Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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82. Jahrgang Nr. 29 Berlin, 19. Juli 1918 Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Lrirvng deK Judentums". Sorrrhwndrn?m und Kschrichtm. SklltschianL. ^.1. BeM-N', 16. Juli. Heute vollendet btx in der wissenschaftlichen Welt berühmte -und auch weiten jüdischen Kreisen wohlbekannte Geheime Medizin-alrat Professor Dr. Leopold Landau sein 7V. Lebensjahr.. 1848 in Warschau als Sohn wohlhabender Eltern geboren-, besuchte er das Gymnasium zu Breslau, wohin seine Familie 'ihren Wohnsitz verlegt hatte, studierte' Medizin in Breslau, Würzbu-rg und Berlin, um 1870 in letztgenannter Stadt sein Doktorexamen Zu machen. Nachdem er in seiner neuen Eigenschaft als Arzt noch den Deutsche-Französischen Krieg mitgemacht hatte, kehrte er nach Breslau zurück, um da zuerst als Assistent, zwei Jahre später als Privatdozent zu wirken. 1876 ließ er sich dauernd in Berlin nieder, wo er 1893 den Pvofessortitel und im Jahre 1908 das Prädikat als Geheimrat erhielt. Beide Auszeichnungen sind ihm nicht von der Berliner Universität, sondern von--der Negierung als äußere Anerkennung für seine fruchtbare Tätigkeit auf dem weiten Gebiete 'der Frauenheilkunde zuteil geworden. Nebst zahlreichen Arbeiten in wissenschaftlichen Fachblättern veröffentlichte Landau eine große Anzahl Monographien sowie einige große Werke vo-n Ewigkeitsdauer. Das wi-ffenschaftliche Material dazu mußte er selber herbeischaffen, da die Berliner Universität ihm jedwede Fördern na viersagte. Für sie blieb Landau, wie zahlreiche -andere große jü-diische Gelehrte und Forscher, immer nur der simple Privat-dozent ohne Lehrstuhl wie im Jahre 1874. Und wenn Landau nickt bloß als Forscher, sondern auch als Lehrer und Bildner der -akademischen Jugend der Wissenschaft, der Menschheit und in erster Reihe dem deutschen Volke große Dienste -erweisen konnte, so hat er es niemandem anders als sich selber -und feiner eigenen großen Energie zu verdanken. Im Jahre 1892 eröffnete Landau in -der Phrlippstraße Zu Berlin eine eigene große Frauenklinik, in der er sich zunächst das erforderliche wissenschaftli-che Lehrmaterial verschaffte. Hier hält -er seit 26 Jahren Vorlesungen, hier vermochte er Tausende wissensdurstiger Jünglinge zu unterrichten und Hunderte von Assistenten ait. tüchtigen Frauenärzten ansZubilden. Unter diesen befanden sich auch Zahlreiche Juden, die sonst vielleicht keine Möglichkeit gefunden hätten, sich in ibrem Spezialfach zu vervollkommnen. Unser Jubilar ist ein direkter Nachkomme des Rabbi Jechesk-el Landau aus Prag. jenes .gefeierten Verfassers des umfangreichen und scharfsinnigen Refvonsen Werks „Noda B'iebnda". Bekanntlich leitet Rabbi „Chazkele" Landau feinen Stammbaum aus König David zurück, und sein Urenkel, der Geheimrat Landau, ist auf seine edle Herkunft nicht wenig stolz. Er weiß aber auch, daß Adel verpflichtet, und ist bemüht, jede Ministe, die umfangreiche Praxis und noch nmfanareichere wißen schaftliche Arbeiten ihm übrig lassen, in bett Dienst des Judentums Zu stellen. Wie sehr viele hervorragende Juden in den lebten drei Dezennien, begann auch Landau zunächst sich auf dem Gebiete der Kolonisation Valästinas zu betätigen. Er trat schon im Jabre 1896 in das Zentralkomitee des Vereins ..Esrg" ein, dessen Mitglied er noch beute ist. Bald folgten andere jüdische Organisationen, und gegenwärtig dürfte es kaum noch eine irgendwie geartete Bestrebung zur Verinngung und Stärkung des Judentums geben, an der Geheimrat Landau nicht tätigen Anteil nimmt. Dahin gehört auch sein wenige Jahre vor Kriegsausbruch ausaefochtener großer Kampf gegen die Pariser Alliance. Landau ist es nickt entgangen, daß die einst so jugendliche Schöpfung des großen Cremieux jetzt völlig veraltet und wohl kaum noch zu reformieren ist. Wenn er dennoch diesen Kampf gegen das Zentralkomitee der Alliance unternahm, so geschah es nur in Hinsicht auf den großen Einfluß der Alliance auf den Verwaltunasrat der I. C. A. Diese noch ganz moderne jüdische Institution ist der Mittelpunkt aller Kolonisations- und Emigrationsbestrebungen im Judentume geworden, und es verlohnt sich wohl ein Feldzug gegen die Alliance, wenn man durch ihn Einfluß auf