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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-19 · Heft 29 (19.7.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 29 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 transportiert; wir und auch sie selbst dachten: nach den Vereinigten Staaten. Nach einiger Zeit jedoch kehrten sie wieder zurück, ihrer neuen Kleidung beraubt, und erzählten uns, daß man sie freundlichst eingeladen hätte, in die englische Armee einzütreten. Nur wenige haben sich, bazu verleiten lassen. Die Mehrzahl sitzt noch immer im Gefangenenlager und schreibt Briese, die nie ihren Bestimmungsort erreichen. . Devenbuvg a. H., 12. Juli. Im gesegneten Alter von nahezu achtzig Jahren verschied hier am 18. v. M. Herr Lehrer Levor. Ein langes, an Arbeit und Entbehrungen reiches Leben ist damit abgeschlossen; den Kelch, jüdischer Kultusbeamter zu sein, hat er mit allen seinen Freuden und Leiden bis auf die Neige gekostet. Noch im vorigen Jahre beging er in ziemlicher Rüstigkeit mit seiner Gattindas Fest der goldenen Hochzeit, und im Lause dieses Jahres gedachteder Greis auch noch sein sechzigjähriges Amtsjubiläum' zu feiern. Und nun hat der Tod seinem tatenreichen Leben ein Ende gesetzt. Mit trefflichen - Worten entwarf Herr Rabbiner Dr. Auerbach (Halberstadt) an seiner Bahre sein Lebensbild. „Er-war ein Weiser", so führte er aus, „der dreierlei ausübte: Er hat mit seinem Nachbarn sich vertragen, hat nie ein Wort des Zornes gesprochen und das Wort Gottes verbreitet." Sein Andenken sei gesegnet. S2 Göttingen, 12. Juli. Die Wissenschaftlich gesellige Bereinigung der jüdischen Jugend zu Güttingen hat ihre sommerliche Arbeit -wieder ausgenommen und entfaltet unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Behrens eine rege Tätigkeit. In den ersten Sitzungen hielt der Vorsitzende Vorträge 1. über politische und religiöse Bewegungen im deutschen Judentum, 2. über Jugendvereinsbewegung.- Dem Vorstand gehören noch an die Damen Fräulein Grete B a chman n und -Fräulein Gertrud W r o n k e. Nach längerer. Pause erscheint wieder das studentische Element in unserem Verein.,. — Fearrkfirrt a. M., 12. Juli. Der Almosenkasten der Israelitischen Gemeinde erstattet seinen Tätigkeitsbericht für das abgelaufene Kalenderjabr. Die Berichtsperiode stand stark unter der Einwirkung des Krieges. Die Preissteigerung aller Lebensmittel hat die Pflegebefohlenen des Almosenkasten schwer betroffen, so daß . die Zuwendungen in den vflegerisch behandelten Einzelfällen fast durchweg erböht werden mußten. Eine Anzahl vyn Behörden, Stiftungen und Wohltätigkeitsanstalten hat. dem Alnwsenkasten durch erhöhte Zuwendungen das Durchhalten ermöglicht. Eine Haupteinnahme des Fonds fließt aus der Erhaltung und Ausschmückung von Gräbern aus dem Gemeindefriedhofe, auch die Ueberweisung von Spenden bei Trauerfällen führt dem Almosenkasten erhebliche Mittel zu. Das'Pflegeamt des Almosenkasten arbeitet ln enaer Gemeinschaft mit den verschiedenen jüdischen und interkonfessionellen Woblfahrtsoinrichtung'en. Unter'anderem sand eln Zusammenarbeiten statt mit den städtischen Armenanstalten, den Jugendanstalten, der Zentrale für vrivate Fürsorae und zahlreichen indischen Institutionen: nnt-w den Zuwendnnaen befinden sich Beiträge des Magistrats' des Landesbanvtmanns zu Wiesbaden, des Frankfurter Armenvereins, der Loge und vieler jüdischer Anstalten und Stiftungen. Die Gesamtausgaben des Almosenkasten betrugen zirka 324 000 Mark, von denen etwa 20 000 Mark auf Verwaltungsspesen entfallen; 304 000 Mark wurden verausgabt für. Onartalssvenden. monatliche und einmalige Unterstützungen an 1867 Familien und alleinstehende Personen. Die Einnahmen des verflossenen Jahres beliefen sich auf 332 000 Mark, von denen 94 000 Mark auf Spenden entfallen, die.zur sofortigen Verteilung überwiesen waren. Die Jahresbeiträge erreichten eine Höhe von 20 575 Mark. Für Spezialsälle gingen zirka 175 000 Mark ein, 43 000 Mark betragen die Zinsen aus verschiedenen Stiftungen. Die Art der sozialen Arbeit des Pslegeamtes darf als vorbildlich bezeichnet werden. er. Franksiwt a. M., 12. Juli. E t n P a l üstin a p r o gr a m m für die A g u dos Jisroel stellt ein Aussatz von Menache m in «der Mai-Nummer der „Agudoh-Blätter" auf. Es wird die Einrichtung einer Musterkolonie gefordert, die als Hauptbestandteil eine große Musterfarm enthält, auf -der junge Leute, die als Kolonisten späterhin im Geiste der Thora leben, in einigen Jahren die dazu nötige Ausbildung erhalten. Es sollen junge Leute im Mer von 14 bis 16 Jahren ausgenommen