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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-26 · Heft 30 (26.7.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 30 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Geskrrrich-Angarn» z. Wierr, 19. Juli. Herr Dr. I, Kimmel, der Anreger der „O esterreichischjüdischen Ki nd e r«g ar t en -Ak L i o n", entwickelte kürzlich in einem im Konzerthaussaale «gehaltenen Vortrag sein großzügiges Programm. Unter Hinweis aus die Brennpunkte des jüdischen Interesses (nationale Autonomie, Zusammenfassung der Juden in sozial-religiöse Gemeinden, Lösung der jüdischen Bildungsllnd Erziehungsfragen, Bekämpfung der Judentaufen, Liquidierung der Kriogsischäden in Galizien) erstrM Dr. Kimmel die Schaffung einer gemeinsamen Plattform zur Betätigung des Nationaljuden, Konfessionsjuden und liberalen Juden durch Neuform>ung des sozialen Juden. Den Anfang hierzu soll die „Oesterreichisch-jüdische Kindergarten-Aktion" bilden, für die sich bereits hervorragende Vertreter der Staatsbehörden, jüdischer Korporationen und markante Vertreter aller Richtungen des> Judentums interessieren und die in Kürze ihr erstes Kinderheim in Wien-Favoriten erstehen lassen will. Geplant ist die svstematische Errichtung weiterer Kindergärten in Wien, Galizien (Reform der Cheder) und ganz Oesterreich. Die Mittel sollen durck, Zeichnung von ganzen und Teikbausteinen aufgebracht werden. Als Echo der Ausführungen Dr. Kimmels wurde aus der Mitte des Publikums der Wunsch nach baldigster Konstituierung der Aktionsleitung laut. Unter den Anwesenden sah man: Universitätsdozent Dr. Harrp Torczpner, Beirat des k. u. k. Ministeriums für soziale Fürsorge. Bürgerschuldirektor S. Kuhner, Dr. L. Plaschkes. Mitglied des zion. w.-ö. Z.-K., Direktor der Kinderbewahranstalt Maitis ch e r und Frau, Professor G u t t m a n n , B^. B'., Direktor der Dalmud-Thora^Schule Jak. Kohn, die Schriftsteller Dr. Marek S ch e r l a g und Dr. David Roth b l u m , Amtsleiter der Kultusaemeinde Rud. Kraus, Wolf P a v p e n h e i m n. a. J. K. 19. Juli. Um dem Danke des ungarischen Judentums für die freisinniae. jeder konfessionellen Bellet tät fernstehende Tätigkeit des Debrecziner reformierten Bischofs Dr. Desider Balthazär, der stch als Verkünder interkonfessionellen Friedens große Verdienste erworben, sichtbaren Ausdruck zu verleiben., bat das angesehene jüdische Organ „Eavenlöseg" vor längerer Zeit eine Sammlung zur Schaffung einer den Namen dieses Bischofs fübrenden Stiftung e^ngoleitet, deren Zinsen der Ausbildung reformierter Seelsorger geuüdniet werden sollen, und die binnen kurzem die Höbe von 20 000 Kronen erreicht bat. Am 10. Juni d. I. nun bat ^vnstredev^rtation der maßgebenden indischen Kreise und der Gemeinden des Debrecziner Distriktes diese Stiftung in Debreczin ihrer Bestimmung zuaefübrt. Die Deputation wurde im Debrecziner reformierten Kolleaiilm vom Bischof Baltbazär, um den sieb zahlreiche Seelsorger, das Brofestorenkolleaium der reformierten Seelsoraerbitdungsanstalt und der Debrecziner Universität geschart batten, empfangen. Der Debrecziner Oberrabbiner Wilbelm K r a u ß richtete eine warme Ansprache an den Mschof, worauf iw Namen der Redaktion des „Eavenlüs^g" Ernst Mezev den Zweck und die Aufgabe der Stiftung des Judentums erörterte, die ein ewiges Denkmal der gegenseitigen konfessionellen Achtung und Dnldung bilden werde. Bischof Dr. Desider BaWazar nahm den Stiftungsbrief und die Stiftung mit herzlichen Worten entgegen, die er um so böher schabte, als das ungarische Judentum während des Weltkrieges einen be- N'nnderungswürdi'gien, beispiellosen Heroismus bekundet und den Beweis erbracht bat, wie Patriotisch es gesinnt ist. Bei der erbebenden Feier sprachen noch der bischöfliche Sekretär Andreas Fut6, Redakteur Dr. Ludwig Szabolcsi und Univerfitätsprofeffor Dr. Siegnrund Barga. Bei dem nun folgenden Festmahle brachte der Budapester Rabbiner Dr. Elias Adler einen schwungvollen Trinksvruch auf den gelehrten Bischof aus, der in seiner Erwiderung mit flammenden Worten den Stab i'ber den noch immer lauernden Antisemitismus brach und sein Glas auf das ungarische Judentum leerte. Zahlreiche Trinksprüche würzten das Mahl, das mit dem Absingen eines Psalms und mit dem jüdischen Tischgebete seinen Abschluß fand. J. K. Budapest, 19. Juli. Als vor nunmehr vier Jahren die Kunde vom ruchlosen Attentat in Serajewo sich verbreitete und einige Wochen später Kaiser und König Franz Joses I. seine Völker unter di>e Waffen ries, da ging eine Glutwelle der Entrüstung