Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1918)
- Date
- 1918-07-26
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Von Sah und Fern. Reuter meldete am 8. Juli folgendes: Die Buveaus der deutschen Zioni.stenföderation in Berlin wurden von der Polizei durchsucht, anscheinend wegen des Verdachtes, daß die deutschen Zionisten seit der britischen Palästina-Deklaration mit den Alliierten sympathisieren. Hierzu erklärt die Zionistische Vereinigung für Deutschland folgendes: Die Meldung des Reuter-Bureaus ist unwahr. Die zionistischen Bureaus arbeiten seit Kriegsbeginn völlig ungestört, sie sind niemals von der Polizei durchsucht oder überhaupt von irgendeiner Behörde in ihrer Tätigkeit gestört worden, vielmehr haben die deutschen Behörden sich gegenüber den deutschen Zionisten und gegenüber der allgemeinen Zionistischen Organisation stets entgegenkommend verhalten und dem Zionismus bei vielen Gelegenheiten sehr wertvolle Unterstützung zuteil werden laffen. — Dem Armeerabbiner der Heeresgruppe Eichhorn, Dr. Tänzer, der im Kriege bereits mehrfach mit hohen Orden ausgezeichnet worden ist, wurde jetzt das Hamburgische Hanseatenkreuz verliehen. Auch dessen beide Söhne, die Gefreiten Paul und Fritz Tänzer, beide verwundet, haben sich bereits das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verdient. — Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Leopold Laudan, der am 16. d. M. seinen 70. Geburtstag beging, hatte sich allen Huldigungen durch eine Reise nach Göttingen entzogen. In seinem^Heim in der Sommerstraße erschienen zahlreiche Glückwünschende, auch Vlumenspenden und Drahtungen trafen in großer Zahl ein, darunter von Magistrat und Stadtverordneten von Berlin, der Medizinischen Gesellschaft, die Laudan zu ihrem Ehrenmitglieds ernannt bat, örtlichen Standesvereinen, dem städtischen Jugendamte, dem Hauptausschuß der Berliner Krieasbeschädigtensürsorae u. a. m. — Dem Privatdozenten an der Technischen Hochschule Berlin- Ebm-lottenbura Dr. Ernst B ö r n st e i n ist datz Prädikat Professor verlieben worden. — Feldwebel Ludwig Keiler. Rechtsanwalt in Schweidnitz, ist mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse au§- ^e^»ichnet worden. — Aus Breslau wird berichtet: Rudolf Daniel, stellvertretender Vorsitzender der Armenkommission der Svnaaogen- ^emeinde. Bezirksdirektor an der städtischen Armendirektion usw.. »ft im versendeten 72. Leben Ls ah re. Moritz Kräaen. Vorstandsmitalieb VoL österroichiich-ungarischen HilsZvereins. im 75. Lebensjahre ^rwr»tpften. An Stelle des verstorbenen Direktor^ an der israelitischen Maisenvervflegunasanstalt in Breslan. Rabbiner Leo Fabian, mnrdl» I. Knlo.dzinskv. Lebrer "n der israelitischen Taubstummenanstalt in Meißensee bei Berlin, aewäblt. — ^em Prediger der Svnagoaenaemeinde Temvelbnra. Herrn <Uan Wolfs, der seit säst vier Igbren die Seessorae in dem Gefangenenlager Hammerstein über 400 lns 1200 jüdische Krieasgesanaene aus Rußland ausübt. ist das Verdienffkr^nz für Kriegshetze >>"rlieban worden. — In der München-Logo m München fand ein.? ^I'anei-ieior für den verftarbenen Pabbiner Prof. Dr. Werner statt. In äußerst eindrucksvnller Rede schilderte Herr Kommerzienrat Smuurnd Frankel das Leben nnd Wirken des Verstorbenen: Gesänae von Milusiedern d^r Loae beschlossen die Fe^'or. — 9TnS Nürnberg wird itr»s geschrieben: DaK Eiserne Kreuz etUer Klasse erbielt: Leutnant Jakob Stein acher. Mitinhaber der Eisenaroßbandlung Gebrüder Steinacher. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Gefreiter Sigmund Metzaer. Mtinbaber der Firma Ianaz Metzaer: Vizewachtmeister Walter Frank, stellvertretender Fübrer eine^ Flackzuaes. Sohn von Ernst Frank: Gefreiter stud. med. Justin W e i n schenk. Sobn des Kaußuanns Siamund Wemschenk: Dizewachtmeifter und Osffziersaspirant Karl Schwed von der Firma Fritz Schwed. Den Militärverdienstorden vierter Klasse erhielt: Leutnant der Reserve Fritz Ehr mann. Sohn des Spezialarztes Dr. Ebrmann. — Dem Stabsarzt der Reserve Dr. D e s s a u e r (Bambera) wurde der Militärsanitätsorden zweiter Klasse verliehen, weil er im Frühjahr 1916 in der Verdun-Schlacht sieben Wochen lang unter freiwilligem Verzicht aus Ablösung in einer Artilleriestellung ausgehalten, dort im stärksten Feuer Verwundete verschiedener Abteilungen versorgt und mehrmals — namentlich am 1. April 1916 — durch freiwilliges unerschrockenes Vorgehen, über schwierige und ungedeckte Wege zahlreiche Verwundete im feindlichen Feuer gerettet