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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-23 · Heft 34 (23.8.1918) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 34 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
Seite 399 (sequence 3)
Language
German
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--399 Sie Woche. Berlin, den 20. August 1918. as starke Ringen an der Westfront dauert in unverminderter Heftigkeit fort, ohne daß von irgendeiner Entscheidung die'Rede fein kann.' Die Franzosen erkennen selbst an, daß ihnen weder ein Durchbruch in der von ihnen gewünschten Weife gelungen ist, noch der gewaltige Einsatz von Menschenleben dem erreichten Erfolge entspricht, noch endlich daß die erlangten Erfolge an Gefangenen und Gebieten den von den Deutschen während der großen FrühjahroDnftv^ erlangten entsprechen. Sie sind sich inne geworden, daß die Kraft des deutschen Widerstands ungebrochen ist, und erwarten, nicht ohne Bangigkeit, gewaltige deutsche Gegenangriffe. Sie sprechen ganz offen davon, daß die Minderung ihrer Mannschaft so außerordentlich ist, daß sie das irgendwie erträgliche Maß erreicht, wenn nicht überschritten hat, und verlangen ein tätigeres Eingreifen ihrer Bundesgenossen. Auch diese befinden sich nicht in geringerer Verlegenheit; denn Amerika benötigt zu ferneren Truppentransporten englischen Frachtraums, England aber, das durch die täglichen von unseren Unterseebooten ihrer Flotte zugefügten Torpedierungen beständige Verluste erleidet, kann diese Sendungen ohne gewaltigste Schädigung feiner Handelstätigkeit kaum leisten. Trotz dieser Notlage, in der sich unsere Gegner befinden, trotz des Versagens der Italiener und der im Sudosten kämpfenden Truppenmassen, trotz der Erfolglosigkeit der Expedition nach Sibirien, die von klarer blickenden Feinden selbst als ein schlimmes Fiasko dargestellt wird, dem ein trauriges Ende prophezeit wird, will das hochmütige Gebühren unserer Feinde nicht weichen.. Noch immer betrachten sie sich als die Herren, die das Recht haben, Bedingungen zu diktieren, noch immer sprechen sie von einer Bestrafung und Demütigung Deutschlands, wenn sie auch nicht mehr wagen, von feiner Vernichtung zu reden, noch immer weifen sie jeden Gedanken an Frieden zurück, wenn er nicht auf Grundlage ihrer unsinnigen, für uns unannehmbaren Bedingungen geschlossen wird- Bei dieser Sachlage ist der Ausblick in die Zukunft trübe und der erste Monat des fünften Kriegsjahres gewährt keine Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges. Freilich wird immer wieder von Frieden gesprochen, aber auch nur gesprochen. Manche neutralen Mächte, neuerdings besonders Schweden, möchten gern vermitteln, aber wie ist eine Vermittlung möglich, wenn jede Unterlage zu einer solchen fehlt, wo noch durchaus keine Uebereinstimmung in den Forderungen besteht, die von der einen Seite verlangt, von der andern gewährt werden sollen und können? Zur Orientierung über angebliche Friedensangebote der Engländer entnehmen wir dem „Berliner Tageblatt" folgende Ausführungen: Lloyd Georges „Friedensangebot" Eine deutsch-offiziöse Erklärung. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" zitiert an der Spitze ihrer Nummer vom. 14. d. M. eine Stelle aus einem Leitartikel des „G i o r - n a l e d' I t a l i a" vom 8. August. In dem Artikel des italienischen Blattes wird ausgeführt: „Nach Lloyd Georges Kundgebung zum Eintritt in das fünfte Kriegsjahr hat der Verband Anfang 1918 (das Matt schreibt „gegen Februar" und in Lloyd Georges Erklärung hieß es „vor sechs Monaten" —eine gewiß nicht unbeabsichtigte Unklarheit der Zeitbestimmung! D. Red. der „Nordd. Mg. Ztg.") dem Feinde ehrenvolle Friedensvorschläge gemacht. Aber wie die Mittelmächte stets alle Friedensab sichten der Verband'smächte begrüben, so haben sie auch damals wieder die Vetbandsvorschläge zurückgewiesen, in der Hoffnung, Rußland mit Hilfe Trotzki's und Lenins zerstückeln und den Westmächten den Frieden mit den Waffen aufzwingen zu können. Ludendorff drohte mit seiner Demission, die Alldeutschen und Annexionisten, das ist drei Viertel Deutschlands, tobten, Hertling und Kühlmann mußten nachgeben. Unter dem Druck des Generalsta'bes brachte die deutsche Regierung, alle Verhandlungen zum Scheitern, (welche? etwa die Schlußerklärung der