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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-09 · Heft 32 (9.8.1918) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 32 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
Seite 375 (sequence 3)
Language
German
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375 irgendwie beschränkte GlerHbtzrechtigung auf politischem und kulturellem' Gebiet und -fordern- Me. solche im Angesicht der -ganzen . Welt. Die runumischen Juden verlangen von ihrer Regierung nichts als etwas Selbstverständliches: das Recht, in dem Lande, wo sie geboren und erzogen, sind, wo.ihre Eltern und Großeltern gelebt und gewirkt haben, als Bürger, frei leben zu dürfen. Dieses Recht wird ihnen-aber durch den neuen Friedensvertrag nicht zugesichert. Auf diese Tatsache aufmerksam zu machen und mit allem Nachdruck Vor der. gesamten Kukturwelt All verlangen, daß das den rumänischen Juden bisher zugeKgte Unrecht großzügig und endgültig getilgt werde und daß die ihnen zu erteilende Gleichberechtigung von keinerlei Klauseln abhängig gemacht und durch keinerlei Einschränkungen gekürzt Wierde, das ist die Forderung-, die wir, die im Schweizerischen Comite pro causa judaica vereinigten Juden, durch die Veröffentlichung vorliegender Ausführungen aus,stellen wollten. Wir unterlassen an dieser Stelle, auf die zahlreichen Pressestimmen und offiziellen AeuHerlingen bedeutender Persönlichkeiten aller Länder einzugehen, die ohne Ausnahme eine ähnliche oder noch entschiedenere Stellung nehmen zum rumänischen Friedensvertrag und die durch ihn geschaffene Rechtslage der rumänischen Juden. Im EinAang mit anderen jüdischen Organisationen Europas, und im. Sinne der Forderungen maßgebender nichtjüdischer Kreise verlangen lvir die Durchführung, eines Gesetzes, das allen denjenigen r u m änis che n I u d e n , die i n R u m ä n i e n wohnhaft sind und eine ausländische Staatsangehörigkeit nicht besitzen, die volle Gleichberechtig u n g gewährt. * In einem neu erschienenen Buche: „Der neue Kurs," Erinnerungen von Otto Hammann, Berlin, Hobbing 1918 (der Verfasser, Wirklicher Geheimer Rat Exzellenz, war langjähriger Chef der Presseabteilung des Auswärtigen Amts), in dem vom Antisemitismus gar nicht, vom einzelnen Juden nur gelegentlich: von Marx und Laffälle 'S. 131 ss., von Bamberger Seite 147 als von einem aus dem „absterbenden Geschlecht kenntnisreicher, hochgebildeter Individualisten" die Rede ist, heißt es S. 74 ff. über einen Mann, der im Tantener Prozeß unseligen Andenkens eine verhängnisvolle Rolle gespielt hat, folgendermaßen: „Erst nach meinem Eintritt ins Amt konnte ich den Umfang, den der Schleichhandel mit Schwindelnachrichten in den vorangegangenen Jahren angenommen hatte, aus den Akten und durch weitere Beobachtungen einigermaßen übersehen. Damals wurden der Kaiser und die Männer des. neuen Kurses von einem Berliner Korrespondenten des „New Nork Herald" in ganz ähnlicher Weise wie früher in Pariser und Brüsseler Blättern angegriffen. Der Verdacht, daß der Berliner Korrespondent Ernst Schumann, auch Normann und Norrnarin-Schumann genannt, der Verfasser fei, wurde mir von dem Chef der Exekutive der politischen Polizei v. Mauderode bestätigt. Für seinen Verkehr mit Gordon Bennet, dem Besitzer des New Wrk Hevald,; hatte sich Schumann in Dr. Mund umgetaust. In meinen Unterredungen mit dem Polizeirat v. Mauderode war dieser anfangs ziemlich verlegen, kam dann aber deutlich mit der Sprache heraus. Er gab zu, daß Schumann eine Reihe von Jahren Agent der politischen Polizei gewesen war, und -schilderte . ihn als einen dem rücksichtslosesten Gelderwerb nachgehenden erfindungsreichen Kopf, der sich durch seine «geschickten Aufschneidereien über seine hohen Verbindungen und durch Mißbrauch von Kenntnissen, die er in seiner polizeilichen Tätigkeit erlangt hatte, immer wieder Eingang bei in- und ausländischen Blättern der verschiedensten Richtungen zu verschaffen wußte. Nach mancherlei Irrfahrten in Italien, «Griechenland und auf dem Balkan hatte sich Schumann, der Sohn eines Gastwirtes in der Mark, Ende der achziger Jahre in Berlin niedergelassen. Im Tantener Knabenmordprozeß war er noch als Vertrauensmann der Antisemiten, der Juden und der Polizei zugleich aufgetreten. Im Frühjahr 1893 war er jedoch in einem Antisemitenprozeß in Leipzig mit seiner Methode des Verrats aller gegen alle so heillos bloßgestellt worden, daß er im Polizeidienst nicht mehr verbleiben konnte." Das ist jedenfalls eine Zeichnung, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt.- Es zeigt sich immer aufs Neue, wie viele unlautere Elemente sich unter den Antisemiten befinden. - * Österreichische Zeitungen vom 27. Juli bringen folgende. Nachricht: Eine Kundgebung der Judenschaft. In einer vor kurzem unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern abgehaltenen Plenarsitzung des Wiener israelitischen Kultusvorstandes wurde einhellig die folgende Resolution gefaßt, der sich bisher zirka 300 Kultusgemeinden Oesterreichs in gleichlautenden Kundgebungen anschlossen. In der Resolution heißt es: Gegenüber den in den antisemitischen Versammlungen und in der antisemitischen Presse wider die Juden im allgemeinen vorgebrachten unwahren, erdichteten und entstellten Anwürfen sieht sich die österreichische Judenschaft veranlaßt, nachdrücklichst festzustellen: Die österreichische Judenschaft in ihrer Gesamtheit hat in diesem Kriege bisher gleich allen anderen Vaterlands-, und kaisertreuen Bürgern dieses Staates bedingungslos und uneingeschränkt Gut und Blut geopfert; für Kriegsfürsorgezwecke, und für die Bedürfnisse des Staates zur Kriegführung leistet sie weit über jedes Verhältnis. Sie hat in. ihrer Masse durch die kriegerischen Verhältnisse materiell ungleich mehr gelitten als andere Bevölkerungskreise; aber auch ihre seelischen Leiden waren unverhältnismäßig größer, nicht nur, weil die Bevölkerung aller Schichten, in maßloser Weise gegen die Juden verhetzt ist, sondern auch deshalb, well gewissenlose antisemitische Parteiführer des Hinterlandes nicht ohne Erfolg bemüht waren, den Judenhaß in die Armee zu verpflanzen, selbst bis in die vorderste Feuerlinie zu tragen, wo die Juden trotz ihrer Zurücksetzung Leben und Gesundheit für das Vaterland aufs Spiel setzen und opfern. Kriegsgewinne wurden von Nichtjuden in höherem Maße erzielt als von Juden; andererseits erreicht die Summe aller Verfehlungen, deren einzelne Juden sich schuldig gemacht haben, nicht im entferntesten im Verhältnis die Summe jener Verfehlungen, deren Nichtjuden überführt wurden, ohne daß daraus für die gesamte Konfession oder Nation der Schuldigen jene verallgemeinernden Schlüsse gezogen worden wären, wie dies gegenüber den Juden geschieht. Die Judenschaft Oesterreichs hat es stets in tiefwurzelnder Liebe und Treue zum Vaterland als ihre heiligste Pflicht angesehen, alles zu unterlassen, was die Ruhe und den Frieden im Innern des Reiches zu stören geeignet wäre; niemals hat auch nur der Gedanke an einen Hochverrat, an ein Einverständnis mit dem Feinde in ihren Reihen Eingang und Verbreitung gefunden. Die Juden waren und sind ein staatserhaltendes Element von unbedingter Treue und haben einen Rechtsanspruch darauf, als solches behandelt zu werden. * „Dr. Blochfs Wochenschrift" entnehmen wir folgende Ausführungen«: E i n e Vertretung der Juden der M i t te l m ä ch t e be im G r o ß w e s i r. Man schreibt uns aus Konstantinopel: Bei seiner Anwesenheit in Berlin zu Beginn dieses- Jahres sprach der Großwesir einer jüdischen Abordnung gegenüber den Wunsch aus, mit einer Vertretung der Juden der Mittelmächte in K-onstantinoPel über die jüdische Einwanderung in die Türkei und andere hiermit zusammenhängende Fragen zu verhandeln. In der Tat ließ die-ottomanische Regierung im Frühjahr Einladungen zu einer solchen Konferenz an ei-nige Organisationen ergehen, die sich mit der jüdischen Kolonisierung der Türkei, insbesondere Palästinas, beschäftigen, so an die „Freie Vereinigung des gesetzestreuen Judentums", die „Zionistische Organisation", die „Biod" (Bereinigung jüdischer Organisationen- Deutschlands) und das. „Oesterreichische Komitee für den Orient". Von der „Freien Bereinigung" traf in Konstantinopel eine fünfgliedrige Delegation unter Führung des Herrn Rosen bäu maus Frankfurt a. M. ein, die „Zionistische Organisation" vertrat ein Vierer-

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