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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-16 · Heft 33 (16.8.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 33 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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gipfelten in folgenden Leitsätzen: I. Die Filialgemeindenbedürfen der besonderen Pflege und Förderung seitens der jüdischen Gemeinschaft. II. Die religiöse Versorgung der Fili,algemeinden h-at in allen Fällen« zu umfassen: a) Religionsunterricht, b) Gottesdienst, c) Schechit-a, d) Gerne i n beseel sorge. Zu a): Die Einrichtrm«gen für den Religionsunterricht sind so zu treffen, daß sie in religiöser umb« unterrichtilicher Hinsicht einen Grsolg gewährleisten. Zu b): Der Sabb-at-gottesdienst hat m bestimmten-' Zeitabständen regelmäßig stattzufinden, ebensosind Festgottesdienste — besonders an d«en hohen Festtagen — einzurichten. Zu c): Die Filial-gemeinde ist mit einer regelmäßigen Schechita zu versorgen. Zn d): Die Gemeindeseelsorge in der Filialgemeinde hat alle Zweige des jüdischen Gemeindelebens zu umfassen. III. Den; Beamten der Frlia-lgemeinde ist eine -der Arbeit und den Teu-erungsverhältnissen angemessene Jahresvergütung zu gewähren-. Auch dieser Vortrag interessierte die Versammlung lebhaft und löste reichen Beifall aus. Wegen der vorgerückten Zeit konnte eine Diskussion über die beiden letzten Vorträge nicht stattsinden. Aus der darauf folgenden Vorstands wähl gingen hervor: Direktor Peritz (Königsberg) Vorsitzender, Oberk-antor Birnbaum (Königsberg) stellvertretender Vorsitzender, Lehrer Wolkowski (Königsberg) Schristffchrer, Kantor Kroner (Bartenstein) Kassierer, Kantor Davidsohn (Rastenburg), Lohrer Süßkind (Tilsit) und Kantor Kahn (Memel) Beisitzer. — Mit Dankesworten an die Vortragenden und die Teilnehmer schloß der Vorsitzende die Lehrerversammlung nach 7 Uhr abends. — Der Lehrerversammlung war die G e n e r a l v e r s a m mlung der Pensions- und Hilfskasse für die Beamten der Synagogengemeinden Ostpreußens vorangegangen. Bericht erstattete Direktor Peritz. Die Kasse hatte im Verwaltungsjahre 1917/18 eine Einnahme von 27 868 Mark und eine Ausgabe von 14 280 Mark, so daß ein Jahresüberschuß von 13 588 Mark verblieb. Das Vermögen der Kasse stellte sich am Ende des Jahres auf 157 365 Mark. Die Kassenpensionen wurden erhöht in den Ruhegehältern auf 900 Mark, in den Witwengeldern auf 600 Mark. Der Kasse gehören sämtliche Gemeinden und versichern ngspslichtige Beamte der Provinz als Mitglieder an. Direktor Peritz verwies noch auf die V e r s i che r u n g s p f l i ch t bei der r e i ch s g e s e tz l i ch e n Invalid e nu n d H in t e r b l i e b e ne nv e r s i ch e r it n g und bei der A l >l g e m e i n e n K r a n k e n k a s> se, die neben der für Ostpreußen durch die Pensions-Hilsskasie vertretenen Angestelltenversicherung auch für die jüdischen Lehrer und K u l t u s b e a m te n besteht. Zur Jnvalidenv er siche - r u n g sind alle Lehrer und Kultusbeamten verpflichtet, die nach Abrechnung des Gehaltsteiles, der für die Funktion als Kantor anzunehmen ist (der Vorbeter ist zur Invalidenversicherung nicht versicherungspslichtig), ein Jahresdiensteinkommen