Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1918)
- Date
- 1918-08-16
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 1857 geboren, besuchte hier das Akademische Gymnasium und stlldierk-e an der Universität vorerst allgemeine Sprachwissenschaft und klassische Philologie, wurde Zögling des archäologisch-epigraphischen Seminars und widmete sich besonders der klassischen Archäologie unter Alexander Conze und Otto Benndorf. An den archäologischen Expeditionen Conzes, und namentlich der kleinasiatischen Otto Benndorfs, durch die dem Wiener Hofmuseum das hochbedeutsame DenkM'ä.l altgriechi scher Kunst, das 'bekannte Her von von Gj>ülbaschi, zu gewachsen ist, hat Löwy rühmlichsten Anteil ge-, nommen. Nachdem er einige Zeit als Privatdozent in Wien tätig gewesen, erhielt er 1889 einen Ruf an die Universität in Nom, wo er, als erster Professor der klassischen Archäologie im modernen Sinne, durch 26 Jahre' wirkte und nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten durch seine Tätigkeit sich immer mehr zur Geltung zu bringen verstand.' Nicht unerwähnt darf bleiben die mit verhältnismäßig. geringen staatlichen Mitteln bewerkstelligte Schaffung eines großen, gut 'eingerichteten Gipsmuseums, des ersten und größten in Italien überhaupt, und eines der schönsten Europas. Seine populären Vorträge daselbst, erfreuten sich eines ebenso zahlreichen wie vornehmen Besuchs; auch die Königin-Mutter 'fand sich gelegentlich ein. Auch im Gonsiglio superiore di antichitä e belle arti am Ministerium für Kultus und Unterricht wirkte er verdienstlich, -und manche Enterbungen des Staates für 'den römischen Kunst- . besitz (wie des sogenannten Mädchens von Anzio, der ganzen Sammlung Ludovisii und dem berühmten archaischen Thron der Aphrodite, der Sammlung des Prinzipe Barbarini und andere italienische Mußen) gehen auf ihn zurück. Seine österreichische Staatsbürgerschaft! hatte er bei-behalten; als der Krieg mit Italien -unausbleiblich war, verließ er Rom mit Zurücklassung seiner Habe. Seither lebt er in seiner Vaterstadt Wien. Vor kurzem wurde aus Zeitur^gsnachrichten bekannt, daß die italienische Regierung Professor Löwy seiner Stelle für verlustig erklärt hat. Seinen anerkannten wissen christlichen Namen hat sich Emanuel Löwy durch bedeutsame sachnnsfenschafttiche Merke gesichert. Van Sah und Frru. — Ein Lehr st u h l f ü r j Ä;d i sch e Apologetik wll ain Berliner orthodoxen Rabbi ne rsemiar begründet tverden. Die Mittel für die neue Dozentur hat Herr Max Jaffa (Berlin) durch eine Spende Von 100 000 Mark zur Verfügung gestellt. Wie wir hören, wird von der Leitung des Rabbinerseminars beabsichtigt, Rabbiner Dr. C n r l e b a ch, jetzt in Warschau, auf den neuen. Lehrstuhl zu berufen. — Zur Ausbildung von jüdischen Handwerkslehrlingen sind, wie das „Gemeindebtatt" bekanntgibt, noch Stipendien zu vergeben. Bewerber, die eine Mittelschule oder eine andere gleichartige Anstalt vollständig, durcheemacht oder sich eine gwlchwertige Bildung auf andere Weife angeeignet haben, sowie Bewerber aus der Provinz Posen nwrden vor -anideren bevorzugt. Gesuche mit genauer Angabe der Verhältnisse sind bis zum 31. August 1918 zu richten an das Kuratorium der Stiftung des Geh. Medizinalrat Dr. Wolf Cohn, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29. ----- Dem Bureauvorstcher des Hallptbureaus der jüdischen Gemeinde, Herrn Bruno S i l'ber berg,, ist das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen worden. — Das Eiserne Kreuz erster Klasse wurde denr Oberarzt Dr. M a n n hei m e r in Berlin-Wilmersdorf verliehen. — Dem Berliner Oberingenieirr S. Rosen ft e i n wurde das. Verdienstkreuz für Kriegs- Hilfe verliehen. — In den Senat der Berliner Universität für das Studienjahr 1918/19 wurde der Historiker Professor Eduard Meyer, ein geborener Hamburger, gewählt. Professor Meyer ist unter anderem Verfasser eines Werkes über die Entstehung des Judentums und über die Israeliten und ihre Nachbarstämrne. — Regierrl-ngsbaumeister Diplomingenieur Günther Fried mann aus Berlin, ein Sohn des Geheimen Justizrats und Staldtverordnetenvorstehers "Friedmann in Glogau, erhielt das Eiserne Kreuz erster Klasse. — Ter einzige Sohn des Herrn Max Liebes in Berlin-Wilmersdorf, Bataillonsarzt Wilhelm Liebes, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, ist am 31. Juli für das Vaterland gefallen. — Die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse erhielt Frau Kommerzienrat Belgard, Ehegattin des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde ' in