Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1918)
- Date
- 1918-08-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229339-3229372--74241-3286724- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 nalen" Bestrebungen, also hauptsächlich gegen die Sozialdemokratie — ohne einem gesunden sozialen Fortschritt entgegenzuwirken —, gegen , den Ullramontanismus — selbstverständlich ohne jede Stellungnahme gegen den katholischen Glauben — und endlich gegen den jüdischen Geist, der sich in unserem ganzen Kulturleben so breit macht und, mit erheblichen Mitteln ausgerüstet, immer stärker hervortritt. Er baut seine Forderungen auf der Rassenbiologie auf'und fordert daher — unter strenger Verschweigung seiner Mitglieder, denen aus ihrer Zugehörigkeit zum Bunde keine Nachteile erwachsen sollen — das arische Blutsbekenntnis. Der Ernst der Zeit erfordert dringend einen festen Zusammenschluß aller Deutschgesinnten, um gemeinsam dem zersetzenden Einfluß jener schwarz-rot-goldenen Internationale entgegenzutreten."— Dieses Werbeschreiben, das besonders an die Adressen von Deutsch-Oesterreichern gerichtet ist, sucht also mit Nachdruck die Hetze gegen die dortigen Deutschen jüdischen Glaubens zu schüren. Wer da weiß, wie gerade in Oesterreich das Deutschtum unter keiner Leuche mehr zu leiden hat, als unter der des alles zersetzenden Antisemitismus, der wird das Vorgehen des Herrn K. Maß besonders bedauerlich finden. Zu der antisemitischen Kundgebung des Görlitzer Oberbürgermeisters bemerkt die Wiener „Arbeiter-Zeitung": „Wir glauben nicht gerade, daß der Oberbürgermeister von Görlitz, der offenbar viel Zeit haben muß, mit seiner Zuschrift in Temesvar viel Glück haben wird. Aber als ein Beweis des dreisten Auftretens und der Frechheit, mit der sich die Alldeutschen in alle Verhältnisse einmischen, verdient die Zuschrift doch Beachtung." er. Leipzig, 9. August. Das hier bestehende segensreich wirkende „Abendheim für jüdische Mädchen" hat sein Programm durch die Begründung eines Schulgartens für jüdische Kinder erweitert. Der Verein hat drei Morgen Land gepachtet, von denen er zwei an jüdische Jankitien weiterverpachtet hat. Diese sollen vor allem von den Kindern der Pächter mit Kartoffeln und irgendwelchen jetzt besonders erwünschten Gemüsen bestellt werden. Diese Art der Nutzung hat sich als notwendig herausgestellt, um die Eltern anzuregen, indem man sie selbst an der Arbeit ihrer Kinder teilnehmen läßt und ihnen auch praktische Vorteile, die gerade jetzt von besonderer Bedeutung sind, in Aussicht stellt. Der dritte Morgen ist als Schulgarten gedacht; in '-ihm soll jedes Kind sein Beet haben und außerdem an den gemeinsamen Arbeiten zur Pflege aller Gemüsearten tei'lnehmen. Der ganze Schulgarten steht unter der Leitung einer geschulten Gärtnerin, der einige junge Mädchen, die ihre ganze Zeit dieser Sache zur Verfügung stellen, und einige andere, die ihre geschäftssreie Zeit zur Mthülse verwenden, zur Unterstützung, beigegeben sind. Es 'hiäben sich bisher 39 Kinder zur Teilnahme an -diesem Schulgarten gemeldet. Die Produkte des Gartens sollen an jüdischen Familien verkauft werden und der mögliche Gelvinn wieder der Gart-enbaustedlung zufließen. An der Beschaffung, der erforderlichen Mittel haben sich in dankenswerter Weise die Leipziger jüdische Gemeinde, die Loge und der ..Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Inden Deutschlands" in Berlin beteiligt. Auch aus Privatkreisen sind dem neuen Unternehmen erhebliche MittÄ zugeflosfen, so daß die wirtschaftliche Zukunft dieser wichtigen Erziehungsarbeit gesichert erscheint. er. Würzburg, 9. August. An den Bundestag der orthodoxen Jugendorganisation, über den wir in der vorigen Nummer berichtet haben, schloß sich am 1. August eine Tagung der Gruppenvertreter. Dr. Eugen Frankel (München) erösfnete die Verhandlungen mit einer hebräischen Ansprache, cm die sich der Bericht des Verbandsvorsitzenden Direktors Dr. Lange über die Tätigkeit des Organisationsvorstand.es schloß. Die Zahl der 'angeschlossenen Gruppen ist von 16 auf 52 gestiegen. Die Jugendblätter werden seit einigen Monaten gemeinsam mit dem Gruppenverb'and für Deutschland tjerausgegeben. Die weitere Ausgestaltung der Blätter soll in einer Kommission beraten werden. Das größte Interesse nahm die Fortsetzung der Zionistendebatte in Anspruch, die am Vortage den Bundestag -bereits beschäftigt hatte. Im Anschluß an ein Referat über das Verhältnis der Aguda-Jugendgruppen zu den anderen Jugendorganisationen war von radikaler ^eite den Zionisten das Recht zur Zugehörigkeit zur gesetzestreuen jüdischen Jugend überhaupt, wie besonders zu den Vorständen der