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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-19 · Heft 29 (19.7.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 29 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 leitende Referat erstattete. Ter Redner schilderte die Veränderung, die die Gründung der Agudas-Jugendgruppen im Leben der konservativen jüdischen Jugend hervorgerufen hat, die numnehr auf dem Bundestage zum ersten Male Gelegenheit haben wird, alle Fragen und Schwierigkeiten, die im Laufe mehrjähriger Tätigkeit in den einzelnen Gruppen aufgetreten sind, zu erörtern und über die Fragen. der künftigen Organisation der Aguda-Jugendbewegung zu verhandeln. In der lebhaften Diskussion, die dem Referat folgte, sprach Rabbiner Dr. Esra Munk, der es als Pflicht eines jeden konservativen jungen Juden bezeichnete, sich der Augudas-Jisroel anzuschließen. Ferner sprachen Rabbiner Dr. Hartwig Carleb a ch , Rechtsanwalt Dr. Abraham L o e b, Dr. W. H o f m a n n , Moritz Posen und andere. Zum Schlüsse dankte Dr. Meier Hildesheimer den Anwesenden für ihr reges Interesse und forderte zu reger Beteiligung am Bundestage auf. Berlin, 16. Juli. D i e ä l4 e ft e n Lügen über di e Alliance Jsraelite wärmt eine Broschüre von Professor Dr. Erich Jung wieder auf, die -unter dem Titel „Das internationale G ol d f ü r st e n t -u m" im Verlage von I. F. L e h - mann (München) erschienen ist. „Die wahren Anstifter des Krieges sind die jüdischen Goldfürsten. Von der Hinterhältigkeit dieser Menschen kann man sich kaum einen Begriff machen. Schon auf den: Wiener Kongreh 1815 bereiteten sie die Weltverschwörung durch das Zusammenarbeiten des jüdischen mit dem englischen Weltkapital vor und erhoben die überstaatliche Geldmacht des Hauses Rothschild auf den Thron." Die oberste Leitung der Alliance JfraAlite ist, so verrät Herr Jung, da die Natten das sinkende französische Schiff verlassen, in die Hände der Spever, Kahn, Lob, Schiff in New Dort übergegangen. — Und solche Schriften werden von einer Presse, die sich vaterländisch zu nennen traut, als Inbegriff aller Aufklärung empfohlen? H. W. Aus -er Provinz Posen, im Juli. Obornik. Der Kaufmann I. Hillel in. Berlin, ein geborener Rogasener, hat der hiesigen Shnagogengemeinde 500 Mark zur Verteilung an fünf Arme der jüdischen Gemeinde Hierselbst übersandt. — Grätz. Die Eheleute Jacob und Henriette Leiser geborene Dresel begingen das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Der Gatte ist 78, feine Ehefrau 75 Jahre alt. S'e haben drei verheiratete Söhne, drei verheiratete Töchter irnb zwölf Enkelkinder. Im Tempel fand Gottesdienst statt, an dem sämtliche zurzeit in Grätz anwesenden Gemeindemitglieder teilnahmen. Nach dem Gottesdienste war in der Wohnung des Jubelpaares Gratulationscour. Unter Führung des Vorstandes der Repräsentantenversammlung Herrn Ephraim erschien der Vorstand der Gemeinde. Herr Ephraim hielt eine Ansprache, in der er die Verdienste des Jubilars um die Gemeinde, insbesondere um die Chewra Kadischa. deren Vorsitzender er heute noch ist, hervorhob. Herr Leiser ist außerdem Mitglied des Vorstandes der Repräsentantenversarmnlungder Svnagogengemeinde. Das Jubelpaar -ist geistig und körperlich noch sehr rüstig und nimmt an allem regen Anteil. Mit tiefbewegten Wortendankte Herr Leiser allen, die ihm an seinem Juboltage Ehre erwiesen haben. — Schocken. Frau Flora Kochmann geb. Oelsner feierte ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin umaeben acht verheiratete Söhne, zwei verheiratete Töchter und elf Enkelkinder. Von den Söhnen, stehen einige im Heere, die mit Auszeichnung gegen den Feind kämpfen. Die Jubilarin ist allen hier bestehenden Wohlsahrtseinrichtungen als Mtglied angeschlosien und eifrig tätig, weshalb sie allgemein geachtet und geschlitzt wird. Dies zeigte sich bei der großen Anteilnahme an -der Jubelfeier. Der Frauenverein überbrachte in ehrender Weise seine Glückwünsche: von anderer Seite wurde der Jubelgreisin auch außerordentliche Aufmerksamkeit zuteil. Don der ausgebreiteten Verwandtschaft und großem Freundeskreise von außerhalb liefen massig Glückwunschschreiben ein. Möge Frau Kochmann noch viele Jahre ihres Glückes sich erfreuen, mit frischer Kraft und Edelsinn edle Taten vollbringen wie bisher. — Neustadt a. d. W a r -t h e. Herr Rentier Magnus Goldner, der eine lange Reihe von Jahren hier als wertgeschätzter Bürger gelebt und nach Breslau übergesiedelt ist, starb im 82. Lebensjahre. Der Dahingeschiedene war hier vielfach ehrenamtlich tätig und zeigte stets regen Eifer, das Ansehen der Stadt nach außen hin zu erhöhen und das Wohl der Gemeinde zu fördern. Der Heimgegangene wird hier allerseits in Erinnerung bleiben. Im Tempel fand eine