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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-02 · Heft 31 (2.8.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 31 (2.8.1918)
Date
1918-08-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 studierte in Heidelberg, Göttinnen und« Wien; bei Czerny und Erb hat er sich erfolgreich betätigt. Schön frühzeitig erhielt er ein Physikatsamt als stellvertretender Kreisphhfikus, und bei der Bekämpfung der Choleraepidemie in Danzig hat er stch hervorragend beteiligt. Simon, der ein sehr zuverlässiger Diagnostiker war, bekleidete in Frankfurt zahlreiche Ehrenstellen, so war er^Kchularzt, stellvertretender Gerichtsarzt, Obervertrauensarzt der Ortskrankenkaffe, Vertrauensarzt der Neichsversicherungsanstalt, mehrerer Lebensversicherungen, zahlreicher Berufskrankenkaffen und Verbände, der Kriegsfürsorge und zuletzt noch des Lebensmittelamts. Mit Dr. Simon ist ein vornehmer Charakter und stiller Wohltäter der Menschheit dahingegangen. L. Mainz, 26. Juli. . Am vergangenen Freitag abend fand in der Hauptfhnagoge die feierliche Einführung des für den in Ruhe getretenen Herrn Prof. Dr, Salfeld neugewählten Rabbiners Herrn Dr. Levy statt. Nach dem feierlichlen Einzug in das Gotteshaus, gruppierte: sich der Gemeindevorstand und die Vorbeter tun den Rabbiner. Der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Kommerzienrat Beruh. Albert Mn her, 'begrüßte den neuen Seelsorger im Namen des Vorstandes und der altehrwürdigen Gemiein.de Mainz, indem er aus ihre tauisendjährige Geschichte und die berühmten Gelehrten hinwies, die in . der Gemeinde gewirkt haben. Er sprach die Hoffnung aus, daß es dem neuen Rabbiner gelingen möge, sich die Liebe und Verehrung der Gew ein dem i Wieder in demselben. Maße zu erringen, wie dies bei seinem Vorgänger, dem allgemein hochgeschätzten und verehrten Herrn Prof. Dr. Salfeld, in so überaus reichem Matze der Fall gewesen wäre. Möchten sich alle Hoffnungen erfüllen, die die Gemeinde aujf ihn fetze! Herr Dr. Levy antwortete, er sei sich bewußt, welch schweres Amt er in einer Gemeinde übernehme, in der vor ihm Geistliche gewirkt, deren Ruhm und Ansehen in der ganzen Welt leuchteten. Wenn Gott ihm die Kraft verleihe, wolle er sie anwenden zum Wohle dieser Gemeinde und ihrer Mitglieder. Das gelobe er an dieser Stelle und in dieser Stunde in die Hand der Vorstandsmitglieder vor versammelter Gemeinde. Hierauf hielt der neue Rabbiner seine erste Predigt, die nach Form und Inhalt, wie m rhetorischer Beziehung gleich vollendet war und die Gemeindemitglieder überaus befriedigte. Der neue Seelsorger der, „israelitischen Gemeinde" besitzt ein sehr sympathisches, volltönendes Organ, ist von großer, repräsentabler Erscheinung und besitzt alle Eigenschaften, die eine ideale Führung seines Amtes voraussetzt. Oesterrnch-Angsm' A. Sch. Vnkovar, im Juli. Die von der hiesigen Kultusgemeinde veranstaltete Jubiläumsfeier ihres Oberrabbiners Dr. Julius Diamant gestaltete sich zu einer erhebenden Kundgebung jener ungeteilten Hochachtung und allgemeinen Wertschätzung, der sich der weit über die engen Grenzen seiner Stadt und seines Landes rühmlichst bekannte Oberrabbiner von Syrmien erfreut. Behörden und Aemter, Vereine und Schulen, Juden und Christen, alle besseren Bürger der Stadt und ihrer Umgebung fanden sich ein, um durch ihr Erscheinen und ihre herzliche Teilnahme ihre tiefe Verehrung und Wertschätzung zu bekunden. Die Feier wurde durch die im prunkvoll geschmückten großen Saal der Schule 'abgehaltene Festsitzung der Nepräsentanz eröffnet, zu welcher der Jubilar aus seiner Wohnung von sechs Vorstandsmitgliedern abgeholt wurde. Mit einer schwungvollen Ansprache begrüßte Präses Sigmund Frank den Obervabbiner, würdigte eingehend dessen große Verdienste um die Kultusgemernde und. ihre Institutionen sowie um die ganze Konfession. Er hob hervor, daß es des Jubilars Verdienst sei, wenn in dorr Königreichen Kroatien und Slavonien alle Kultusbeamte, auch Kantoren, Schächter und Shnagogendiener., nach fünfjähriger Tätigkeit ihr Definitivum erlangen müssen und wies aus dessen rühmlichen Eifer und Hingabe hin, mit welcher er vor kurzer Zeit mit den maßgebenden Ministern Besprechungen hatte, ihnen ein überaus beifällig aufgenommenes Memorandum unterbreitete, in welchem er die Vertretung der bis jetzt im Parlament nicht vertretenen Konfessionen, Lutheraner, Kalviner und Juden, wünscht. Diese gewaltige Aktion, die er ganz allein unternahm, dürfte in Bälde vom erhofften Erfolge begleitet sein. Alle diese beachtenswerten Verdienste wurden im Protokoll der Festsitzung verewigt, das auch die materielle Anerkennung der dankbaren Gemeinde