Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1918)
- Date
- 1918-08-16
- Page
- Seite 396 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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896 gebe. Du hast also noch Zeit, zu ihm zu beten, daß ihr Entschluß nach deinem Wunsche ausfalle; dann hast du den Sieg errungen. Ich muß dir aber erklären^ daß dann meine Lebenssonne am Hellen Mittag untergehen wird, daß ich meine Tage in ewiger Finsternis vertrauern werde. Darauf brauchst du keine Rücksicht zu nehmen. Bete daher, bete mit deiner ganzen Kraft, mit deiner vollen Inbrunst, daß es dir gelingt. Mutter, wenn aber nicht..." „Gott selbst willst du anrufen! Er, der Heilige, soll sich mit deiner kindischen, mit deiner sündigen Angelegenheit befassen? Seine Erhabenheit soll sich herbeilassen, um für dich, Erdenwurm, ein himmlisches Wunder zu bewirken?" „Ich fürchte, daß kein überirdisches Wunder dazu nötig sein wird," erwiderte -er seufzend. „Ich bin ihrer durchaus noch nicht sicher. Das Zünglein der Wage steht noch kerzengerade, und es ift doch für sie ein gar schweres Opfer, das ich von ihr verlange. Wer weiß, ob sie dazu sich stark genug zeigen wird." „So steht es!" rief sie mit überlauter Stimme, frohlockend, während sie mit der gleichen Behendigkeit wie vorhin wieder auf die Beine sprang, „dann gebe ich die Hoffnung noch nicht auf, dann ist meine Sache noch nicht verloren. Du hast mir also eine . Art Zweikampf angeboten, und Gott selbst soll Schiedsrichter sein. Wohlan, ich rufe ihn zum Zeugen an und er soll entscheiden. Aber er wird den Notschrei aus der Tiefe meines Herzens vernehmen; mein Jammer wird die eisernen Pforten seines Himmelszeltes durchbrechen, und die Engelsscharen sollen meine Tränen zu seinem Gnadenthrone hintragen. Du sagst, daß das Zünglein der Wage noch gerade steht; nun, ich werde mein schweres Herz in die eine Schale legen, damit die andere mit deinem krankhaften, sündigen Begehren federleicht in die Höhe schnellt. Du hast das Urteil des Weltenlenkers angerufen, darum fürchte ich nichts mehr; denn ich selbst hätte meine Sache nicht in bessere Hände legen können!" Ohne den Sohn noch weiter zu beachten, ging sie mit erhobenem Kopf, ein triumphierendes Lächeln auf den Lippen, aus dem Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Sprechlaal. Brückena u, 2. August 1918. Sehr verehrter Herr Geheimrat! rung der Universitgt gleichzeitig mit Judenhaß predigte, und manche anderen Vorgänge im politischen Leben Wiens hat Rosegger mit schnrerzlichster Aüfmerksawkei-t verfolgt. Das waren die Probleme, die den stillen Mann tief erschütterten; das waren die Konflikte, die er vorahnend für sein Vaterland erkanntes und über die er nur jn sMenen Augenblicken sprach" asw. Ich nehme an, daß Si^ sich für diesen Hinweis interessieren. Da man vom Dichter selbst nichts mehr erfahren kann, sind diese Auslassungen auch schon bemerkenswert. Mit vorzüglicher Hochachtung .ergebenst * Dr. Levi (Krefeld), K u d o w a , 29. Juli 1918. An die Redaktion >der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" Berlin. In Nr. 27 Ihrer geschätzten Zeitung vom 5. Juli, S. 321, finden sich bei> Besprechung der Schrift „Geist der Geschichte Polens" von Anton Choloniews'ki folgende Sätze, die nicht widerspruchslos hingenommen werden können, wenngleich'Herr Geheimrat Geiger erklärt, daß die mitgeteilten tatsächlichen Behauptungen nicht bestritten werden sollen. Diese sind: „1. Jene grausamen Verfolgungen, denerk die Juden in fast ganz Europa ausgesetzt waren, waren hier (in Polen) nicht einmal dem Namen nach bekannt. 2. In Polen kam es n i e zu Judenpogromen. 