Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1918)
- Date
- 1918-08-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 Gerechtigkeitszüge und die Freiheit feines Geistes erinnert, auch Sokrates stieß, wenn er in den Barbierstuben von Athen philosophierte, auf Sykophanten, die seine Rede sehr entstellt' Wiedergaben. Gewiß ist die Affäre meines sozialistischen Freundes weit weniger schwer als die des athenischen Philosophen. Und dann hat Rappaport bei seiner Verteidigung noch einen großen Vorteil vor Sokrates voraus» Der hatte nichts geschrieben, während Rappaport seinen Gedanken in zahlreichen Artikeln Ausdruck verliehen hat. Dort soll man strichen, oder — besser noch — man soll ihn selbst danach fragen. Er wird sie frank und frei äußern. Ein solcher Mann ist zu der kleinsten Lüge unfähig. Seine Rechtschaffenheit, sein Mut und fein Stolz machen es ihn: unmöglich, 51t lügen oder sich zu widersprechen." Von Ksh und Mn. — An der Berliner Universität habilitierte sich Dr. Eugen Täubler, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, für das Fach der alten Geschichte mit einer Antritts-- vorlesung über „Die Anfänge der Geschichtschreibung". — Die Bestrebungen der Hauptstelle für Berufsberatung haben erfreulicherweise bei einer größeren Anzahl jüdischer junger Leute den Wunsch hervovgerufen, sich dem landwirtschaftlichen Beruf zuzuwenden. Vielfach scheiterte die Verwirklichung' dieser Absicht bisher daran, daß geeignete Lehrstellen, namentlich mit Rücksicht auf 'die gegenwärtig bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse, nicht zu beschaffen waren. Dank der Unterstützung der Ortsgruppen und Vertrauensmänner deS Zentralvereins ist es jetzt gelungen, eine größere Anzahl jüdischer und auch nichtjüdischer vorurteilsfreier Landwirte ausfindig zu machen, die bereit sind, Eleven aufzunehmen. Adressen und nähere Bedingungen sind Zu erfahren durch die Hauptstelle für Berufsberatung der Juden und -ihre Zweigstellen. (Siehe die erste Korrespondenz Berlin dieser Nummer.) — Ter Berliner Oberarzt, Sanitätsrat Dr. Alfred Pe y s e r, Oberstabs- und Regimentsarzt eines Feldartillerieregi-, ments, hat das Eiserne Kreuz erster Klaffe erhalten — Dem Kassierer des Berliner Ungarns-Vereins, S. Fr ei mann, wurde das Ehrenzeichen 2. Klaffe mit Kriegsdekoration vom Ungarischen Roten Kreuz verliehen. — Rabbiner Dr. Ephraim Finkel, Generalsekretär der Großloge für Deutschland des U. D. B. B., hat das Verdienstkreuz^str KriegAhilfe erhalten. — Nach „Kunzes Kalender für «das höhere Schulwesen Preußens" gibt es an staatlichen höheren Schulen acht jüdische Oberlehrer (je einer in Graudenz, Strasburg, Berlin, Wittstock, Bromberg, Posen, Zaborze und Dillenburg) und an städtischen höheren Schulen 76 Oberlehrer (54 in Berlin, je 5 in Charlottenburg und in Frankfurt -a. M., je 2 in Breslau und Kattowitz, je 1 in Königsberg, Krossen, Oppeln, Magdeburg, Kassel und Düsseldorf). Dazu kommen 19 jüdische Oberlehrer an den beiden israelitischen Realschulen in Frankfurt a. M. — Aus Posen wird uns geschrieben: Von der Abnahme der Kupferdächer zum Zwecke der Metallmobilisierung wird auck» das Svnaaoaenbauwerk der hiesigen israelitischen Gemeinde betroffen. . Das Kupferdach Mt den Kriegsnotwendigkeiten zum Opfer. Seit einigen Tagen ist um die Kuppel ein Gerüst ausgeführt, ein Teil des Daches ist bereits abgedeckt. Die große Ausdehnung des Kupferdaches wird wohl eine erhebliche Ausbeute an Kupfer liefern. Das Gebäude erhält eine Ziegelbedachung. — Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt: Unteroffizier Martin Wiener, Sohn des Fabrikbesitzers Herrn Baruch Wiener in- Hohensalza. Stabsarzt Dr. Harry Gans, Sohn des Herrn Albert Gans, Inhaber der Firma Bock u. Comp, in Posen, der bereits das Eiserne Kreuz erster Klaffe besitzt, erhielt die türkische silberne Liakat-Medaille mit Schwertern. — Aus Münster in W. wird uns berichtet: Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe wurde Herrn Seminardirektor Dr. Katz verliehen. Herr Semmarlehrer und Prediger Keßler wurde durch die Rote-Kreuz- Medaille 3. Klasse ausgezeichnet. — Fabrikbesitzer Daniel K le stad t in Gelsenkirchen feierte am 1. Juli sein 25jähriges Jubiläum als Vorsitzender des Vorstandes der hiesigen Synagogengemeinde. Jrn Hinblick auf die Zeitlage fand nur im Hause des Jubilars eine kleine Feier statt, zu der der Rabbiner, die Vorsteher und Repräsentanten, die Lehrer der Synagogengemeinde und die Vorstände der jüdischen Vereine erschienen waren. — Dem Oberleutnant d. R. Albert Schreiber, Mitinhaber des Bankhauses H. C. Plaut in Leipzig, ist das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen worden. — Der beriihmte Mathematiker. Geheimrat ordentlicher Professor Dr. Mäx Nöther in Erlangen wurde in den Ruhestand versetzt. — Au