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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-16 · Heft 33 (16.8.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 33 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 16. August 1918 82. Jahrgang Nr. 33 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. korrrlpllndrnzrn und Sachrichtm.' DkMschlsnü. — Berlin, 13. August. Zur weiteren Förderung der Auslands- , studien wird jetzt an der Königlichen Bibliothek in Berlin die im laufeden Staatshaushalt geforderte Abteilung für das' Studium des Orients eingerichtet. Ihre Aufgabe wird es sein, alles den Orient betreffende, wissenschaftlich, politisch oder wirtschaftlich bedeutende Druckschriftenmaterial an dieser Stelle zusammenzubringen und den Gelehrten und Praktikern zugänglich zu machen. Zum Direktor dieser orientalischen Abteilung ist der Königliche Bibliothekar Dr. Gotthoild Weil ernannt worden. Dr. Weil ist in Bevlin 1882 geboren, hat am hiesigen "Gymnasium zum Grauen Kloster seine Schuilbildung empfangen und sich an der Berliner Universität dem Studium der-Geschichte, der Meriaturen und Sprachen der semitischen und islamischen Völker gewidmet. Im Jahre 1906 trat er bei der Königlichen Bibliothek als Volontär ein, an der er bis heute fast ununterbrochen tätig war. Im Jahre 1902 habilitierte sich der Gelehrte als Privatdozent an der Berliner Universität für das Fach der semitischen Philologie. Außer einer Reihe von Aufsätzen in Fachzeitschriften hat er im Anschluß an die kritische Textausga'be des arabischen Philologen Abul-Barakat Jbn-al-Anbari eine umfangreiche Arbeit über die Entwicklung der Sprachwissenschaft bei den Arabern verfaßt und vor kurzem auch eine „Grammatik der osmanischtlirkischen Spräche" veröffentlicht. Auf Grund feiner Studien über die Mohammedaner, Rußlands wurde er vom Ministerium mit der Abhaltung tatarischer Unterrichtskurse am Seminar für orientalische Sprachen zu Berlin beauftragt. Da. Weil, ein überzeugungstreuer Jude, ist auch Mitgliedder wissenschaftlichen Prüfungskommission'. E. M. Berlin, 13. August. (Neue Stiftungen für den D e u t sch - I frael i tischen G em e i n de b u n d.) Frau Amalie A p t hat in pietätvoller Erinnerungan ihren ersten Gatten, Herrn Eugen Rosenstiel, durch Hinterlassung einer Hypothek in Höhe von 10 000 Mark eine „A m a l i e A P t sche Stiftung" ins Leben gerufen, aus deren Zinsen würdige ehemalige Zöglinge der Fürsorge- Erziehungsanstalt Repzin zum Zwecke der Existenzbefestigung Beihilfen erhalten sotten. Frau Professor Philippson hat zu Ehren ihres verewigten Gatten eine „M a r t i n - P h i l i p p s o n - S t i f - lang" mit einem Betrage von 5000 Mark errichtet, deren Erträgefür die gleichen Zwecke wie die beim Gemeindebund seit langem bestehende „Ludwig-Philippson-Stiftung" durch das Kuratorium der letztgenannten Stiftung zu verwenden sind-. — Frau Rosa s zynsky hat zu dauerndem Andenken an ihren Gatten mit einer Spende von 10 000 Mark eine „Sa l ly - Leszyns kh - Stiftung" ins Leben gerufen. Berlin, 13. August. Nach den bis zum 1. Juli 1918 eina.egangenen Meldungen, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben, stehen bzw. standen von den 1275 Mitgliedern des K. C., unter Einrechnung der Gefallenen und infolge von Verwundung oder Erkrankung als dienstunbrauchbar Entlassenen, 1036 im Heeresdienst. Hiervon gehören bzw. gehörten dem Feldheere 885 an. Nur diese siud nach den darüber bestehenden kaiserlichen Erlassen als Kriegsteilnehmer zu bezeichnen. Den Heldentod starben 85 K. C.er. In diese Zahl sind sechs Bundesbrüder eingeschlossen, an deren Tod kein Zweifel besteht, die zum Teil sogar amtlich als tot erklärt sind, deren Tod aber seitens der Angehörigen vorerst und zum Teil so lauge nicht anerkannt wird, als nicht Persönliche Zeugen des Todes der gefallenen Söhne sich gefunden haben. Vermißt sind neuerdings - Kb. Kb.: Leutnant Fritz Heymann, der zuletzt verwundet von feiner Truppe gesehen wurde, und Sanitäts-Vizeseldwebel Harry 3 tz i g. In Kriegsgefangenschaft befinden sich, nachdem die Kb. Willy Motte k und Fritz Koch mann aus der Gefangenschaft entkommen sind, nur noch 18 K. C.er. 38 Kb. sind mit dem Eisernen Kveuz erster Klasse ausgezeichnet worden, 507 mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse, darunter vier am weiß-schwarzen Bande, zwei' mit dem Eisernen Halbmond, 199' haben andere Kriegsauszeichnungen erhalten. 