Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1918)
- Date
- 1918-07-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 e/«> Breslau, 19. Juli. Das 25jährige .Am'tsjubiläum. unseres Oberkantors Selmar Cerini. gestaltete sich für den Jubilar zu einem ganz besonderen Ehrentage. Von der allgemeinen Beliebtheit, deren sich Cerini infolge seiner. vielbewunderten Kunst bei der ganzen Gemeinde erfreut, legte die zahlreiche Menge der Gratulanten Zeugnis ab. Es erschienen u. a. die Vertreter des Vorstandes der Shnagogengemeinde und der Kommission der Neuen Synagoge, Herr Sanitätsrat Dr. Iungm a n n und Herr M. Schottländer, die in aberkennender und herzlicher Weise die Verdienste feierten, die sich der Jubilar um die Gestaltung des Gottesdienstes während seiner 25jähri.gen Tätigkeit erworben hat. Als Vertreter der Freunde- und Gönner sprach Herr Lippmann Bloch, für die Toynbee-Halle Herr Dr. Schlesinger und für die Gesellschaft „Eintracht" Herr M. G.u t t m a n n. Sie alle gaben dem Dank Ausdruck für die andachtsvollen Stunden, die ihnen der warm empfundene Vortrag der Gebete durch Cerini bereits geboten hat, und sprachen die Hoffnung aus, daß er noch recht lange in alter Irische und gewohnter Stimnckraft dem Herrn zum Lobe, der Gemeinde zur Erbauung wirken möge. H.W. Aus der Provinz Posen, im Juli. Posen: Dem Kaufmann Julius Ephraim und seiner Ehefrau wurden anläßlich ihrer goldenen Hochzeitsfeier die Ehejubiläumsmedaille Allerhöchst verliehen. — Dem Stadtverordneten und Kaufmann Herrn Albert Rvsenberg (Posen) und Herrn Siegfried Sochaczewski, dem Inhaber der Firma L. Sochaczewski in Pleschen, wurde das Verdienst-, kreuz für Kriegshilfe verliehen. — Eiserne Kreuze zweiter Klasse erhielten: Musketier Fritz Rosenber g in Berlin, Sohn der verwitweten Frau Marie Rosenberg in Berlin; Unteroffizier Bruno Gabriel ans Rakel, Offiziersaspirant Pulver macher, Sohn des Augenarztes Sanitätsrat Dr. Pulvermacher - in Posen. — R o - g n s e n: In der Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Schulaemeinde hat der Vorstand beschlossen, für das Rechnungsjahr 1918 85 v. H. an Schulbeiträgen zu erheben. — Wronke: Einer der achtbarsten Mitbürger unserer Stadt, der Kaufmann Michaelis Hirsch, ist im fast vollendeten 46. Lebensiabre gestorben. Der Dahingeschiedene genoß hier große Achtung, die sich auch bei der Beerdigung, durch rege Teilnahme zeigte. — Kolmar i. P.: Nach kurzem Leiden verschied hier der Kaufmann Herr Marcus I tz i g im 69. Lebensjahre. Der Todesfall hat hier allgemeine Teilnahme, erweckt. — Mit dom Eisernen Kreuze erster Klasse ausgezeichnet wurde Leutnant Ludwig Kaatz, Sohn des verstorbenen Kaufmanns Süßkind aus Schwersenz b. Posen. Derselbe ist bereits Inhaber: des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse. — Drei Brüder, Georg 3‘üttner, Beamtenstellvertreter, Alex Iüttner, Samtätssergeant, und Siegfried I ü t t n e r , Gefreiter in" einem Infanterieregiment, Söhne des verstorbenen Kaufmanns Herrn Simon Jüttner in Posen, sind im Besitze des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse. m. Hamburg, 19. Juli. Das Repräsentantenkollegillm derDeutsch -Israelitischen Gemeinde hielt seine 50. Sitzuna unter Vorsitz des Herrn Jos. Lippmann ab. Der Vorsitzende wies vor Eintritt in die Tagesordnung darauf hin, daß es eine Folge der durch die Kriegsereignisse eingetretenen Verlängerung der Mandatsdauer des Kollegiums sei, wenn dieses jetzt in einer Wahlperiode seine 50. Sitzung abhalten könne. Hoffentlich sei der Zeitpunkt nicht mehr allzu fern, wo mit dem heißersehnten Frieden auch wieder geregelte Zustünde emtreten und das Kollegium sein Mandat in die Hände seiner Wähler zurückgeben könne. Der Vorsitzenden verlas sodann ein Glückwunschschreiben des Gemeindevorstandes anläßlich dieser Sitzung. Alsdann wurde in die Tagesordnung eingetveten. Der Gemeindevorstand teilte mit, daß er dem Beschlüsse des Repräsentantmkollegiums betreffs Begründung einer Hinterbliebenensürsorge der Gemeinde zugestimmt habe und überreichte dem Kollegium die Wahlaufsätze, die inzwischen . von den Gründungskörperschaften, nämlich den beiden Logen, der Wohlsahrtskommission der Gemeinde und dem Israelitisch-Humanitären. Frauenverein, eingereicht worden sind. Die bei einem Etat von 322 822 Mgrk mit einem Fehlbetrag von 18 022 Mark abschließende Abrechnung wurde einer ans den .Herren Alfred L i s s e r , M. K a r l s b e r g und Albert Wolfs bestehenden Kommission zur näheren Prüfung überwiesen. