Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1918)
- Date
- 1918-08-16
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3229339-3229372--74233-3286716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
391 , . ( (Jvs. 6h und mittels eines I'ruok-Lärmes verscheuchte Gideon mit seinen Mannen die Midjamten, so daß sie die Flucht ergriffen (Richter 7). Hierbei fand noch ein besonderer „Schlachtruf" Anwendung, der sich direkt an Gott richtete, und lautete: „Schwert für den Ewigen und Gideon!" (Richter 7, 20.) Nicht selten wandte man die Beschwörung an, besonders wenn es sich um Segen oder Fluch, handelte. Auch übte der ^Schrecken Gottes", den man über die ahnungslosen Feinde gekommen glaubte, eine nicht geringe, den Sieg fördernde Wirkung aus (I. Sam. 14, 15, II. Mose 23, 27;. II.' Chron. 14, 13). Die hier ausgeführten Hilfsmittel zur Bezwingung des Feindes gelten meist höher als Schild und Speer, und man hatte zuweilen zu ihnen mehr Vertrauen als zu den Waffen. Wurden auch Krieger in erheblicher Zahl für den Kampf aufgeboten, so traten sie nicht immer in Tätigkeit. Man versuchte meist zunächst den Feind durch Geschrei, Gebet und Posaunenlärm in die Flucht zu treiben. War dies gelungen, dann trat man hervor, sich der Beute zu bemächtigen, und sie zu sammeln! (vgl. I. Chron. 5, 20). Es ist natürlich, daß man in kriegerischer Bedrängnis Opfer in großer Zahl brachte, insbesondere wenn man von Gott Größeres erwartete. Bei keiner Befragung Gottes, nach keinem Siege durfte das Opfer fehlen. Fühlten sich doch die Krieger ständig in Gottes Nähe, der mit in den Kampf zog und unter ihnen weilte. Das Opfer.fleisch wurde entweder roh oder halbroh verzehrt. Das Rohessen behielt man bei, obwohl später das Fleisch gekocht oder gebraten gegessen wurde. Das Rohessen blieb aber noch lange Brauch, wogegen Sacharja lind Ezechiel eiferten. Oftmals mußte auf besonderen göttlichen Befehl die Kriegsbeute vernichtet werden, sie wurde g e - b a n n t. Als der Herr dem König Saul befahl, gegen Amalek zu ziehen, sprach er zugleich den Bann über alles Erbeutete, aus. „Ohne Erbarmen sollte Mann und Weib, Kind und Säugling, Ochs und Lamm, Kamel und Esel getötet werden." (I. Sam. 15.) Ueber ganze Städte mit allem, was darin war, wurde zuweilen der Bann verhängt (Jos. 6, 17). Dann waren auch die leblosen Gegenstände dem Banne verfallen. Deut. 20,13 wird verlangt, nur alle Männer zu töten, nicht aber die Weiber und Kinder, welche neben, dem erbeuteten Besitz verteilt werden sollten. Dies geschah bei der Eroberung einer Stadt, deren Bewohner ein Friedensangebot ablehnten und es aus eine Belagerung ankommen ließen. Nur bei der Einnahme tanaamtischer Städte sollte alles Lebende vertilgt werden, um der Gefahr zu entgehen, später dem Götzendienst zu verfallen. (Deut. 7, 2 ss.; 2,34; Jos. 11,11.) Ueber den Boden der zerstörten Stadt Pflegte man Salz zu streuen, um das Wachstum von Pflanzen zu verhindern, und so die letzte Spur irgendwelchen Lebens zu vernichten. (Richter 9, 45.) Nicht immer wurde alle Beute an Tieren völlig'vernichtet. Vielmehr hielt man einen Teil zurück und veranstaltete ein Mahl. (I. Sam 14, 32.) Man war aus mehrfachen Gründen gezwungen, Beute zu erlangen. Die Krieger mußten entschädigt werden für Aufwendung an Kraft und Zeit, für Ausrüstung und für Rückgang des Hauswesens. Die Familie mußte Ersatz erhalten für den Verlust im Kriege gefallener Angehöriger.