enthält in bezug auf Erhöhung des Gehaltes und anderer Bezüge. Zum Schluß überreichte der Präses die Ehrengeschenke der Kultusgemeinde und lder Chewra Kadifcha. Hieraus erschien Frau Bertha Obersohn, Präsidentin des Frauenvereins, an der Spitze des gesamten Ausschusses, hielt eine warme Ansprache, dankte für das vom Jubilar dem Vereine stets bekundete große Wohlwollen und überreichte das Ehrengeschenk des israelitischen Frauenvereins mit einer schönen Adresse. Hierauf begab man sich , in das herrlich dekorierte Gotteshaus. Aus dem Wege bildeten' weiß gekleidete Mädchen Spalier und bestreuten mit Blumen den Weg des Jubilars. Der schöne Tempel war in allen seinen Räumen gedrängt voll. Hunderte standen in der Vorhalle und auf den Stufen. Den gesanglichen Teil des Gottesdienstes besorgte Obertantor Adolf Schwarz mit eineui starken Cbor in erhebender Weise. Den Glanzpunkt bildete die kroatische Festrede, in welcher den Jubilar auf das Vierteljahrhundert einen Rückblick warf und in meisterhafter Weise die Grundzüge feiner Tätigkeit entwickelte. Die größte und schönste Genugtuung biete ibm d^e Anhänglichkeit seiner Schüler und die ideale Harmonie, die Zwischen den Bekennern verschiedener Konfessionen in unserer Stadt herrscht. Mit der herzlichsten Freude stellte er fest, daß während seines 25jäbriaen. Wirkens hier kein eineiiger Fall der treulosen Fahnenflucht sich ereiauete und daß er in seinen auf das Wohl der Konfession gerichteten Begebungen von den Behörden und von der hohen Landesregierung stets wärmstens unterstützt wurde. Mit einem weihevollen Gebete schloß die svnagoaale Feier, die aus alle Teilnehmer tiefen Eindruck machte. Man begab sich sodann wieder in den Festsaal, wo der Jubilar die ihn beglückwünschenden Deputationen empfing. Es gratulierten: Königlicher Kommissar Dr. Huth im Namen der Regierung. Reglern nasrat Sedlanie namens des Komi totes und seiner Beamtenschaft, Finanzrat Filakovac im Namen der Königlichen FinanzdirekLion. Baurat Weinberger namens des Königlichen Banamtes, Bezirksvorstand Zazinee im Namen des Bezirkes und . seiner Beamten, Postrat Pesels namens der Post. Eisenbahn und Schiffahrt. Erzpriester Perkacanski verdolmetschte die wärmsten Glückwünsche der Geistlichkeit. Pfarrer Teodorovie iene der serbischen, Pfarrer Rufsas die der. reformierten Kirchengemeinde. Direktor Petricävic grStulierte im Namen des Professorert^- korbers, Direktor Markovi namens sämtlicher Volksschulen der Stadt. Die Glücklonnsche der Aerzte und des Offiz rerkorvs des großen k. n. k. Epideiniefvitals in Brsadin verdolmetschte RegimeutSarzt Dr. Mo l n ä r. Präsidentin Fron Karlovszkv gratulierte im Namen der städtischen,. Präsidentin Fron Dr. Pnlecsek namens des katholischen und Präsidentin Frau Pebrovics namens des serbischen Franenvereins. Kommandant Kleiber überbrachte die Glückwünsche des Freiwilliaen Fe-ue rw eb rve r ei ns und Fabrikant Bucenovia iene der Gesangvereine. Im Namen der Nachbargemeinden gratulierte Präses Winter stein, namens der erschienenen Rabbiner Dr. Roth und der Beamten der Kultusaenninde Oberkantor Schwarz. Der Jubilar erwiderte ans iede Ansprache mit einer überaus vastenden Antwort einzeln. Sehr herzlich aratnlierten Kultuschef R o i e im Namen der Landesregierung! und der kroatische Minister Dr. Unkelhänßer. Die 25iährige Jubiläumsfeier des Oberrabbiners Dr. Julius D i a m a n t war im wahren Sinne des Wortes ein „Kiddusch Haschem". -rmckrrich. z. Baris (indirekt^. im Juli. Vom Pariser Kriegsgericht ist dieser Tage Charles Leon Nappa dort, Mitglied der sozialistischen Kammersraktion, wegen Defaitismus zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Rappaport stammt aus Veßarabien, lebt aber seit fünfundzwanzig Jahren in Frankreich und ist Jude. Er gilt als bester Kenner von Karl Marx, und mit dem meuchlings gemordeten französischen Sozialistensnhrers I a u r v s verband ihn innige Freundschaft. Bei der in Frankreich zurzeit herrschenden, schon Pathologisch zu nennenden blinden Wut, mit der alle verfolgt werden, die dem Frieden das Wort zu sprechen wagen, ist das Urteil gegen Rappaport noch als milde zu bezeichnen. Es hätte ihm schlimmer ergehen können, wenn nicht beredte Fürsprecher für ihn eingetreten wären. Ein schönes Zeugnis für ihn hat unter anderen der Dichter Anatole France abgegeben, der, als Zeuge vor Gericht geladen, sein Persönliches Fernbleiben von der Verhandlung entschuldigend, den Richtern schrieb: „Hütet Euch vor Uebereilung! Rappaport ist ein subtiler Geist. Seine Sprache wird von einfachen Köpfen häufig nicht verstanden. Auch Sokrates, an den Freund Rappaport durch seine

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