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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-19 · Heft 29 (19.7.1918) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 29 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
Seite 347 (sequence 11)
Language
German
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verzogen sich ihre Lippen zu einem Lachen. — Sie lachte über ihren Brüder, der sich zu einer Ellen Dumont aufschwingen wollte, mit der ein Artur Mahner es für wert hielt, eine geheime Verabredung zu treffen! Und dann lachte sie weiter, daß sie beide, sie selbst und ihr Bruder, gerade durch diese geheime Vereinbarung eine so herbe Enttäuschung erfahrensollten. 3. Seit einer halben Stunde fuhren die Wagen ununterbrochen vor dem palastartigen Hause der Frau Mahlow vor, um die in kostbaren Pelzen und warmen Mänteln gehüllten Insassen heranzurollen. Frau Mahlow stand in der Nähe der Tür des hellerleuchteten, herrlich geschmückten Empfangsraumes, um die Ankommenden zu begrüßen. Ihr zur Seite stand Julius, unzufrieden und gelangweilt, mit Empfindungen-, die zwischen der Angst vor der Mutter und dem Verlangen, zu Ellen Dumont hinzueilen, geteilt waren, die hinter einer Palme saß, gedankenlos in einem Album mit Rheinansichten blätternd. Alice, ungewöhnlich bleich, dach scheinbar gefaßt, bewegte sich unter den Gästen. Das Mädchen mit dem feuerroten Gesicht, das so laut lachte, mit den jungen Leuten sich neckte und fortwährend an der Schleife zerrte, die ihr Haar schmückte, war Stella, Alices jüngere Schwester. Frau Mahlow blickte ungeduldig nach dem Eingang. Es war bereits eine Viertelstunde nach der festgesetzten Zeit, doch von den beiden Hauptgästen war noch keiner erschienen. Bald aber erhellten sich ihre Züge auf, als ein schwarzbärtiger, bebrillter Mann in Sicht kam, der sich mit einem steifen Lächeln der Hausfrau näherte, vor der er sich etwas linkisch und unbeholfen verbeugte. Er war kaum von mittlerer Größe und mit einer etwas schiefen Schulter behaftet, dennoch hatte jeder, der mit ihm sprach, die Empfindung, als vermöge er von erhabener Höhe auf Menschen und Dinge niederzublicken: Es war Artur Klaßner. „Ich freue mich ungemein, daß Sie gekommen sind, Herr Klaßner", begrüßte ihn Frau Mahlow liebenswürdig. „Ich komme ein wenig spät", sprach dieser, nach allen Seiten spähend. Jetzt schien er den gesuchten Gegenstand gefunden zu haben. „Jawohl, gnädige Frau! Ich habe etwas mitgebracht." erwiderte er auf eine Frage der Hausfrau, „nur weiß ich nicht, ob Sie mir dafür werden Dank wissen. Ich habe nämlich die Absicht, heute hier ein Experiment anzustellen." „Wie schrecklich!" rief sie mit komischem Entsetzen, die Hände zusammenschlagend. „Alice, hast du gehört", wandte sie sich zu ihrer Tochter, die bei einer Gruppe junger Mädchen in der Nähe.stand. „Herr Klaßner will heute mit uns ein Experiment anstellen!" „Guten Abend, Fräulein Mahlow", begrüßte Klaßner das junge Mädchen höflich, aber trocken. Es hatte den Anschein, als wollte er die Sache nicht von der scherzhaften Seite behandelt wißen. „Ich habe eine Parabel zum Vorlesen mitgebracht, die ich gestern erst niedevgeschrieben habe, und die mir, wie ich mir wohl schmeicheln darf, auch -gelungen ist." (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. — Am Hofe der K u n st. Von Max G r u be. Verlag Grethlein u. Co., G. m. b. H., Leipzig. Das vorliegende Buch, die Fortsetzung eines früher an dieser Stelle besprochenen Merkes desselben Verfassers: „Jugenderinnerungen eines Glückskindes", teilt die meisten Vorzüge, die ich bei der Besprechung dem ersten Bande nachrühmen konnte. Der wohlbekannte, viel gefeierte Schauspieler erzählt in diesem Werke die Ereignisse seines schicksalsreichen Lebens, das nur ein bißchen schneller vorwärts führt, als es in der behaglichen Breite des ersten Bandes möglich war. Es spricht von der vielfältigen Tätigkeit Grubes in Meiningen (und zwar zweimal), Berlin, als Leiter der: Düsseldorfer Festspiele und des Hamburger Theaters bis zum definitiven Abschied von der Bühne. Ein lehrreiches Buch, das für die Theater geschichte unendlich viele wichtige Beiträge bringt, unterhaltend geschrieben, völlig entfernt^ von der Selbstbeweihräucherung, in der sich so manche Schauspieler gefallen, die -ihre Memoiren schreiben, vielmehr mit starker Anerkennung