Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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war das (Find beschieden, durch ein Menschenalter, durch 30 Jahre, du ich dem Vorstande angehöre, an seiner Seite zu wirken, mich mit ihm über die religiösen Angelegenheiten unserer Gemeinde zu beraten, oarüber hinaus aber auch dort, wo es galt, für das Recht der gesamten Judenschaft gegen Verfolgung und Vorurteil einzustehen, gemeinsam das Wort zu führen, seine zum Herzen gehende hervorragende Rednergabe in Anspruch zu nehmen. Gemeinsam sind wir von Ratgebern der Krone und öffentlich in Versammlungen vor dem Volke erschienen, und ich kann es gar nicht genug rühmen, in welch beredter, zündender, zu Herzen gehender Weise der Dahingeschiedene das Wort für seine, unsere Stammes- und Glaubensgenossen geführt hat. Schon hierfür allein würde ihm unser heißer Dank, Unser unvergeßliches Gedenken gebühren, aber ebenso wie vor der Oeffentlichkeit hat er auch im stillen Veratungszimmer damals, als es. galt, auf Grund eines neuen Gesetzes die neue Gemeinde zu konstituieren, ein den so vielfach, einander widerstreitenden Anforderungen der verschiedenen. Richtungen unserer Gemeinde entsprechendes Statut zu entwerfen, als es galt, in so mancherlei religiösen Fragen die Entscheidung Zu treffen, als es galt, gegen von auswärts getroffene Verfügungen, darunter auch, behördliche Verfügungen, durch welche wir bei verschiedenen religiösen Einrichtungen und Gebräuchen in deren Ausübung empfindlich beschränkt werden sollten, die geeigneten Schritte zu unternehmen, die dann auch nicht selten von Erfolg begleitet waren. Nicht hier, nicht an dieser Bahre, aber vor dem gesamten Kultusvorstande, in öffentlicher Sitzung über die Tätigkeit des Dahingeschiedenen, über die vielen Verdienste, die er sich um unsere Gemeinde erworben, zu berichten, wird meine Aufgabe sein. Eines aber, und das muß ich hier und wieder hier als sein besonderes, unvergeßliches Verdienst betonen, das ist, daß er in entschiedenster, maßgebendster Weise der Aufrechterhaltung des Friedens in unserer Gemeinde zu dienen, Meinungsverschiedenheiten zumindest nach außen hin zu überbrücken und so für die Apfrechterhaltung der Einheit unserer Gemeinde nach außen zu wirren, mit Erfolg bestrebt war. „Was vergangen, kehrt nicht wieder. Aber ging es leuchtend nieder, Leuchters lange noch zurück!" So wird auch die mächtig emporragende Gestalt des Dahingeschiedenen leuchtend uns den Weg weisen, auf welchem wir für alle Zukunft das Werk, das er geschaffen, führen wollen. Sein Andenken wird in unserer Gemeinde, in der gesamten Judenschaft ein unvergeßliches bleiben, es sei gesegnet!" Von Msh und Fern. — Der Syndikus des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Rechtsanwalt Da:. L u d w i g H o 11 ände r, ist durch die Verleihung der Noten-Kreuz-Medaille. ausgezeichnet worden. Rechtsanwalt Dr. Holl ä n d e r begleitet den von der Großloge für Deutschland U. O. D. B. gestifteten Lazarettzug. — Die Silberhochzeit beging am 20. d. M. der verdienstvolle Syndikus der Berliner jüdischen Gemeinde, Justizrat Leo L i l i e n t h a l. Das Jubelpaar verbrachte den Festtag außerhalb Berlins. — Ter Oberarzt Tr. Bertha ld M e n d e l s o h n, Sohn des Herrn Louis Mendelsohn in Berlin, Brückenstraße 10 II, erhielt' das Eiserne Kreuz erster Klasse. — Ter Charlottenburger Stadtverordnete.. Geh. Sanitütsrat Dr. Joseph Landsberger, feierte am 21. d. M. seinen 70. Geburtstag. Als Mitglied der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung hat er sich bemerkenswerte Verdienste um die öffentliche Gesundheitspflege, besonders um die Tüberkulosebekämpfung, erworben. — Die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse wurde durch Kabinettsorder verliehen: Fräulein Sophie Lehr, Tochter des Justizrats Herrn Lehr, Stadtrat. Arthur Kronthal, Frau Wally A l p o -r t geb. Mankiewicz, Fräulein Hulda Czap f t i, Fräulein Elisabeth Lesser in Posen und der Schriftstellerin Milka Weiß in Ostrowo. — In den schweren Kämpfen im Westen siel im Alter von 19 Jahren der Vizewachtmeister «Kurt P u l v e r m a ch e r, Ofsizieraspirant in einer Sturmbatterie, Sohn des Herrn Sanitätsrat Tr. Emil Pulvermacher in Posen. — Der Schwester Klara Frankenstein, Tochter des Hanptlehrers Frankenstein in Crone a. Br., die in einem Kriegslazarett in Rumänien tätig ist, ist die Rote-Krenz-Medaille 3. Klasse verliehen worden. -- Aus Beuthen O.