Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1918)
- Date
- 1918-08-09
- Page
- Seite 379 (sequence 7)
- Language
- German
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379 sich der Kaiser dazu, Wen den Ankauf von Staatsgütern unter gewissen Beschränkungen zu gestatten. Auch wurde ausdrücklich betont, baß die Toleranz sich ausschließlich auf das Familienhaupt und die unverehelichten Kinder beziehe. Immerhin war das Edikt ein erster entscheidender Schritt aus dem Wege zur Emanzipation. Die Zurückhaltung, welcher sich die Gegner der Juden zu LMeiten des Kaisers, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, befleißigten, machte nach seinem frühen 'Hinscheiden einem offenen feindseligen Auftreten Platz, zumal sie aus der Haltung seines Nachfolgers schließen zu können glaubten, daß er einer konservativen Richtung huldige. Ein waicmer Fürsprecher erstand den Wiener Tolerierten damals in dem Staatsrate Eger, der sich in seinem Referate äußerte: „Ich kann mir die Begriffe von Toleranzsystem gegenüber von den allerlei Zwangsanftalten, Geld- und Leibesstrafen, worauf hier der Antrag geschieht, nicht erklären. Der Jude soll, um dem Staat nützlich zu werden, an allen ehrbahren Gewerben und Nährungsxrwerbungen theÄnehmen können. Und wenn es dazu kämt, will man ihn weder auf dem Lände. . . , aber auch nicht einmal in Städten dulden, von chm bei jedem Schritte um die Ursachen seines Daseins Rechenschaft fordern und vorzüglich einem sogenannten Judenkommifsär unterordnen, der, wenn er nicht ein wahrer, ehrlicher Mann ist. hundert Gelegenheiten findet, den armen Juden zu necken, zu strafen, in Kontribuzion zu setzen oder im Gegentheil trotz der ergangenen Verordnungen zu konniviren und solche unbesölgt zu belassen." Und Graf Sauer, der neue Präsident der niederösterreichischen Regierung, der nichts weniger als ein Judenfreünd wär, könnte nicht umhin, die überwiegende Mehrzahl der Wiener Tolerierten zur Elite der österreichischen Juden, die er auf 6O0ÖÖ0 schätzte, zu zählen: „Die Verbündung der m den Erbländen zör-j streuten jüdischen Nazion mit der hkeHgen Lüddnschaft hat die j Folge, daß die Gesetzgebung durch die hiesigen tolerierten! Juden wie aus einem Mittelhunkte auf den übtigen in 'Kn i Erbstaten befindlichen Theil der Mäßön tpirkt, auf ihre Denkungsart einen wesentlichen Einfluß nimmt und derselben diejenige Gestalt geben könne, worinne'n sie nicht, wie bisher, mit den christlichen Staätinwohndrn so ausfallend 'konträstire, sondern in einem Lichte erscheine, daß der Stäat ste mcht mehr als eine fremde Nazion mit einer Art öbn Müßiräuen zu betrachten und als eine solche, für die mim auf der Hnth seyn muß, zu behandeln nöthig habe." Der Kaiser sflbst aber rechtfertigte die Erwartungen, die die Feinde der JösesiniMen Reformen in ihn setzten, durchaus nicht. Weit dabön entfernt, die Rechte, die sein Bruder den Inden verliehen hatte, anzutasten, bekundete er pietniehr untdr tztüweis auf deü herrschenden Zeitgeist das Bestreben, über die von seinem Vorgänger gemachten Zugeständüisse hinaüszutzehen. AM deutlichsten spiegelt sich seine Gesinnung in der Haltung wider, die er gelegentlich der lebhaften Debatte der HosbehörLen und des Staatsrätes einnahm, als es sich um die Frage der Verleihung des juridischen Doktorates an die entsprechend ausgebildeten lind mit Erfolg geprüften Juden und um deren Zulasfütig zur Advokatur haiwelte. Der Kaiser entschied im Gegensätze zum Thronfolger im Sinne des mit Per ihm eigenen Energie für die Juden eintretenden Staatsrates Eger. Die Thronbesteigung -Franz II. brachte nicht nur einen Personen-, sondern auch einen Systemwechsel mit sich. Immer wieder zeigte sich -das Bestreben der Krone und der Mehrzahl ihrer Berater, die Vermehrung und Bewegungsfreiheit der Wiener