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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-02 · Heft 31 (2.8.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 31 (2.8.1918)
Date
1918-08-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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W. Posen, 26. IM. Die Armenverwältung der Stadt Posen hat durch das Ableben des Kaufmanns Max Freund ein überaus tätiges Mitglied verloren-. Der Heimgegangene stand seit dem 25. November 1913 im städtischen Dienste als Armenrat. Er hat während seiner Tätigkeit mit regstem Eifer an den Ausgaben der Verwaltung rnitgewirkt und., sich der besonderen Wertschätzung seiner Mitarbeiter und des Vertrauens der Armen, denen er ein treuer Berater war, zu erfreuen gehabt. Der Verstorbene gehörte über 25 Jahre der Firma Samuel Herz an und. hat als Prokurist durch seine große Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit dem Hause gute Dienste geleistet. Sein stets liebevolles und hilfbereites Wesen und seine Anteilnahme in Freud und Leid sichern ihm beim Personal der Firma für ewige Zeiten ein ehrenvolles Gedenken. 8. Wrefcheu, 26. Juli. Hier verschied nach langem schweren Leiden der Kaufmann und Stadtverordnete Hermann Ziegel, Ritter hoher Orden, im 66. Lebensjahre. Lauterste Gesinnung und selbstlose Hilfsbereitschaft zeichneten ihn besonders aus und bereiteten ihm den Weg zu vielfacher ehrenamtlicher Tätigkeit. Fast ununterbrochen gehörte er seit 1889 den städtischen Körperschaften als Ratsherr und Stadtverordneter an. Stets hat er in ihnen, mannhaft für ^eine Ueberzeugung eintretend, mit regstem Eifer zum Wohle der Stadt mitgearbeitet. Sein Name wird mit der städtischen Geschichte der letzten Jahrzehnte immer eng verknüpft bleiben. Durch seinen Heimgang erleidet auch die Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Wreschen, deren Vorsitzender er war und um deren Entwicklung er sich, Gegensätze geschickt überbrückend, in fast 20jähriger Tätigkeit eifrigst bemühte, einen sehr schweren Verlust. Sein Wirken und Schassen war vorbildlich und stets dem Wohle der Krankenkasse und ihrer Mitglieder gewidmet. Im Landwehrverein und in der städtischen freiwilligen Feuerwehr war er ein beliebtes, leitendes Mitglied. Die jüdische Gemeinde mit ihren Wohltätigkeitsinstituten verliert in ihm einen ihrer Repräsentanten und früheren mehrjährigen Vorsteher. Die um das Gemeinwohl erworbenen Verdienste des Verstorbenen fanden durch die Verleihung des Kronenordens vierter Klasse und des Verdienstkreuzes für Kriegshilfe auch ihre äußere Anerkennung. An der Beerdigungsfeier beteiligten sich Magistrat und Stadtverordnete, Vorstand und Repräsentanten-Versammlung der Synagogengemeinde, sämtliche Vereine der Stadt Wreschen mit ihren Fahnen, viel Militär und eine, unübersehbare Anzahl Bewohner der Stadt und Umgegend. Auch aus weiter Ferne waren Leidtragende erschienen, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Herr Gemeinderabbiner Dr. M. Lew in hielt die Leichenrede, in der er die Verdienste des Heimgegangenen mit treffenden Worten zu würdigen wußte. M. Haneburg, 26. Juli. Herr Dr. Max Coheü, der zweite Vorsitzende der DeutschMraelitischen Gemeinde, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Der Verstorbene gehörte mehr denn zwei Jahrzehnte dem Gemeindevorstand an, und hat in der Verwaltung der Gemeindeinstitutionen eine überaus segensvolle Tätigkeit ausgeübt. Im öffentlichen Leben Hamburgs hat Dr. Max Cohen eine überaus segensvolle Tätigkeit ausgeübt. Cr gehörte viele Jahre der Bürgerschaft und dem Bürgerausschuß an, war Vorsitzender des Grundeigentümervereins und anderer Institutionen. Ein Mann von unermüdlicher Arbeiskraft und seltenem Pflichtgefühl, hat er bis zu seinem Hinscheiden alle seine Aemter ausgeübt. Sein Tod hinterläßt eine schwer auszusüllende Lücke, und erregte sein Hinscheiden nicht nur in der Gemeinde, sondern in der gesamten Bevölkerung aufrichtige Teilnahme. Die gesamte Presse widmet dem treuen Sohn unserer Vaterstadt überaus ehrenvolle Nachrufe. Zur Trauerfeier, die im Krematorium in Ohlsdorf stattfand, hatte sich eine so große Anzahl Leidtragender eingefunden, daß die Halle sich als viel zu klein erwies. Als Vertreter des Senats waren Herr Bürgerme i ster D r. v. Melle und Senator Wiesinger erschienen, ferner der Präsident der Bürgerschaft Herr Dr. A. S ch ö n und zahlreiche Mitglieder der Bürgerschaft, der Anlvaltskammer und anderer Körperschaften. Außer den Vertretern der Gemeinde, dem Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums und Abgeordneten des Kollegiums waren noch viele hervorragende Persönlichkeiten anwesend. Auf dem mit Rosen bedeckten Sarg lagen die Kränze der Bürgerschaft usw. Die ermnerungsvollen Klänge der Melodie von Gluck leiteten die Feier ein. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. S o n d e r l i n g. Er gab kurz in vergleichenden Worten der Trauer des Ausschusses Ausdruck, den der Tod des Heimgegangenen nicht nur dev Familie, sondern allen Kreisen, in denen er segensvoll gewirkt, gebracht hat. Anknüpfend an ein Biihelwovt-, Wilderte er dann 'den Lebensweg des Verblichenen, «der durch die Reinheit seiner Gesinnung, ein wirklicher Priester-, ein Priester des Rechts gewesen-. Me der Priester Wahrheit und Erkenntnis spenden soll, so habe auch seine Auffassung von Recht und Wahrheit niemals ihre Wirksamkeit verloren. Mit Dr. Max Cohen sei ein PriesterWÜen 'dahingegangen, dessen Andenken .unvergeßlich sein wird. Darauf, sprach das Bürger schaftsmitglied J-o h s. Kö-Hn den Dank dev Bürgerschaft aus. Herr Gemeindevorsteher Dr. Samson gedachte -der segensvollen Tätigkeit 'des Verstorbenen in der Gemeindeverwaltung. Fast ein Menschenleben hat er seine Kräste der jüdischen Gerneinde gewidmet, seine vorbildliche Tätigkeit wird allen seinen Mitarbeitern stets 'unvergeßlich bleiben. Für den Grundeigenbümerverein hielt Herr Dr. Eddelbüttel' 'dem Entschlafenen einen warmen Nachru.s Endlich rief noch Herr Rechtsanwalt Tadau im Namen der Rechtsanwälte dem teuren Mtta-vbeiter> herzliche^ Morte des Abschiedes nach. Nachdem der Geistliche -den Segengespendet hatte, senkte sich der Sarg, unter den Klängen der Litaneivon Schubert langsam ki die Tiefe, um die irdischen Ueberreste des hervorragenden Mannes 'den Flammen zu übergeben. er. Chemnitz, 26. Juli. Ein Aufklärungsvortrag des Komitees „Pro Palästina", den Redakteur Kranold aus Berlin hier hielt, war gut besucht. Der Redner schilderte eingehend die Verhältnisse in der Türkei, die auf allen Gebieten reformbedürftig seien, namentlich in bezug auf düs Verwaltungssystem und die Beschaffung produktiver Arbeitskräfte; Probleme, die nicht ohne großes Kapital und viel geistige Arbeit zu leisten seien. Die jüdische Kolonisation in Palästina habe ihre Erfolge gezeitigt, die Kulturfähigkeit des Bodens sei bedeutend gehoben worden. Die Juden wollen die jetzigen Bewohner in Palästina nicht schädigen, und sie wollen auch keinen Fremdkörper in der Türkei bilden. Deutschland müsse in entsprechender Weise auf seinen türkischen Bundesgenossen einwirken. Es handle sich um deutsche und allgemein , menschliche Interessen. Die jüdische Kolonisation in Palästina müsse mit in die Kriegszie'ke eingeschlossen werden. J. A. Nürnberg, 26. Juli. Der jüdische Jugend verein Nürnberg-Fürth, der in letzter Zeit, trotzdem ein großer Teil seiner Mitglieder im Felde steht, eine sehr rührige Tätigkeit entfaltet hat, hat seinen Mitgliedern und Freunden einen sehr interessanten Abend veranstaltet, indem er ihnen das neue Drama „Jeremias" von Stephan Zweig zur Kenntnis brachte. Nach einem kurzen Einleitungswort durch den 1. Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Heilb r o n n, brachte der Schauspieler Herr Ernst Sattler, Mitglied des Nürnberger Stadttheaters, die schönsten Szenen des bedeutsamen Werkes des begabten Dichters zur Verlesung und wußte durch feinen temperamentvollen Vortrag und sein klangvolles Organ die Schönheiten der Sprache des Werkes wunderbar zur Geltung zu bringen. Besonders die Szenen, wie Jeremias im Zwiegespräch mit der Mutter den Untergang der geliebten heiligen Stadt als gottbegnadeter Seher voraus kündete, die Szene zwischen den beiden wachehaltenden Soldaten, ferner das Zwiegespräch zwischen dem König und Jeremias, sowie zum Schluß die Aufforderung an das Volk, hinauszuziehen in die weite Welt und das Wort Gottes zu verkünden, machten auf die zahlreich erschienen Hörer einen tiefen Eindruck, so daß dem Vortragenden zum Schluß reicher Beifall bekundet wurde. Zum Herbst beabsichtigt der jüdische Jugendverein mit einem reichen Vortragsprogramm an die Öffentlichkeit zu treten. er. Würzburg, 26. Juli. Die a m 22. I u l ihl re r ub-ge hal ten e Versammlung des Israelitischen Lehrerve r e i n s i n Bayern hatte eine reiche Tagesordnung: Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten wurden Vorträge gehalten: 1. Ueber die wirtschaftliche und rechtliche Lage der israelitischen Relrgionslehrer und Kultusbeawten in Bayern von H. T ran skate ur aus Mibteniberg; 2. Das VoWschulgesetz von S. Di ngselder aus München; 3. Bayerischer Vevsorgungsver-band und die Reichsversicherung von H: Oppenheimer aus Laudenbach; 4. Die Revistonsfrage von H. Oppenheimer aus Laudenbach. Hierauf folgte eine freie Besprechung von Schul- und Stan-desangelegenheiten. er. Frankfurt a. M., 26. Juli. Der HermgangvonSan i t ä t s r a t D r. Elias Simon, der im Alter von 56 Jahren verstorben ist, hat in werten Kreisen unserer Gemeinde lebhafte Teilnahme hervorgevusen. Dr. Simon, -dev m Celle geboren war.

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