anderer Talente. Da wir in den Besprechungen an dieser Stelle ian wesentlichen nur das Jüdische im Auge haben, so sei erwähnt, daß gelegentlich von Sonnenthal, Felix Philippi, Barnay, Blumenthal gesprochen^ daß einer merkwürdigen Ausführung des „Kaufmanns von Venedig" -gedacht und daß das Mossesche Haus in Berlin einmal kurz geschildert wird (S. 213 ff-.). Ein ausführlicher Abschnitt findet sich über Angela Neumann und ein sehr langer an humoristischen Einzelheiten reicher über den Schauspieler Otto Lehfeld (S. 102 bis 113). Er -ist vielleicht der ausführlichste, einem Mitstrebeniden gewidmete Abschnitt, der sich im ganzen Buche findet, und wenn er auch auf manches Bekannte hinweist, so ist er neu an originellen Bemerkungen. Ich kann also auch als Herausgeber dieser Zeitung den Band froh begrüßen, in meiner Eigenschaft als Erforscher der Theatergeschichte muß ich dem höchst erquicklichen Werke eine sehr wichtige Stelle unter den zeitgenössischen Memoirenwerkels einräumen. L. G. Separatdruck aus Band VI der „Geschichte der Stadt Wien", herausgegeben vom Altertumsverein zu Wien: „Das Theater 1529 bis 1740." Bon Alexander v. Weilen. Mit elf Textillustrationen und vier Tafeln. Wien 1917. Verlag des Altertums- Vereins zu Wien. Druck von Adolf Holzhausen in Wien, k. k. Hos- und Universitäts-Buchdrucker. Das wundervolle Werk Weilens, Prächtig gedruckt (mitten im Kriege), ein Zeugnis für die Opserwilligkeit und für die großen Geldmittel, über die ein wissenschaftlicher Verein in der österreichischen Kaiserstadt verfügt, verdient hier nur wegen zlveier Notizen eine kurze Erwähnung. Denn von jüdischen Stoffen wird in dem Werke so gut wie gar nicht gesprochen, und daß es in der Epoche von 1529 bis 1740 keine Schauspieler und Dichter jüdischen Glaubens gegeben hat, ist selbstverständlich, auch, wie es scheint, keine solchen jüdischen Ursprungs. Hervorgehoben aber muß werden, daß im 16. Jahrhundert unter den vielfachen biblische Stoffe behandelnden Stücken sich sehr viele finden, die ihren Inhalt dem Alten, Testament entnehmen. Außerdem nrag ein Titel angeführt werden, der uns an dieser Stelle interessiert. Es ist eine Hanswurstiade, die am 26. Mai (ein Jahr wird nicht angegeben, es handelt sich aber um die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts) gegeben wurde. Ter Verfasser und Komponist des Stückes ist Ferdinand Ellensonn, ein Name, aus dem man keine weiteren Schlüsse ziehen darf, und sein Stück ft'chrt den Titel: „Die durch die Wasserschleusen umsonst belagerte Stadt Amsterdam oder Die zwei schöne galante unglückliche, doch, 311letzt glückseligst bekehrte Jüdinnen mit Hanswurst, einem Feind der alten Weiber." In diesem Stück, von dem uns leider nur der Theaterzettel bekannt ist und das auf diesem als eine „wahrste Begebenheit, welche öffentlich in Druck aus-gangen und von dem Verfasser zu einer Komödie gemacht worden", bezeichnet wird, kommen unter den Dekorationen folgende vor, die für uns großes Interesse haben. „Die Judenstadt", „Das Lauberhüttenfest", „Das Zimmer der schönen Jüdin". Das Stück hatte ferner zwei Ballette, über die wir auch gern Näheres wüßten, nämlich eins von Rabbinern und Jüdinnen und sonstigen dazu kommenden Reitern und ein anderes von einem jüdischen Knaben. Es wäre von höchstem Interesse, wenn wir von diesem kulturgeschichtlich gewiß sehr wichtigen Werke Genaueres erfahren könnten. Schon wegen dieser beiden Notizen möchte ich die Aufmerksamkeit -ans Weilens, des rühmlichst bekannten Theaterforschers, ungemein gelehrte, gewissenhaft bearbeitete und trotz ihres trockenen Stoffes anziehend geschriebene Untersuchung lenken. L. G. — Jüdisches Feld gebetbuch. Fast unmittelbar nach Kriegsausbruch hat der Verband der Deutschen Juden ein kleines Feldgebetbuch herausgegeben.. In vielen Tausendenvon Exemplaren ist das kleine Büchlein unter den jüdischen Soldaten verbreitet und hat draußen im Felde vielen das religiöse Bedürfnis befriedigt oder geweckt. In ganz kleinem Format hergestellt, so daß es auch im vollbepackten Tornister mitgeführt werden konnte, ist es der Begleiter der jüdischen Soldaten auf allen Märschen und in allen Kämpfen geblieben. Die lange Dauer des Krieges hat aber auf diesem Gebiet wie auf vielen anderen n-eue Bedürfnisse hervor treten lassen. Das kleine

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