Jugendgruppen bestritten worden. Die Erörterungen am Delegiertentag brachten keine neuen Gesichtspunkte, so daß die Debatte auf einen Antrag der Straßburger Ortsgruppe ohne Beschlußfassung abgebrochen wurde. Die Esrabewegung in der Aguda wurde dann noch eingehend erörtert. Ein Sonderausschuß soll weiteres Material sammelm und zu Organisjationsvorschlägeu verarbeiten. Eine andere Kommission wurde mit der Aufgabe betraut, eine Zusammenstellung geeigneter Bücher als Lekitüre für die Aguda-Jugend herzustellen. — Nach einigen verwaltungstechnifchen Erörterungen wurde in der darauf vorgenomm-enen Wahl Herr Direktor Dr. Lange wiederum zum Vorsitzenden der Organisation einstimmig gewählt. Ihm zur Seite steht ein engerer Arbeitsausschuß, der sich aus Frankfurter Damen und Herren zusammensetzt, ferner ein Organisationsvorstand, dem die Vertreter der größeren Gruppen angehören. In vorgerückter Nachtstunde trennten sich die Delegierten. Holland. Den Haag, 9. August. Nach den beim Hauptbureau des Jüdischen Nationalsonds im Haag eingetrossenen Berichten aus Galiläa halben seine Besitzungen, undzwar sowohl.die Getreidesarmen wie die Pflanzungen, ihre diesjährigen Ernten mit erheblichem Reingewinn abgeschlossen. Die Arbeitergenossenschaft Dag an iah am Tiberiassee, die schon in früheren Jahren Gewinne ergab, erzielte in diesem Wirtschaftsjahre einen Reingewinn von 65 000 Goldfrancs. Ebenso erfreulich ist, daß die von außerökonomischen Unglücksfällen oft heimgesuchte Siedlungsgenossenschaft Merhawjah im Emek Jfreel zum ersten Male einen Reingewinn von 17 000 Goldfrancs hat. Auch die. Arbeiter-Pflanzungsgenossenschaft Gan Schmuek in Chederah wird einige tausend Francs an Reingewinn abwerfen. Die Farm K i n e - r e t h wird durch ihren diesjährigen Gewinn alle ihre früheren Verluste decken. Außer den Farmen haben die Gemüsebaugruppen, die mit Hilfe der Notstandsaktion des Nationalsonds finanziert wurden, das laufende Wirtschaftsjahr 5678 sehr günstig abgeschlossen. Es liegen bis jetzt folgende Angaben vor: 1. Arbeiterinnengruppe in Sarona, bestehend aus 16 Mädchen, hat nach Abzug aller Ausgaben einen Reingewinn von zweitausend Francs. 2. Gruppe von 11 Arbeiterinnen in Merhawjah einen Reingewinn von zweitausend Francs. 3. Gruppe von 15 Arbeiterinnen in Kinereth zweitausend Francs. 4. Gruppe von 8 Arbeiterinnen in Liberias fünftausend Francs. 5. Gruppe von 15 Arbeiterinnen auf verschiedenen kleineren Plätzen verteilt dreitausend Francs. Nur eine Gruppe von 10 Mädchen in Metulah schloß mit einem Verlust ab, weil sich herausgestellt hat, daß Metulah und seine Umgebung für das -produzierte Gemüse keinen genügenden Absatz haben. — Auf Grund des befriedigenden Resultats der Gemüsebaugruppen plant der Nationalfonds die Vergrößerung der gegenwärtigen und die Gründung weiterer Gemüsebaugruppen im nächsten Wirtschaftsjahre. Es wird zu diesem Zwecke ein Gesamtbetrag von 9 0 0 0 0 G o l d f r a n c s erforderlich, fein. Mit Rücksicht auf den doppelten Segen, den die N o t st an d s a r b ei t e n des Jüdischen Nationalfonds, erstens für die Arbeitsfähigen, zweitens für die notleidende jüdische Bevölkerung im allgemeinen stiften, werden die Freunde des Jüdischen Nationalsonds ihm wohl auch im neuen Wirtschaftsjahre die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen. — Der Bericht aus Galiläa schließt mit folgenden Worten: „Die Getreideernte in den Farmen, besonders in Daganiah, war vorzüglich. Das ist um so wichtiger, als dadurch die Beschaffung des Getreides für die Evakuierten ungeheuer erleichtert wurde. Das Hilfskomitee für die Flüchtlinge in Galiläa gibt hierüber seiner besonderen Anerkennung Ausdruck und hebt hervor, daß die großen Vorräte und die Hilfsbereitschaft der Nationalfonds-Farmen es dem Flüchtlingskomitee in erster Linie ermöglicht, die notleidenden Juden in Pälästina mit Getreide zu versorgen. Es hat sich-gerade in dieser schweren Zeit gezeigt, daß die Nationalfonds-Farmen die festeste Stütze des Jischuw sind. Nicht nur ihre Getreideproduktion, sondern auch der gesunde Geist, der von ihnen ausgeht, hat viel zur Besserung, der Lage bei- * getragen." Grstrrrrich-Ängam- 2 Wien, 9 August. Der Kaiser hat, wie in Nr. 32 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" unter Näh und Fern bereits mitgeteilt ist, den nach den Ausbruch des Krieges mit Italien nach Wien zurückgekehrten Professor der Universität zu Rom, Dr. Emanuel Lö -w y, zürn außerordentlichen Professor der klassischen Archäo'logie an der Wiener Universität unter -gleichzeitiger Verleihung, des Titels und Charakters eines ordentlichen Professors ernannt. Professor Emanuel Löwh ist in Wien am 1. September