Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229339-3229371--74224-3286706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 Ausstellung an die Oessen.tlichkei.t getreten. Unter der, ausgestellten Gegenständen befindet, sich eine Ehrengabe der Kvefelder Juden für den La-n-dtagsabgeordneten Kommerzienrat Hermann v. Beckerath, der sich im vereinigten' preußischen Landtag von 1847 mit großer Hingabe für die vollständig bürgerliche Gleichberechtigung der Juden eingesetzt hat. Das ausgestellte Dokument ist eine ihm von den Mitgliedern des israelitischen Konsistoriums und der Gemeinde Krefeld im Jahre 1847 gewidmete, von D. Levy Elkan in Köln auf Pergament gemalte Ehrenurkunde, die in einer silbernen/ nach einer Thorarolle gestalteten Hülse aufbewahrt wird. Die Mittel für das geschmackvolle Kunstwerk wurden 'durch eine Subskription aufgebracht. — 5ka§sel, 2. August. Der hessische Geschichtsverein unternahm unter Führung des Generals Eisentraut eine Besichtigung des jüdischen Friedhofs zu Bettenhausen. Kantor Hör Witz, der die Führung übernommen hatte, gab die erforderlichen Erklärungen und machte bemerkenswerte Mitteilungen über die Geschichte des alten Gottesackers. Danach fehlt über die früheren Friedhöfe der Kasseler Juden jeder sichere Anhalt. Fest steht, daß bereits im dreizehnten Jahrhundert in Kassel Juden wohnten. Ihr Friedhof stand unter dem Schutz des Annaberger Klosters und lag wahrscheinlich an der Ecke der Kloster- und Weserstraße. Als bei Kasernenbauten vor einigen Jahrzehnten menschliche Ueberreste gefunden wurden, versäumte man leider, Nachforschungen anzustellen. Später muß sich ein israelitischer Friedhof am Königsplatz- und zwar im fünfzehnten Jahrhundert außerhalb der Kasseler Mauern, befunden haben, dort, wo später das alte Regierungsgebäude stand. Während des Dreißigjährigen-Krieges erwarb dann die Gemeinde den jetzigen Friedhof in Bettenhausen, und tatsächlich gibt es noch Gräber, die mehr als zweihundert Jahre alt sind. Das damals schon Bestattungen vorgenommen sind, geht aus einer Judenliste aus dem Jahre 1650 hervor, in der eine Judith, Witwe des Totengräbers in Bettenhausen, erwähnt wird. Bon weither wurden die israelitischen Toten hierher gebracht, wie dies heute noch bei den Sammelsriedhöfen von Jestaedt bei Eschwege,'Binzförth und von Haarhausen im Kreise Fritzlar der Fall ist. Alte Israeliten wissen noch zu erzählen, welche Schwierigkeiten besonders bei Hochwasser bestanden, die Leichen nach Bettenhausen zu bringen. In den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schenkte Stadtrat Jeremiaß Rothsels den jetzigen neuen Teil und inzwischen, hat die Gemeinde auch noch ein neues Gelände erworben. Am Schluffe der Besichtigung sprach General Eisentraut dem Redner für seine eingehende Führung den verbindlichsten Dank ans. er. Würzburg, 2. August. Die I ug e n d o r ga n i s a t i o n der Agudas-Jisroel hielt hier vom 29. bis 31. Juli ihren ersten Bundestag ab-, an dem etwa 150 Delegierte und» 400 auswärtige Gäste teilnahwen'. Der Bundestag hatte eine inhaltsreiche Tagesordnung. Am Montag fand im Hutten sichen Garten ein Begrüßungsabend statt, den Direktor Dr. Lange (Frankfurt a. M.), der Vorsitzende «der Jugendorganisation, mit einer Ansprache einleitete. Namens der Würzburger Gemeinde begrüßte Rabbiner Dr. Bamberg er -den Delegiertentag, weitere Ansprachen hielten. Vertreter der Lokalgruppen und des Verbandes traditionellg e s e tz e s t r euer: Rabbiner Deutschlan h s. Armeerabbiner Dr. Cohn sprach für die i m Felde stehen den j ugen d lichen Agudo-Mitglieder; die Agudo°Gruppen in den besetzten G e bieten hatten Rabbiner Dr. C a r l e b a ch, zurzeit in Warschau, als Vertreter entsandt. Die Arbeitssitzungen begannen am Dienstag morgen. Die Verhandlungen wurden von, Direktor Dr. Lange eröffnet. Es wurde die Absendung von Huldigung stelegrammen an Se. Majestät den Kaiser und an den Landesherrn, König Ludwig von Bayern, beschlossen. Nach einem Vortrage von Dr. Jacob Sega l l (Berlin) „Was ist und zu welchem Ende brauchen wir thoratreue Jugendorganisationen.", der sehr beifällig aüfgenornmen wurde, folgte ein Referat von Rechtsanwalt Dr. Jsi Kahn (Berlin) über thora treue Organisationen in der Uebergangszeit. Unter den zahlreichren- Vorschlägen -des Redners waren besonders bemerkenswert seine Anregungen für Vertiefung der Apologetik des orthodoxen Judentums upd die Forderung nach einer Verbandskasse zur Unterstützung thoratreuer stellenloser Kaufleute und Angestellter. Den Ostjiuden will der Redner durch Handwerksausbildung und Arbeitsvermittlung' die Sabbatheiligung ermöglichen: durch Schaffung einer Bank, der die Kapitalien der beteiligten Kreise zufließen, soll dem thovatreuen