Trauerfimdgebung statt. Zwei Söhne, im Heere stehend, erwiesen ihrem Vater die letzte Ehre. Die Leichenrede hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenrhal — Eiserne Kreuze zweiter Klasse erhielten Krankenwärter Martin Gold stein, Sohn des Kaufmanns Herrn L. Goldstein in Posen, Landsturmmann Jöhnel Back, Sohn des Herrn Hermann Back in Buk- und Kanonier Adolf Kuba aus Schrimm. — Keipziq, 12. Juli. Wegen Verstoßes gegen die Zensurverordnung hatte sich der bekannte antisemitische Schriftsteller Dr. Heinrich Pudor von hier wieder vor dem Schöffengericht zu verantworten. Am 4. Oktober 1915 hatte ihm das hiesige Generalkommando aufgegeben, zur Vermeidung der Gefahr der Aufreizung verschiedener Bevölkerungskreise seine sämtlichen schriftstellerischen Arbeiten zur Vorzensur beim Polizeiamt einzureichen. Trotzdem hat Dr. Pudor nach dem 23. April 1917 irt kurz aufeinander folgenden Fristen Auslagen seiner Zeitschrift „Deutscher Volksrat", etwa 110 bis 200 Exemplare, an Interessenten zur Versendung gebracht; in ihnen befanden sich nicht nur Artikel militärischen und sozialen Inhalts, die nicht zur Vorzensur vorgelegt waren, sondern auch solche, die schon vorher beanstandet worden waren. Wegen dieses Verstoßes und weil auch Name und Wohnort des Druckers und Herausgebers nicht angegeben waren, hatte Dr. Pudor einen Strafbefehl über 500 Mark zugestellt erhalten, gegen den er die Entscheidung des Gerichts beantragt hatte mit dem Einreden, daß sich die Anordnung der Vorzensur nur auf die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Eiserner Ring" bezogen habe. Auch habe er es für seine Gewissenspflicht gehalten, seine Ideen in der Oeffentlichkeit zur Kenntnis und zur Geltung zu bringen. In Berücksichtigung, daß Dr. Vudor sich durch seine mehrmalige Bestrafung nicht hat abhalten lasten, wieder gegen die Anordnung der Behörde zu handeln, erhöhte das Schöffengericht die Geldstrafe von 500 Mark auf 850 Mark. — Fürtk. 12. Juli. In der Sitzung des Stadtmagistrats Fürst) am 27 v. M. gab Herr Oberbürgermeister Dr. Wild mehrere Kriegsfürsorgestiftungen und -spenden bekannt. Frau Bankierswitwe Fanny H i r s ch m a n n, die früher 30 000 Mark zur Unterstützung des Mittelstandes stiftete, hat eine Zustiftung von 10 000 Mark gemacht: ihr wurden zu ihrem 70. Geburtstag, den sie demnächst feiern kann, bereits die Glückwünsche der Stadtverwaltung ausgesprochen. Zu Kriegsfürsorgezwecken haben ferner gespendet: Herr Größkaufmann Sigmund H o l z i n g e r 1000 Mark (zum -Fonds für Kriegsnotleidende aller Art) und Frau Bankierswitwe Fanny Hirschmann 3000 Mark (für das Kriegskinderheim). — Kittn, 12. Juli. Wie EnglandrussischeJuden zu Soldaten preßt, schildert ein Augenzeuge in der „Kölnischen Zeitung": Vor ungefähr 16 Monaten wurden russische, polnische und rumänische Juden im Alter von 16 bis 18 Jahren in die Gefangenenlager von Knockaloe (Jsle of Man) unter die dort internierten Deutschen, Oesterreicher und Ungarn eingeliefert. Ihre Geschichte war fast ohne Ausnahme die gleiche. Nach Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges desertierten die Neutralen wie die Engländer zu Hunderten von ihren in amerikanischen Häfen liegenden Schiffen. Viele Schisse konnten wegen Mannschaftsmangels nicht auslaufen: da griff John Bull zu einem alten bewährten Mittel: man schickte „Pressgangs" (Anwerbungsbanden) in das New Uorker Ghetto. Durch Versprechung einer Löhnung von 15 bis 25 Pfund Sterling für die einfache Reise nach Liverpool und zurück lockte man die jungen Leute, die nichts vom Seeberuf verstanden und sich der Gefahren nicht bewußt waren, auf die Schiffe. Einmal dort, mußten sie die ihnen übertragenen Arbeiten, ausführen, so gut oder schlecht es möglich war. Alle trösteten sich aber mit dem guten Verdienst und der baldigen Rückreise. Sofort nach dem Einlaufen in den Liverpooler Hafen wurden die Leute aber von der Polizei von Bord geholt und nach der Jsle of Man geschickt. Die versprochene hohe Löhnung wurde nicht ausbezahlt, so daß die Leute auf die Mildtätigkeit ihrer deutschen und österreichischen Mitgefangenen angewiesen waren. Briefe an das russische, rumänische und amerikanische Konsulat waren ohne Erfolg, sie blieben wie unsere eigenen Briefe in London liegen. Nur wenige von den Leuten waren amerikanische Bürger, fast alle waren als kleine Kinder mit ihren Eltern aus den europäischen Ghettos in das große New Uorker Ghetto übergesiedelt; ihre Sprache blieb dieselbe, nur anstatt mit russischen oder polnischen nunmehr mit amerikanischen- ,L1aug"-Brocken durchsetzt. Nach einigen Monaten wurden einige Leute, darunter solche aus Ploesti und Braila sowie aus Lodz, neu eingekleidet und ab-

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