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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-08-02 · Heft 31 (2.8.1918) · p. Seite 366

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 31 (2.8.1918)
Date
1918-08-02
Page
Seite 366 (sequence 6)
Language
German
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366 Die Lage der Juden in Finnland bedarf noch sehr der Klärung. Um einen Beitrag zu einer solchen zu geben, gewähren wir den nachstehenden Ausführungen des Jüdischen Prefsebureaus in Stockholm Raum: Die Judenvertreibung aus Finnland. Zwei einander widersprechende finnische Dementis. Unserer Meldung über die bevorstehende Ausweisung der Jüden aus Finnland setzte der Staatsrat Gripenberg, der Vertreter Finnlands in Schweden, ein Dementi entgegen. Das Denrenti lautete: „Der Staatsrat Gripenberg ermächtigte das Svenska Telegrambyran anläßlich der in der Presse erschienenen Meldung über die Ausweisung der Juden aus Finnland mitzuteilen, daß eine solche Ausweisung weder stattgefunden habe noch beabsichtigt sei." Mit dieser kategorischen Ableugnung steht im vollsten Widerspruch eine Erwiderung der finnischen Gesandtschaft in Berlin, die gleichfalls auf unsere Meldungen Bezug nimmt. Die Morgenausgabe des „Berliner Tageblattes" vom 17. Juli brachte folgende Notiz: „Das Jüdische Pressebureau in Stockholm hat mitgeteilt, daß die finnische Regierung die Juden aus Finnland ausweise. Die Presseabteilung der finnischen Gesandtschaft in Berlin bittet uns um Aufnahme einer Entgegnung, welche Zunächst besagt, daß der finnische Landtag vor mehr als einem Jahre ein Gesetz angenommen habe, welches alle Hindernisse für die Naturalisation von Juden aufhebt, daß die Naturalisation vielleicht allen einzelnen Personen verweigert worden sei, die ,mn dem roten Aufruhr gegen die gesetzliche Regierung teilgenommen" haben." In der Erklärung heißt es dann weiter, wie in voriger Nummer S. 352, Spalte 2 abgedruckt ist. Hier wird also im Widerspruch zu Gripenbergs Angaben offiziell zugegeben, daß eine „Menge russischer Juden" des Landes verwiesen wurde. Nun wird aber behauptet, daß diese Maßnahme nur diejenigen trifft, die sich „vorübergehend" im Lande aufhalten. Demgegenüber stellen wir fest, daß es nur eine ganz winzige Anzahl von solchen Juden in Finnland gegeben hat, und wenn eine „Menge russischer Juden" das Land verlassen muß, so sind das eben finnische Juden, die die finnische Regierung, das Beispiel der rümWschM. nachahmend, als Fremde betrachtet und behandelt. Uns 'sewst siE zahlreiche Fälle bekannt, wo in Finnland ansässige Juden den Befehl erhalten haben, bis zum 30. September das Land zu verlassen. Wenn von 300 jüdischen Familien, die in Finnland leben, eine „Menge" zum Wanderstabe greifen muß, so bedeutet das eben den Ruin der finnischen Judenheit. Was die Behauptung der finnischen Gesandtschaft in Berlin bR trifft, daß die gegenwärtige finnische Negierung keine Judenfeindlichkeit bekunde, so steht diese Behauptung im schreiendsten Widerspruche zu den Tatsachen. Wir verfügen über ein reiches Material, das den antisemitischen Kurs der gegenwärtigen finnischen Negierung bloßlegt. Wir werden auf dieses Material zurückkommen. Zwei Auseinandersetzungen 'des Jüdischen Korrespondenzbureaus im Haag mögen den Schluß dieser Uebersicht ausmachen. Die eine lautet: Palästina — eine neutrale jüdische Republik. Der jüdische Arbeiterkvngr eß in Amerika. Am 6. Juni wurde hier der jüdische Arbeiterk.ongreß eröffnet, der zur Erörterung der Palästinafrage einberufen worden war. 250 000 Jüdische Arbeiter in Anwrika und Kanada waren durch 380 Delegierte vertreten. Der Kongreß faßte folgende Resolution: Palästina soll zu einer unabhängigen, international garantierten neutralen jüdischen Republik erklärt werden. Die Souveränität soll bis zur Bildung einer jüdischen Mehrheit im Lande an die Völker!ig-a, die muh das jüdische Volk enthalten muß, oder an eine inter n ati ona-le Ko mmission , in der auch eine vom jüdischen Volke gewählte jüdische Vertretung Sitz haben muß, übertragen werden. Der erste jüdische Arbeiterkongreß für Palästina nimmt mit tiefer Freude die Erklärung. Englands in bezug auf eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina entgegen und begrüßt freudig die Zustimmung von Frankreich Italien und der internationalen sozialistischen