Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-26 · Heft 30 (26.7.1918) · p. Seite 356

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 30 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
Seite 356 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/3224737-3229339-3229369--74183-3286663
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

tzsbissene alte Bekannte, da nach dem Berichte Hamerlings die Iuoljcyen Dichter dort „alte Drauerwerjen harften". Uever die wnzentrierte „orientalische Hautausvün>mng" tonnte ich allerorngs, saus oie Fuoen auch un>er Preßge>etz mitgenommen harren, uno wenn es nrcht auch in ^erujarem ern llrues BZaj,erchen gäve, wre un>er ^vrenjtuß, mupre rch daraus verzichten, ore ^cajen der )e^er anzuregen wre Herr Hamerrrng. $ja\üc aoer rouroe mir — man verzeihe oreie unoejchewenherr — eoenjvgur wre ihm ernjauen, oaß ore Fuoen „arre Ho,en" oeruiuieit, uno wenn er yervorheot, daß oreie m^erusarem „räuserros: L,reroen, \o wuroe ich, um ore Kauser anzuroaen, oaraus h^lweljen, oaft ore arren Hvien, mit denen die ^uoen hanoem, ovch — ewig neu vre wen. >^roer auch un jchumrnjren L-ane wuroe ich itrchc an oer ^eoer nagen, ich wuroe es vorztehen, nach an ore anoeren wen ichmaahajrvren Deue oer ^)ans za harren, arr ^>rujr, Keule uno ^eoer uno an Vas nreorrche (san,eaern, ja, ich ivuroe vleueicht oen orollojen paoagogijcheu -oerus, ow ^,oren ourchzuhechern, ganz au/geven uno eiue ^anjerreur-^Oewahranjrare granoen. ^uie ^>ans ijr )a Uverycrupr ^er ^catronarooger oer ^zuoen, uno mernano har es rn oer ^rzwhung oerjewen für nwnichriche ^zweae weaergeoracht ars >re. ^>re ^urrerren |ie ui oer hrnrerriiligjren Lverje, um |ie zerirerorg uno jchmarzverch zu machen; >re rejen ihnen ore Lturszerrer vor, -oamlr ite hhperrrophierre ^eoen veronrmen, und Ire rupjen ihnen ute ^-eoern aus, mit eucher uno L-cezenjwnen zu j^reroen, rurz, r^e ^r-ans HL ihnen, ma» oem ^apprirnoer das Liren^rer. Utw ungerecht tji Herr Hamerrmg gegen ^Zjraer, oap er ore luortcyeu ^-anje, ore uns, narnenulch werln zre huoich oraun georawn juio, unt so vielen ^charrenjeiren ver ^zuoen verjohnen, nichr rinmal orwahnt." ^ch weiß wohl, daß diese wenigen Proden nicht imstande jirm, ore gaitze Louchr eines gen-raren Spötters trarzumachen uno seine ^virrjamrerr, an oer jrch ore ^vrener (ich darf wohl tagen, ore ganze europariche ^eleuichasl) layrzehnrerang gu^cen, zu verjrnnrichen. A.oer ich mochte mernen, wir tounwn uns orejes juorichen <LcyriftireUe»rS freuen und nicht oroß noch heute an fernem Loitze behagen fmoen, jonoern rhn zu Oeu ocampsern rechnen, vre uns (Lhre machen und deren Eintreten tur vtecht uno Freiheit, deren Kamps gegen Willkür uno Größenwahn, deren unbestechliche nachsichtsloje Beurteilung politischer, literarischer und tünirlerischer Dinge, Beachtung, Anerkennung, ja Bewunderung verdient. Ser Geilt des jüdischen Lhrledens. Bon. Prof. Dr. E manuel Schwartz (Prag). enn unsere Töchter im Neuen Testamente lesen würden, es ginge uns, wie es den Benjaminiten in der Bibel ergangen ist: wir bekämen keine Frauen. Die Provleme aber, die den Soziologen nach dem Kriege ohnehin schon vollauf beschäftigen werden, sie würden noch eine nicht unbeträchtliche Steigerung erfahren. „Da traten die Pharisäer zu ihm, um ihn zu versuchen, und sprachen: Ist es einem Manne erlaubt, sein Weib um jeder Ursache willen zu entlassen? Er antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, daß der, welcher im Anfänge den Menschen schuf, als Mann und Weib sie geschaffen und gesagt hat: um deswillen wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden zwei in Einem Fleische sein. So sind sie also nicht mehr zwei, sondern Ein Fleisch. Was nun Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen. Sie sprachen zu ihm: Warum hat denn Moses besohlen, einen Scheidebrief zu geben und das Weib zu entlassen? Er sprach zu ihnen: Moses hat euch eurer Herzenshärtigkeit wegen erlaubt, eure Weiber zu entlassen; im Anfänge aber war es nicht so. Ich aber