Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229339-3229371--74223-3286705- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Königsberg t. Pr., 2. August. Aus dem Protokoll der 26. Jahresversammlung des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens, die am Juni d. I. in den Manien der Kantloge in Königsberg stattgefunden hat, fei hier folgendes mitgeteilt: Der Vorsitzende, Direktor Peritz (Königsberg), begrüßte die gut besuchte Versammlung, insbesondere' die erschienenen Gäste, die Vertreter des Vorstandes der Shnagogengemeinden und Herrn Rektor Friedländer (Danzig). Begrüßungsansprachen dielten ferner Herr Stadtrat Prof. Dr. Lasfar-Cohn (Königsberg) und Herr Stadtrat Eichelbaum (Insterburg). Schriftliche Begrüßungen waren eingegangen von den Herren Rabbinern Dr. Vogelstein (Königsberg), Rabbiner Dr. Zkozisti (Insterburg), den Vorsitzenden deS Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche und dem Nachbarverein Westpreuhen. — Der Vorsitzende hielt die vom Herrn Oberkantor Birnbaum stilnmungsvoll durch ein Präludium eingeleitete Gedächtnisrede auf den im letzten Jahre verstorbenen Vorsitzenden des Vereins, Herrn Prediger Sturmann (Osterode). Auch des auf dem Felde der Ehre gefallenen Lehrers und Sekretärs Sandler (Königsberg) und des verstorbenen Mitglieds Kantor Weinberg (Insterburg) wurde ehrend gedacht. Don der von den Königsberger Kollegen errichteten Sandler-Gedächtnis-Stiftung wurde Kenntnis gegeben. Die Kollegen Lapidas (Seckenburg) und Sack (Goldap) feierten nn Berichtsjahre-ihren 70. Geburtstag. An die Kollegen im Felde wurden zu Chanukka und Pessach Liebespakete gesckicktz Die Militärseelsorge wurde in der bisherigen Weise ansgeübt. ' Ein würdiger Abschied wurde dem in Pension gehenden Kantor K a t o (AllenWn) bereitet. Mit herzlichen Dankesworten, gedachte der Vorsitzende seirver anfovfernder Tätigkeit als langjähriger Kassierer des Vereins, wünschte ihm einen heiteren Lebensabend und überreichte tut Namen des Vereins ein wertvolles Angebinde. Mt rührenden Worten und besten Wünschen für das fernere Wohlergehen des Vereins und seiner Mitglieder dankte der Gefeierte. Herr Rektor Fr i e d l ä n d e r" (Danzig) hielt sein Referat: „Zur Leb r p la n f va ge für den j ü bischen R e l i g i o ns u n t e r r i ch t." Als Ziel sei anzunehmen: „Weckung und Kräftigung der religiös^-sittlichen Anlagen des Kindes, damit es einst einen frommen Lebenswandel führe, regen Anteil am Leben der jüdischen Gemeinschaft nehme und ein brauchbares Glied der bürgerlichen Gesellschaft werde." Hinsichtlich des Stoffes g'lt als oberste Forderung: Die zu behandelnden Stoffe muffen der -Fassungskraft des Kindes entsprechen. Wenn wir mit dem Schüler Dinge behandeln, die über seine -Fassungskraft gehen, .so bleibt auch der Weg zu seinem Herzen verschlossen. Deshalb ist auf der ganzen Mittel- und Unterstufe ein rein begriffsmäßiger Religionsunterricht abzulehnen. Was auf Kinderherzen Eindruck macht, das sind vor allem lebendige Tatsachen, handelnde Personen. Freilich wird das Begriffsmäßige auch auf diesen Stufen nicht ganz fehlen dürfen. Es darf aber hier nur in der größten Einfachheit und Knappheit auftreten und nur aus dem anschaulichen Untergründe der biblischen Geschichte berauswachsen. Aber auch die geschichtlichen Stoffe dürfen nicht zu schwer sein. Eine weitere Förderung lautet: Ter Lehrstoff babe bildende Kraft in sich. Gehaltlose Stoffe sind von der Behandlung in der Schule auszuschließen. Durch unsere Darbietungen werden in dem Kinde zuerst lebendige Vorstellungen erregt. An diese schließen sich Gefühle an. Aus diesen entwickelt sich das Wollen. Dieser seelische Vorgang setzt voraus, daß wir dem Kinde packende Stoffe darbieten. Stoffe also, die das Kind vielfach aitregen, seine kindliche Seele gleichsam in Wallung bringen. Deshalb muß aus dem Lehrplan des Religionsunterrichtes der Dr das religiöse Leben bedeutungslose Wissens- und Lernstoff ausgeschieden lrnd überall das in -den Vordergrund gestellt werden, was erbauend und fördernd auf das Gemüt und den Willen des Kindes wirkt. Eine weitere wichtige Forderung ist, daß der neue Stoff an den alten anzuknüpfen ist, damit die neu auftretenden Stoffe in den durch den vorhergehenden Unterricht gewonnenen Anschauungen und Vorstellungen möglichst viele Apperzeptionsstützen finden. Das geschieht im biblischen' Geschichtsunterricht am besten durch Anordnung des Stoffes nach der geschichtlichen Entwicklung. „Das Gewordene erklärt das Werdende." Das Fortschreiten nach der geschichtlichen Entwickelung ermöglicht auch eine vertiefende Behandlung der Geschichte, ein gründliches Verweilen', ein tieferes Eindringen in sie. Das