hat. — Dr. Davidsohn in Düsseldorf, Inhaber des Eisernen Kreuzes erster und zweiter Klaffe, wurde mit dem Ritterkreuz des Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern ausgezeichnet. — Herr I. Sternefeld (Goch), Vorsteher dev jüdischen Gemeinde, stiftete zum Andenken an seinen gefallenen Sohn 10 000 Mark mit der Bestimmung, Kriegsbeschädigten den Erwerb von Eigenheimen' zu erleichtern. Bei gleicher Bedürftigkeit sollen- Gocher Juden"bevorzugt werden. — Die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klaffe wurde der Hilfsschwester Elsa Stern, Tochter des Vorstehers der Synagogen-- gemeinde in Nordhausen, Herrn Sanitätsrat Dr. Stern, verliehen. — Der durch seine vielfachen gemeinnützigen Stiftungen bekannte Geheime Kommerzienrat Heichelheim in Gießen hat einen hohen Betrag gestiftet mit der Bestimmung, daß er Zur Errichtung einer volkswirtschaftlichen Professur an 'der hessischen Landesuniversttät Gießen dienen soll. — Herr Postrat Joseph in Frankfurt a. M. wurde zum Geheimen Postrat befördert. — Der Privatdozent der Universität Heidelberg Dr. Salz erhielt den Charakter als außerordentlicher Professor. — Der am 2. Dezember 1917 in Karlsruhe (Baden) verstorbene Karl Haas hat die israelitische Religionsgemeinschaft Badens mit 40 000 Mark bedacht. Diese Summe ist für allgemeine Wobltätigkeitszwecke bestimmt, namentlich zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden. Das Fri-edrich- Louisen-Hospiz in Dürrheim erhielt von dem gleichen Erblasser ein Legat von 10 000 Mark. — Dr. Ascher, ein bekannter Zionist, ist aum Oberrabbmer von Amsterdam gewählt worden. — Die Universität Genf hat einer Jüdin, Fräulein S. Stern, gebürtig aus Libau, den Professorentitel verliehen. Fräulein Stern ist die vierte Jüdin, der dieser Titel gewährt wurde. Die drei übrigen jüdischen Professorinnen sind Dr. Lydia Rabinowrtsch am Bakterioloaischen Institut in Berlin, Dr. Tumarkin in Bern und Dr. Rubel Hirsch, eine Enkeltochter von Samson Raphael Hirsch, die gleichfalls ihre Tätigkeit in Berlin ausübt. — Reuter meldet aus London, daß das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten die zionistische Organisation in Lo-ndon ermächtigt hat, eine Liste der ottomanischen Juden anzulegen, die von den allen übrigen feindlichen Untertanen auferlegten Einschränkungen ausgenommen werden sollen. Die Verfügung, die diesem Arrangement Gesetzeskraft verleiht, ist bereits formuliert worden. — Das Zentralkomitee des allrussischen Verbandes der jüdischen Militäranaehöriaen hat, wie aus Kasan gemeldet wird, Sanatorien für schwindsüchtige jüdische Kriegsgefanaene zu errichten begonnen-. Vorläufig werden zwei Sanatorien eröffnet, in Kasan für 140 Personen und in Elz für 40 Personen. — In Charkow hat sich eine indische Schiffahrtsgesellschaft namens ..Sewulun" mit einem Aktienkapital von fünf Mllionen Rubel gebildet, die den Zweck verfolgt, eine Damvserlinie zur Vermittelung des Verkebrs zwischen den Häfen des Schwarzen Meeres und Palästina zu errichten. In Moskau haben sich große Jrregations- und Ameliorationsgesellschaffen für Palästina gebildet. — Das Lodzer ..Volksblatt" 'betont die Notwendigkeit der Gründung eines jüdischen Nationalrates in Polen, der das gesamte volnische Judentum repräsentieren und den Kampf für die nationalen Rechte führen müsse. Ein solcher Nationalrat besteht bereits in der Ukraine und in Rußland. In beiden Ländern hätten günstigere Bedingungen Vorgelegen, da es sich dort um die Verteidigung bereits erworbener nationaler Rechte handele, und für die Verteidigung sei die Menge immer leichter zu gewinnen als für den Kamps. Dennoch sei auch.in Polen früher oder später die Gründung eines indischen Nationalrates dringend notwendig. Es sei zu hoffen, daß diese Gedanken doch allmählich durchdrinaen und sich in die Tat umsetzen werden. — Trotz der schwierigen Zeitverhältnisse ist die indische Einwanderung in San Franzisko in ständigem Wachsen begriffen. Jüdische Frauen und Kinder, die sich aus den russischen Wirren flüchten, kommen mit fast jedem Orientdampfer in San Franzisko an. Der Zuwachs der Einwanderung geht aus einem Bericht der Jüdischen Schutz- und Einwandererhilfsgesellschaff hervor, der von 300 Einwanderern im ersten Vierteljahr 1918 berichtet. Nur wenige der Ankömmlinge' bleiben"irr'San"Franzisko"den^meisten"werden"die Mittel gewährt, zu ihren Verwandten in den verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten zu reifem Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.