Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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380 spricht der Abgesandte des Ewigen; ja, verfluchet seine Bewohner, denn sie sind nicht gekommen zum Beistände des Ewigen, zum Beistände des Ewigen unter den Helden." (Richter 5, 23.) Und dieselbe Richterin Preist „den Ewigen, der mit auszog von -SSir, einherschritt vom Gefilde Edom." (Richter 5, 4.) Als die Aegypter den Israeliten nachjagten, „stürzte Gott Roß und Reiter ins Meer". (II. Mose 15, 1.) In dem Rauschen in den Wipfeln der Bäume erkannte man das Zeichen der Anwesenheit Gottes. Als David den Herrn befragte, ob er gegen die Philister, die im Tale Rafaim lagerten, ziehen sollte, sprach der Herr: „Ziehe nicht hinauf. Wende dich ihm in den Rücken, daß du an sie kommst von der Seite der Maulbeerbäume. Und es geschehe, wenn du Geräusch eines Trittes auf den Spitzen der 'Maulbeerbäume hörst, dann.sei hurtig, denn alsdann ist der Ewige vor dir ausgezogen, zu schlagen das Lager der Philister." (II. Sam. 5, 24.) Gott schärft sein Schwert und greift selbst ein. In seinem herrlichen Gelange (Deut. 32, 41) sagt Moses von Gott: „Wenn ich geschärft den Blitz meines Schwertes" und Josua 10, 10 wird berichtet, daß, als Josua zum Kampfe gegen die Verbündeten Könige ausgezogen war, „der Ewige deren Heere vor Israel verwirrte und er sie schlug einen großen Schlag zu Gibeon". Der errungene Sieg erfolgte urrr durch die Hilfe Gottes. „Sieg" und „Hilfe" werden daher nur durch ein und dasselbe WortnzilV'oder^pw^ausgedrückt. Hierfür gibt es zahlreiche Belege, so II. Sam. 18, 3, II. Kön. 5, 1 und an vielen anderen Stellen. Jesaja läßt Gott selbst den niW 2212 den Heim des Sieges, sich aufs Haupt setzen. (Jes. 59,17.) Man war daher überzeugt, daß 'der Verlaus und das Ergebnis des Kampfes lediglich von der Hllfe Gottes abhängig war. „Siegen" heißt somit im hebräischen Sinne nichts anderes als „unterstützt werden", „geholfen werden". Auch sah man im Kriege em Gottesgericht, in dem der Schuldige unterliegt, und nur dem Unschuldigen der Sieg von Gott verliehen wird. In diesem Sinne spricht sich Jesaja in Kap. 51, 5 und 46, 13 aus. Wie die anderen semitischen Völker hat auch Israel das Heiligtum, das von ihm hochgeschätzte göttliche Syinbol, mit in den Krieg genommen. Als in einem Kriege Israels mit den Philistern die heilige Lade ins Lager gebrächt wurde, riefen die Philister: „Gott ist ins Lager gekommen . . (1. Sant. 4, 7 s.). Sie wurden verzagt; trotzdem erlitten die Israeliten eine schwere Niederlage. Die dabei in die Hand der Philister gefallene heilige Lade bereitet den Siegern aber große Unvequemlichteiten, so daß sie sich gezwungen sahen, sie wieder in die Hände Israels gelangen zu lassen. (I. Sam. 5 und 6.) Neben der heiligen Lade wurde wohl auch das Efod mit in das Heereslager genommen, um Gott zu befragen. Sv wird uns I. Sarn. 14, 3 erzählt, daß der Priester Achija das Gfod trug im Kriege gegen die Philister, und als Ebjatar zu David nach Köilah entflohen war, hatte er das Efod mitgenommen (I. Sarn. 23, 6). Als David in Ziklag von den Ämalekitern bedrängt wurde und das Volk ihm in seiner Erbitterung arg zusetzte, da sprach er zu Ebjatar: „Bringe das Efod her!" Und David befragte den Ewigen." (I. Sam. 30,1 ff.). Das Befragen Gottes hatten in der Regel die Priester zu besorgen; sie hatten die Orakel zu erteilen. Allerlei Auskünfte hatten sie zu geben. Man wollte hier wissen, wo am besten anzugreifen sei, dort wünschte man zu erfahren, welcher Stamm zuerst anzugreifen habe, endlich verlangte man darüber Auskunft, ob Sieg oder Niederlage zu erwarten sei. Nach dom Tode Josuas befragte Israel