Juden, sötvtzit dies dör Zeitgeist Md die realen Ver- HÄMffe zülitzßön, eiWtdÄMnien, Und dÄMU vermochte selbst die Tatsache nichts zu ändern, däß Fürst Metternich den Juden günstig gGnni wär. Rstker Kaiser Fevdinänd rückten sie 'der EbfüllMg ihrer heißem Sehnsucht um Mnes Haares Breite näher. Es ist bemerkenswert, daß 1837 anläßlich der Bewerbung eines jüdischen Chemikers um eine Universitätsprofessur, welche das böhmische Gubernium zur 'Begünstigung empfahl, nur einer der Staatsräte sich für den Petenten aussprach. Es war dies desKaisersBruder Erzherzog Franz Karl. Seine Worte fanden jedoch keinen Widerhall. Dem verewigten Kaiser Franz Josef I. erst haben es die Juden zu danken, daß sie aufhörten, einen Staat im Staate zu bilden. Ser „heilige Lrirg" im alten hlrarl. Von I. Herzberg (Bromberg). 4 m Verlause des gegenwärtigen Weltkrieges ist in mehreren Ländern der „Heilige Krieg" proklamiert worden. Zuerst war es die Türkei und alsderen Vertreter der Sultan, der als Kalif den „Dschihad" proklamierte und dadurch die Mohammedaner des ganzen Erdenrundes zur Teilnahme am Kriege verpflichtete. Ursprünglich erwuchs aus der Proklamierung des „-Dschihad" hauptsächlich die religiöse Verpflichtung, für den Glauben zu -kämpfen, und ihm mit.dem Schwerte Geltung zu verschaffen. Er war somit gegen alle Ungläubigen gerichtet. In dem gegenwärtigen LVeltkampfe jedoch verlor der „Heilige Krieg" insofern von seiner Wesenheit, als das Fetwa, das allgemeine Aufgebot des Islams, Feindseligkeiten gegen andersgläubige Bundesgenossen untersagte. Auch im alten Israel kannvon -einem „Heiligen Kdieg" die Rede sein. Während -aber beim Islam erst der „Heilige Krieg" besonders ausgernfen werden mußte, um als solcher angesehen zu werden, war int alten Israel jeder Krieg ein „heiliger Krieg". _ Schoß .sn den frühesten Zeiten stand im alten Israel der Krieg unter der „Hut -Gottes". Die Kriege Israels werden die „Kriege Gottes" genannt, und -die Feinde -Gottes seien die „Feinde JsräÄs". So schließt die Dichterin Deborah ihr -herrtlches Siegeslied mit den Worten: „Also mögen untergehen alle deine Feillde, o Herr!" (Richter 5, 31). Als David nach Ziklag Äm Und einen Teil der Beute den Aeltesten Judas übersandte, ließ "er ihnen sägen-: „Hier ist für euch Segen von der 'Bellte voll den Feindendes Ewigen!" (I.Sam. 30, 26). Näch dem Siege des eben aus Aegypten gezogenen israelitischen Volkes über die Amalekiter sprach Moses, nachdem er auf Befehl Gottes-den-Sieg in ein Gedächtnisbuch geschrieben und zugleich eisten Altar errichtet hatte: „Der Ewige ist mein Panier! Fürwahr, die Hand an den Thron Gottes, Krieg d es E w i g e n wider Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!" (II. Mose 17, 15 u. 16). Als Saul dem David seine älteste Tochter Merab zum Weibe anbot, sprach, er: „Sei mir als tapferer Mann und führe die Kriege d es Ewigen!" (I. Sam. 18, 17). IV. Mose 21, 14 wird das Buch der „Kriege des Ewigen" erwähnt. David sprach zu Goliath, als er sich ihm zum Kampfe stellte: „Ich komme zu -dir im Namen des „Ewigen der Heerscharen", des „Gottes der Sch lacht reihen" Israels, die du gehöhnt." (I. Sam. 17, 45). Im alten Israel war man fest davon überzeugt, daß Gott der Herr mit dem Heere ins Feld zog, und man sah es -als eine Schwäch an «Wb zweifelte an dem- Siege, wenn Gott sich dem Heere fern hielt, was man durch allerlei Zeichen anzunehmen glaubte. Der Pfalmist klagt Ps. 44, 10: „Du hast uns verstoßen und uns beschämt und ziehst nicht mit unseren Scharen aus." Und Ps. 60, 11 u. 12 fragt der Psalmist besorgt: „Wer bringt mich in die feste Stadt, wer fährt mich bis Edom? Nicht du, v Gott, der du uns verstoßen und nicht auszogst, Gott, mit unseren Herren?" Dieselben Worte finden wir in Ps. 108, 11 u. 12. Die Richterin Debora-h ruft aus: „Verfluchet Maros,