^ Kriegsgefangene waren erwünscht, um damit eigene Gefangene auslösen zu können oder durch sie notwendige Arbeiten verrichten ,zn lassen. Der Handel mit Gefangenen war erlaubt. Bon der Vernichtung ausgenommen waren erbeutete Gegenstände aus Gold, Silber und Eisen. Sie wurden dem Tempelschatze zugewiesen. (Jos. 6, 19, 24.) Goliaths Schwert lag, eingehüllt in ein Tuch, im Tempel hinter dem Efod. (I. Sam. 21, 10.) Bei Vollstreckung des Bannes bediente man sich bei lebenden Wesen des Schwertes, bei leblosen des Feuers. Auch war das Aufhängen an einen Baum üblich. So wurde der König von Ai durch Josua an einen Baum gehängt bis zur Zeit des Abends (Jos. 8, 29). Ueber den Zweck des Bannes, den die Bibel mit „Cherem" bezeichnet, herrschen Meinungsverschiedenheiten. Das Wort „Oberem" hat die Nebenbedeutung des „Heiligen", „Lboram" (im Hisil), heißt somit „heiligen". Die „Heiligung" erfolgte natürlich zu Ehren Gottes (Lev. 27, 28). Doch ist der Bann kein eigentliches Opfer, auch keine Weihegabe, vielmehr ein Verzicht der Krieger aus die Beute in der Absicht, durch diese Selbstentäußerung Gott sich dankbar zu zeigen. Sie wurden nur deshalb für „heilig" erklärt, um sie davor zu bewahren, daß sie angetastet werden. Diese Heiligung wurde manchmal schon vor dem Auszuge in den Kampf ausgesprochen in der Form eines Gelübdes. So heißt eS Richter 11, 30: Jiftach habe vor seinem Kriegszuge gegen die Amaröiter gelobt, daß er, wenn er siegreich heimkehre, das erste, das ihm aus seinem Hause entgegenkomme, dem Ewigen geweiht sein solle. Die Berührung des Gebannten machte wiederum „heilig", wurde aber aus Furcht möglichst vermieden, da sie schreckliche Folgen nach sich zog. Ein abschreckendes Beispiel bot Achan, der, weil er von der Beute etwas sich angeeignet hatte, gesteinigt wurde (Josua 7). Wie jeder gottesdienstlichen Handlung eine religiöse Reinigung vorangugehen hatte, so bedurften auch die Krieger Vor ihrem Auszuge in den Krieg einer besonderen „Heiligung". Da der Krieg unter dem Schutze Gottes stand, war er mit einer Fülle gottesdienstlicher Handlungen durchzogen. Die Bibel spricht von einem „Heiligen", „Weihen" des Krieges. (Joel 4, 9; Micha 3, 5). Sie spricht auch von einem „Weihen der Krieger". Auch läßt die Bibel den Krieger „sich Gott zur Verfügung stellen". So wird uns II. Chron. 17, 16 ein Heerführer genannt, von dem gesagt wird „missnadew ladonoy". Dementsprechend wurde der Adlige, Vornehme, der sich freiwillig dem Heeresdienste weihte, ein „nodiw" genannt. Der Krieg war eben im alten Israel ein ständiger Gottesdienst. Die vorgeschriebene Weihe des Kriegers, wie auch der von ihm benutzten Gegenstände erfolgte teils durch Wasser, teils durch Feuer (Num. 31, 21—24). Ganz besonders wurde der Schild gesalbt. David spricht in seinem Klageliede über den Tod Sauls von „dem enbsalbten Schilde" Sauls (II. Sam. 1,21). Durch diese Salbung war der Schild dem Zustande des Profanen entzogen und Gott zugeeignet worden. Die anderen Waffen wurden nicht gesalbt, sondern einfach geweht. Auch durch Faste N hatte der Krieger sich vorzubereiten (Richter 20, 26). Er sollte sich demütigen und sich der Hilfe Gottes versichern. Mit dem Fasten war stets ein Opfer verbunden, und zwar von Tieren. Es war gewöhnlich ein Brandopser, das als Sühneopfer galt. Die Krieger waren vor Beginn des Kampfes darauf bedacht, sich zu entsühnen und sich von all dem zu befreien, was sie rat Alltagsleben unrein gemacht. Dies Opfer bildete den Abschluß der Heiligung, bei »er aber keineswegs etwa an eine ethische Unreinheit gedacht werden darf. Außer dem Brandopfer finden wir auch das „M a h!- opfer" (Richter 20, 26). Dieses bezweckte jedoch nicht die eigene Heiligung, sondern es sollte dazu dienen, das Band der Krieger untereinander und ihre Solidarität mit Gott zu befestigen. Wer an einem solchen Mahle teilgenommen, aber nicht auszog in den Krieg, hatte schwere Strafe verwirkt. Zu den Kriegsvorbereitungen gehörte auch das „Wassergießen". Dieses diente jedoch ebenfalls nicht zur Heiligung des Kriegers selbst, sondern ist als eine Art Opfer anzusehen; denn das Wasser wurde „vor Gott ausgegossen". David ließ sich aus dem Brunnen einer belagerten feindlichen Stadt Wasier durch drei Krieger holen, trank es aber nicht.