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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-16 · Heft 33 (16.8.1918) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 33 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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gung des ^Augenblicks und der starken Palästinastinnnung der Juden eine neue Politik einzuschlagen gedenkt, die imstande ist, die reichen wirtschaftlichen Kräfte der Judenheit auf Palästina zu konzentrieren und darüber hinaus für die gesamte Türkei zu interessieren. Hierzu ist, wenn das Ergebnis der Verhandlungen nicht bloß auf die innerha'l'b der Gesamts udenheit verhältnismäßig unbedeutende Gruppe der deutschen Juden wirken, sondern vor allem auch auf die russische und amerikanische Judenheit nachhaltigen Eindruck machen soll (die bekanntlich durch die englische Regierungserklärung besonders stark berührt -ist), freilich eins erforderlich: Die Türkei sollte erklären, -daß sie Palästina für eine große jüdische Einwanderung und Ansiedelung zur Verfügung halten und die jüdische Kolonisation auf eine Grundlage stellen wird, welche die Freiheit jüdisch-nationaler Kulturentwicklung gewährleistet. Offenbar besteht auf türkischer Seite der Wunsch, den jüdischen Forderungen möglichst entgegenzukommen. Schon die Einladung an die oben erwähnten jüdischen Organisationen spricht von der Bildung eines jüdischen „Zentrums". * Im Anschluß daran schreibt das Jüdische Preßbureau in Zürich: Die Verhandlungen in Konstantinopel. Es dürfte überall bei den Juden den besten Eindruck machen, daß die türkische Regierung bezüglich der Palästinafrage mit den Vertretern des jüdischen Volkes unterhandeln wollte, und zwar mit denjenigen des ganzen Volkes, nicht nur mit einer Partei im Judentum. Sie hatte sämtliche jüdische Organisationen zu einer Besprechung nach Konstantinopel eingeladen. Wie wir hören, hat diese Besprechung sehr befriedigende Resultate gezeitigt. Es wurde unter anderem die Gewährung folgender Postulate in Aussicht gestellt: 1. Freie Einwanderung, Abschaffung aller Beschränkungen; 2. Konzessionierung jüdischer Kolonisationsgesellschaften zur Förderung der Ansiedlung; 3. Lokale Selbstverwaltung im Rahmen des in der Kammer befindlichen neuen Gesetzes über die Selbstverwaltung. Zur Ausarbeitung und Regelung aller Einzelheiten soll eine gemischte Kommission geschaffen werden. Die Hoffnung ist begründet, daß diese Ersprießliches wird leisten können, nachdem die türkische Negierung in Befolgung der guten Traditionen ihres Volkes dem jüdischen Volke gegenüber Verständnis und den besten Willen für die Lösung der jüdisch-palästinensischen Probleme zeigt. * Der „Schlesischen Zeitung" entnehmen wir folgende Ausführung: An der Palästinafront ist auf seiten Englands ein jüdisches Bataillon aufgetreten. lieber die englischen- Bemühungen, ein jüdisches Freiwilligenkorps au-fzustellen, haben wir schon vor längerer Zeit, berichtet; inzwischen ist etwas Aehnliches entstanden - - wobei allerdings meistens die Freiwilligkeit gefehlt haben dürfte. Wie die Armeezeitung „Jildirim" erfährt, fand die "Aufstellung des 1. jüdischen Bataillons in den Kasernen von Croß Hill bei Plymouth Ende Oktober 1917 statt. Aus ganz England wurden dazu Juden beigetrüben, gleichviel, welcher "Nationalität. So wurden auch zwangsweise polnische und russische Juden eingereiht, die seit kürzerer oder längerer Zeit als Arbeiter oder kleine Kausleute in England tätig waren. Die reicheren Juden konnten sich größtenteils -der zwangsweisen Rekrutierung entziehen. Im Anschluß an das 1. Bataillon wurde ein zweites allsgestellt. Das 1. Bataillon lag, bevor cs an die Palästina front geschickt wllrde, längere Zeit zur weiteren. Ausbildung in. Kairo. Die Stärke beider Bataillone betrug bei der Ausstellung je 1500 Mann. Bis auf den Kommandeur und drei Offiziere sollen alle Dienstgrade mit Juden besetzt sein. Die Stimmung unter diesen Juden und die Begeisterung, für die Engländer! zu kämpfen, kann nicht groß sein. Vielmehr