische Organisationen. Hierzu muß klargestellt werden, daß der Oberbürgermeister von Görlitz nicht Maß, sondern S n a y heißt und mit dem famosen Briefschrei'ber nichts zu tun hat. Herr Snay, der auch dem Herrenhause angehört, steht den Umtrieben des Herrn M,aß vollkommen fern. Herr Konrad Maß, der Absender des viel besprochenen Brieses, ist nicht Oberbürgermeister, sondern n u r z w e i t e r Bürgerm eist er von Görlitz, der den Titel Oberbürgermeister nur nach seinem früheren Amtsort in Homburg vor der Höhe führt. Der Magistrat von Görlitz hat ausdrücklich sestgestellt, daß der Oberbürgermeister der politischen Tätigkeit des zweiten Bürgermeisters vollkommen fern steht, dessen Ti telkombi Nation zu dieser unliebsamen Verwechslung Anlaß gab. .Herr Konrad Maß hat durch die geschickte Verwendung seiner früheren Amtsbezeichnung seinem Briese mehr Bedeutung zu verschaffengesucht: das ist ebenantisemitische Praxis. 6. Cöthen, 16. August. Im Juli, verstarb in Schierke an der Grippe der hiesige Bankier Herr Max Mendershausen. Er war langjähriger Vorsitzender der Repräsentantenversammlung unserer Gemeinde und der Ortsgruppe des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Er war ein bekannter Wohltäter für allgemeine, besonders auch für jüdische Zwecke. Sein Begräbnis gestaltete sich zu einer Kundgebung allgemeiner Trauer, der Kriegerverein und die Jugendwehr schritten dem Leichenwagen voran; Bürgermeister und Stadtverordneter wie die angesehendsten Bürger der Stadt gaben dem Entschlafenen das letzte Geleit. — RothenbAVg (Tauber), 16. August. Die hiesige israelitische Gemeinde hat durch den allzu frühen Heimgang des Herrn Rudolf Oberndörfer einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene war als Mensch und Jude in gleicher Weise ausgezeichnet. Wie er als Jude getreu den Überlieferungen seines Elternhauses, als würdiger Sohn seines hochbetagten Vaters, seinen religiösen Pflichten stets gewissenhaft und ernst entsprochen hat, so war er auch auf dem Gebiete des geschäftlichen Lebens eifrig bemüht, sich die Hochachtung und Wertschätzung aller zu erwerben, die mit ihm in Berührung kamen und Gelegenheit hatten, seine strenge Redlichkeit, die Gradheit und Ehrlichkeit seines Charakters kennen und schätzen zu lernen. An seinem Grabe trauern nebst Frau und Kindern sein Vater, ein Greis von 80 Jahren, der durch den Tod seines Sohnes die Stütze seines Lebens verlor, sein Schwiegervater, der in weiten Kreisen hochgeschätzte Herr Moses Goldberger in Rothenburg, und mit der Familie trauert der Kreis der Freunde und Bekannten, die dem Verstorbenen nahestanden und ihn wegen seiner edlen Eigenschaften geliebt und verehrt haben. Die Beliebtheit, deren sich der Heimgegangene erfreute, kam bei der Beerdigung zum Ausdruck, zu der sich weite Kreise, Juden und Nichtjuden, zahlreich eingefunden hatten und bei der Herr Rabbiner Dr. Bruder (Ansbach) der allgemeinen Trauer beredten Ausdruck verlieh. L. Frankfurt a. M., 16. August. Als Opfer -des am 12. d. M. stattgehabten Fliegerangriffes büßte auch ein sehr beliebtes Mitglied der hiesigen Israelitischen Gemeinde, sowie der Frankfurter Anwaltschaft sein Leben ein. Herr Dr. jur. Albert Merzba ch, Leutnant der Reserve, Inhaber -des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse und der Hessischen Tapserkeitsrnedaille, wurde nach vierjähriger treuester Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes-, erst vor einigen Monaten aus dem Felde zurückgekehrt, auf dem Wege zu dienstlicher Obliegenheit seinen Verwandten und Freunden jäh entrissen. Der Heimgegangene erfreute sich in allen Kreisen, mit welchen er in nähere Berührung, gelangte, ausgezeichneter Wertschätzung. Was ihn besonders charakterisierte, war seine stete Bereitschaft und Verschwiegenheit, mit der