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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-26 · Heft 30 (26.7.1918) · p. Seite 351

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 30 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
Seite 351 (sequence 3)
Language
German
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351 etc MSw'AM/ziHt, GefMen von LäNderü Mid Leuten, Bilder von' Menschen Md von Munden! Die ganze Mötze des Opfers, das diese -gebietende, fordernde Zeit ümschlW^ kt\lt vor die Erinnerung. Wie viele von Venen, die in den Monaten, im ersten Jahre des Krieges'die Gefährten der GtMsdienste gewesen waren, sind dahingeganMN. Es ist nicht Zahl allein, die zu uns spricht. So maMer, der dahingErfft, bedeutete für uns eine Zukunft, Md für dm Kreis der Seinen war es ein jeder. Und von denen, b'& dem Dasein erhalten geblÄben sind, dem ihren wie dem unseren — wieviel ist so manchem ^verlangt worden, ^verlangt nicht nur 'in seinem jungen Körper. Wenn wir m djtz Seelen hineinschaüen könnten, wie vieles Hat die Dauer der Tage sortgeführt und von der Stimmung, von Den Gedanken, den Empfindungen und Hoffnungen der ersten ^Jbrctate! Was hat diesem Nehmenden gegenüber die Seelsorge im Felde geben wollen, ihnen allen, denen, die hiernieden nicht mehr antworten können, und denen, die uns antworten werden? Alles, was sie hat schenken wollen, schließt sich in einem zusammen. Sie wollte größere Gedanken gewähren- Gedanken, die über. den Alltag hinausführen, und damit eA Stück innerer Freiheit, seelischer Unabhängigkeit dringen und Voahren, — größere Gedanken, aus denen vielleicht einmal der ^roße, der helfende Gedanke hervorkeimt. Die lange Zeit, die sv Dft die Hoffnung enttäuschte und immer wieder warten und ausho.rren heißt, hgt etwas Stumpfmachendes, sie will das Denken Sehnen erstarren und erkalten lasten. Draußen lebt dazu der eine in der Menge, und sie mit ihrer Massenansicht, mit ihren zusammenkettenden Wünschen zerdrückt leicht das Individuelle, das Persönliche. Wenn sich dies es. Abstumpfende, dieses Erdrückende um den Soldaten legt, dann könnte es sein, daß sein eigenes Denken und schließlich seine Gedanken überhaupt äbdänkeü, daß er aus geistiges Leben, auf innere Freiheit verzichtet. Dem will die Seelsorge entgegen sein. Sie will zu jedem von feinem Ich sprechen und ihn fühlen lasten, daß einer mit ihm empfindet; sie will ihn dadurch an sein Eigenes wieder erinnern, damit er über Nüchternheit und Massenstimmung wieder Hinäufsteige. Seelsorge bedeutet mitleben, aussen, wie dem anderen zumute ist, und aus diesem Mitleben heraus in der Seele des anderen einen Gedanken, der ihm gehört, zum Leben wiedererwecken. Nur der eigene Gedanke kann ihm zur eigenen Hoffnung werden, kann eine Zukunst vor ihn wieder hinstellen. Hundertfältige Erfahrung im Felde hat es gelehrt, wie ein solcher Gedanke, den verdeckte Tiefen der Seele hervorklingen lassen, dem Menschen ein Helfer werden will, ihm eine innere Reinheit zu geben, wiederzugeben vermag. Wer ihn in sich vernommen hat. faun sich immer wieder vor vertrocknenden, bedrückenden Stunden in ein Innenleben zurückziehen, immer wieder zu sich zurückkehren. Dem Men scheu nichts Fremdes, sondern ein Eigenes gewähren, eigenes Erleben, eigene Gedanken und eigenes Hoffen, davon hängt alle Seelsorge ab. Jeder seelische Beistand, jeder religiöse Segen hebt damit air, und hier allein führt der Weg zu unserem Judentum, zu diesem Eigensten unserer Seele von den Vätern her. . Es gibt kein Band, das stärker — zum Tröste und zur Erhebung — mit denen, die dahingegangen, verbindet, als dieses Bewußtsein: wir haben gleiches gedacht, wir haben gleiches erhofft. Das ist das Band der Zukunft auch. Es wird mit denen einen, die ein gütiges Geschick erhalten möge. Wenn wir Menschen haben, mit denen wir im Eigenen zusammengekommen sind, in einem großen Gedanken uns zusammenfanden, dann haben wir eine Zuversicht für die kommenden Tage. Menschen, die sich gefunden haben, sie sind die Erwartung für die Zukunft. So sehr wir nun auch bedauern, unsere Leser mit den Berichten des Herrn Baeck nicht mehr erfreuen zu können, sv froh sind wir, ihn wieder in der Heimat zu wissen und seinen großen Friedensaufgaben zurückgegeben zu sehen. Denn auf ihn kann man, den Schluß seiner Ausführungen benutzend und variierend, sagen: Wir haben ihn gefunden und erwarten viel von ihm und seinem Wirken in der Zukunft. * Da man im allgemeinen, auch in den feindlichen Ländern, nicht sehr viel von höheren jüdischen Offizieren hört, sei folgende Notiz eines Berliner Abendblattes wiedergegeben, die von anderen Blättern nicht übernommen worden ist: Generalleutnant Sir John Monavsh, der höchste jüdische Offizier im britischen Heer, hat, wie aus Rotterdam gemeldet wird, jetzt auch das Oberkommando der australischen Truppen in Frankreich als Nachfolger des Generals Birdwood übernommen. Wie wenig England gewillt ist, die Erwartungen der Zionisten zu erfüllen, beweist folgende Zeitungsnotiz: Amsterdam, 15. Juli 1918. Reuter meldet: Bei einer Begrüßung der Zionisten lehnten die Minister Barneß (Arbeiterminister) und Moud den Gedanken eines jüdischen Monopols in Palästina ab. Sie legten Nachdruck darauf, daß man beabsichtige, in Palästina Zustände zu schaffen, in denen die Juden wie andere Völker zusammen leben fermem Die Juden, sagt Reuter, werden nicht als Sieger nach Palästina zurückkehren, sondern nur, um mit anderen Völkern zusammen zu arbeiten. Es zeigt sich also, daß England schon feine' Uneigennützigkeitserklärungen hinsichtlich Palästinas bedauert. Der alte Landräuber wünscht Palästina in die eigene Tasche zu stecken. ' O Obwohl wir nrcht für jüdische G y m n <r s -i e n schwärmen, haben wir folgende Nachricht des „Neuen Pester Journals" doch mit einigem Befremden gelesen: Verkauf des jüdischen Gymnasiums. Wie die Zeitschrift „Mult es Jövö" berichtet, beabsichtigt das Stistungskuratorium das auf der Abonhistraße bis auf den Dachstuhl fertiggestellte jüdische Gymnasium, das neue Gebäude, dem Staate oder der Hauptstadt Budapest zu veräußern. Der Bau des Gymnasiums wurde vor dem Kriege in Angriff genommen. Als der Krieg ausbrach, entzog der Staat die in Aussicht gestellte Subvention und auch die Baukosten stellten sich stets höher, so daß das Stiftungsvermögen bereits mehrfach überschritten worden wäre. Die materiellen Schwierigkeiten haben nun diese Transaktion veranlaßt. Es ist eine Aktion im Zuge, um durch Spenden die materiellen Mittel für die Schaffung des jüdischen Gymnasiums aufzubringen. * . Aus Polen melden viele Zeitungen nachstehendes: Keine amerikanische U n t e r st ü tz u n g für d i e l i t a u is ch e n Juden. Seit längerer Zeit pflegt regelmäßig von seiten der amerikanischijüdischen Wohltätigkeitsorganis.ationen eine größere Summe nach Litauen zur Unterstützung der notleid enden litauischen Judenheit gesandt zu werden. Bor kurzem f)-at nun die amerikanische Regierung die weitere Sendung dieser Hilfsgelder verboten mit der Begründung, daß dies eine Unterstützung der deutschen Okkupationsverwaltung sei. In Wahrheit ist infolge der erst vor kurzem durchgesührten Neuorganisation der Verteilung der Hilfsgelder, die ganz in.den Händen jüdischer Komitees liegt, Vorsorge getroffen, daß die Gelder lediglich der jüdischen Bevölkerung zugute kommen. Das Ausbleiben 'der Gelder bringt viele Tausende Familien Litauens nxx die schlimmste Not. Von jüdischer Seite sind nun Bemühungen gemacht worden, um die amerikanische Regierung zur Aufhebung des Verbotes zu veranlassen. Um der großen Not, die durch das in diesem Moment zum erstenmal erfolgte Ausbleiben der Hilfsgelder hervorgerusen wurde, zu steuern, hat nunmehr der Oberbefehlshaber-Ost dem jüdischen Zentralunterstützungskomitee in Wilna, zu Händen des Oberrabbiners Rubinstein, 200 000 Mark überwiesen. Der hochherzige Akt der deutschen Verwaltung ist von der jüdischen Bevölkerung Litauens mit freudiger Dankbarkeit begrüßt worden. * Ueber die Ansprüche der Juden in Polen geben folgende vom Jüdischen Pressebureau in Stockholm mitgeteilten Reden erwünschte AufÄärung: Im polnischen Staatsrat hielt der Vertreter der jüdischen Volkspartei N. Prilutzki eine sehr bemerkenswerte Rede, die die Stellung der jüdischen Demokratie zur polnischen Verfassungssrage zum Ausdruck brachte. Eingangs bemerkte der Redner, daß seine Partei, die den Staatsrat nicht für legitimiert betrachte, im Namen Polens zu sprechen, nur deshalb an den Wahlen zum Staatsrat teilgenommen habe, weil die Gefahr bestanden habe, daß andere im Namen der Juden sprechen werden, die dazu nicht berechtigt sind. Gleich dem Zionistischen

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