sind die Leute wegen der zwangsweise erfolgten Einstellung gegen England -sehr aufgebracht. Biele sind der englischen Sprache überhaupt nicht oder nur in beschränktem Umfange mächtig. Mit welcher Rücksichtslosigkeit England fremde Völker selbst gegen das Völkerrecht für seine eigenen Interessen in Kampf und Tod zwingt, zeigt folgende Geschichte eines „Freiwilligen". Ein russischer Jude, der seit kurzem in England in einem Hüttenwerk beschäftigt war, erhielt eines Tages vom Riekrutierungsbureau seines Ortes die schriftliche Aufforderung, m das englische Heer einzutreten. Er "beantwortete das Schreiben mit „Go to hell" (Sichert Euch zum.Teufel!), -er sei Russe und habe gar keine Veranlassung, sich für England zu schlagen. Die Briefe des- Rekrutierungsbureaus wiederholten sich y monatlich. Schließlich kam ein Werbeuntero-ffizier in sein Haus, fragte ihn, ob er sich nun stellen wolle, und als er sich sträubte und äußerte, man könne ihn .gerade so gut ins Gefängnis stecken-, wurden' zwei Polizisten herangeholt, die den Widerspenstigen abführten. Ohne erst noch feine Familie sehen zu dürfen, mußte -er zu -dem Orte 'fahren wo das jüdische Bataillon -aufgestellt wurde. Das sind die Werbemethoden des „freien", demokratischen England. * Da wir Kolonisationsbestrebungen außerhalb Palästinas für äußerst wünschenswert halten, so verzeichnen wir gern nachstehende Notiz: Ne it-e j ü di fche Kolonien in A rg en t in ie n? Das jüdische Preßbureau in Stockholm berichtet: Wir lesen in der „Neuen Zürcher Zeitung": „Die sranzösisch-engl-ische Judendelegation, die Argentinien bereiste, um das Siedlungsproblem zu studieren, hat, wie die „Agencia Americana" meldet, den Behörden auf Grund ihres Befundes ein Projekt vor gelegt, -daß die Ansiedlung von etwa 10 000 aus Rußland geflohenen jüdischen Familien vor sieht. Der Transport würde von der Londoner Zionisten-Vereinigung übernommen." Das Haager Bureau meldet: „Der Grundstein zur hebräischen Universität in Jerusalem wurde am 24. Juli gelegt!" Die Nachricht berührt uns seltsam. Was ist eine „hebräische Universität"? Etwa eine solche mit hebräischer Unterrichtsfprache? Dann aber: Ist wirklich jetzt der Zeit- Punkt zur Begründung einer Universität? In dem Augenblick, ui dem die Zukunft Palästinas so völlig unbestimmt ist? Woher sollen jetzt Schüler kommen, woher die Lehrer genommen werden? Ist vielleicht nicht das Ganze ein Manöver der Entente? Will sie, besonders England, nicht etwa der Welt, besonders der jüdischen, verkünden, daß sie geistige Arbeit befördere, während die ganze Welt im Krieg stehe? Vielleicht wird einmal die Zeit kommen, da man von einer Universität in Palästina sprechen kann. Aber eine Universität gründet man erst, wenn durch Schulen aller Art die Jugend vorgebildet und reif ist. Der augenblickliche Zustand Palästinas und besonders Jerusalems fordert alles andere eher als eine Universität, Ser „heilige Krieg" im alten Ursel. Von I. H e r z b e r g (Bromberg.) (Schluß.) uch das Ab schießen eines Pfeiles sollte eine vorherige Verkündigung eines Sieges über einen zu bekriegenden Feind, andeuten. So schloß, der israelitische König Joa'sch vor seinem Kampfe gegen Aram aus Anraten Elisas eine Pfeil ab, wobei ihm der Prophet den Sieg verkündete (II. Köm 13, 15 f.). Während heutzutage bei uns 'das hauptsächlich beim Sturm gegen den Feind erhobene Kriegsgeschrei als eine rein psychologisch zu verstehende Aeußerung -des ungestümen Kampfeswutes anzusehen ist, war es ehemals im alten Israel anders. Im Hebräischen heißt Kri-egsgeschrei außer „Laul milchomo" (II. Mose 32, 17) auch „Truoh". Die „Truoh hatte aber stets einen religiösen Charakter, zumal sie vielfach beim Gottesdienste Anwendung fand. Unter Truoh wurde die heilige Lade ins Lager gebracht (I. Sam. 4, 5) und wieder mit Truoh zurückgeleitet (II. Sam. 6, 15). Die „Truoh war eine Huldigungsäußerung zu Ehren des im Lager weilenden Gottes. Unter dem Sturmlärm der Truoh fielen die Mauern Jerichos

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