den Herrn, wer es nun gegen die Kanaaniter führen solle. Und Gott bestimmte, daß der Stamm Juda die Führung zu übernehmen habe (Richter 1, 1 und 2). Vor dem Kriege der Stämme Israels gegen den Stamm Benjamin wurde Gott befragt, wer zuerst gegen die Söhne Benjamin in den Kampf ziehen solle; da bestimmte der Herr wiederum den Stamm Juda (Richter 20, 18). Bevor David zum Kampfe gegen die Philister gegen Köilah zog, befragte er zweimal den- Herrn (I. Sam. 23, 2 u. 4). Erging auf das Befragen keine befriedigende oder überhaupt keine Antwort, so war man überzeugt, daß sich jemand im Lager schwer vergangen haben mußte, und nun wurde die Gottheit daraufhin abermals befragt, um den Schuldigen heraüsgubringen und die Möglichkeit zu schaffen, diesen zu strafen und so den erzürnten Gott zu besänftigen. Alsder König Saul vor einem Kriege gegen die Philister Gott befragte, antwortete dieser nicht. Erst als Jonathan als Uebertveter eines Gebotes seines Vaters Saul festgestellt wurde, war der Herr besänftigt und verlieh den Sieg über die Philister (I. Sam, 14, 37 ff.). Neben dem Priester stand der „Gottesmann" „iseh hoelauhim", oder der „Seher", „ebauseb". Er stand mit der Gottheit in naher Beziehung und besaß übermenschliches Wissen. Der Seher war eine selbständige, unabhängige, vornehme Persönlichkeit. Man.konnte Seher nur durch angeborene göttliche Begabung werden.. DaS Sehertum konnte nicht wie das Priestertum erlernt werden. Der bekannteste Seher war Samuel. Nach seinem Tode noch befragte ihn Saul über die Schlacht bei Gilboa, wie es uns I. Sam. 28 erzählt wird, nachdem chm Gott eine Antwort versagt hatte. Auch Seherinnen gab es. Die hervorragendste Seherin war Doborah, die sich auch in Friedenszeiten als eine weife Frau erwieS. „Unter der Palme der Doborah" (Richter 4, 5) richtete sie das Volk oder prophezeite. Eine besonders hervorragende Tätigkeit entwickelte sie im Kriege Israels gegen Jabin und dessen Feldherrn Sisera. Ratend und anspornend stand sie hinter dem israelitischen Feldherrn Barak und dessen Heer und führte durch Wort und Lied die glückliche Entscheidung herbei. Sie nennt sich selbst, „Em b jisroel", „Mutter in Israel", wie Joseph sich „Ow l’pharau", „Vater dem Pharao" nannte. Es waren dies offenbar Ehren oder Amtsbezeichnungen. Auch die Vorbedeutung spielte in den israelitischen Kriegen eine nicht unwesentliche Rolle. Zu ihrer Verwertung bedurfte es weder einer vorhergehenden Uebung, noch einer besonderen götüichen Erleuchtung. Bevor Gideon zum Kampfe gegen Midjan auszog, forderte er von Gott zweimal ein Zeichen, daß ihm der Sieg gewiß fei (Richter 6, 36 ff.). Auch der T r a u m galt als Vorbedeutung für den Willen der Gottheit. So entnahm Gideon aus dem Traum des Midjaniten, der eine Scheibe Gerstenbrot durch -das Lager rollen sah, daß ihm der Sieg gewiß war (Richter 7, 13). Mohr unmittelbaren Einfluß auf den Ausgang des Kampfes sollte der Stab ausüben. Als Moses den Josua gegen die Amalokiter ins Feld gesandt hatte, nahm er seinen Gottesstab in die Hand. „Und es geschah," -erzählt die Bibel II. Mose 17, 11, „sowie Moses seine Hand erhob, siegte Israel, und sowie er seine Hand ruhen ließ, siegte Amalek." Josua benutzte zu gleichem Zwecke statt des Stabes eine Lanze, bis die Einwohner Ais völlig besiegt waren. (Schluß folgt.) Jedem das Lrinige. (6. Forts. Roman von M. Pulvermann. f^QU'Lefg^ 5. laßner konnte es nicht begreifen, daß er so schnell vor dem -kleinen Häuschen, im entgegengesetzten Stadtteil, angelangt war. Mit Wohlgefallen betrachtete er es, ob es auch einen Vergleich mit dem palastartigen Bau, den er eben verlassen, nicht aushalten konnte. Es stand in der Nähe eines