-S. schreibt man uns: Mitgliedern der hiesigen Synagogengememde sind nachfolgende Kriegsauszeichnungen verliehen worden: Das Eiserne Kreuz erste? Klasse dem Kaufmann, Unteroffizier Max Cohn; das Kriegsverdienstkreuz dem Kaufmann Hermann U. Schindler.und dem Eisenbahnoberassistenten Siegfried Silberberg,; das Eiserne Kreuz am schwarzweitzen Bande dem Samtätsrat Dr. Hayn. — Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt Leutnant d. L. Dr. Hans Schlef i n g e r, Gerichtsassessor aus Oppeln, ' Sohn des Sanitätsrats Schlesinger dortselbst. — Unter den Opfern der Eisenbahnkatastrophe bei Landsberg a. W. befindet sich auch ein schlesisches Ehepaar, der aus Striegau gebürtige Kaufmann Max S i lber stein mit Frau, der vor einiger Zeit nach Bromberg verzog. Wägend Frau Silbcrstein bald nach dem Unglück verstarb, 'befindet sich der .Ehemann schwer verletzt in ärztlicher Behandlung. — Dem Direktor der Samson-Schule in Wolfenbüttel, Prof. Dr. T ach a u, ist das Braunschweigische K r i e g sv e r d i e n st k re u z am gelbblauen Bande verliehen worden. — Aus Mainz wird uns geschrieben: Der Großherzogliche Rabbiner Prof. Dr. Sa l seid, der bei seinem Scheiden aus dem Amte vom Großherzog die Krone zum Ritterkreuz Philipps des Großmütigen 1. Klasse und vorher schon die Auszeichnung für Kriegsverdienste am Bande - der Tapferkeitsmedaille erhalten hatte, empfing nun auch die Preußische Rote- Kreuz-Medaille. — Aus Baden bei Wien wird geschrieben: Auf der Ausstellung des hiesigen Kunstvereins' machen zwei jüdische Sujets berechtigtes Aufsehen, Katalog Nr. 76 (Preis 2800 Kronen), Oelgemälde von Samuel B r u nner (Brünn) „Altartempel in Holleschau" und Nr. 268 (Preis 2000 Kronen), Studie zum Bilde „Der junge Grübler" von David Kohn (Baden). Das erste Bild gibt einen Blick in das stimmungsvolle Holleschauer Bethaus und einige im Gebet versunkene Andächtige erhöhen die Stimmung noch. Das zweite Bild zeigt einen Talmudschüler über einem Buche sitzend. — Aus Jassy wird berichtet: Ein erschreckendes Sch lag l icht auf di e V o l k s st i m m u n g in Rumänien wirft ein Zwischenfall, der bei der Tagung der rumänischen Kammer vorkam. Anläßlich der Debatte über das Judengesetz hielt der antisemitische Deputierte Zelea Co d rea n u eine Rede, in der er ungefähr folgendes sagte: „Die Juden haben stets in Blut und von Wut' gelebt. Wir werden in sehr kurzer Zeit Gelegenheit haben, wieder im Blute zu leben." Während der Rede Codreanus brach die Galerie in Beifallsrufe aus, und-der Präsident gab Befehl, die Galerie zu räumen. Der Skandal wurde aus der Straße fortgesetzt, wo die Gendarmen das Publikum auseinandertrieben, das den beiden antisemitischen Deputierten C u za und Zelea Co dr e a n u lärmende Sympathiekundgebungen bereitete. — Aus Kiew kommt die erschütternde Nachricht, daß der bekannte Rechtsanwalt Sliosberg. ermordet worden ist. Nähere Umstände sind noch nicht bekannt. Es . dürfte nicht ausgeschlossen sein, daß er, der ebenso wie seine Freunde Winawer und Grusenberg der Kadettenpartei angch-örte, der Schreckensherrschaft der gegenwärtigen Machthaber zum Opfer gefallen ist. Heinrich Sliosberg, 1863 in Mir (Gouvernement Minsk) geboren, besuchte, bevor er sich der Haskala zuwandte, die dortige Talmudschule, absolvierte später in Petersburg die juristische Fakultät und zählte bald zu> den angesehensten russischen Rechtsanwälten. Seit 1889 widmete er sich mit großem Eifer den Interessen seiner Glaubensgemeinschaft, die ihn als einen ihrer edelsten und treuesten Führer verehrte. Sliosberg war auch ein äußerst produktiver Schriftsteller. Seine zahlreichen Essays im „Waschod" sowie insbesondere seine Schriften über die ökonomische und rechtliche Stellung der russischen Juden sichern ihm ein dauerndes Andenken bei allen, die seine erfolgreiche Tätigkeit kannten und gleich ihm, ohne an der Menschheit zu verzweifeln und von den Zeitstr'ömungen sich irreführen zu lassen, für Wahrheit, Recht und Fortschritt kämpfen. — Im großen Hörsaäl der Kie.wer Universität wurde am Abend des 9. Juli l. I. die jüdische Volksuniversität eröffnet. Die Beteiligung war eine derart massenhafte, daß das große Auditorium und die Korridore gedrängt voll waren, viele Leute fanden keinen Einlaß mehr. Die Feier wurde von New utzki im Namen der jüdischen Kulturliga eröffnet, worauf Latzki-Bertoldi, der gewesene jüdische Minister, das Wort ergriff und der Hoffnung Ausdruck gab, die jüdische Volksuniversität werde dazu beitragen, die jiddische Volkskultur zum Range einer nationalen Kiultur zu erheben. Verantwortlicher Redakteur: Albert Äatz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Iunge^ Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.