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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-09 · Heft 32 (9.8.1918) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 32 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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384 fjotort wir z. B. von Magazinen (xeXXat — lat. cellae) der Juden, die auf freien Plätzen errichtet waren. Die Hauptstraße scheint der a^vSvL 'lvjonxos gewesen AU sein, dessen Häuser zuweilen den Besitzer wechselten, was uns erlaubt, an der Hand der amtlichen llrkunden, da doch jeder Verkauf dem Agoranomos auzuzeigen war (zu-m Agoranonr. Hunt II, 308 Nr. 335, vgl. Xenophon, Anabas. V, 7, 2; 23, 24), ihr reges Handelsloben ZU beobachten. Jüdische Nainen kommen in den Urkunden der Stadt überaus häufig, vor. Sie sind nach der Unart der hellenistischen Juden (vgl. den berühmten oder vielmehr berüchtigten Josuä, der sich Jason nannte, des Onias Sohn im Zeitalter des Antiochus Epiphanes) nicht selten mit den fremden vertauscht, meist jedoch mit ägyptischen, mit griechischen oder römischen verbunden, was häufig aus Klientelverhältnissen erklärlich wird, wie etwa Jofephus sich den Gentilnamen Flavins seiner kaiserlichen- Gönner beilegte. Freilich wird sich umnerklich schon mancher Christ mit biblischen Namen unter ihrer Zahl befinden, da die ganz scharfe Sonderung beider Religionen, wohl erst ointrat, nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war. Der eigentlich ägyptische Name Isidor, der noch heute bei den Juden - Heimatrecht genießt, war schon in Oxyrhnchos unter ihnen ein häufiger Gast. Sonst erscheinen noch Mvccham, Abrahamius, Paulus, der Apostelname, Rita ins Silvanus Pstibi-us usw. Die Berufe sind so ziemlich alle unter ihnen vertreten und scheinen ihnen uneingeschränkt zugänglich gewesen zu sein. Im vierten Jahrhundert (Hunt I, 97,13) fungiert Z. B. ein 1«xüj(3 als Schutzmann (cpuXa?) und war am Sarapivn stationiert. Namentlich gab es schon damals (viertes- und slmftes Jahrhundert) viele jüdische Jur-isten (iy.hxos, a%akaatixo; Zivilrichter, vordpios Notar) vgl. Hunt I, 9, 902, 309. Sogar rvichtige Staatseveignisse, von denen die uns zugänglichen Historiker schlveigen oder zu wenig bieten, werden uns gelegentlich durch den beredten Mund der Urkunden offenbart. So richtete (Hunt II, 6, 165) ein gewisser Aurelms Horion in den Jahren 200/02 eine Eingabe an die Kaiser Septimius Severus und Caracalla, worin er sich auf die Hilfe der Oxyrynchier im Judenkriege beruft und darauf, daß Ulan in dieser Stadt den Tag des Sieges noch alljährlich festlich begehe: Jlpossan dz -tjtgis v,ol\ r) ttooc Pod;jwcio’jc euvoia ts twu tcioti; xai cptXtct (v ^vo&tcctvTO xai '/.otTa xov Trpos to’jc ’louoaioo; roXejjiov avtes 7.CU l-l VSJX VV)V 77^7 TÜJV i~WZVAULV TjfJlEßav EZGMJTOV £tOU; TraVYjyUpl^OVTES. Hunt-Greenfell deuten das aus eine unbedeutende jüdische Rebellion, von der sonst weiter nichts bekannt ist, wie uns solche ja häufig bezeugt werden. Möglich; aber warum denn die jähMchen Epinikien? Die Sedantage feiert man doch immer mir nach wirklichen Entscheidungsschlachten. Ich vermute, daß der Untergang Bar Kochbas im Jahre 135, der ja auch durch einen General mit des Kaisers Namen Severus herbei geführt worden war, noch nach mehr denn einem halben Jahrhundert in Oxyrhnchos festlich begangen sein w'ird; war doch Aegypten seit Pharaos Tagen — und wenn die schon vergessen sein sollten, so war doch die Erinnerung an den smarten Apion frisch — das klassische Land des antiken Antisemitismus und ein Sieg über die Juden daher gerade hier immer eine erwünschte Gelegenheit „zu Feiertagen, zu Banketten und- Saufgelagen". Die Hauptstraße scheint to dppodov Mouoatxov gewesen zu sein (falls dieser Name nicht der ganzen Judenstadt zukam). S. A s ch.n e r. Sprrchlaal. Der Vegetarismus uuv die Bibel. Bon Rabbiner Dr. Gelles (Lissa). er freundlichen Einladung des geehrten Herrn Redakteurs Folge gebend, haben Dr. med. Rainer und Kollege Grünthal -den in meinem Aufsatz „Vegetarismus und Bibel" enthaltenen Gedanken widersprochen. Die hygienisch-medizinischen Einwendungen 'des Herrn Dr. Rainer 'kann ich — da Laie aus diesem Gebiet — aus ihre Nichtigkeit nicht nachprüfen, aber sie können mich aus dem Grunde gar nicht