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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-19 · Heft 29 (19.7.1918) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 29 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
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348 Büchlein, dankbar begrüßt und viel begehrt, enthielt doch nur das Allernotdürftigste und konnte aus die Dauer nicht genügen. Bei gottesdienstlichen Veranstaltungen im Felde konnte man sich,, namentlich an den Festtagen, des Buches kaum mehr bedienen. Die Foldrabbiner des Ostens waren über die Notwendigkeit der Schaffung eines neuen Feldgebetbuches einig. Und hier zeigte sich der segensreiche, versöhnende und einigende Einfluß praktischer Arbeit ohne ponnjche ^eoeuaoirchreu, leolgnch um der Sache willen. Unsere Feiorabbiner vertreten alle Richtungen des modernen Judentums. Aber Orthodoxe und Liberale haben im Felde gelernt, über religiöse Fragen unter gegenseitiger Achtung und Anerkennung der Ueberzeugung des anderen miteinander zu verhandeln und zu einer Einigung zu gelangen. So hat man die Gebetstücke in gemeinsamer Beratung ausgewahtt, und auf der Wlinaer Konferenz der Feldrabbiner des Ostens am 2. und 3. Juli 1917, an der auch ich teilnehmen durste, konnte der Armeerabbiner der 10. Armee Dr. S. Levi — jetzt Rabbiner in Mainz — einen Teil der Uebersetzung wie den Plan, die Anordnung vorlegen. Um das Buch so klein wie möglich im Format herzusteUen, mufzte darauf gesehen werden, daß kein Gebetstück zweimal abgedruckt wuroe. Anoerserts sollte nach Möglichkeit alles wesentlich Erscheinende für das ganze Jahr — mit alleiniger Ausnahme des Neujahrs- und Bersöhnungss-estes — in dem Buche nicht nur enthalten, sondern auch leicht aufzusinden sein. Sv hat man den sehr zweamäßigen Ausweg gewählt, die Gebetstücke zu numerieren und in einem Inhaltsverzeichnis die Gebetfolge unter Angabe von Gebernummern und Seitenzahl zusanunenzustellen. So findet der Soldat ohne Mühe die einzelnen Stücke jedes Gebets für seine Privatandacht, und l>eini Gviresdienst ist leicht eine Berställdigung möglich, indem der Rabbiner Nummer uno Seitenzahl vorher angrot. ^as Buch enthalt Morgen-, ^iachmittags- und Abendgebet für die Wochentage, für den Saobat das Gintrittsgebet, Abend-, Niorgen-, Acnßaf- und Nachm i-ttagsgebet, ferner die Gebete für die Neumondrage uno für die Wallsahrrs- >esre in glenl-er Art lvie für den Sabbat. fallet find die Halbfererrage der Wallfahrtsjeste noch besonders berücksichtigt. Es folgen Ghanula lind Purim und ein Sündenbekenntnis sowie Gebete zur Seelenseier für die Eltern und für die gefallenen Uamernden. GUi Ailhang enthalt vorzugsweise Gebete für die Privatandacht, z. B. „auf weiten Wegen", „vor schwerem Gang", „in kranken Tagen" usw. Tie Auswahl der Gebetstücke ist durchaus zweckentsprechend, freilich wird wohl jeder nach seinem subjettiven Empfinden besondere Wünsche haben, dies Stück gern uiissen um ein anderes ihm wertvoller erscheinendes an seine Stelle zu setzen. Aber vielleicht ist gerade das der Wert einer solchen von Männern verschiedener Art und Anschauung gemeinsam geleisteten Arbeit, daß eine Aüsrvaht zustande gekommen ist, mit der jeder sich eittverftanden erklären tanii. Die Uebersetzung-ist dagegen nicht gemeinsame Arbeit, Mau ist mit vollem Recht der Meinung gewesen, daß die Gebetbuchübersetzung etwas durchaus Einheitliches sein muß. Sie stammt aus der Feder von Dr. S. Levi, der ältere Uebersetzungen, wo sie ihm geeignet erschienen, verwendet und mit einer für diesen Zweck vielleicht überflüssigen Sorgsalt die Quelle jedesmal angegeben hat. Bei der Uebersetzung uiiserer Gebete wird es auch kaunr vorkonunen, daß man nicht im einzelnen dies oder jenes anders wünschte. Aber im allgemeinen wird jeder gern zugeben, daß der rechte Ton getroffen und daß die ost überaus schwierige Frage, ob Uebersetzung oder freie Bearbeitung, in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle glücklich gelöst ist. So ist ein Werkzeug geschaffen und mit Hilfe privater Spenden deutscher Juden in gefälliger, angemessener Ausstattung in Wilna hergestellt, das den jüdischen Soldaten der deutschen Heere zur Vertiefung und zur Befriedigung des religiösen Sinnes zu dienen überaus geeignet ist. An dem Tage, an dem