sage euch: Wer immer sein Weib entläßt, es sei denn um des Ehebruchs willen. Und eine andere nimmt, der bricht die Ehe; und wer die Geschiedene nimmt, der bricht die Ehe." Diese Sätze aus dem 19. Kapitel im Evangelium Matthäi sind sicherlich nicht danach angetan, die Sympathien des Weibes uns zu erobern; die „Herzenshärtigkeit" ist ein. schlechtes Empfehlungsschreiben für den jüdischen Ehemann. Hier fließt die Kraftquelle, aus der das Herzensinventar sestverankerter Voreingenommenheit und dickhäutigen Vorurteils gespeist wird. Wer nun noch mehr zu erzählen weiß, der ist wie in der Pessachhaggada lobenswert. So kann, es selbst ein Marm von den geistigen und moralischen Qualitäten eines Emil Schürer nicht über sich gewinnen, eine Notiz unter den Tisch fallen zu lassen, die sich in seine Darlegung der pharisäischen, Sabbat- Heiligung ganz und gar nicht einordnen mag. In seiner „Geschichte des Jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi" II3, S. 493, heißt es: „Bekannt ist ferner die laxe Auslegung der Bestimmung über die Ehescheidung, Deut. 24,1, daß der Alaun die Frau entlassen dürfe, wenn er etwas Schändliches an ihr bemerkt habe. Nur die Schule Schammais ließ den Worten ihren eigentlichen, Sinn. Die Schule Hillels deutete sie dahin um: Wenn sie ihm auch nur die Speise verderbt hat. Und nach R. Akiba vollends war dem Manne die Entlassung der Frau gestattet, wenn er auch nur eine andere schöner fand als sie." Gewiß, das ist die Theorie der letzten Mischna in Gittin (IX, 10). Wer aber das Blatt im Talmud umwendet, der stößt auf den Ausspruch des R. Elasar: „Wer seine (erste) Frau entläßt, um den vergießt der Altar Tränen." ' Und dieser Ausspruch wird abgeleitet aus dem Worte des Propheten Maleachi (2, 16): „Denn er hasset das Entlassen (der Frau), spricht der Ewige, der Gott Israels." Aus demselben Prophetenworte beruht der Ausspruch des Pinchas b. Chama (j. Kidduschin 58 o 23): „Im ganzen Abschnitte wird Gott als „Herr der Heerscharen", nur hier, wo von der Ehescheidung die Rede ist, als „Gott Israels" bezeichnet. Das soll dich lehren, daß nur in Israel die Ehescheidung durch den Namen Gottes geweiht ist." Spricht das alles nicht genügend für den sittlichen Ernst der Ausfassung, wie die Alten sie von der Ehescheidung hatten? Wieviel bleibt da noch übrig von der bekannten „laxen" Auslegung der Bestimmung über die Ehescheidung? Wir können von ernem christlichen, Theologen nicht billig verlangen, daß ihm beide Talmude im Urtexte zugänglich seien. Schürer zitiert die Mischna nach Josts Uebersetzung und Maimonidesi Mischne Thora nach der Petersburger Uebertragung. Aber der oben angeführte Ausspruch des Pinchas -b. Chama aus dem Jerusalemischen Talmud befindet sich auch bei Wilhelm Bacher, die Agava der Palästinensischen Amoräer (111, S. 326). Zumindestens hätte doch das Wort des Propheten Maleachi verdient, erwähnt zu werden. Es würde von seiner sittlichen, Höhe herab ein freundlicheres Licht auf das angeschwärzte Israel projiziert haben. Das Wenige von der Theorie der Ehescheidung, und nun zu ihrer Praxis. Vernehmlicher als alle Bücher der Welt spricht zu uns die Stimme des vielgestaltigen Lebens. Und da mögen vor allem die Weiber von Weinsberg für uns zeugen, die Weiber von Weinsberg in altjüdischer Fassung. In Sidon lebte eine Frau.zehn Jahre lang in glücklicher, aber kinderloser Ehe. Im Sinne der Mischna m Jebamoth (VI. 6) ist ein unfruchtvarer Ehebund, weil die Bedingungen, zur Erfüllung seiner sittlichen Bestimmung nicht gegeben sind, aufzulösen und durch einen anderen zu ersetzen. Tiesbekümmert erschien nun das Sidoner Ehepaar vor R. Simon b. Jocha! und äußerte seine Absicht, voneinander lassen zu müssen. Schweren Herzens entschied der Rabbi: Wer von seinem Weibe sich scheidet, um den vergießt der Altar Tränen. Doch euch bringt ein tiefsittlicher Grund auseinander, wie er euch vor zehn Jahren zusammengeführt hat. So feiert denn wie einst nach gutjüdischem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.