3. Nie ist in Polen jüdisches Blut vergossen worden; nie ist hier jüdische Habe ein Opfer der Plünderung geworden; nie hat man die Juden aus polnischen Städten vertrieben." Herr Anton Choloniewski scheint die Geschichte seines Landes — wenigstens was die Inden dc-trisst — nicht genau zu kennen. Hat er denn nie etwas von den schweren, grausamMntigen Verfolgungen der Juden während der. Regierungszeit des Königs Johann Kasimir (1648 bis 1661) gehört, bei denen unter Führung des Kiofakenhotmans Chalmeitzki in wenigen Jahren, bie dem Dreißigjährigen Kriege folgten, über 660 000 Juden hingeschlachtet wurden? Diesen grausamen Verfolgungen, bekannt unter dem Namen Geseras Chelm, ist noch heule der . 2-0. Siwan als Fasttag, in Polen als Erinnerungstag gewidmet. Man muh wei-te.r fragen: Hat .Herr Choloniewski nie etwas von den Leiden der Juden in Polen während der Regierungszeit des Zaren Nikolaus I. gehört, dessen Gesetzgebung siebenjährige jüdische Knaben ihren Eltern, gewaltsam entriß, um sie zu. assentieren? Daß diese und andere Grausamkeiten erst unter Zar Alexander I. gemildert wurden? -- Ich ersuchö ergebenst, diese historischen Tatsachen in einer -der nächsten Nummern aufzuuehmen. Hochachtungsvoll A. Brann, Lehrer in Beuchen, O.-S. In einer der letzten Nummern der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" war die Rede von der Stellung, die Rosegger dem Judentum gegenüber einnahm. Wenn ich in ich recht erinnere, blieb die Frage offen, ob seine Gesinnung judenfreundlich sei oder ob er aus dem Boden des Antisemitismus stände. Inzwischen ist der steirische Volksdichter gestorben. Das erste Morgenblatt der „Frankfurter Zeitung" vom 26. Juli enthielt „Erinnerungen an Rosegger" von Ernestine Lotter. Nachdem sie darin einige seiner Charakterzüge gezeichnet hatte, spricht sie auch von seinem Verhältnis zum Judentum. Sie sagt, daß er sich berufen fühlte, ein Lehrer und Helfer seiner Heimat zu sein. „Die schweren Sorgen seines Volkes mitzuleiden, das Deutschtum, das er aus tiefster Seele liebte, nicht verdrängen zu' lassen durch das meuternde Slawentum, die Arbeit des Bauern nicht untergehen zu sehen, durch Industrie, Hotelwesen und Fremdenverkehr, die Weltkultur, das schlimmste Gift, das er so haßte, seine geliebten Gebirgler nicht heimsuchen zu lassen — das war seine ewige Sorge. So oft man ihn in Religionsstreitigkeiten zerren wollte, wich er aus. Er war nicht Judenfeind, wie man ihm nachsagte, dazu war er zu duldsam und zu wahrhaft fromm. Daß ihn aber die Mentalität und die Interessen z. B. des Bauern Schlemmer vom Archkobel und des Gastwirtes Schrammel vom Grundelsee näher lagen als die eines Wiener Finanzbarons, das war doch begreiflich. (Als ob der Wiener Finanzbaron identisch mit dem Judentum sei!) Er haßte das Gezänk der Christlichssozialen. Diese christlichsoziale Demagogie, die die Klerikalisie- ' / * Qrtittrnrg. Die uns durch die f. k. priv. allg. Berke'hrsbank, Filiale Budweis, gefl. überwiesenen 1890 Kronen haben wir richtig erhalten. Indem wir Ihnen für diese so überaus freundliche Förderung der Aktion unseren herzlichen Dank aus'sprechen, werden wir den Betrag selbstverständlich Ihrer Absicht entsprechend verwenden. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand der „Jsraeilitischen Allianz zu Wjien". Von dem Komitee in Bobrka ist bisher noch keine Quittung eingegangen. Die Red. Mcheremlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Neue Jüdische Monatshefte, Zeitschrift für. Politik, Wirtschaft un-d Literatur in Ost und West. II. Jahrgang, 10. Juli 1918. Heft 19. Verlag der Neuen Jüdischen Monatshefte, Berlin-München. .Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde. Herausgegeben vom Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Nr. 89. Juli 1918.