überzeugen, weil viele Kollegen des Herrn Dr. Rainer — also auch Mediziner, und nicht die untüchtigsten — unbedingte Anhänger des Vegetarismus sind, und weil sich Millionen von Menschen — insbesondere in Arnerika — dieser Bewegung angeschlossen haben. Doch dies nur nebenbei. Es kam darauf an, nachzuweifen, daß die Idee des Vegetarismus auch in der Bibel durchgeführt wird, daß sie Jesaja in seinem Bilde von der messia-ni.sch.ett Menschheit nicht unberührt läßt. Bedeutet das Hinsteuern auf das mesfianische Ziel „Rückkehr zum Urzustand"? Das dürste wohl nicht der Ernst des Herrn Dr. Rainer sein? Aber hat denn 'der Vegetarismus nicht auch eine ethische Wurzel? Lehnt er nicht auch deshalb den Fleischgenuß ab, we.il er zu teuer erkauft wird, nämlich mit dem Leben des Tieres? Und ist die Achtung vor dem Leben des Tieres, das mich weder bedroht noch Schaden mir zu-fügt, eine „Rückkehr zum Urzustand"? Ja, muß nicht die messianische Menschheit so geartet sein, daß sie auch das Tierleben achtet? Und werden nicht alle wirklich „gründlichen? Bibel- und Talmudkenner Zugeben, daß die Bibel, diese ewig sprudelnde Quelle der Ethik, eo ipso auch diesen ethischen Grundgedanken des Vegetarismus enthalten muß? Kollegen G r ü n t h a l, der auch auf die ethische Seite der ganzen Frage eingeht, möchte ich entgegenhalten, daß er das erste Postulat der Bibel und des Judentums zurückweist, wenn er die „Aufzüchtung des Geistesmenschen darum ablehnt, weil wir dann ein „engelgleiches Leben" führen müßten. Verlangt doch die Bibel noch mehr, will sie doch, daß der Mensch sogar ein „Ebenbild Gottes" werde. (Ich hoffe, daß er dieses Bibelwort nicht „bildlich" auf,faßt.). Ob und wann er dies erreicht,'ist nicht so wichtig wie die Ansicht, daß man das Ideal ,-des" Menschen nicht hoch genug stellen kann. — Seine ausführliche, sattsam bekannte Erklärung von Jesaja 66 war ganz überflüssig, da ja von mir -bereits gestreift. Und was den Versuch angeht, Jesaja 11 nur „bildlich" zu erklären, so ist es allerdings außerordentlich leicht, auf diesem Ausweg den von mir angedeuteten, trotz allem „konsequent durchgesührten" Gedankenfaden zu zerreißen. *r Ohne auf die Auseinandersetzung zwischen' Herrn Dr. Gelles und Herrn Dr. Ratner bezüglich des „Vegetarismus" näher .einzugehen, möchte ich nur auf eine hochinteressante Notiz bei RHirsch Ehajes s. A. in D'K’QJ min S. 22 a. Hinweisen: r6>3K \sTn mb iwn rb'Dx -irm nco 'ipn ->p'P2 mm •nroip 1!23 m pte p-i msb ■po'krf? "idkj *6 -W3 öxi nonan p ymp rcnm t6tp po ama tran-iwan “itp1 nacp p73tp nrr6 Sm1 cvn ^pa nro* -ima mm •w* v"n ’^pan p pi p m’pnrnp pn rrapm pn .jrb-ox nx “iox?Pi ssPman wiro x"o Danach ist das Verbot des Fleischgenusses für die vornochadischen Generationen begründet in dem Wunsche der Vorsehung, die Tiere, w-elche damals noch nicht so zahlreich vorhanden waren, vor der Austilgung zu schützen, eine Gefahr, die unbedingt vorhanden gewesen wäre, wenn sie der menschlichen» Nahrung zugewies-en worden wären. Schön lanke, 14. Juli 1918. Rabbiner Dr. M. L. B a m b e r g e r. O Zu meinem Artikel ^Die Bedeutung der jüdischen Familienforschung für das Jttdentnm". Herr Dr. Phil. M. Spanier in Magdeburg macht in dankenswerter Weise darauf aufmerksam, daß auf dem Gebiete der jüdischen Fannlienforschu-ng sich noch hervorragend betätigt haben: 1. der unlängst verstorbene Landrabbiner Dr. Gronemann mit seinem großen Werke „Ueber die jüdischen Familien Hannovers", und 2. Rabbiner Dr. F r e u de n-tha l (Nürnberg) mit seiner Arbeit „Die Familie Gomperz". Aus dem (auch sonst so wandlungssähigen) italienischen Staatsmann Luzzatti hat der Druckfehlerteufel Luzzatto gemacht. Sanitätsra-t Dr. Sch erbe! (Lissa). * Quittung. Für die g a l i z i s ch e n I u d e n sind (berglerche die früheren Nummern) inkl. zweier neuerlichen Zuweisungen von 10 Mark von Herrn Fritz Kiese (Berlin), 20 Mark Frau Clara Samuel (Essen), 1715 Mark eingekommen. Sie sind zum größeren Teil an die israelitische Allianz in Wien für die galizischen Flüchtlinge, zum kleineren an das jüdische Hilfskomitee Bobrka, Galizien, z. H. des Präses Dr. Moritz Schrenzel, eingezahlt worden. Etwaige noch ei.nlaufende Spenden werden an dieser Stelle verzeichnet werden. DieRedaktio n.

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