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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-09 · Heft 32 (9.8.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 32 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. 32 Der Gemeindevote. Berlin, 9. August 19J8 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". Sorrrlpouvm?kn und Lachrichtttt. SeutschlsnL. &&& Berlin, 6. August. Das Kriegsministerium hat durch Verfügung vom 2.0, Juli Nr. 2694, 6. 18. C. 1. a den in Betracht kommenden Stellen folgende Wünsche, betreffend die jüdischen Herbstfeiertage, mit dem Anheimstellen mitgeteilt, ihnen zu entsprechen, soweit es angängig ist und sich mit den dienstlichen Interessen vereinbaren läßt. Die bevorstehenden jüdischen Herbstfeiertage fallen auf folgende Termine: Neujahrsfest. Beginn: Freitag, 6. September, abends. Ende: Sonntag, 8. September, abends. Versöhnungstag. Beginn: Sonntag, 15. September, nach^- inittags. Ende: Montag, 16. September, abends. Laubhüttenfest. Beginn: Freitag, 20. September, abends. Ende: Sonntag, 22. September abends. Schlußfest. Beginn: Freitag, 2 7. September, abends. Ende: Sonntag. 29. September, abends. Für die an der Front befindlichen Mannschaften: a) Dienstbefreiung am Versö-hnung-tstaae, beginnend eine Stunde vor Sonnenuntergana des Vorabends und schließend mit Eintritt der Nacht: soweit möglich und mit der Kriegslage vereinbar, Dienstbefreiuna an den übrigen Feiertagen: b) Gelegenheit zur Begehung des Neujahrsfestes und Versöhnungsfestes, soweit möglich auch der anderen Feiertaae durch aemeinsamen Gottesdienst. Soweit Zentral- Gottesdienste größerer Verbände veranstaltet werden, Berücksichti- '^una des religiösen Reiseverbots derart, daß die Mannschaften vor beginn des Feiertaaes am Orte des Gottesdienstes ein treffen und 'bn. erst nach Schluß desselben zu verlassen brciuchen. Weaen Regelnna der Einzelheiten werden sich die Feldrabbiner an die Armeeoberkommandos. denen sie zuaeteilt find, wenden. Bei der Ertaisuna von Heimaturlaub an die im Felde befindlichen indischen Mannschaften möalichsta Berücksichtigung der Feiertagszeit. Für bie in den heimatlichen Garnisonen und an festen Standorten in der Etappe befindlichen Mannschaften.: a) soweit mit den dienstlichen Interessen vereinbar, Heimaturlaub oder Urlaub zur nächstgeleaenen indischen Gemeinde: b) soweit sich der Urlaub nicht ermöalicken läßt. Dienstbeireiung an den Festtagen. Bon einem mit Veilen verbundenen Urlaub können strengaläubiae jüdische Mannschaften nur dann Gebrauch machen, wenn ihnen die Möglichkeit gewährt wird, die Reise selbst vor Beginn und nach Ende des Feiertages rurnckzuleaen. Vom Staatssekretär des Neichsmarineamts ist eine entsprechende Derfüaung an die in Betracht kommenden Dienststellen unterm 27. Juni A; Id 7883 ergangen. Berlin. 6. August. Die soeben erschienene Nr. 89 der ..Mitteilungen" vom Deutsch-Israelischen Gemeindebund enthalten an erster Stelle einen Hinweis auf das am 20. Juni 19J9 statt finden de 50jährige Grün düng si ub i läu m der ältesten Jentralkörverschast der deutschen Juden. — Die Kommission mr Beratung eines Organisationsaeketzes für die jüdischen Gemeinden Preußens wird nach den Ferien ibre konstituierende Sitzung baden. Jur Mtarbeit find neben den Vertretern des Gemeindebundes und des Verbandes der deutschen Inden auch der Rabbiner-, der Leb rer- und der Kantorenverband, ferner das Vorsteberamt der israelitischen Gemeinden im Regierungsbezirk Kassel, der Vorstand' der Gemeinde Kassel, der Provinzialverband für Schleswig-Holstein sowie die Landrabbiner und der Provinzialverband von Hannover berufen, so daß alle am Gesetzentwurf interessierten Berufsstände und die dem preußischen Gesetze von 1847 nicht unterworfenen preußischen Gebietsteile ihre Vertreter in der Kommission haben werden. — Mit dem seit mehr als 35 Jahren bestehenden, so segensreich wirkenden Vertragsverhältnifse mit der Victoria beschäftigt sich ein besonderer Artikel. An Stelle des im 'letzten Jahre Heimgegangenen, uw die jüdische Beamtenschaft hochverdienten Direktors S. I. Leszhnskv, dem ebenso wie dem vielgeschätzten Schulmanne Professor Blaschke ein tief empfundener Nachruf gewidmet wird, ist Herr Direktor S t a h l, eine für die jüdische Sache lebhaft interessierte Persönlichkeit, getreten.