Judentum eine wirtschaftliche Position geschaffen werden!. Eine Z i o n i st e ntd e b a t t e gab es am nächsten- Tage nach einem Vorträge von Max Cohen (Köln) über das Verhältnis der orthodoxen zu -den anderen jüdischen Jugendorganisiationen. Während der Redner jede Gemeinsamkeit, mit den liberalen und neuträten Verbänden ablehnte, hielt er ein Zusammenarbeiten mit den nationalen Gruppen für möglich. Gegen diese Auffassung, wurden in der- Versammlung lebhafte Bedenken geltend gemacht, doch wurde die Entscheidung dem Delegiertentage überlassen. — Weitere Referate behandelten die Wandevbew-egung in der Ägudo--Jugendorganisation mb das Verhältnis dev Soldaten zum Agudo-Gedanken. — In später Stunde wurde der Bundestag durch eine Schlußansprache des Vorsitzenden Dir-ektor Dr. Lange geschloffen-. Holland. — Dett Haag, 2. August. Die Spendeneingänge des Jüdischen Nationalfonds im ersten Halbjahr 1918 betragen, nach Tageskirsen gerechnet. 960 000 Francs. Nach Ländern geordnet, ergaben: Rußland 181506 Rubel, Oesterreich 406 106 Kronen, Polen und Litauen: durch Oesterreich besetztes Gebiet 40156 Kronen, durch Deutschland besetztes Gebiet 145 394 Mark, Deutschland 118 573 Mark. Nordamerika.12 019 Dollar, 'südslawische Länder 49 083 Kronen, England 1696,17,— Pfund Sterling, Holland 12 092 Gulden, Ungarn 16 715 Kronen, Südafrika 612,18,— Pfund Sterling, Bulgarien 9014 Leva, Schweden 3569 Kronen, Italien 4605 Lire, Australien 172 Pfund Sterling, Aegypten 11069 Piaster, Dänemark 1519 Kronen, Kanada 420 Dollar, Rumänien 1159 Miark, Argentinien 286 Dollar, China 93 Dollar, Norwegen 294 Kronen, Palästina 10 Pfund Sterling. Der Ertrag aus .den Vereinigten Staaten von Amerika ist bedeutend höher als der oben angeführte. Infolge des stockenden Verkehrs haben nämlich die Ueberweisungen des zweiten Vierteljahres das Haupt-- bureau noch nicht erreicht. Nach der letzten Meldung des New Aorker Zwergbuveaus hat allein der jüngst stattgefundene Blumentag. zugunsten des Jüdischen Nationalfonds eine Nettoeinnahme von 30 000 Dollar ergeben; darunter aus New Hork 10 000 Dollar, Chicago 3500 Dollar, Baltimore 2000 Dollar, Philadelphia- 1800 Dollar. Die wachsenden Erträge aus den Blumen- und Flaggentagen in Amerika sind ein schönes Zeugnis für die Sympathien, 'deren sich der Nationalfonds, unbeschadet der verschiedenen Hilfsaktionen, bei den jüdischen Massen erfreut. Auch die Eingänge aus Rußland umfassen nur die ersten drei Monate dieses Jahres, und die Sammlungen werden trotz aller Hindernisse energisch fortgesetzt. Es seien hier die Beschlüsse zur Ausgestaltung der Jüdischen-Mationalfonds-Organisation in Rußland und die Eröffnung eines N-ationalsondHbureaus für die Ukraine hervorgehoben. Bei der letzten in Moskau -abgehaltenen Konferenz der zionistischen Vertrauensmänner Rußlands wurden nach gründlicher Erörterung folgende grundlegende Resolutionen angenommen: 1. Der Nationalfonds ist das -wichtigste Institut, das den Boden Palästinas zum Eigentum, des jüdischen Volkes machen kann. Da die verschiedenen Organe des Jüdischen Nationalfonds bis jetzt nicht so gearbeitet haben, wie ihre Aufgaben es erforderten, beschließt die Tagung, dem Zentralkomitee! vo Zuschlägen, die Organisationdos Hauptb-ureaus des Nationalfonds in Rußland zu vervollkommnen und Mittel zur .Heranziehung großer Kapitalien zugunsten des Nationalfonds ausfindig zu machen, damit er eine ausgedehnte und energische Tätigkeit zu entwickeln imstande ist. 2. Die Tagung beschließt, daß sämtliche Privatunternehmungen das Prinzip anerkennen müssen, daß Erwerb und Verkauf des Bodens in Palästina lediglich durch das Kolonisationsorgan der zionistischen Organisation erfolgen kann. 3. Die Tagung beschließt, daß sämtliche Organe der zionistischen- Partei einen energischen Kampfgegen die Bodenspekulation in Palästina zu führen verpflichtet sind. 4. Das Zentralkomitee muß. die Tätigkeit aller Privatnnternehmungen und Gesellschaften, die mit der Palästina-Arbeit verbunden sind, überwachen und gegen diejenigen auftreten, die es für das Kolonisationswerk in Palästina als schädlich erkennt. Die Konferenz befaßte sich auch mit der Organisation', der während der letzten Zeit in vielen Städten entstandenen Hechaluzgruppen und beschloß, demnächst eine -besondere, dieser Organisation zu widmende Beratung einznberusen. Grsterkkich-Nnysm» Z. Wien, 2. August. Der populärste Mann in Wien. - so schreibt die Wiener „Jüdische Zeitung" — wird bald der Landesausschuß Kunschak sein. Er hat mit einem allerdings nicht besondere Begabung voraussetzenden Scharfblick erkannt, durch welches Mittel man heutzutage wirken kann, und die Massen von Weil begeistert. Wie -einst sein großes Vorbild Dr. Lueger im entscheidenden Moment