von, nicht über 2000 Mark beziehen. Der gesetzlichen Krankenversicherung unterliegen alle jüdischen Lehrer, Kantoren und Kultusbeamten, deren Jahresdiensteinkommen den Betrag von 2500 Mark nicht übersteigt. Die Reichsinvalidenversicherungl und die Krankenversicherungsind notwendige Ergänzungen zur Angestelltenversicherung, auf deren Erfüllung jeder jüdische Beamte in-' seinem Interesse -achten muß. — Der V orsta n d der Kasse besteht nach erfolgter Ergänzung bei Wiederwahl aus: Geh. Justizrat Blumen seld (Insterburg) Vorsitzender, Waisenhausdirektor Peritz (Königsberg) stellvertretender Vorsitzender, Kaufmann Bernhard L a d e n d o r s f (Königsberg) Schatzmeister, Stadtrat Otto E i che l b a u m (Insterburg) Verbandsvertreter, Rechtsanwalt Tr. E h r l i ch (Tilsit), 1. Kantor Lemke (Tilsit), Kaufmann Louis M eher (Bartenstein) und- Kantor W o l l - heim (Königsberg). Er. Loslau, 9. August. Aus Anlaß des a ch t z i g st c n G c - burtstag e s hat, wie jetzt bekannt wird, Herr Adolf A dler eine Anzahl von Wohltätigkeitsinstituten mit erheblichen Zuwendungen bedacht. So erhielten: Der Deutsch- Israelitische Gemeindebund 2000 Mark, die Fürsorge-Erziehnngsanstalt in Repzin 3000 Mark und die Anstalt in Köpenick 4000 Mark, 1000 Mark erhielt die Arbeiterkoilonie in Weißensee. Außerdem hat das hochherzige Ehepaar weitere 20 000 Mark für die nachbenannten Vereine gestiftet: Jedide-Jlmin-Freunde der Taubstummen in Weißensee 3000 Mark, Israelitische Blinde n- ' anstalt für Deutschland in Steglitz 3000 Mark, Hi'lssverein für jüdische Taubstumme 5000 Mark, Hilfsverein der deutschen Juden 5000 Mark, Rabbinerverband in Deutschland 1000 Mark, Pensions-Witwen- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine 2000 Mark. und der Hilfsverein für jüdische Studierende aus Deutschland, Sitz Berlin, 1000 Mark. ' W. Posen, 9. August. Nach schwerem Leiden ist im hiesigen jüdischen Krankenhause, Rohrsche Stiftung, der Kaufmann Herr Julius Tuch, Inhaber der Firma Adolf Baszhnski, kurz vor Bollendung seines 50. Lebensjahres gestorben. Der Heimgegangene war ein ebenso tüchtiger Kaufmann wie ein liebenswürdiger Mensch von - schlagfertigem Humor und gewinnender .Liebenswürdigkeit. Viele Kreise der Bürgerschaft, insbesondere des Kaüfmannsstandes, betrauern mit den Hinterbliebenen den Heimgangdieses prächtigen Mannes. Der Entschlafene war feinen Angestellten, die unter seiner Leitung arbeiten dursten, ein Vorbild treuester Pflichterfüllung, sowie ein väterlicher Freund, dessen Andenken unauslöschlich in ihren Herzen fortleben wird. Seit Begründung der Br-ennspiritus-Gesellschaft m. b. H. Posen gehörte er dem Aufsichtsrat an, dem er durch seine Umsicht und Fachkenntnisse die wertvollsten Dienste geleistet hat. Durch sein Interesse an der Entwicklung des Unternehmens hat er zum Gedeihen desselben auf das wirksamste bei,getragen. Die Beisetzung erfolgte unter großer Beteiligung der hiesigen Bevölkerung. H. W. Aus der Provinz Posen, im August. Posen. Die Firma Hartwig Kantorowicz, Aktien-Gesellschas't, beabsichtigt aus dem Reingewinn ihres abgelaufenen Geschäftsjahres eine Spende von einhunderttausend Mark der Stadt Posen zu überweisen zur Errichtung einer Stiftung für Kriegsteilnehmer, die