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat sich mit Hinblick auf die großen Aufgaben, welche in. nächster Zeit von ihr zu erfüllen sind, wie der Zusammenschluß der Waisenhäuser, Einrichtungen und Stiftungen, welche sich mit der Waisenpflege befassen, zu einem Zweckverband und die Einführung dev Sammelvormuudschasten in den hierfür geeigneten- Orten, an den Gemeinde- Vorstand mit der Bitte um Bewilligung eines größerenBetrages gewandt. Der Vorstand beantragte die Bewilligung von 500 Mark und das Kollegium stimmte diesem Antrag ohne Debatte .einmütig zu. Dem Verband der Deutschen Juden wurde als Beihilfe zur Besoldung der Feldhilfsgeistlichen ein. Betrag von 56 Mark monatlich, rückwirkend ab 1. Januar 1918, aus Gemeindemitteln einstimmig ohne Debatte bewilligt. Der Antrag des Gemeindevorstandes auf Äercherung der Satzungen der Israelitischen Töchterschule, wonach diese analog den Einrichtungen der Volksschulen statt der bisherigen acht Klassen in Zukunft aus neun Klassen bestehen soll, wurde gleichfalls einstimmig angenommen. — Münster i. W., 19. Juli. Ein Gebäude, das mit dem Bilde des Heimatortes und den Bewohnern von Olfen, eng verknüpft ist und dessen Erhaltung manche gern gesehen hätten, wird, wie die hiesige lokale Presse berichtet, demnächst verschwinden: die Synagoge. Die auf zwei Familien zusammengeschmolzene Gemeinde hat ein an den Amtshausgarten stoßendes Grundstück unter der ausdrücklichen Bedingung an das Amt verkauft, daß ihr Gotteshaus, das früher auch ein Schulzimmer enthielt, nicht zu weltlichen Zwecken gebraucht, sondern vielmehr abgebrochen würde. Mit dem Abbruch ist bereits begonnen. — Nürnberg, 19. Juli. In einer der letzten Sitzungen des Stadtmagistrats berichtete Oberbürgermeister Dr. G e ß l e r über eine Stiftung des Kaufmanns Lippmann T h a l h e i m e r . die durch Zweck und Entstehung ein bedeutsames Dokument gemeinnütziger Gesinnung sei. Der Stifter, ein Kalligraph, hat im Kriege kalligraphische Kriegskarten für eMindete Krieger hergestellt und' 'den Erlös der Ortsgruppe Nürnberg-Fürth des Bundes erblindeter Krieger zur Verfikumo gestellt: es sind 5600 Mark, wovon 600 Mark zur Errichtung einer Blindenbücherei, die Zinsen von 5000 Mark von der Ortsgrrwve h"*r nützliche Anschaffungen zugunsten erblindeter. Krieger verwendet werden. Sollten keine mehr da sein, lallt das Kavital zu zwei Dritten Nürnberg, zu einem Drittel an Fürth zur Verwendung für wohltätige Zwecke. 7— föbcKtf, 19. Juli. Am 11. b. M. wurden die sterblichen lleberrelle des im Alter von fall 91 Jahren gestorbenen Rentiers ^errn Sigmund Herz zu Grabe aetraaen. Außer zahlreichen Mitgliedern der israelitischen Kultusgemeinde und Andersgläubigen aus den besten Kreisen hatten sich Vertreter der israelilischen Korvorationen. ferner ^»err Dekan lr^ntzler. Herr Adsnnkt t ß f als Vertreter der Stadt Speier, dw Zerren Kommerzienrat M. Wolfs und Fabrikant Mann lLudwiabafen) sowie .^err Kultusvorlland Strauß Wad DürkhemJ als Vertreter des Rabbinatsbezirkes Frankenthal einaefunden. Auch das Kommando d^r hiesigen Feuerwehr war in Uniform erschienen, um den letzten der Gründer zur ewigen Ruhe zu begleiten. Herr Vezirksr abbin er Dr. Steckelmacher Wad Dürkheim) aedachle in erarestenden Worten der glänzenden Eigenschaften des Entschlafenen als' Vater nn.d Verwandten, seiner vielseitigen Tätigkeit mt> Dienste der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde sowie als würdigen Vertreters' der vsälzischen Iudenheit; weiter erwähnte er, daß ibn das Vertrauen seiner Mitbürger wiederholt in den Stadtrat berief, wo er feine reiche Erfahrung und vielseitigen Kenntnisse bereitwilliast in den Dienst der Allgemeinheit stellte, daß er aber auch ein echter Patriot war, der treu an seinem Vaterlande hing. Herr Fabrikant V. C a b n entbot dem scheidenden Ehrenvorstand die letzten Grüße der israelitischen Kultusgemeinde, . während Herr Kultusvorstand Strauß in bilderreicher Sprache die Verdienste des Verblichenen den Wohltätigkeitsfonds und die sonstiaen Einrichtungen des Rabbinatsbezirkes Frankenthal pries.. Der Vorsitzende des Israelitischen Altersheims für die Pfalz, Herr Dr. S. Reis (Heidelberg), widmete warme Worte der Anerkennung dem dahingeschiedenen Ehrenvorsitzenden, der diesem Werke der Wohltätigkeit jederzeit mit hilfsbereitem' Rat und opferwilliger Tat zur Seite gestanden. So gestaltete sich die Trauerfeier zu einem würdigen Abschied von der irdischen Hülle dieses ausgezeichneten Mannes, dessen Geist noch lange rn den beteiligten Kreisen sortleben wird,