Konferenz, der englischen Arbeiterpartei, der amerikanischen Federation of Labour und den 'anderen großen politischen Körperschaften. Der Kongreß ist überzeugt, daß der Friedenskongreß im Namen aller Völker das Recht des jüdischen Volkes proklamieren wird, Palästina als sein nationales Heim.aufzubauen. Die in dem Kongreß vertretene jüdische Arbeiterschaft erklärt M bereit, alle Kräfte anzuspannen und keine Opfer in der Arbeit zu scheuen, welche die Weltgeschichte und die jüdische Geschichte von ihr fordern. Der großen Bedeutung des Augenblicks bewußt, verpflichten wir uns. zu arbeiten für die nationale Befreiung unseres Volkes und die Sicherung eines selbständigen jüdischen Lebens in Palästina. Palästina soll auf den Grundlagen voller bürgerlicher, religiöser und politischer Freiheit und Demokratie und voller örtlicher Selbstverwaltung und personaler Autonomie jeder nationalen Gruppe aufgebaut werden. Außerdem forderte der Kongreß die Einberufung, eines allweltlichen jüdischen Arbeiterkongresses und die Erklärung des Bodens und der natürlichen Reichtümer Palästinas zum nationalen Eigentum des jüdischen Volkes. Der Kongreß erklärte seine tiefste Sympathie für die Kriegs¬ und Friedensziele der Entente. Die Tagung übertraf durch die große Anzahl der vertretenden jüdischen Arbeiter, den Ernst der Verhandlungen und die Bedeutsamkeit ihrer Beschlüsse alle Erwartungen. Sie machte aus die jüdische und nichtjüdische Oeffentlichkeit großen Eindruck. Die andere läutet folgendermaßen: Eine große zionistische Kundgebung in London. Heute fand im Operahouse eine große jüdische Verfammlrurg zur Begrüßung der jüdischen Legionäre aus Amerika und der medizinischen Kommission der amerikanischen Zionisten statt. , Alle Organisationen, Vereine und synagogalen Gemeinden des Landes hatten Delegierte zur Versammlung entsandt. Tausende Personen füllten den großen Saal. Die Aerzte und die Pflegeschwestern, die weiß gekleidet waren und rote Mögen David arrf ihren Kappen trugen, wurden mit stürmischem Beifall, begrüßt, als sie auf der Tribüne Platz nahmen. Lord Rothschild, der als Vorsitzender der Versammlung, fungierte, begrüßte die Versammlung in herzlichen Worten und las ein Schreiben des Ministers Lord Robert Cecil vor, in welchem er seinem Bedauern Ausdruck gab, durch wichtige, unaufschiebbare Angelegenheiten verhindert zu sein, der Versammlung 'beizuwohnen und nur auf brieflichem Wege die Legionäre und die Mission begrüßen und ihnen seine besten Wünsche übermitteln zu können. Minister George Barnes richtete an die Legionäre namens des Kriegsministeriums warme Worte der Begrüßung. Minister Sir Alfred Mond sprach namens der Negierung. Er übte scharfe Kritik an den Juden, die nicht bloß ihre Hilfe für den Wiederaufbau des jüdischen Landes für das jüdische Volk verweigerten, sondern diesem Unternehmen selbst Schwierigkeiten bereiten wollten. Er wies die Behauptung zurück, daß die Zionisten die übrige Bevölkerung Palästinas verdrängen wollen. Die Juden wünschen mit den anderen Gemeinschaften in Palästina in vollkommener Eintracht zu leben, und sie fordern die Schaffung von Zuständen, welche ihnen die Möglichkeit geben würden, an der Entwicklung einer freien jüdischen Nation in Palästina zu arbeiten. Die Juden gingen nach Palästina nicht mit dem Uebermute von Siegern, sondern um an der Entwicklung des Landes mitzuarbeiten. Alle hohen englischen Beamten, welche die jüdischen Kolonien besucht hätten, und die Militärbehörden.wären voll Bewunderung über die Ergebnisse der zionistischen Arbeit in Palästina. Diese Kolonien wären der beste Beweis', daß die Juden für den Ackerbau geeignet sind. Wenn man an die Schwierigkeiten dächte, welche den Zionisten seitens der türkischen Regierung und der türkischen Mißwirtschaft in den Weg gelegt wurden, dann erst könne man begreifen, welcher großen Zukunft Palästina entgegengehe. Sokolow begrüßte die Legion als den. Beginn der großen Truppenmacht, welche Amerika für Palästina liefern werde. Die Freiwilligen wären nur ein kleiner Teil der ersten Wirkungen der historischen Erklärung Balfours. Tiele Tausende würden noch folgen. Lewin Epstein sprach im Namen der medizinischen Kommiffion, während Agronsky namens der Legionäre eine begeisternde Ansprache an die Versammlung richtete.

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