ist jedoch in der Anordnung des Stoffes nach konzentrischen Kreisen in der Regel nicht möglich. Schließlich hat der Religionsunterricht noch dem Grundsatz der Konzentration Rechnung zu tragen. Der Religionsunterricht darf, deshalb auf seinem eigenen Gebiete nicht scheiden und auseinanderreißen, was naturgemäß zusammengehört. Er darf nicht bibtisiche Geschichte, Bibelspruch, Bibellesen und Religionslehre seine besonderen Wege gehen lassen. Der Religionsunterricht hat nur einen Grund und Boden: die biblische Geschichte. An und aus ihr gewinntdas Kind unter Anleitung des Lehrers jene religiös-stttlichen Wahrheiten, wie sie im Bibelspruch und in den Lehrsätzen des Judentums niedergelegt sind. Der Religionsunterricht muß aber auch mit anderen Stvffen in Verbindung gesetzt werden. Es muß der Versuch gemacht Werden- Brücken zu schlagen zwischen der Darbietung religiöser Stoffe und den- Stoffen anderer Gebiete. Vortreffliche Winke für diese Verknüpfung gibt Gottschalk in ferner Schrift.- „Methodische Fragen für den jüdischen Religionsunterricht." Referent bespricht dann den zurzeit für Ostpreußen eingeführten Lehrplan und' empfiehlt folgenden: Auf dev Unterstufe, die nur zwei Jahrgänge umfassen soll, ist die Patriarchen- und- Josephs-Geschichte eingehend zu behandeln. Die Mittelstufe umfaßt drei Jahre. E r st e s Ja h r: Schöpft!ngsgeschichte, Kain und Abel, Sintflut, die Mose-Geschichte. Zweites Jahr: Josua. Von den Richtern: Debora, Gideon, Abimelech!, Jephta, Simson, Eli, Samuel. Drittes Jahr: Saul, David, Salomo, einige Psailmen und leichte Sprüche. Im Zusammenhang mit den biblischen Geschichten tritt auf der Unter- und Mittelstufe der Bibelspruch auf. Bei der Auswahl der Sprüche ist darauf zu achten, daß sie den Geist der jüdischen Religion musterhaft zum Ausdruck bringen, ferner darauf, daß sie als Sammelpunkt für Gedankenreiche gelten können, die das ganze Gebiet der jüdischen Glaubens- und Sittenlehre berühren, und endlich darauf! daß sie durch ihre schöne, sprachliche Form die Mühe des Auswendiglernens zu rechtfertigen haben. Die zehn Gebote sind ebenfalls an passender Stelle im engsten Anschluß an die biblische Geschichte zu behandeln. Pensum der Oberstufe: Erstes Jahr: Jerobeam I, Ahab, Jerobeam II; Hosea für Israel; Rehabeam, Jofephat, Hi skia, Josia, Zedekia für Juda. Elia und Elisa ausführlich, dagegen beschränken wir, uns bei den Propheten Amos, Hosea- Jesaia, Micha, Jeremia auf das Notwendigste Zweites Jahr: Geschichte der Verbannung. Psalm 137 und 126. Esra und Nehemia. Geschichte der Juden unter der Fremdherrschaft, den Makkabäern und unter den römischen Landpiflegern bis zur Zerstörung des zweiten Tempels. Drittes Jahr: Prophetenlektüre und Psalrnen. Amos, Hosea, Jesaia I und II, Micha, Jeremia. Psalm 1, 8, 15, 23, 51, 92, 113 bis 118, 121, 130. Im Anschluß daran Reli g.i o n sl eh r e. Diesem mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine ausgedehnte fruchtbare Diskussion, an welcher sich die Herren Hes (Osterode), Strunin (Tilsit), Schloß (OrtelsburgH, Peritz und Wolkowskr (Königsberg) und der Referent beteiligten. Die aufgestellten. Leitsätze fanden in ihren Grundzügen die Zustimmung der Versammlung-. Eine Kommission soll eingesetzt werden, welcher die Ausarbeitung eines brauchbaren Lehrplanes übertragen werden soll. (Schluß folgt:) — Breslau, 2. August. Die hiesige R e p r ä fe nt a n t c n Versammlung gab kürzlich zu dem Erwerbe eines Hausgrundstücks für die T h e o d o r S t a h Ische Stiftung ihre einstimmige iGenchmigung. Diese Stiftung hat nämlich den Zweck, bedürftigen jüdischen Familien oder alleinstehenden Personen- Wohnungen zu billigen- Preisen zu gewähren. Das neuerworbene Grundstück hat eine Fläche von 585 Quadratmetern, von tet die Hälfte, mit 292 Quadratmetern, bebaut ist: In jedem der vier Stockwerke sind eine Dretzimmerwohnung und zwei Zweizimmer-Wohnungen mit Küche und Badezimmer, zusammen zwölf Wohnungen, untergebracht, außerdem ist eine Hausmeisterloohnung vorhanden-. er. Magdeburg. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten dev deutschen ZirkusweIt ist mit dem Zirkusdirektor Simon Blumenselb dahmgega-ngen, «der hier im M-er von 6V Jahren verstorben ist. Blumenseld war Mitinhaber des bekannten Zi-rkusunternehmens und gehörte der vielgenannten jüdischen Reiterfamilie an, die sich durch ihre vorzüglichen zirzensischen Leistungen seit Genierationen einen geachteten Namen in der 'deutschen Sportwelt gemacht hat. Sieben Söhne des Verstorbenen sind zur Fahne einberufen, fünf davon stehen vor dem Feinde. er. KrefÄb, 2. August. Der voreinem Jahre neu begründete Verein f ü v Hei m atku n de ist jetzt zum erstenmal mit einer