Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 verwüsteten Städten verhungern, verkommen, wenn sie nicht bald gerettet werden. Dazu, und um das bisher Geschaffene zu erhalten und fortzuführen, genügen aber zwei Millionen nicht, die mit der letzten Bekleidungsaktion schon ganz verbraucht sind — dazu sind zehn Millionen dringend nötig. Ich fordere Pflichtbewußte Gesinnungsgenossen, jeden, der nicht herzlos ist, auf, diese Summe für diese große, wichtige Kulturaufgabe sofort aufbringen zu helfen! Numsnirrr. er. Bukarest, 12. Juli. Der Verband der eingeborenen I u den , der sich den Kampf um die bürgerliche Gleichberechtigung zur Aufgabe gemacht hat, hielt eine stark besuchte Zentralausschußsitzung ab, an der and) Vertreter der Verbandsvereine in der'Provinz teilnahmen. Die Versammlung beschloß einstimmig, sich rückhaltslos dem bereits in den Gesuchen an die Negierung und das Parlament ausgedrückten Verlangen nach endgültiger und vollständiger Lösung der Judenfrage auf Grund der gleichen Grundlagen anzuschließen, auf denen die Emanzipation der Juden in der ganzen Welt erfolgte, und erklärte im Namen der eingeborenen Juden, daß sie bereit ist, mit aller Entschiedenheit den Kampf für ihre Gleichberechtigung aufzunehmen. Zinn Schluffe wurde die Erwartung ausgedrückt, daß die Negierung und die Volksvertretung die vom König und von der früheren Negierung im Namens des Landes gegebenen Versprechungen bezüglich der vollständigen Gleichstellung der Landesbewohner jüdischen Ursprungs einhalten werden. — In der Debatte kamen teilweise sehr pessimistische Anschaungen über die Zukunft der rumänischen Juden zürn Ausdruck. Von Mah und ssrrn. — Eine T r a u e r f e i e r für den Stadtverordneten Sanitätsrat Dr. Nrrdolf Jsaac fand letzten Sonntag mittags in der Betballe des jüdischen Friedhofes in der Schönhauser Allee statt. Vom Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung waren Vertreter erschienen. Den Vorstand der Jüdischen Gemeinde vertraten Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld und Kommerzienrat Dr. Netter, die NepräsentantenversanunllM'g ihr Vorsitzender, Geheimer Regierungsrat Dr. Minden. Rabbiner Dr. W e i ß e hielt die Gedächtnisrede. Hieraus widmeten Geheimrat E a s s e l im Namen der Stadtverordnetenversammlung und Dr. W i e m e r für die Fortschrittliche Volks- Partei dem Entschlafenen warme Nachrufe. Dann wurde die Leiche nach dem Krematorium in der Gerichtstraße übergesührt und dort eingeäschert—Für jüdische Aerzte und Rechtsanwälte ist eine Reihe günstiger Niederlassungsmöglichkelten, besonders in kleinen Städten, teilweise mit Aussicht aus sehr große Praris, vorhanden. Meldungen, iedocki nur von solchen Herren, die in der Lage sind, sich sofort an den betreffenden Orten niederzulaffen. erbittet die Hauptstelle für Berufsberatung der Juden (Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens^. Berlin SW 68, Linden ftraße 13. — Herr Dr. Artbur Rosentbal. Sobn des Rabbiners Dr. Ludwig A. Rosenthal (Berlin), ist zum Rabbiner der Svnagogengemeinde Rvbnik gewählt worden. — Im Alter von 57 Jahren ist in Hirschberg i. SM. Sanitätsrat Dr. Mar Salomon verschieden. — Aus Stralsund wird uns berichtet: Offizierstellvertreter Franz I o s e p h (im Reserve- Infanterieregiment 212) wurde mit dem Eisernen Kreuz ttftet Klasie ausgezeichnet. — Dem Prediger der Svnagoopnaewein.de Münster (Westfalen), Herrn S. Keßler, wurde die Rote-Kreuz- Mcdaille dritter Klasse verkieben. — Die ..Südbannoversche Zeitung", das amtliche Organ für den Kreis Einbeck, berichtet nach dein „Vorwärts" folgendes: In der Kirche der biesigen Baptistengemeinde siebt ein großes Taufbassin. Die Polizei hatte Nachricht bekommen, daß in diesem Tausbassin ein schönes Hamsterlager verborgen sei. Sie hielt eine Revision ab und fand tatsächlich ein großes Hamsterlager vor. so sechs Zentner Hafer, einen Zentner Roggen, einen Zentner Bohnen. — Die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse erhielten in KasselFrau Kommerzienrat Selma Plaut und Frau Selma Gotthelft, Gattin des Königlichen Hofbuchdruckers Herrn Richard Gotthelft. — Nach kurzem, schwerem Leiden verschied in Darmstadt Frau Karoline E t t l i n g e r , die Gattin des B. Ettlinger. Ein junges, aber inhaltreiches Leben hat mit dem Hinscheiden dieser seltenen Frau seinen Wschluß gefunden. Das echt