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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-16 · Heft 33 (16.8.1918) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 33 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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392 sondern „wajassech aussom ladaunoj" schüttete es vor dem Ewigen aus (II. Sam. 23, 14f). Vielleicht beabsichtigte David von vornherein das Wasser zu opfern oder er scheute sich, Las Wasser, das unter so schweren Umständen erlangt war. selbst zu trinken, und er weihte es Gott. Durch das Wässergießen sollte die Gemeinsamkeit aller Krieger und ihr enges Verhältnis zueinander gekennzeichnet werden. Vielleicht ist daS Ies. 30, 1 vorkommende Wort „Masseclio", dessen Stamm „nossach" ist, in obigem Sinne als „Bund" auszufassen. Außer allgemeiner Verbrüderung der Krieger untereinander durch gemeinschaftliches Essen und Trinken finden wir auch noch private Freundschaftsbündnisse zwischen zwei Kriegern. Ein solches Bündnis bestand zwischen David und Jonathan, die Rüstungen. Mäntel, Schwerter. Bogen und Gürtel vertauschten (l. Sam. 18, 3 u. 4). Wenn David nach dem Tode seines Freundes Jonathan ausruft: „Deine Liebe war mir treuer als Frauenliebe" (II. Sam. 1, 26), so braucht dies durchaus nicht als eine poetische Uebertreibung angesehen zu werden. Man kann diese Äorte sehr wohl buchstäblich auffassen. Der Krieg des alten Israel war ein fortgesetzter Opferdienst und das Kriegslager, wo Gott wohnte, der Ort dieses Kultus. Es galten daher wohl auch hier all die Bestimmungen, die überhaupt für das gewöhnliche Leben getroffen waren, um am Kultus teilnehmen und die heilige Stätte betreten zu können. Darum waren wohl auch von der Teilnahme am Kriege die llnbeschnittenen und die Bekenner anderer Religionen ausgeschlossen. Angeworbene Krieger mutzten in die Religion Israels ausgenommen werden. Ausgeschlossen waren ferner, solange die Unreinheit währte, diejenigen, welche an Geschlechtskrankheiten litten, sich geschlechtlich verunreinigt hatten, aussätzig waren oder Leichen berührt hatten. So weigerte sich Urija, zu seinein Weibe Batse-ba ins Haus zu gehen, weil er befürchtete, unrein zu werden, wodurch er vom Kriegsdienste ausgeschlossen worden wäre (II. Sam. 11). Besonders hervorzuheben ist, daß trotz aller Grausamkeit, mit welcher nicht selten die Kriege in jener Zeit überhaupt geführt wurden, der israelitische Krieger sich nicht zur Vergewaltigung von Frauen hinreißen ließ, eine Schandtat, der wir noch in der Gegenwart nicht selten begegnen. Wenn Ies. 13, 1, Sachar. 14, 2, Jer. 3, 2 u. a. O. von einer Frauenschändung die Rede ist, so bezieht sich das nicht aus israelitische Krieger. Wenn II. Kön. 15. 16 erzählt wird, daß Menachem, als er in Tirza, das ihm aufs hartnäckigste Widerstand geleistet hatte, einzog, schwangeren Frauen den Leib aufschlitzte, so ist dies nur ein ganz vereinzelter Fall, der sich durch die Wut erklären läßt, die ihn erfaßt und ihn sinnlos gemacht hatte; wir sehen dies auch heute noch vielfach sich ereignen. Zudem darf nicht vergessen iverdeu, daß Menachem, wie die Bibel von ihm erzählt, „tat, was böse ist in den Augen Gottes". Wegen der Heiligkeit des Kriegslagers durfte die Notdurft nur außerhalb desselben verrichtet werden. Deut. 23. 13 u. 14 werden hierfür besondere Verhaltungsmaßregeln getroffen. 