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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-09 · Heft 32 (9.8.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 32 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 herausfand', daß man nur einige geflügelte Worte gegen die Juden in die Versammlungen werfen muß, um sich selbst auf diesen Fittichen, in die Höhe zu schwingen, so hat der Kunschak die Judenhetze schon geradezu zu einer Grammophonplatte verarbeitet, die er bei jeder Passenden und unpassenden Gelegenheit spieilen läßt. Wenn z. B. von alldeutscher Seite antidhnastische Gerüchte in Oesterreich verbreitet werden, so hält Kunschak eine Patriotische Rede und. HM diesen Anlaß für geeignet, um infame Hetzereien gegen die Juden mit der albernen Beschuldigung vorzubringen, daß der Kriegswucher eine jüdische Erfindung sei. In dieser Huldigungsversammlung für das Haus Habsburg bricht dann die «ganze fanatisierte Menge in den orgiastischen Ruf aus: „Nieder mit den jüdischen Wucherern!" Durch solche Mittel sucht man die Aufmerksamkeit von der Stelle abzulenken, von der in Wahrheit die Gerüchte ausgestreut werden. — Ein andermal wieder spricht Kunschak von 2500 christlichen Arbeitern, Preist die großen Leistungen der Bauernschaft (die natürlich vom Kriegswucher weit entfernt ist) und kommt dann wieder zu seinem Judengrarnmophon. Die Juden sind nicht nur Kriegsgewinner, sondern auch „Frondeure", und wieder einmal zeigt sich das traurige Bild, wie die „Arbeiter-Zeitung" eine fruchtbare Quelle für christlichsoziale Demagogie wird. Denn die „Arbeiter-Zeitung" hat gelegentlich der Ausstandsbewegung die „Jünglinge aus dem Osten", was Kunschak richtig mit Juden übersetzt, denunziert. Und so geht es weiter. Sogar die Rohö wird als bevorzugtes jüdisches Instrument bezeichnet. Das alles hören die Wiener gern und klatschen frenetischen Beifall. Auf diese Weise ist Kunschak Plötzlich der große Mann geworden und hat eine große Zukunft. — Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat in seiner Sitzung vom 26. Juli einen Protest gegen die Pogromhetze der christlich-sozialen Partei gefaßt. Die Resolution des Kultusrates legte Verwahrung gegen die neuerdings verstärkte judenfeindliche Wühlerei ein, die auf sogenannten Volkstagen in Westösterreich den Höhepunkt erreicht hat, auf denen die Volksmenge zu Pogromen aufgefordert wurde. Die österreichische Judenschaft weist die dort erhobenen Anschuldigungen zurück und erklärt mit Nachdruck in ausführlicher Darlegung, daß sie an Vaterlandsliebe an der Front wie im Hinterlande gewissenhaft ihre Pflicht erfüllt habe. Zur Abwehr der ihr drohenden Gefahr durch Verhetzung werde die österreichische Judenschaft sich letzten Endes gezwungen sehen, sich zu organisieren. (Siehe auch in dieser Nummer „Die Woche". D. Red.) Von Iah unv Fern. — Frau Franko Minden, die feinsinnige und wegen ihres philanthropischen Wirkens in weiten Kreisen bekannte Gattin des ersten Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde Geheimer Regierungsrat Direktor Dr. Georg Minden, wurde mit dem Oldenburgischen Friedrich-August-Kreuz zweiter Klasse am rotblauen Bande und dem Badischen Verdienstkreuz für Kriegshilfe ausgezeichnet. — Die Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Berlin hat einen langjährigen Mitarbeiter guf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege in Herrn Moritz Zutrauen verloren, der im patriarchalischen Alter am 25. Juli verstorben ist. Der Heimgegangene widmete sich mehr als 15 Jahre den Arbeiten der Kommission für durchreisende fremde Juden und dem Kuratorium der jüdischen A l t e r s Versorgungsanstalten. Herr Zutrauen hatte sich bereits vor einigen Jahren mit Rücksicht auf sein hohes Alter von seinen Ehrenämtern zurückgezogen. — Ter H-ilfsv e r e i n der Deutschen Juden ist durch das Hinscheiden seines langjährigen Schatzmeisters-, des Herrn Ernst Simon, von einen: schweren Verlust betroffen worden. Der Verewigte, Mitglied des Zentralkomitees und geschüffsführenden Ausschusses, hat sich um die Entwickelung des Hilfsvereins der Deutschen Juden in hohem Maße verdient gemacht. Ehre seinein Andenken! —> Stabsarzt Dr. Aron Petuchowfki (Charlottenburg), in einen: Lazarett in: Kriegsgebiet im Westen tätig, der schon das Eiserne. Kreuz zweiter Klasse besitzt, ist jetzt auch mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse dekoriert w o r d e n. — Der Schöneberger Chirurg Dr. Hans P I a st e r k, Sohn des Herrn Louis Plasterk in Charlottenburg, Mommsenstraße 46, hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. — Der Frau Negierungsrat Lucie Sommerguth geborenen Loeser, Gattin des Mitinhabers «der Firma Loeser u. Wolfis, ist das Verdien stkre uz 'für KriegAhilfe verliehen worden. — Bei der letzten Verteilung des Vervienstkreuzes für Kriegshilfe würden mit dieser Auszeichnung folgende Mitarbeiterinnen des Nationalen Frauendienstes bedacht: Frau Sanitätsrat Mathilde Bock geborene Blau, Reinickendorfer Straße 46; Frau Martha Frankl geborene Neumann. Kurfürstenstraße 147; Frau Klara Frey Han geborene Gottschalk, Altonaer Straße 25; Frau Margarete I a c ob h. geborene Orgler, Derfflingerstraße 19; Frau Else Irnberg geborene Cohn, Hallesche Straße 21; Frau Hedwig Feig geborene Seligsohn, Friedrich-Wilhelm- Straße 20; Frau Hedwig Simon geborene Stettiner, Diktormstraße 5. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe haben ferner erhalten: Konsul P la u t in Firma Hermann Plaut in Berlin; Frau Kom Mission srat Berta Sachs in Friedenau, Frau Juffizrat Eugen Fuchs und Frau Toni Fleischmann (Berlin). — Der bisherige Studienassessor am Johanneum in Breslau, Dr. Emil Behrens, wurde zum Oberlehrer am Königlichen Gymnasium in Kattowitz ernannt. — Bei den lohten Kämpfen im Westen fiel als landsturmpflichtiaer Arzt und Bataillon sarzt der Privatdozent für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Königsberg i. Pr.. Dr. med. Arthur Pelz tm Alter von 88 Jahren. — Aus Dobrzyca bei Vleschen wird uns berichtet: Herr Kaufmann Otto Nathan in Berlin, hierorts geboren, svendet-e '1650 Mark zur Renovierung des Synagogeng-ebäudes bierselbst. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilse wurde dem Geschäftsführer der Provinzialkartoffelstelle der Provinz Posen, Großikaufmann Herrn Sylvester Davidsohn in Posen verliehen. — Dem Rabbiner Dr. S e l i g - kowitz in Köthen ist die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse verliehen worden. — Die Rote-Krenz-Medaille wurde dem Rabbiner der Synagogengemeinde Halle, Herrn Dr. A. Kahlberg, für seine Verdienste um die jüdische Militärseelforge in Halle und im ganzen Regierungsbezirk Merseburg, insbesondere in den zahlreichen Lazaretten, verliehen. — Die gleiche Auszeichnung erhielt auch Rabbiner Dr. Lauge in Magdeburg: —.Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielt Frau Kaufmann Max Guthmann in Münster i. W. — Aus Gemünden (Wohra), Regierungsbezirk Kassel, wird uns geschrieben: Am 8. d. M. 'begeben hier die Esieleute Lazarus und B«etty Andorn ihre Diamantbochzeit. Die leiernden stehen im Mer von 87 bzw. 80 Jahren. Beide haben sich, trok mancher Schicksals schlage, eine bemerkenswerte Rüstigkeit bewahrt und volle Teilnahme an allen Geschehnissen dieser schweren Zeit. In ihrer sechzigiahrigen innigen Lebensgemeinschaft haben sie in vorbildlicher Weise alle Tugenden des iüdischen Hauses hochaehalten. — Der vor einem Jahre in München bearündete Jüdische Sport- und Turnverein bat fmleichtathletischen Wettkämpfen des Bayerischen Rasenfportvereins fünf schöne Erfolge davon getragen. Im Wettlauf kam die jüdische Mannschaft als zweite ans Ziel, sie erhielt den ersten Preis im Handgranate-nwerfen und den dritten und vierten Preis im Mallau'sen. Diese Ers-olae sind umso «höher zu -bewerten, als die Konkurrenz-eine sehr scharfe war. Die Ju ge ndab teilu n -g siegte im bayerischen Jugendturn- und Spieltag als dritte Partei unter acht Mitbewerbern. — In Wien ist ein Komitee zusammengetreten, das in den nächsten Wochen einen Allgemeinen österreichischen iüdischen. Ovsertag veranst,alten wird, der der Förderung der Palästinahilfsaktion dienen soll; als zweites Ziel wird die Schaffung eisies Fondszwecks weiterer Ausbildung von jüdischen Kriegswaisen in Galizien und der Bukowina zu produktiven gewerblichen und landwirtschaftlichen'Berufen bezeichnet. — Die Alte Synagoge und die wertvolle jüdische Bibliothek in Belgrad sind durch ein Feuer zerstört worden. Biele alte Bücher von großem historischen Interesse und Berichte über die ersten jüdischen Siedelungen in Serbien wurden vom Feuer zer-- stört. — Der frühere Professor der Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Rom, Dr. Emanuel L ö w h, wurde zum außer- -ordenklichen Professor der klassischen Archäologie -an -der Wiener Universität unter Verleihung des Titels und Gharaikters eines ordentlichen Professors berufen. — Aus Warschau wird gemeldet: Der Brester Rabbiner, Rabbi Chajim Soloweizik, die hervorragendste talmudische Kapazität der Gegenwart, ist am 31. Juli nach kurzem Leiden im Alter von 65 Jahren verschieden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: MaxIunge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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