Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- Seite 405 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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405 Dir Verbesserung der Lage der rumsnsschen Juden. Bon Dr. A r raanl> K a m inka. Bukarest. 4. August 1918. te Delegierten der deutschen und der österreichischen jüdischen Organisationen find, während das neue Gesetz über die Einbürgerung der Juden in den beiden Kammern in Jassy zur' Verhandlung stand, nacheinander hier eingetroffen. Die Reise der österreichischen Vertreter (der Jsr. Allianz und des Zentralkomitees für die staatsbürgerlichen Interessen der Juden) hatte durch Verzögerung der Genehmigung seitens der Militärverwaltung in Bukarest eine Verspätung um mehr als eine Woche erfahren, so daß die Besprechungen to Angelegenheit der für die Durchführung des Gesetzes gewünschten Erleichterungen nicht gleichzeitig stattsinden konnten. Unabhängig voneinander waren aber die beiden Delegationen in der Lage, sowohl mit den Vertretern ihrer Regierungen wie mit den führenden Persönlichkeiten der rumänischen Judenheit die Einzelheiten des Gesetzes und die von demselben erwarteten Wirkungen zu besprechen. Besonders wohltuend ist es für westeuropäische Delegierte, in Bukarest eine wohlorganisierte Vereinigung tapfer und mutig für ihre Rechte kämpfender Glaubensgenossen vorzufinden, den „Verband der einheimischen Juden", welcher während der verflossenen acht Jahre unter den schwierigsten Verhältnissen bereits durch unzählige Publikationen, durch Eingaben an den König, an die Ministerien und an das Parlament immer entschiedener die bürgerliche Gleichberechtigung verlangte. In der letzten Eingabe des Verbandes an das Parlament heißt es: „Die Beseitigung der Schwierigkeiten hängt nur davon ab, daß wir als Einheimische anerkannt werden, das heißt, daß die Uw gerechtigkeit, die uns geschieht, den Fremden gleichgestellt zu werden, aufhört. Würden wir nicht als Fremde betrachtet werden, wäre das ganze Problem nicht Vorhanden. Wir sind rechtmäßige Kinder dieses Landes und haben ein Anrecht auf seinen Schutz. Wir verlangen, daß das, was uns gehört, nicht bestritten wird: die Eigenschaft als Einheimische." „Wir verlangen die politische Gleichberechtigung im Namen der Interessen des Landes und der.llnsrigen, sowie im Namen der Gerechtigkeit. Wir wenden uns nicht an die Großmütigkeit. Das gutverstandene Interesse des Landes verlangt die restlose Lösung der Judenfrage. Sein Interesse stimmt hier mit der Gerechtigkeit überein. Wir werden nicht alle uns tief herabwürdigenden Ausnahmegesetze erwähnen, die das Leben der jüdischen Soldaten bis zum äußersten erbitterten, gerade im Augenblicke, als sie gerufen wurden, das höchste Opfer zu bringen, ein Opfer, daß sie voll gebracht haben, mit einer Begeisterung, welche die Ergebenheit, mit der wir zu jeder Zeit unsere Pflicht gegenüber dem Lande erfüllt haben, ehrt. Wir haben stillschweigend gelitten in der Hoffnung, daß nach dem Sturm auch für uns die Sonne der Gerechtigkeit scheinen wird. Nun ist der Sturm vorüber und das große Werk sozialer Gerechtigkeit muß verwirklicht werden. Wir verlangen dies mit derselben Entschlossenheit, mit w e l - cherunsereBrüder für die Verteidigung des Landes gekämpft un d in den Tod gegangen s i n d." Um einen Begriff davon zu geben, ivie selbst während des Krieges der Judenhaß in Rumänien nicht ruhte und mit Grausamkeit und Bosheit die Vernichtung und Disqualifizierung der Juden betrieben wurde, sei folgendes auf Grund übereinstimmender verläßlicher Informationen mitgeteilt. Man hat die Juden vorzugsweise bei Gegenoffensiven in die Vorderlinie gestellt und sie massenhaft in den sicheren Tod geschickt, aber in den Listen der Gefallenen unterließ man es systematisch, die Namen der gefallenen Juden mit anzuführen. Sie wurden als verschollen angegeben, damit die rumänische Bevölkerung nicht erfahre, daß auch Juden in verhältnismäßig größerer Anzahl den Heldentod erlitten haben. Man hat ferner von dm in Gefangenschaft geratenen Rumänen die jüdischen Gefangenen nicht als solche, sondern willkürlich -als „Deserteure" bezeichnet und als solche Rabbiner Dr. L. Baeck (Berlin). (Der dazu gehörige Artikel wird nachgeliesert.)