die I. C. A. gewinnen könnte. — Mit dem 16. Juli überschreitet Geheimrat Landau die Schwelle des Greisenalters. Unser Jubilar gehört jedoch zu den Männern, von denen der Talmud behauptet, daß sie mit den Jahren nicht altern. Er ist mit 70 Jahren erstaunlich jung geblieben. Immer noch leitet er seine große Frauenklinik und nach wie vor hält er da seine Vorlesungen und praktischen Kurse ab. Er konyte mit Kriegsausbruch sich sogar eine neue Arbeit aufbürden, indem er die Leitung des großen Reservelazaretts in Schömberg übernahm. Dabei findet er noch immer Zeit, die Sitzungen der Berliner Stadtverordnetenversammlung, deren Mitglied er seit 1903 ist, regelmäßig zu besuchen. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre in voller Frische zu wirken, der Wissenschaft zur Zier, dem Judentume zu Ruhm und Ehre! E. M. Berlin, 16. Juli. Eine Begrüßungsfeier für Rabbiner Dr. B a e ck , der nach fast vierjähriger Wirksamkeit als Feldrabbiner in seine Berliner Gemeinde znrückkehrte, fand im Rahmen des Freitagsabendgottesdienstes in der Synagoge Fasanenstraße statt. Nach dem Prediatlied bestieg Rabbiner Dr. Hoch selb die Kanzel und rief Herrn Dr. Baeck herzliche Begrüßnngsnwrte zu. in denen er das verdienstvolle Wirken, das der Heimaekehrte im Felde entfaltet hat, mit warmer Anerkennung hervorhob. Der Feldrabbiner trägt den Brüdern im feldgrauen Rock das seelische Heimatsgefühl in das Grauen des Krieges und bindet Heimat und Ferne Zn einem Ganzen. Dr. Baeck dankte mit sichtlicher Deine guna für die herzlichen Worte. Er sprach der Gemeinde und ihren Vertreternden Dank für das langbewährte Vertrauen ans nnd für die Dearüßungsstunde, die auf die Forderungen der Zukunft hinlenke. Die Gegenwart sei nur ein Uebergang von den Tagen einer friedlichen Vergangenheit zur ersehnten Zeit eines neuen Friedens, der auch der jüdischen Gemeinschaft neues Leben und neue Blüte bringen werde. Nach diesen Ansprachen nahm der Gottesdienst seinen Fortgang. In der stark besuchten Synagoge waren Vorstand und Repräsentant-enversammlung der Jüdischen Gemeinde nahezu vollzählig vertreten. Berlin, 16. Juli. Aus Anlaß seines 60. Geburtstages bat Herr Sigmund Salinger in Eharlottenb-ura. Bleibtreustraße 27. folgende jüdische Wohltätigkeitsvereine mit Spenden bedacht: 1. Dem Verein Deutscher - Stagtsbürger jüdischen Glaubens 300 Mark: 2. der Unterftützungskasse des- Brüdervereins 600 Mark: 3. dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebund 300 Mark: 4. dem Verband Deutscher Juden 300 Mark: 5. der Gesellschaft zur Fördern na der Wissenschaft des Judentums 700 Mtark: dem Verein für Indische Geschichte und Literatur 300 Mark: 7. dem Wohstättakeitsverein für indische Frauen und Mädchen 300 Mark: 8. dem Mütternnd Kinderheim. Brnnnenstraße 14. 300 Mark: 9. dem Verein zur Ansstattung bedürftwer Bräute 300 Mark: 10. der Israelitischen Taubstummenanstalt für Deutschland 300 Mark; 11. dem Verein zur Unterstützung armer Leidtragender 300 Mark. E. M. Berlin. 16. Juli. Die D a r l e h n §- -und 11 n te rstü tz u n g s k,a s s-e der Hörer der Lehranstalt ftir die Wissenschaft des Judentums. die unter -dem Protektorate des Rabbiners Professor Dr. Mapbanm an der Berliner Lehranstalt wirkt, schließt ihren 27. Jahresbericht mit einem Ges-amtvermögen von 24 1.84 Mark ab. Der Eiserne Fonds ist auf 16 300 Mark anaewachsen. die Außenstände betragen 6500 Mark. Von den 2000 Mark betragenden Einnahmen entfallen etwa 400 Mark auf Jahresbeiträge, unter denen-sich auch Subventionen auswärtiger jüdischer Gemeinden be'sindi Der Verein zählt, jetzt 73 Mitglieder. Z-u den Stiftern der Dar lehn s kaffe .gehören unter anderen der Vorstand der Jüdischen Gemeinde, die 'Synaaogengemeinde zu Böckum, das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, der Protektor der Kasse. Professor Dr. Mahbaum. und zahlreiche andere jüdische Persönlichkeiten. Auch d^r verstorbene Hermann Cohen wandte der Darlehnskasse sein warmes Interesse zu. E. M. Berlin, 16. Juli. Die Agn d a s-I i s r oe l-J u gen d- Organisation hat für Ende Juli einen Bundestag nach Würzbura einbernfen. Znr Vorbesprechung der für den Bundestag zur Beratung stehenden Fragen hielt die Berliner Jugendgruppe eine Versammlung ab, in der Herr I. S i m o n s o h n das ein-