— Im Zusammenhänge mit einem Auffatz über die neu gegründete „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" ist der Bericht über den VII. Deutsch-Israelitischen Verbandstag wiedergegeben. Des weiteren wird über die Bemühungen, den Stadtkindern zu'einem Landaufenthalt zu verhelfen, und über das,erfolgreiche Eingreifen zur Erhaltung der jüdischen Volksschule in Kobhlin berichtet. — Groß ist wiederum der Verlust, den der D.-J.-G.-B. durch das Hinscheiden'von hervorragenden Ausschußmitgliedern und Delegierten, wie Blaschke, Leszynsky, Stadtrat Marck (Breslau), Ofner und Werner (München), Sturmann (Osterode), Frank (Köln), Doktor (Kassel) erlitten hat. — Für die offizielle Vertretung der jüdischen Glaubensgemeinschaft im Preußischen Herrenhause und für die Wahrung der Rechte der osteuropäischen Juden (V.-J.-O.-D.) ist der D.-J.-G.-B. gemeinsam mit den anderen an der Frage interessierten großen Körperschaften eingetreten. — Eine Anzahl von außerordentlichen Zuwendungen hat es glücklicherweise verhindert, daß die Jahresabrechnung,. die diesmal der Kosten- und Papierersparnis wegen in abgekürzter Form erscheint, mit einem Fehlbeträge abschließt. Der Voranschlag für 1918/19 sieht einen solchen in Höhe von nahezu 7000 Mark vor. Es ist dringend zu wünschen, daß die beabsichtigte Propaganda für einen Jubiläumsfonds den Bund von der bei jeder neuen durch die Zeit- Verhältnisse bedingten Anforderung schärfer hervortretenden Sorge um die Ausbringung des Etats befreit. # # Berlin, 6. August. Eine s e l t s a m e I l l u st r a t i o n zu de n Dement i s der Finnl än di scheu Gesandtschaft in Berlin gegen die Nachrichten über Judenverfolgungen in Finnland bildet der Umstand, daß seilt 'der russischen Revolution, die den Finnenin der Judenfrage vollkommen freie Hand ließ, erst eineinziger Jude lb*t»e Naturalisation erlangen konnte. Alle Juden in Helsingfors, Abo und Diborg, die ihre Naturalisa-tionsgesuche vor mehr als einem Jahre >eingereicht haben, sind bis heute ohne Antwo r t geblieben, obwohl nach dem Gesetz die Gewährung der Naturalisation binnen 30 Tagen nach Einreichung des Gesuches erfolgenmuß. Ein Änziger reicher Jude, der der Weißen Garde eine große Summe Geldes gegeben hatte, ist naturalisiert worden. Inzwischen haben die reaktionären Altfinnen es dnrchgesetzt, daß zum Gesetz über die Natu-ralffation dier Juden ein Amen-dement, ausgenommen wurde, wonach die Juden sich verpflichten, sämtliche- Landesgesetze zu befolgen, darunter auch das Gesetz betreffend die Tötung von Tieren. Die reaktionären Regierungsorgane erklären ganz offen, daß dieses Amendement, daS das Schächtverbot in Finnland gesetzlich sanktioniert, eine günstige Handhabe biete, um die zumeist religiösen Juden Finnlands, denen der Genuß von Fleisch somit un-nröglich gemacht wird, zur Auswanderung zu zwingen. E. M. Berlin, 6. August. Eine I ah rzeit- Sti stu n g fü r e-inen pre u ßi schen Kö ni g verwaltet die große Berliner jüdische Gemeinde. Alljährlich am Todestage des verewigten Königs Friedrich Wilhelm III. erhalten zwei würdige undbedürftige Talmudisten für die Verrichtung des für Hingeschiedene üblichen Kaddischgebets die Zinsen des Kapitals, welches im Betrage von 500 Talern dem Vorstande der hiesigen Gemeinde aus dem Vermächtnisse des verstorbenen Königs zu Teil geworidten ist. Die Verwendung der Zinsen dieses Vermächtnisses für eine Jahrzeitfeier wurde durch Gemeindebeschluß bereits im Jahre 1840 beschlossen. Die Stiftung ist noch heute in Kraft, und alljährlich sagen in der Alten Synagoge in der Hei'dereutergasse, dem ältesten jüdischen Bethause Berlins, zwei arme DalmMsten Kaddisch für König Friedrich Wilhelm III. E. M. Berlin, 6. August. Den Bemühungen des Rabbiners Dr. Meier Hildesheimer ist es gelungen, 120 Kindern aus verschiedenen deutschen Großstädten einen Sommeraufenthalt in der Schweiz zu ermöglichen. Von den Kindern sind etwa neunzig aus Berlin. Die Mittel zur Unterbringung der Kinder sind zum größten Teil von einer bekannten Persönlichkeit der Adaß-Jisroel-Gemeinde zur Verfügung gestellt worden. Mitte v. M. ist die jugendliche Gesellschaft unter Obhut von fünf Lehrerinnen nach der Schweiz abgereist, wo die Kinder in zwei getrennten Kolonien, in Wengen und Pfannen stiel, untergebracht worden sind.

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