die ersten Exemplare des Büchleins fertiggestellt waren, hat sein Verfasser Wilna verlassen, um aus dem Felde in den Dienst seiner Gemeinde Zurückzukehren. Er, wie die anderen Feldrabbiner des Ostens, haben sich durch die Herausgabe dieses Feldgebetbuches den Dank nicht nur der jüdischen Soldaten, sondern aller deutschen Juden erworben. Königsberg i. Pr. V o g e l st e i n. — Was bleibt vom Alten Testament? Von Herm a n n Gunkel. Verlag Valldenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1910. Gunkel, der schon in der ersten Kriegszeit in einer Schrift: „Israelitisches Heldentum und Kriegsfrömmigkeit -im Alten Testament" (1916) die Beziehung des alten Israel zum Kriegserleben dargestellt, untersucht in einer weiteren Abhandlung die Frage: „Was bleibt vom Alten Testament?" Er geht an die Frage weder als „Antisemit" noch als „Philosemit" heran, sondern er nimmt das Alte Testament menschlich (S. 5) und muß die angeschnittene Frage in aller Ruhe und mit Bestimmtheit beantivorten: „Viel, sehr viel haben wir am Alten Testament" (S. 5). Zunächst erschaut er darin „eine fast unübersehbare Fülle künstlerischer Anregung", wie aber ganz besonders ein Geschichtswerk von der reinsten Sachlichkeit; „denn in Israel war ein freier Geist zu Hause, der vor dem König nicht knechtisch in Staub fiel, sondern ihn und sein Leben in allen Einzelheiten naturgetreu abbildet". Aber auch das „Ewige" im Alten Testament hebt Gunkel in seiner Art hervor und er wird den tiesireligiösen Werten des Alten -Testaments von seinem christlichen Standpunkt aus gerecht. Nur fehlt in der Aufzählung der großen, religiösen Gedanken der „soziale Geist", der doch so viele Verordnungen und Gesetze durchweht und der gerade bei den Propheten überall zum Durchbruch gelangt. Vor ihm 'dürfte man n i e die Augen verschließen, besonders wenn man das Alte Testament „menschlich" nimmt. — Daß die israelitische Religion zu eigentlichen Dogmen (S. 23) es nicht gebracht hat, war für Israel ein Glück und wertvoll für seine Weiterbildung! Auch sonst enthält die Schrift manches, was ans dem Mund Gunkels zu hören uns -besonders freut (S. 28): die israelitische Religion ist eine ernste heilige Religion, und wir können diese Beurteilung nur mit dem Wunsche schließen, daß diese Schrift viele Leser finden möge in ihren Kreisen, damit man hier noch mehr den Wert unserer Bibel erkennt, und in christlichen Kreisen, damit man hier mit manchem Vorurteil, das die moderne Bibelkritik großgezogen, aufräume und man sich immer wieder sagt, „daß das Christentum ohne die alttestamentliche Grundlage geschichtlich gar nicht denkbar ist". F. Str. Süchereinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Aus der Zeit der deutschen Befreiungskriege 1813—1815. Zeitgenössische Drucke. Mitgeteilt von Moritz Stern. Berlin 1918, Verlag Hausfreund. Die Grundsätze des jüdisch-religiösen Liberalismus. Von Rabbiner Dr. Levkowitz, Berlin. Vortrag, gehalten im Jüdisch-liberalen Jugendverein zu Berlin. Der Jüdische Wille, Zeitschrift des Kartells jüdischer Verbindungen. Herausgeigeben vom Präsidium des K. I. V., Berlin. Goethe-Handbuch, herausgegeben von Dr. Julius Zeitler. II. Band: „Göchhausen" bis „Anthologie". 1917. I. B. Metzlersche Buchhandlung, Stuttgart. Separatdruck ans Band VI der Geschichte der Stadt Wien. Herausgegeben vom Altertumsvereine zu Wien. Das Theater 1529—1740. Von Alexander v. Weilen. Mit 11 Textillustrationen und Tafeln. Wien 1917. Verlag des Altertmnsvereins zu Wien. Druck von Adolf Holzharlsen in Wien, k. k. Hof- und Universitütsbnchdrucker. Am Hofe der Kunst von Max Grube. Verlag Grethlein u. Co., G. m. b. H., Leipzig. Sprrchlaal. Quittung. Für die galizischen Juden (vgl. Leitartikel in Nr. 28) sind eingegangen:, 100 Mark: Sigmund Salmger, Charlottenburg. 100 Mark: Ernst Wallach, Berlin. 30 Mark: Max Weiß, Berlin. 30 Mark: Professor Geiger, Berlin. 20 Mark: Dr. Knoller, Hannover. 10 Mark: Hermann Cohn, Labischin (Netze). 5 Mark: Frau Katzenstein, Detmold. 5 Mark: I. Gerftle, Mannheim. 2 Mark: I. F., Berlin. Bei der außerordentlichen Not, von der jener Artikel sprach, sind weitere reichliche Gaben sehr nötig und erwünscht. Wir würden unseren Lesern für baldige Zusendung dankbar sein. Die Redaktion.

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