Gewerbetreibende und Handwerker sind. Auch in diesem Jahre hat die Firma Hartwig Kantorowicz für Kriegsfürsorge erhebliche Aufwendungen gemacht. Der Reingewinn, zuzüglich des Vortrages von 170 821,81 Mark aus dem Vorjahre, beträgt 642 932,93 Mark. — Eine türkische Studienkommifsion, bestehend aus 5 Abgeordneten und einer größeren Anzahl von meist landwirtschaftlichen Interessenten, im ganzen 23 Herren, traf, von Berlin kommend, hier ein. Sie besichtigten u. a. auch die Lefsersche Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, deren hochwertige, nicht nur in ganz Deutschland eingeführte, sondern auch im Auslande vielbegehrte Erzeugnisse staunende Anerkennung fanden. — Die zurzeit 2500 Mark betragenden Jahreszinsen der vom Magistrat Posen verwalteten Frau-Luise-Hamburger-Stiftung" sind satzungsmäßig zur Fürsorge für Soldaten des deutschen Heeres oder der Marine, die in einem Feldzuge des Deutschen Reiches bei Ausübung ihres Dienstes im Felde oder in der Garnison auf beiden Augen erblindet und dadurch bedürftig geworden sind, zu verwenden. Können die Mittel der Stiftung für diesen Zweck nicht oder nicht vollständig verwendet werden, so sollen in zweiter Linie solche Soldaten des deutschen Heeres oder der deutschen Marine unterstützt werden, die bei der Teilnahme an einem Feldzuge des Deutschen Reiches einen anderen schweren körperlichen Schaden erlitten haben. Auch Ehefrauen und Kindern erblindeter Krieger können Unterstützungen gewährt werden. Ueber die Ünterstützungsanträge entscheidet ein Kuratorium. Anträge sind an das Kuratorium der „Frau-Luise-Hamburger-Stistung" beim Magistrat Posen zu richten. B r o m b e r g. Nach kurzer schwerer Krankheit verschied der Feldunterarzt ineiner Sanitätskomp-agnie Erich Hirschberg, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, Sohn des Sanitätsrats Herrn Dr. Hirschberg. Der Verstorbene hat das 25. Lebensjahr erreicht. Von allen Seiten wird den Leidtragenden große Anteilnahme entgegengebracht. — Gefreiter Walter Mendelsohn bei der Flieger-Abwehr-Maschinengewehr-Kompaguie, Nesse des Lehrers Hermann Wolfs in Posen, erhielt die sächsische König-Friedrich-August- Medaille. — Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielten: Leutnant Paul C h a p p, Sohn des verstorbenen Kaufmanns Herrn I. Chapv in Hohensalza; kriegsfreiwilliger Unteroffizier Ernst U n g e r, Sohn des Sanitätsrats Herrn Dr. Unger in Kurnik-Posen; Einjähriger kriegsfreiwilliger Unteroffizier Joseph Jonas, Fuhrpark-Kolonne 81, Sohn des Kaufmanns Herrn Max Jonas, Inhaber der Firma Julius Wolfs in Posen; Landsturmmann Sallv Rosenthal aus Rogasen; Signalist Robert Gold st ein, Sohn des Herrn N. M. Goldstein in Schönlanke; Musketier Hermann David, Sohn des Herrn S. David in Filehne. — Görlitz, 9. August. Wie das „Temesvarer Volksblatt" (vom 23.* v. M.) mit teilt, werden die dortigen Bürger mit einer „vertraulichen" Zuschrift des Oberbürgermeisters von Görlitz, K. M a ß, belästigt. In der Zuschrift, offenbar ein Gewächs aus der alldeutschen Hexenküche, das zum Eintritt in den „Deutschbund" auffordert, heißt es: „Der Kampf richtet sich deshalb besonders gegen die „internatio-

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