'Wie für den Nasir, so galt auch für den israelitischen Krieger das Verbot, das -Haar zu scheren. Wie bei Beginn des Krieges fanden nach Beendigung desselben Feierlichkeiten statt, in deren Mittelpunkt wiederum Opfer standen. Sie waren nach einem glücklichen Kriege der Ausdruck des Dankes für den errungenen Sieg. ES ist nicht ausgeschlossen, daß durch solche Opfer gleichzeitig die Beute geweiht und so zu einer erlaubten gemacht werden sollte. Die Haare wurden abgeschnitten und verbrannt, und dann wurde das Opfermahl veranstaltet. Hierauf gab man sich dem Weingenusse hin, der während des Krieges untersagt war. Zuweilen arteten die Mahle in wüste Gelage aus, was beispielsweise Ies. 28 mit scharfen Worten gerügt wird. Rach Rum. 31. iS mußten die heimgokehrten Krieger, ehe sie an der Siegesfeier teilnehmen konnten, gewisie Heiligungen vornehmen. Beabsichtigte ein Krieger, eine Gefangene als Konkubine in sein Haus zu nehmen, so hatte er nach Deut. 21, 10 besonderen Vorschriften zu genügen. Die Gefangene sollte weniger ihre Trauer bekunden, wie die Bibel erklärt, als vielmehr eine gewisie Weihe erfahren, da sie als Fremde unrein war. Lum Tode des Lxssrrn Mikolsus. Von Rahel Edelstei n-Friedmanm (Zürich). . eit Wochen durchschwirrten Gerüchte von der Ermordung beziehungsweise Justifizierung des Exzaven den Blätterwald, die nun durch in Frankreich offiziell veranstaltete Trauerfeiern eine unzweifelhafte Bejahung erfahren haben. Wenn jemand auf dem Erdenrund berechtigt ist, in dem unrühmlichen Ende dieses Pathologischen Gewalthabers etwas wie eine höhere Vergeltung zu sehen und den jähen Sturz dieses Autokraten als einen Akt sühnender Gerechtigkeit zu empfinden, so ist es sicherlich das Volk der Juden, für welches der von der Weltgeschichte Gerichtete niemals andere als Haßgefühle bekundet hatte. Ob er solche auch wirklich ausschließlich gehegt, oder ob er nur unter dem Drucke einer Hofkamarilla die Sondergesetze, Niederlassungsbeschränkungen und blutigen Pogrome gegen die Juden gebilligt und mit seinem Namen gedeckt hatte —, das zu untersuchen, würde an den durch Generationen hindurch verursachten Leiden und Verfolgungen kein Titelchen mildern, keinen der Entrechteten entschädigen, keine der vernichteten Existenzen wieder aufrichten, keinen der Erschlagenen ins Leben zurückrufen. Und dennoch sei es fern von uns, diesem Massenmörder, dessen Untergang schneller und' geräuschloser vor sich ging als der eines Nebukadnezar, eines Holofernes, eines Napoleon, oie menschliche Teilnahme zu versagen und seinen Tod anders zu betrachten als den jedes anderen Erbenbürgers, der ausgelitten hat. Auch, bei dieser Todesnachricht, die einen betrifft, der uns nun nicht mehr schaden kann, wollen wir wie bei jeder anderen Trauernachricht den Ewigen preisen, „der richte: nach Gerechtigkeit". Bewährt sich doch gerade an diesem Falle, wie an einem Schulbeispiele, die tiefe Ethik, die sittliche Wahrheit der jüdischen Weltanschauung, welche vor der Größe eines uns unbegreiflich und unerklärlich erscheinenden Zusammenbruchs in ehrfürchtiger Demut sich neigt und an dem Vertrauen zu dem Richter, der richtet in Gerechtigkeit, sich wieder emporhebt zu neuen Kämpfen, neuem Erleben und neuem Erleiden! — Wie eine schaurige Nordlandsmäre klingt es, das Lied vom letzten Stündlein des Landesvaters, der Blut in Scheffeln getrunken, wie eine nebelgeborene Ballade aus grausiger Winternacht. Drei rote Gesellen find es, die den gefangenen Entthronten aus einem sicheren Verließ in ein noch sicheres Verließ zu bringen hatten, damit er nicht nochmals zur Macht, zur blutigen Allmacht gelangen, könnte. Welch ein Verließ aber ist sicherer als das Jenseits? Welches Gefängnis sicherer als das Grab? Von dorther ist noch keiner wiedergekommen und keiner hat die Grabesfesseln je gesprengt! So überlegen die drei röten Diener, so sangen sie zu denken und zu sprechen an; denn Denken und Sprechen, das war verwehrt und verboten, solang der vierte, den sie in der Mitte haben, noch über Tod und Leben gebot. Und Denken und Sprechen, soll vielleicht wieder verboten sein, wenn dieser vierte, den sie in der Mitte haben, einst wieder über Tod und Leben gebietet? Nein, das darf nicht sein, dahin bars es nicht wieder kommen! Denken und Sprechen muß frei und gestattet sein! Mud so konstituieren die drei neuen Denker sich zu einem Gerichtshöfe

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