104 K. C^er, darunter 90 im preußischen, sächsischen und württembergischen Heere, 14 im bayerischen, sind während des Krieges zu Offizieren des Beurlaübtenstandes befördert worden, acht K. C.er gehörten bei Kriegsausbruch als Offiziere des Beurlaubtenstandes dem bayerischen Heere an. In diesen Beförderungen sind nicht eingerechnet diejenigen zu Sanitäts- und Veterinäroffizieren, über die später berichtet werden soll. E. M. Berlin, 13. August. Zu den beliebten antisemitisch-alldeutschen Schlagworten gehört die Behauptung, die Revolution ist der Stern Judas, und daß nur Franzosen, Polen und Juden 1848 die; Revolution in Berlin angefangen, haben. Einen interessanten Beitrag zu diesem Kapitel bildet die wenig bekannte Tatsache, daß gerade ein .Jude es war, der am 19. März 1848 den Prinzen von Preußen vor der aufgebrachten Volksmenge rettete. Der Retter des damals von allen „Freiheitssreunden" geblaßten Prinzen war der Seiden- 'erenhändler Julius Wolf Meyer, der Inhaber der damaligen großen Seidenfirma W. A. Meyer Söhne, deren Geschäftshaus neben dem Palais des Prinzen in der Behrenstraße lag. Meyer fuhr den Prinzen' von Preußen und seine Gemahlin von seinem Palais in eigenem Wagen weg und hatte sich dafür später fortdauernder Gnadenbeweise von diesem zu erfreuen gehabt. Der Prinz hat auch noch als König und Kaiser dem späteren Kommerzienrat Julius Wolf Meyer bis zu dessen 1872 erfolgten Tode seine Dankbarkeit alljährlich durch kostbare Geschenke zu erkennen gegeben, die meist aus der Königlichen Porzellanmanufaktur hervorgegangen waren. Ein Teil dieser mit dem Monogramm des Kaisers versehenen Geschenke wurde in den Familien des Bankdirektors Julius Alexander, eines Schwiegersohnes I. W. Meyers, dessen Leichenzug auch ein Galawagen des Kaisers begleitete, und seines Sohnes, des als humoristischer Schriftsteller unter feinem Pseudonym Siegmey besonders in den siebziger Jahren bekannten Siegbert Meyer, als Andenken an den hohen Geber pietätvoll bewahrt. ££2 Königsberg i. Pr., 9. August. (Schluß.) Nach einer kurzen. Pause hielt Kantor Kahn (Memel) seinen ebenfalls mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag: „Pflege der schu le n tl a s s e n e n I u g en d." Seinen Ausführungen legte er folgenden Gedankengang zugrunde: „Der Heranwachsenden jüdischen Jugend fall Gelegenheit gegeben werden, ihre Erholungsstunden im Kreise der Altersgenossen zu verbringen. Dabei soll jüdisches Wissen, jüdisches-Leben und Geselligkeit untereinander gepflegt und gefördert werden. I. Der Lehrer gründe eine Jugendbibliothek, sofern am Orte eine Bücherei eines Literaturvereins nicht vorhanden ist; mache der schulentlassenen Jugend außer entsprechenden Büchern auch jüdische Zeitschriften zugänglich und gebe den jungen Leuten Veranlassung, über Gelesenes und Gehörtes sich auszusprechen, um auf diese Meise Unklarheiten' zu beseitigen und in sich aufgenommene Jrrtümer durch Richtigstellung zu entfernen. IL Fortbildungskurse müssen abgehalten werden A) für Knaben«: 1. in - Hebräisch, und zwar a) Siddur, b) Tenach, c) Kippur-Schulchan-Aruch, bei Fortgeschrittenen auch Mischna. unb Talmud; 2. in biblischer und nachbiblischer Geschichte, bis-auf die Jetztzeit fortgeführt; 3. in Thoro¬ und Haftaravorlesung; 4. Einübung von ein- und zweistimmigen .Sy'nagogengesängen. 6) für Mädchen: 1. in Hebräisch, und zwar a) Siddur, b) Pentateuch; 2. in biblischer und nachbiblischer Geschichte, wie bei den Knaben; 3. Rel-igionsvorschriften. III. Es sollen zu Chanukka, Purim und Sirnchas-Thora Veranstaltungen 'stattfinden, die der Geselligkeit gewidmet find. Solche müssen aber stets den Charakter einer vornehmen jüdischen Festlichkeit erhalten. Dabei sind Aufführungen kleiner. jüdischer Theaterstücke zu empfehlen, um den Teilnehmern neben lehrreichen, auch genußreiche Wende zu verschaffen. IV. Zur Pflege des Körpers veranstalte die Jugend, abwechslungsweise in einer Woche Turn- und Spielübungen und in der anderen unternehme sie eine Wanderung. V. In der Frage der Berufswahl und Berufsbildung stehe der Lehrer mit Rat und« Tat der' Jugend zur Seite. In den kleineren und kleinsten Gemeinden wird sich! dieser Plan allerdings schwerlich ganz durchführen lassen,' da muß inan eben das Ziel etwas mehr oder weniger entsprechend geringer einsetzen und das zu erreichen streben, was gerade noch erreichbar ist. — Alls letzter sprach Lehrer Wo l k o w f k i über: „Die r el i g iö se Versorgung der Fil ia-lgemeinden." Die Ausführungen

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