Graudenz, Kommerzienrat Heinrich Belgard. — Geheimer Justizrat Amtsgcrichtsrat Berthol'd- Frankel, der Vorsitzende des Breslauer Jugendgerichtshofes, beging am Sonntag, den 11. August, die Feier ^seines 70. Geburtstages. Der Gefeierte wirkt auch in den 'verschiedensten Deputationen und Kommissionen innerhalb der Breslauer Synagogengemeinde als rühriges Mitglied. — Kommerzienrat Ro fent h a l in Selb in Bayern, Vorsitzender der Zentralstelle für Interessenten der Leipziger. Mustermessen, wurde zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. — Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal in Köln wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen und durch den Oberbürgermeister Kölns überreicht. — Herr Felix Wert h e i m e r in Düfseldorf,^ zuletzt Ordinarius an der Städtischen Oberrealschule, sowie an der Talmud-Thora- Sichule angestellt, Inhaber -des Eisiernen Kreuzes, wurde neuerdings mit dem Verdienstorden, in Silber ausgezeichnet. — Der gelehrte und temperamentvolle Dortmunder Rabbiner Dr. Jakob hat in einem energischen Schreibendenprotestantischen Religionslehrer, Eefängnlspfa'rrer Schmidt, wegen gehässiger Ausfälle, die dieser im Religionb.uuterr.icht sich wie gegen Katholiken, so auch gegen dih Juden . gestattet hatte, in die -gebührenden Schranken zurückgewieseu. Die Angelegenheit dürfte noch Nachwirkungen haben. — Aus Wiesbaden wird uns berichtet: An Stelle unseres nach Köln berufenen Rabbiners- Herrn Dr. Kober wurde Rabbiner Tr. Paul Lazarus, bisher Rabbiner in Essen, zum Stadt- und- Bezirts-rabbiner gewählt. - Aus Karlsruhe i. B. wird geschrieben: Durch Landesherrliche Verordnung wurde das Ministerium. 'des Kultus und« Unterrichts ermäch'tigt, arrf Antrag, des Oberrats der Israeliten für einzelne israelitische Religionsgemeinden das Ortskirchensteuergesetz in weiterein Umfange oder im ganzen als anwendbar zu erklären. — Der Oberkantor der Straßburger Gemeinde, Viktor Haimann, feierte am 7. d. Nt. den siebzigsten Geburtstag. Wer ihn je-gehört, dem wird seine ehrwürdige Erscheinung und die vollendete Art seines Vorbeterdienstes unvergeßlich bleiben. Er ist seit 1886 im Dienst der Straßburger Gemeinde. — Der neuberufene Oberrabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Professor Dr. H. P. CHajes, hat seine Tätigkeit Samstag, den 3. August d. I., beim Morgengottesdienste im Stadttempel mit einer Antrittspredigt begonnen. — Der in Fach-- und Elt-ernkreifen durch feine Pädagogische -und wissenschaftliche Wirksamkeit bekannte Professor am Maximilian-Gym nasiU'M Herr Dr. Alfred Kappelmacher wurde laut Verordnung des hohen k. k. Unterrichtsministeriums als Privatdozent für klassische Philologie an der Wiener Universität zugelassen. Der neue Hochschullehrer ist der älteste Sohn des Oberlehrers und Religionslehrersder Wiener Kultu'sgemeinde Herrn Jakob Kappelmacher. — Professor Leo Ster nbach in Krakau ist für feine Verdienste auf 'dem Gebiete der klassischen Philologie zum Ehrendoktor der Jagiellonischeu Universität ernannt worden. — Tie englischen Militärbehörden im okkupierten Teile Palästinas geben eine Armeezeitung „The Palestine News" heraus, die auch in hebräischer und arabischer Sprache erscheint. Die hebräische Ausgabe trägt den Titel „Chadaschoth Mehaarez".— Während in den jüdischen Kreisen der Ententeländer zurzeit eine lebhafte Propaganda für d.e hebräische Universität in Jerusalem entfaltet wird, sind die New Yorker Ji-ddischisten daran gegangen, eine jüdische Hochschule zu eröffnen, die den Mittelpunkt des gesamten Jiddisch^Studiums in Amerika bilden soll. Die Hochschule wird vorläufig von nicht mehr als etwa- 90 Hörern besucht und die in englischer Sprache erscheincuden jüdisch-amerikanischen Zeitungen prophezeien ihr nur ein kurzes Dasein. Die amerikanischen Jiddischiften geben selbst zu, daß bei einer — zu erwartenden — starken Verminderung der jüdischen Em- Wanderung nach dem Kriege die Aussichten sur den Fortbestand der jiddischen Sprache in Amerika nur gering sind. — In einzelneil Gebieten der östlichen Staaten Amerikas setzt ein Kampf gegen das Jiddisch ein. Man verlangt die Ausschaltung dieser Sprache aus der Oeffentlichkeit der Vereinigten Staaten, weil Jiddisch in Wirklichkeit zum größten Teil aus deutschen Worten bestehe. Bekanntlich leben in New Bork 1,5 Millionen Juden, von denen eine Million sich nur auf Jidd'ifch verständlich machen kann. Es gibt mehrere jüdische Tageszeitungen in New York, die-eine Auflage von 600 000 erreichen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.