und in der Praktischen Wirtschaft unterrichtet werden; daneben soll in den Monaten, in denen der Landmann Palästinas für seine Hände wenig Arbeit hat, ihr Geist in religiöser Beziehung ausgobildot werden. Der Talmud und die besonders für den Landmann wichtigen Gesetze der Thora sollen besprochen und eingehend studiert werden, außerdem aber auch profane Studien, insbesondere Agrochemie und Wirtschaftskunde, getrieben werden. Verläßt dann nach 3 bis 4 Jahren, oder auch entsprechend längerer Zeit, der Besucher die Anstalt, so soll eine Darlehnskasse ihm für eine Reihe von Jahren ein zinsloses Darlehen gewähren zum Ankauf und zur Bebauung, d. h. Urbarmachung von so viel Land, als man bei einfachster Lebensweise zum Unterhalt einer Familie nötig hat. Die Mittel für diese orthodoxe Kolonie sollen.durch öffentliche Sammlungen aufgebracht werden. — Stuttgart, 12. Juli. In der hier erscheinenden „Süddeutschen Zeitung" vom 28. Juni wird von einem Augenzeugen auch folgender krasse Fall aus der Behandlung deutscher Kriegsgefangener in England berichtet: Es war die Zeit des jüdischen Passah; ein Gefangener, der — natürlich für sein gutes Geld — durch den Rabbiner eine Sendung Mazzoth erhalten hatte, wollte einem unbemittelten Glaubensgenossen eine freudige Ueberraschung machen und legte demselben beim Vorübergehen einige Stücke in seine Zelle; beide wurden mit vierzehn Tagen strengen Arrestes bestraft. GDkrrnch-AnMM> z. Wien, 12. Juli. Eine Ehrung für die gefallenen jüdischen Krieger in O e st e r r e i ch vlant die „Rabbinervereinignng für Liebesgaben an Soldaten und Kriegsgefangene in Wien" gemeinsam mit der k. k. Gesellschaft vom- Oesterrerichi.schen silbernen Kreuz für heimkehrende Reservisten. Die Aktion der österreichischen Rabbiner will das Andenken derer-ehren, die fern-der Heimat in fremder Erde ein frühes Grab gefunden haben, dessen Stelle oftmals gar nicht bekannt und fast niemals erreichbar. ist. Für jeden gefallenen oder an einem Leiden infolge des Feldzuges gestorbenen und fern von seinem Heimatort begrabenen jüdischen Soldaten der österreichis-ch-ungarischeu Kriegsmacht soll im Gotteshause seines Heimatortes oder seines stän'd'-gen Wohnortes eine Gedenktafel in würdiger Ausstattung errichtet werden. Der schöne Gedanke, für dessen Verwirklichung alle beteiligten Kreise der sämtlichen anerkannten Religionsgenossenschaften ihre , bereitwillige Förderung zugesichert haben, wird durch allgemeines Zus, am menwirken zur Tat werden, denn die erwachsenden Kosten sind für jede einzelne Fam'lie sehr gering, um so mehr, als die Ausstattung aller Gedenktafeln ohne Rücksicht auf Stand und Rang des Dahinaegangenen vollkommen gleich lein soll. Jede Gedenktafel wird den Narren des Toten, den soldatischen Charakter und. soweit feststellbar. Tag und Ort des Todes enthalten. Die. Tafel ist aus belgischem Granit her-gestellt, der Davi dstern schwarz mit Messingrand, Mes.singschraüben und roter Glasampel. — In Anwesenheit des Rektors der Israelitisch-theologischen Lehranstalt Prof. Dr. A. S ch w a r z. des Landesschulrates Dr. M. Spitzer und des Vorstehers A. Stiasny fand Dienstag, beit 25. v. M., die Prüfung der Schüler der obengenannten Schule, die unter.Leitung des Herrn Lektors Dr. S. Rubin steht, statt, die ein glänzendes Resultat ergab. Herr Rektor Schwarz nahm mit gewohnter Gründlichkeit die Prüfung vor, und mit Befriedigung konnten die Anwesenden wahrnehmen, wie die Schüler — Unter- und Obergymnasiasten — auch in die schwierigsten Talmudpartien mit vollem Verständnis einzudringen vermochten. Höchst befriedigt verließen die Anwesenden die Feier. — „Ungenannt: In memoriam E. L. 200 000 Kronen." Mit dieser Widmung hat ein hochherziger Stifter zur Erinnerung an einen gefallenen Helden dem Verein zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina in Wien. 9. Bezirk, Universitätsstraße 4, weitere 200 000 Kronen nach früheren Spenden von 20 000 Kronen als Baustein für ein vom Verein zu errichtendes Kriegswaisenheim übergeben, und er hat damit die Sammlung über den Betrag von zwei Millionen gebracht. Bezeichnend für die großmütige Gesinnung des Stifters sind die Begleitworte, mit denen er dem Vereinspräsidium seine Entschließung bekanntgab. Der Verein — das sind seine Worte — versorgt bisher über 6000 Kinder, davon 1000 in neugegründeten Heimen und über 5000 in Familienpflege. Das ist großzügige Arbeit,, aber nur ein Anfang. Die 6000 Kinder müssen durch Jahre weiter verpflegt, gekleidet, erzogen werden. Weitere 4000 Kinder müssen in den

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