Versailler Kriegs,konferenz vom 5. Februar, die der Welt triumphierend verkündete, der Krieg werde „mit äußerster Energie, im engsten und wirksamsten Zusammenarbeiten aller Verbandsgenossen auf militärischem Gebiete" weitergeführt werden? D. Red. der „Nordd. Allg. Ztg."), und am 21. März kündigte der deutsche Heeresbericht die große Entscheidungsschlacht an. Die Verantwortung für das neue Blutvergießen fällt so allein auf den blinden EroberungHwillen Deutschlands, das einen vorteilhaften Frieden zurückwies, den es freilich heute nicht mehr haben kann. Es ist daher eine Lüge und Heuchelei, wenn der deutsche Kaiser jetzt zu Beginn des fünften Kriegsjahres die Schuld an der Fortführung des Kampfes auf den Verband abwälzen will." Dazu bemerkt das deutsche offiziöse Blatt dann wei-ter: „Dieser zuerst von Lloyd George als Antwort auf Lord Lansdownes Brief vorn 31. Juli unternommene und von einem großen Teil der gegnerischen (namentlich italienischen) Presse aufgegriffene Versuch, die Schuld an der Kriegsfortsetzung den Mittelmächten aufzubürden, rechnet allzusehr mit der Leichtgläubigkeit oder dem schlechten Gedächtnis der Mitwelt. Mit dem „von Deutschland abgelehnten Friedensangebot" sind offenbar die Bedingungen gemeint, die Lloyd George am 5. Januar den Führern der britischen Gewerkschaften als die Kriegsziele des Verbandes hinstellte. Wie sahdenn diese „von den Beherrschern Deutschlands mit Vorbedacht abgelehnte gerechte und vernünftige Regelung der Weltverhältnisse" aus? Neben der Wiederherstellung und vollen Entschädigung Belgiens, der Wiederherstellung Serbiens und Montenegros, der Räumung der besetzten Gebiete Frankreichs, Italiens und Rumäniens verlangte Lloyd George: die „Wiedererwägung" des „Unrechts von 1871", ein unabhängiges Polen, das „alle wahrhaft polnischen Elemente" vereinigen sollte — nach dem Sprachgebrauch der Verbandspolitrfer also auch Danzig, Thorn, Oberschlesten! — die Umwandlung Oesterreich-Ungarns in einen Staatenbund, die Erfüllung der nationalen Ansprüche Italiens und Rmnäniens, die Lostrennung Arabiens, Syriens, Palästinas, Armeniens, Mesopotamiens vom türkischen Reiche, freies Verfügungsrecht der Friedenskonferenz über die deutschen Kolonien „nach Maßgabe der Wünsche der Eingeborenen" (!), Bestrafung Deutschlands für alle Verletzungen des Völkerrechts durch entsprechende Rationierung der Rohstoffe. Das also waren die „ehrenvollen Friedensvorschlüge", deren Ablehnung das „Giornale d'Jtalia" uns zum Vorwurf macht — wozu noch zu bemerken ist, daß Lloyd George jene Vorschläge nicht einmal als das „volle Kriegsziel" Englands, sondern nur als vorweg von Deutschland anzunehmende Vorbedingungen jeder Friedensunterhandlung ausgestellt wissen wollte!" Wir möchten bei dieser Gelegenheit auf die Irrtümlichkeit der vielfach geäußerten Auffassung Hinweisen, wonach die vielen Reden, die von den englischen Staatsmännern in der letzten Zeit gelitten wurden, vor allem in Deutschland Eindruck machen oder eine „Friedensoffensive" darstellen sollten. Es ist ganz selbstverständlich, daß die englischen Redner auch auf die öffentliche Meinung in Deutschland zu wirken versuchen, aber in erster «Linie sind sie gegenwärtig von innerpolitischen Erwägungen geleitet. Wie unser Haager Mitarbeiter in unserer gestrigen Morgennummer ausführte, bemühte sich Lloyd George, angesichts der bevorstehenden Wahlen zu einer Verständigung mit Asquith und den Liberalen zu gelangen. Diese Bemühungen waren resultatlos, worauf Lloyd George wieder mit den Unionisten verhandelte, die bereits mißtrauisch geworden waren und dasG von- Lloyd George und Northclifse entworfene Programm „Imperial Rreferenee — Social Reform" akzeptieren wollen, falls ihnen Zusicherungen in der Schutzzollfrage gegeben würden. Die Liberalen treten infolgedessen in entschiedene Opposition gegen Lloyd George, der sie aber immer noch urnzu stimmen und zu gewinnen hofft, was ihm nun auch wieder von der Northcliffe-Presse verdacht wird. Die Liberalen haben den Völkerbund auf ihr Programm geschrieben, die Unionisten beginnen, jede Rücksicht auf Wilson beiseite lassend, diese Idee zu bekämpfen, und die „Morning Post" erklärt sogar, daß der Völkerbundsgedanke eine deutsche Falle sei, mit deren Hilfe Deutschland seine alte

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