jüdische Haus, das sie mit ihrem gleichgesinnten Gatten errichtete, war die Stätte eifrigster Arbeit, beglückenden Friedens und gesegneter Liebestätigkeit. Hier waren die Armen und Leidenden in wahrem Wortfinn Hausgenossen und fanden leibliche und seelische Erquickung. — Aus Luzern wird geschrieben: Der „Rote Mögen Dowid" ist zurzeit wieder in der Lage, den jüdischen Kriegsgefangenen und Zivilinternierten, von Barcelona (Spanien) aus Eßwaren, Wäsche und Rauchwarenpakete zusenden zu lasten. Der Versand dieser Pakete ist unbeschränkt; sie können somit nach allen kriegführenden Staaten und in beliebiger An.zahl verschickt werden. Das Eßwarenpaket enthält: 200 Gramm Schokolade, 1 Dose Marmelade (500 Gramm), 1 Paket Haselnüsse (250 Gramm), 1 Paket Dörrobst (500 Gramm Malagatrauben). 2 Pakete Biskuits - (?50 Gramm), 1 Dose grüne Erbsen (500 Gramm). Der Preis dieses Lebensmittelpakets wird ans zirka 8 Frank zn stehen kommen. — Professor Be r gs o n in Paris dementiert laut „L/Univers isra&lite" die in viele Zeitungen übergegangene Nachricht, daß er sich entschlossen habe, an der neu zu gründenden Universität in Jerusalem zu dozieren: er sei viel zu viel mit der Universität in Paris verwachsen, als daß er sie je verlassen würde. — Die in Wien erscheinende ..Oesterreichische Wochenschrift" berichtet: Die über Veranlassung der Frau Hermine Kadi sch statt des fehlenden Brotes veranstaltete 9lben-dausspeisung nimmt ihren ungestörten Fortgang. Frau Kadrsch, die 1000 .Freikarten dem Schwarzgelben Kreuz zur Verfügung gestellt hat, wurden auf dem Karmeliterplatz in den letzten Taaen stürmische Ovationen bereitet. — Alls Budapest wird uns geschrieben: Der ungarische Philanthrop Josef v. Freund bat mit seiner Gemahlin dem Rabbiner- und Lehrerseminar ein Gebäude im Werte von 600 000 Kronen geschenkt, damit es zn einem Internat für die Zöglinge der Anstalt umgestaltet werde. Mit dieser hochherzigen Spende ist es dem Landesseminar im fünften Jahrzehnte seines Bestandes endlich ermöglicht, diese vom humanitären, religiösen und kulturellen Gesichtsvunkte gleich wichtige Institution zu schaffen und den Zöglingen ein eigenes Heim zu sichern. — In der Ukraine gibt es geaenwärtia- 63 indische Gvmnasien. In pielen ist Jiddisch die Unterrichtssprache. — Der bekannte Aegvvtoloae Professor Flinders P e t r r e, der jetzt in Jerusalem ein Arbeitsfeld gefunden bat. entwickelte nach der englischen Fachzeitschrift ,.Tbe BuÄder" kürzlich in einer Rede vor der Roval Institution of British Architects verschiedene Leitsätze über die Notwendigkeit, auf baulichem Gebiete ein neues Jerusalem zu schassen. Professor Petrie will die alte Innenstadt für alle Zukunft derart erhalten wissen, daß dort keine neuen Baulichkeiten aufaeführt werden dürfen. Dagegen sollen in einem durchschnittlichen Umkreis von zwei enalischen Meilen vom Zentrum Vorstädte mit einem elektrischen Bahnnetz untereinander entstehen. In zwei Generationen 'längstens würde dann, nach dem Vortragenden, die gesamte Bevölkerung Jerusalems in den Vorstädten wobnen. so daß die Gebäude der alten Stadt später nur noch kulturellen Zwecken zu dienen brauchten, mit Ausnahme vielleicht, eines neu zu errichtenden Heims für Piloer und alte Juden, die ihr Leben innerhalb der Mauern der Heiligen Stadt zu beschließen wünschen. — Aus dem südlichen Teil Palästinas wird gemeldet, daß die Wasserleitung und Kanalisierung in Jerusalem nunmehr durch eine englische technische Abteilung, die von Kairo berufen wurde, in Angriff genommen worden ist. Dieser Umstand wäre für die künftige Entwicklung Jerusalems von allergrößter Bedeutung, 'da diese Arbeiten als die wichtigsten Aufgaben zur Schaffung der Voraussetzungen 'eines zivilisierten . Lebens bereits lange als dringend erforderlich erkannt waren. Ferner wird gemeldet, daß Jerusalem mit allen größeren jüdischen Kolonien durch eine Eisenbahn verbunden werden wird. — Nach dem „Amerikanischen Jüdischen Jahrbuch von 1917" leben in den Vereinigten Staaten von Nordamerika etwas über drei Millionen Juden, gleich 3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die bedeutendsten jüdischen Gemeinden sind New Vork mit 1350 000 Seelen, Chicago mit 250 000 Seelen und Philadelphia mit 175 000 Seelen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin.Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.