er Rat und Tat überall da zur Verfügung stellte, wo es nottat. Bei Ausbruch des Krieges stellte er sich sofort freiwillig; bald zum Offizier befördert/überstand er draußen die schwersten Kämpfe, wie die Sommeschlacht, unversehrt. Als er dann nach einer Ruhrerkrankung in der Heimat verwendet wurde, wußte er sich auch hier bei Offizieren und Mannschaften schnell große Sympathien zu erringen. Alle, die ihn kannten, werden dem guten Kameraden in Freud und Leid -ein wehmütiges Andenken bewahren. — Mit militärischen Ehren wurde heute der so jäh dem Leben Entrissene zur letzten Ruhe bestattet. In der Trau-erhalle des israelitischen- Friedhofes umgaben den mit Helm und Säbel geschmückten Sarg zahlreiche Vertreter des Ofsizierkorps, die mit den Generälen Becker und v. Printz an der Spitze erschienen waren, Abordnungen des Bataillons, dem Merzbach angehört hatte, und ein großer Kreis von Freunden und Berufskollegen. Rabbiner Dr. H o r o v i tz hob hervor, .daß Merzbach als das Opfer eines bis auf die letzte Spitze getriebenen Wichtgefühls bei einem ruchlosen Ueberfall auf friedliche Bürger gefallen sei. Er rühmte die Grobheit des Charakters von Merzbach, der keinen Feind gehabt habe. Ein Leben reich an Treue, an Pflichterfüllung, bis zum letzten Augenblick, an Liebe und Güte sei mit ihm vernichtet worden. Justizrat Dr. Burgheim, der für den Anwaltsverein eine Blumenspende überbrachte, schilderte die nie versagende Gefälligkeit und Liebenswürdigkeit des vornehmen Kollegen. Nachdem noch ein Vertreter der Münchener Studentenverbindueng dem Bundesbruder eine Blumenspende gewidmet und ein Vertreter des Volks-, Bau- und Sparvereins Worte des Dankes für Merzbachs Tätigkeit im Aufsichtsrat ausgesprochen hatte, wurde unter den Klängen der Militärkapelle des 81. Infanterieregiments die Leiche Merzbachs zu Grabe geleitet. Gksterrrich-Angam» 2. Wien, 16. August. Das Leichenbegängnis des am 5. d. M. verstorbenen Oberrabbiners Dr. Moritz Güdemann fand am 9. d. M., um 9 UhT vormittags, vom Trauerhause statt. Nach Nezitierung der Trauerpsalmen wurde der Sarg, dem ein langer Zug von Trauergästen folgte, in den Tempel der Innern Stadt, der Wirkungsstätte des Verblichenen, getragen. Im dem schwarz drapierten Tempel, in welchem sich die Vertreter der Behörden und Korporationen versammelt hatten, hielt Oberrabbiner Dr. C h a j e s seinem Vorgänger einen die Bedeutung Dr. Güdemanns als religiösen Führer der Gemeinde Wien und als Gelehrten würdigenden Nachruf. Hierauf wurde der Sarg, gefolgt von Trauergästen, bis zum Kaiser-Ferdinands'-Platz getragen, dort in den -Leichenwagen gehoben und auf den Zentraisriedhof gebracht. Hier hielt Herr Rabbiner Dr. Ba ch den Nachruf. Nach ihm nahm der Präsident Dr. Alfred Stern von seinem, altbewährten Freunde und Mitarbeiter Abschied. Essprachen noch: Rabbiner Dr. Fischer für die Kultusgemeinde Budapest, k. k. Landesschulrat Dr. Markus Spitzer für die Chewra-Kadifcha und den Bethausvorstand, Wilhelm P a p P e n h e i tm für die Jsr. Allianz. Die Beisetzung erfolgte in der Familiengruft. Am Grabe nahm Rabbiner M a y e r s o h n Abschied von dem Verblichenen. Sämtliche Funktionen versah Erster Kantor Mathas mit dem verstärkten Chor unter Leitung des Chordirigenten Zellnik. Für heute mag hier nur der Nachruf des Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern folgen: „Wenn mir die Gabe der Rede in gleichem Maße verliehen wäre wie den beiden ehrwürdigen Sprechern, welche heute in unserem Gotteshause und hier an der Bahre der Trauer um den Dahingeschredenen Ausdruck gaben, so wäre ich wohl der Berufenste, um die Tätigkeit des Verewigten, die hervorragenden Verdienste, die er sich um unsere Gemeinde und um das gesamte Judentum erworben hat, der hier versammelten Trauergemeinde darzulegen. Tenn mir