Zwecken der In validen für sorge schenkte -der Weingroßhändler Max Stern in Kitzingen der Stadt ein sechs Morgen großes Grundstück im Werte von 15 000 Mark. — Aus Flörsheim wird berichtet: Die hiesige Synagoge konnte am 20. Juli aus ihr 200jähriges . Bestehen zurückblicken. Wegen des Krieges mußte auf eine weltliche Feier verzichtet werden, doch wurde daS Fest gottesdienstlich begangen. Herr Rabbiner Dr. Kober (Wiesbaden) hatte die .Leitung der Feier übernommen. Zu dem Festgottesdienst hatten die christliche Geistlichkeit und -die Gemeindeverwaltung des Ortes, ander Spitze Herr Bürgermeister Lau-ck, sowie alle Flörsheimer Mtbürger Einladungen erhalten und denselben Folge geleistet. Vom Vorstände der hiesigen jüdischen Gemeinde wurden aus Anlaß, des Jubiläums dem Bürgermeister 300 Mark für die hiesigen Armen überwiesen. — Der Privatdozent an der Universität Straßburg, Dr. Ernst Breßlau, erhielt einem Privat-Telegramm zufolge einen Ruf als Profeffor für Zoologie an die Universität Konstantinopel. Profeffor BrMau, der am 10. Juli 1877 geboren ist, hat vor allem die Wirbeltiere und das Tierleben des -Meeres erforscht. -— In Arad starb vor kurzem im hohen Atter von 89 Jahren die Witwe Elise Fischer, die in ihrem Testamente ihr mehr als fünf Millionen Kronen betragendes' Vermögen für jüdische Wohlfahrtsan-stalten vermachte. Viereinhalb Millionen Kronen bestimmte sie für die Errichtung eines jüdischen Mädchen- Waisenhauses in Arad und mehr als eine haMe Million Kronen für oie Errichtung einer Augenklinik in ihrer Heimat. Frau Fischer führte in den letzten Jahren ein sehr bescheidenes Leben, wohnte in einem einfachen Parterrehaus, dasie, wie sie sich wiederholt äußerte, die Waisenkinder nicht durch ihr eigenes kostspieliges Leben in der Erbschaft verkürzen wollte. — Der Verband der Rabbiner Mährens gibt bekannt, daß für den Landesverband der israelitischen Ku-ltusgemeinden in Mähren außer den Herren R-abbinen mit Mrilstimmen die Herren Dr. Levh (Brünn), Dr. Weiß (Jglau), Dr. Spiro (M.-Ostrau), Dr. Oppenheim (Olrnütz), Dr. Goldschmidt (Proßnitz), als Delegierte die Herren Rabbiner Dr. Hoff (Bisenz). Dr. Lazarus (Gödirvg), Dr. Flesch (U.-Kromau, Dr. Schwenger (Lundenburg), Dr. H i l k e l (Leipnik), Bela Diamant (Mßlitz), Dr. S t e.i f (Neu-Raußnitz). Dr. Gscheit (Triefch), Dr. Rachmut (Deltsch), Dr. Nürnberger (Ung.-Brod) gewählt wurden. — Im blühenden Alter von 35 Jahren verschied, in Jekaterinoslawder Dichter und Pädagoge Jakow Lerner. Der Verstorbene hat in Polen segensreich als Oberlehrer für hebräische Sprache und Literatur gewirkt und genoß über sein engeres Vaterland hinaus großes Ansehen als iunghebräischer Dichter, namentlich von Liedern und Idyllen. — Der Antisemitismus der neuen Regierung Inder Ukraine kommt bei.den verschiedensten Gelegenheiten zum Ausbruch. Wie die „Ki-ewskaia Mist" schreibt, wird der giftigste Antisemitismus von der im Verlag der „Redaktionsabteilung im Kriegsministerium der Ukrainischen Republik" erscheinenden und mit Reaierunasmitteln unterhaltenen „Widrodschenia" gepflegt. In einem Leitartikel dieser Zeitung beißt es unter anderem: „Der ukrainische und der weißrussische Jude ist ein gefährliches Geschwür an unserem Volkskörver. Als wir mit den Polen Kriege führten, standen die Juden auf seiten der Bolen und haben schwer dafür leiden müssen. Jetzt kämpst die Ukraine mit der Moskauer Re gier u na. und wieder finden wir die Juden auf der Seite unserer Gegner. Auch diesmal werden sie schwer dafür büßen." — Die Juden von Turkestan haben eine Deputation nach Moskau geschickt. um bei der bolschewistischen Regierung Schuß vor den schrecklichen Mordtaten «der Pogrom isten?u erbitten. Als sie dem Volkskommissar Tschitscherin vo-raestellt wurden, konnten sie sich mit ihm in keiner Svracke verständigen. Da kam der Hilsskommiffa-r Lobkowski herein: dieser fragte ein Mitglied der Deputation ..Haibri attab" lBist du ein Hebräer?'). Er antwortete: ..Ken!" lJaU Nun machte L. den Dolmetscher und ste> konnten in der Sprache der Heiligen Schritt ihr so schöner bedrücktes Her-r erleichtern. STua New Dort Nn^d übar Holland oemeldet' Der Eintritt der So^ialisten-Territori allsten in die itidisch-fozialistische Partei Poale Zion.'ist nunmehr vollzogene Tatsache. Die neu gestärkte Partei begründet eine eigene Tageszeitung. da das bisherige Wochenblatt der Partei ..Der yidiscker Kaempter" ihren, außerordentlich gewachsenen publizistischen Bedürfnissen nicht mehr genügt. Zwecks Finanzierung dieses Planes wuvde -eine Aktiengesellschaft gegründet, die die Summe von 35 000 Dollar aufzubringen hofft, wobei sich die Partei' die Kontrolle in dieser Gesellschaft gesichert hat. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Mar Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofle.