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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-23 · Heft 34 (23.8.1918) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 34 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
Seite 406 (sequence 10)
Language
German
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406 auch Personen angeführt, von denen bekannt ist, daß sie mit der Waffe in der Hand auf dem Schlachselde gefallen sind. Dieses angedichtete Verbrechen der Desertion wird aber das weitere Unheil nach sich ziehen, daß die Angehörigen dieser gefallenen Soldaten nicht einmal die Möglichkeit haben werden, auf Grund des neuen Gesetzes ihre Naturalisation zu erreichen. Nach der Festigung der Fronten Marasesti—Galatz und Moldau-Gebirge hat General Pressan — dessen Tätigkeit sich auf die Erlassung der berühmten Befehle gegen die Juden, sowohl Soldaten wie auch Zivilisten, beschränkte — eine Verhetzung und Ablenkung der öffentlichen Meinung, die sich über die Vorbereitung und Führung des Krieges klar zu werden begann, gesucht, indem er allen Truppeneinheiten den Befehl erteilte, besondere Abteilungen jüdischer Soldaten zu bilden, mit schwarzer Montur ausgerüstet, und in der Schwarmlinie mit Maschinengewehren im Rücken fortwährend zu halten. Ein dieses Generals würdiger Neffe, zugleich Neffe des gewesenen Bürgermeisters von Bukarest Emil Petrescu, Leutnant Petrescu Radu, vom 8. Jäger-Regiment 6- Kompagnie, erachtete den Einfall des Onkels General Pressan als zu langweilig und bediente sich eines praktischeren Mittels. Er ermächtigte den Feldwebel Jacob von seiner Kompagnie, alle Juden, die er unter feinem Befehl hatte, hinzurichten, was auch in der Nacht vom 21. auf den 22. November a. St. 1916 zwischen Casin- Kloster und Clabub geschah. Es wurden von ihren eigenen Kameraden niedergemetzelt: Ciurraru Talic aus Burdujeni, Miese sin Aron Dudel, David Jdel aus Botosani und Salomon Jerscu Avram, alle von Kugeln und Bajonettstichen durchbohrt. Ein fünfter, Meier sin Jancu aus Darabani, der von seinem Kameraden Gorbanescu Dimitrie mit dem Bajonett durchbohrt wurde und als Totgeglaubter zurückgelassen, wurde am nächsten Tage von einer ungarischen Patrouille aufgelesen. Ein sechster, Hertel Jtic, welcher rechtzeitig verständigt wurde, entwich, als er zusammen mit den anderen auf den im vorhinein bestimmten Richtplatz jeder mit seinem Henker im Rücken geführt wurde. Der Feldwebel Mocanescu Peter, vom 8. Jäger-Regiment, 8- Kompagnie, ist im Besitz der von Leutnant Petresku Radu eigenhändig geschriebenen Liste über die, welche in der Nacht vom 21. auf den 22. November 1916 zu ermorden waren. Der Tod dieser Unglücklichen, die je 4 bis 6 Kinder hinterlassen, wurde geheim gehalten bis zum 11. Dezember a. St. 1916, als an derselben Stelle der erste Kampf stattfand, und sie wurden damals als im Zusammenstoß vom 11. Dezember gefallen angegeben. Der Verband der einheimischen Juden verfügt über ein sehr umfassendes Material über die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, welche vor dem Krieg und während desselben an den Juden verübt wurden. Nun wollen wir hoffen, daß das Trauerlied von den Judenverfolgungen in Rumänien für immer beendet ist, daß eine neue Aera beginnt, ein sehr großer Teil unserer Glaubensgenossen tatsächlich das Bürgerrecht erlangen wird und die übrigen Nachfolgen werden. Das Gesetz wurde endlich in beiden Kammern votiert. Zur Verteidigung desselben hat der Ministerpräsident Marghil o m a n, in Erwiderung auf eine blutrünstige Rede des antisemitischen Abgeordneten C u z a, die guten Eigenschaften der Juden hervorgehoben und zur Widerlegung des Vorwurfes der Feigheit sogar auf die Makkabäer hingewiesen. Am entschiedensten hat sich der Minister des Aeußern C- C. A r i o n für das Gesetz den heftigen Gegnern gegenüber eingesetzt. „Glauben Sie nicht, sagte er, daß wir als Beauftragte der Mittelmächte kommen. Wenn die Lösung der Judenfrage, für die übrigens auch die frühere Regierung eintrat, nicht unsere Absicht und unserem Gewissen entsprochen hätte, hätten wir sie nicht angenommen. Die Juden müssen wissen, daß hier ihr Vaterland ist, daß sie dieses Land lieben und den Ehrgeiz haben müssen, zu seinen besten Söhnen zu gehören. Aber auch die Rumänen müssen die Vergangenheit vergessen und müssen sich gewöhnen, mit den Juden in Eintracht zu leben." Esist nun abzuwarten, wie diesen Worten der rumänischen Regierung die Taten folgen werden. Jedem das Srmige. (8. Forts,.) Roman von M. P u l v e r m a n n. ^^laßner lauschte ihren Schritten, als sie sich nach dem höher gelegenen Schlafgemach begab. Er fühlt« sich wie zerschlagen und matt an Leib und Seele. Dennoch nahm er sich vor, noch heute auszufühlren, zu dem er entschlossen war. Er begab sich zum Schreibtisch und schrieb mit bebender Hand folgende Zeilen: „Liebe Ellen! Sie sagten mir heute, daß meine Glaubensbrüder die einzigen Menschen wären, die Gott in seiner Einsamkeit und Verlassenheit Gefolgschaft leisten. Sie sagten ferner, daß ich eine große Zukunft vor mir habe. Wären Sie nun geneigt, Gottes Einsamkeit weniger einsam und meine Zukunft noch größer zu gestalten? Israel wird Sie bereitwillig als Tochter aufnehmen, wenn Sie die ernsten Pflichten und die strengen Grundsätze unserer Religion, die ich Ihnen schon oft erläutert, auf sich zu nehmen und durchzuführen gewillt sind. Ich will meine Sache nicht persönlich bei Ihnen verteidigen, um nicht durch meine Anwesenheit Ihren Entschluß zu beeinflussen. Freiwillig und überlegt soll Ihre Entscheidung sein. Hoffentlich lassen Sie nicht lange auf Antwort warten Ihren sehr ergebenen Arthur Klaßner." Er trug den Brief zum Kasten und begab sich ebenfalls leise nach seinem Schlafzimmer. Vor der Stubentür der Mutter blieb er einen Augenblick lauschend stehen. Aber er brauchte sein Gehör nicht anzustrengen und das Ohr nicht erst ans Schlüsselloch zu legen, denn klar und deutlich hörte er ihr frommes Gebet- „Sie hat also den Kampf ausgenommen mit vollem Ernst", murmelte er. „Werben die eisernen Himmelspforten der gebrochenen Stimme einer alten Frau standhalten?" Leise wie ein Dieb schlich er aus dem Hause. 6. Der nächste Nachmittag fand Frau Mahlow in einem bequemen Lehnsessel vor -dem offenen Herd sitzend. Sie war heute besonders guter Laune. Ihre Gesellschaft war ihr wohl gelungen. Auch die Sache mit Alice und Burger nahm einen guten Fortgang. Frau Mahlow war über die günstige Antwort, die die widerspenstige und spröde Alice ihrem Bewerber erteilt, nicht wenig überrascht. Sie war auf eine glatte Ablehnung oder mindestens auf allerlei Ausflüchte seitens ihrer Tochter gefaßt, statt dessen hatte Burger eine fast bindende Zusage erhalten. Ihr Glücksempfinden wurde auch nicht geteilt durch heftige ' Auseinandersetzungen, die sie mit ihrer Schwester Frau Kramer hatte, durch einen Brief an Alice, den sie der Tochter verschlossen überreicht-' und aus dessen Handschrift — er war von Ellen — sie vermuten durfte, daß für Alice von Klaßner keine Gefahr drohte. Ellen bat in dem Briefe Alice um ihren Besuch. Als Alice bei der Freundin eintrat, konnte sie schon auf den ersten Blick erkennen, daß Ellens Bitte eine sehr ernste Ursache

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