und auch der opferwilligen.Begeisterung besonders durch die ungarischen Lande, deren Bevölkerung es im ersten Augenblick begriff, daß hierin erster Reihe Ungarn bedroht und angegriffen war. In endlosen Scharen eilten die Jünglinge und Männer unter die Fahnen, nicht nur ihrer Pflicht als Staatsbürger Genüge zu tun, sondern mit vollem Herzen alle ihre Kräfte in den Dienst des Vaterlandes zu sollen. Die Jndenschast Ungarns hatte nun endlich Gelegenheit, ihren Dank für die vor nahezu einem Menschenalter erfolgte Emanzipation abzutragen, und sie tat dies weit über die Grenzen der statistischen Verhältnisse. In dem Maße aber, in dem der Krieg immer größere Dimensionen annahm, die Blutopfer immer größere wurden, in dem Maße begann auch die antisemitische Presto des Landes, der anfangs der Boden unter den Füßen weggezogein schien, ibr Hvdrahauvt zu erheben und immer frecher und lauter ihr Gift gegen das Judentum zu freien. Sie ersann das Schlägwort von den geringen Blntovfern des Judentums. Während in den unwirtlichen Gebirgen Serbiens unsere Glaubensgenossen zu Tausenden fielen oder verwundet wurden, wäbrend die jüdischen Soldaten beim Karvatbenwall mit ebensolcher Zähigkeit und Ausdauer eine lebendige Mauer gegen die Rusteninvasion bildeten wie ihre andersgläubigen Kameraden, während die Jndenschast der oberungarischen Karvathendörfer trotz aller Leiden treu und fest zum Daterlande hielt und m Tausenden vor den russischen Borden flüchtete, erging sich die antisemitisch?' Vresie Ungarns in hämischen Angriffen geaen die „feigen Juden". Wobl konnten sie keinen einzigen konkreten Fall von Feigheit oder Verrat an sichren, aber das Märchen war einmal da und wurde mit aroßem Fleiß verbreitet. Bis die zahlreichen, in dm Svitülern des Hinterlandes unteraebrachten Inden, die tausende und tausende K r ieg sa nszei cfmu na cn si» di scher Jünglinge und Männer, d^e unheimlich anwachsenden Heldenaräber in den indischen Friedbösen do^ Landes dieses Märchen schlafend wnderlegten. Als sich dann diese Legende nicht länger aufrechterbalten ließ. — im Grunde genommen: svukt sie auch beute noch fort: konnte auch beute noch ein katholischer Bischof" es wagen, die Erklärung abzngeben. daß die Juden in den vordersten Kamvfreiben nur spärlich gesät wären und sich mit Vorliebe nur im Hinterlande drücken — trat die Legende von den Breistreibern. Krieaiswncheriern und Drückebergern in den Vordergrund.. Man verwies auf die Vreistrelbereien und auf die lbntriebe des ..Großkavitals", auf die Bereicbernng der ..Zentralen" bin und meinte natürlich darunter die Juden: inan verwes auf die Ueberfülluna der Kanzleien mit Enthobenen imd nie inte auch bier vneder nur die Juden.. Diele Legende war zu offenkundia. um überbg.uvt widerlegt werden zu müssen, aber sie. eignete sich in besonderem ^aße dazu, die Anfmerffamkoit der leichtgläubigen, stets nach einem Sündenbock suchenden Menge von den Umtrieben oberungarischer Stuhlrichter, von den Breistreibereien urmaavarischer Abgeordneten, von dem Geschäftsgebaren antijüdischer und klerikaler Banken abzulenken. und so blieb sie bis zum heutigen Däne in Kraft. Die nnaavMrftp Judenbeit erfüllte unterdessen vreiter ihre Rifficht. Di-> indischen Friedhöfe füllten sich auch weiter mit Heldengräbern, die feindlichen Gefangenenlager wiesen einen bedeutenden Prozentsatz an jüdischen Kriegsgefangenen aus. in den Svitülern harrten unzählige jüdische Soldaten ihrer Genesung, die. militärischen Verordnungsblätter verö^entlichten Taa für Tag die den jüdischen Helden gewahrten Auszeichnungen. Die Legende der Antisemiten konnte angesichts der sich täglich vor unseren Augen abspielenden Tatsachen denn auch nicht festw'Urzeln. Auf emem Gebiete wagte sie eS überhaupt nicht, ibr>en Kopf zu erheben. Die Wobltätigkeitsaktionen der ungarischen Judenschaft im Kriege konnten wobl mit hämischen Glossen begleitet, aber nickt abgeleugnet werden. Was die Judenschaft während dieser vier Jahre für die Kriegswohlfahrtsinstitutionen., für-die Linderung der allgemeinen Not, für die Heilung., der vom Kriege geschlagenen Wunden geleistet, wird für ewige Zeiten ein glänzendes Blatt in der Geschichte des . ungarischen .Judentums bilden. Es opferte Millionen auf dem Altäre der Wohltätigkeit, rastlos, unermüdlich. Und während mit dem Fortschreiten des Krieges die Quellen für Wohlfahrtszwecke m. den anderen Bevölkerun-gskreisen immer spärl'cher zu sickern begannen, nahmen im Schoß des ungarischen Judemtums die Spenden und Stiftungen stetig zu.

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