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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-26 · Heft 30 (26.7.1918) · p. Seite 355

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 30 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
Seite 355 (sequence 7)
Language
German
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bescheidene Wunsch rege, das Spiel möge schwinden und der Vorhang beginnen." Doch wäre es durchaus verfehlt, aus solch einzelnen Witzworten, von denen es viele Tausende gibt, den Mann zu beurteilen. Die Hauptsache bei ihm ist der Spott, mit dem er alles Kleine und Unbedeutende, die sich groß.dünkenden und zeitweise anerkannten Männer verfolgte: die klerikalen Abgeordneten, die unfähigen Minister, das Publikum in femer Genußsucht und in seiner Windsahnenart, die Gründer und Spekulanten, die eingebildeten Schriftsteller, Künstler und Musiker. Mit ganz besonderem Grimme tritt er — und das geht uns besonders an — gegen Mosenthal und gegen den von Juden stammenden Weilen auf, einmal trifft auch ein kleiner, aber nicht bösartiger Spott K. E. Franzos. Zu den von Spitzer verspotteten reichen Juden gehören die Herren Winterstein und Königswarter. Ganz besonders 'hart wird in dem Feuilleton „Mein Monument" L. A. Frankl mitgenommen, in feiner Manie, Verstorbene zu bedichten und ihnen Denkmäler zu errichten. Was unser Interesse aber in erster Linie erregt, das ist sein Kampf gegen den Antisemitismus. So heftig er auch, gegen jüdische Unmanieren, besonders gegen das Gründungswesen, auftritt, bei denen Juden sich vielfach beteiligten (man vergleiche nur seinen furchtbaren Kampf gegen Ofenheim und Konsorten), die Antisemiten Schönerer, Lueger u. a. vernichtete er mit seinem Spott. Ganz köstlich in dieser Beziehung ist eine Stelle gegen Palacky, den bekannten Tschechensührer. Spitzer sagt: „Nachdem Palacky so gegen die Deutschen . das ganze Komplimentierbuch erschöpft hat, wendet sich der greise Dulder gegen die Juden, bei denen sich alle Greuel und Schändlichkeitn, welche die Geschichte aufzuweisen hat, vereinigen. Die Juden verwüsten also ganze Länder mit Feuer und Schwert, zerstören die Werke der Kunst, metzeln die wehrhafte Bevölkerung nieder, während sie Weiber und Kinder in Sklaverei schleppen, stecken unaufhörlich Scheiterhaufen in Brand, auf denen sie Andersgläubige braten, kurz, sie sengen und brennen, martern und morden und fügen zu alledem noch einen Greuel, den man weder im grauen Altertum noch im finsteren Mttelalter gekannt hat, sie spekulieren in Anglo. Mit dem Adlarauge des Forschers hat es nämlich Herr Palacky entdeckt, daß die Juden auf die Börse gehen. Ich glaube, der Genius der Menschheit geht selbst auf die Börse, sonst müßte er da sein Haupt verhüllen. Aber nicht nur in Oestevreich, nein, „der jüdische Stamm herrscht jetzt in Deutschland allgemein", behauptete der tschechische Herodot. Also ist die Kunde denn wahr, die bis zu uns gedrungen, daß Bismarck vormals ein Rabbinatskandidat war und nur deshalb die Einsamkeit in Varzin aufsuchte, um den Studien seines lieben Talmuds ungestörter obliegen zu können?" Oder folgende Stelle über Rumänien: „Unter so trostlosen Verhältnissen war man durch das Treiben der Judenhetzer, das in Rumänien eben stattfindet (1874), um so angenehmer überrascht. Bekanntlich wird in Rumänien, das sonst doch keine entwickelte Industrie besitzt, die Plünderung der Juden mit Erfolg betrieben und wenn der Wafserstand nur halbwegs günstig ist, werden diese auch ins Wasser geworfen. Die dortige Regierung hat nunmehr beschlossen, die Vertilgung der Juden nicht mehr der Willkür einzelner zu überlassen, sondern gesetzlich zu regeln, und zwar entschied sie sich nach eingehenden Beratungen für die Ausrottung der Juden auf trockenem Wege, indem sie denselben untersagte, sich fern-er zu ernähren. Man muß nämlich wissen, daß die Rumänen eine erst in der Entwicklung begriffene Nation find und daher den Schaps den schönen Künsten vorziehen. Da die Juden einen sehr praktischen Sinn haben, so ist selbstverständlich, daß sie nicht ihren Lebenserwerb in Rumänien suchen, indem sie dort die Mendelssohnschen Lieder ohne Worte aus dem Klavier vortragen, nach denen gar keine Nachfrage besteht, sondern sich >dem Handel mit Spirituosen ergeben, die 'sich einer großen Beliebtheit in allen Schichten der Bevölkerung erfreuen. Man hat ihnen daher den erwähnten Erwerb verboten und die vaterländische Unmäßigkeit wird jetzt einzig und allein den Nationalen, die sich dem Branntweinausschank widmen, zugute kommen." Ich schließe mit einigen witzigen und boshaften Stellen. Die eine (1871) wendet sich gegen die Tschechen und lautet: „Ja, der Deutsch-Oesterreicher ist der arme Mardochai, der vor dem Tore des Königs sitzt und wartet. Einmal da König Ahasveros eine schlaflose Nacht hatte, da ließ er sich die Chronika und die Historien bringen und vorlesen. Es fand sich aber, daß dort die großen Verdienste des Mardochai um den Staat verzeichnet standen. Der König Ahasveros fragte, was man dem Mardochai Ehre und Gutes dafür getan, aber man antwortete ihm: es ist ihm nichts geschehen. Ahasveros aber, der König war von Indien bis an die Meere, beschloß, das Versäumte wieder gutzumachen und dem Mardochai große Ehre zu erweisen. Und glücklicherweise saß dieser noch vor dem Tor und wartete. Es hätte aber auch möglich sein können, daß Mardochai sich gesagt hätte: Hole der Teufel die Juden und Mohren und inzwischen sortgegangen wäre." Die zweite Stelle findet sich in einer Persiflage von Hamerlings satirischer Dichtung „Homunkulus"- (1888). Nachdem Spitzer in seiner Art den Inhalt der Satire erzählt, berichtet er von den Schicksalen des Helden Munkel und schreibt: „Munkel wird Jude, ein Unternehmen also, für das er nur ein ganz geringes Opfer an Zeit und Haut zu bringen hat. Er nimmt bei dem Uebertritt den Vornamen Gotthold Ephraim an, — ein kleiner Beschneidungshieb gegen den Dichter des weisen Nathan — und führt die Juden, die eben durch einen glücklichen Zufall aus Europa vertrieben waren, nach Jerusalem, wo er deren König wird. Aber in einem jüdischen Staate konnte „keiner je den andern überlisten". Rothschild wurde ein Schnoarer, die Rezensenten „hatten nichts zu rezensieren und die beißendsten der Spötter nichts zu beißen". Ach, auch ich Aermster finde dort keinen Stoff mehr, denn, so fingt Hamerling, „Spitzer nagte an der Feder". Mein Gott, damit es einem an Stoff fehle, braucht man wirklich nicht erst die beschwerliche Reise nach Jerusalem zu unternehmen, es gibt auch in Wien Zeiten, in denen man an der Feder nagt und besonders begnadeten Geistern fällt manchmal selbst in Graz nichts ein. Ich glaube übrigens kaum, daß mir in einem, jüdischen Staate der Stofs ausgmge, denn ich träfe in diesemgute Daniel Spitzer.

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